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Dornen der roten Rose

von Kajii
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Gen
Eldrie Eugeo Kirito OC (Own Character) Ronie Tiese
28.01.2020
04.05.2021
10
19.721
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19.09.2020 2.364
 
Es war kurz nach Mitternacht, als leise zwei weiße Drachen durch den Luftraum um Centoria glitten. Diese Kreaturen gehörten den ehemaligen Rittern Raion und Eldrie.

„Also, Raion, wohin genau fliegen wir?“, fragte Eugeo, der mit Tiese ebenfalls auf dem Drachen des roten Ritters saß.

„Wir sind finanziell ziemlich schlecht ausgestattet. Ich weiß aber, wo wir das eine oder andere Stück Gold finden können“

„Das beantwortet meine Frage nicht wirklich“

„Wir fliegen zum nördlichen Grenzgebirge“, gab der Ritter etwas genervt zurück.

Eugeo erinnerte sich an die Höhle in der Nähe seines Heimatdorfes, die einen gigantischen Schatz beherbergte. Diese Reichtümer waren Teil einer Legende, die jedes Kind in seinem Dorf kannte.

„Willst du etwa das Gold des Drachen stehlen!?“, fragte Eugeo empört.

„Ich werde diese zu groß geratenen Echse schon nicht umbringen, keine Sorge“

„Ich kann mir auch vorstellen, warum. Bercouli ist dir nämlich zuvorgekommen“, erzählte Eugeo, dem Raions Idee sichtlich zu missfallen schien.

„Kommandant Bercouli soll einen Drachen getötet haben? Dass ich nicht lache!“, schrie Eldrie, der sein rechtes Auge mit einem Stück Stoff verbunden hatte, durch den laut rauschenden Wind.

„Wir wissen zwar nicht, ob es wirklich er war, der das Tier umgebracht hat, aber wir können mit Sicherheit sagen, dass von ihm nicht mehr als ein Gerippe übrig ist“, mischte sich schließlich auch Kirito ein, der hinter Eldrie saß.

„Das glaube ich erst, wenn ich es mit meinen eigenen Augen sehe!“, stieß Eldrie hervor.

„Da wirst du dich wohl noch etwas gedulden müssen“, sagte Raion schließlich mit seiner gewohnt kühlen Stimme, „Wir werden wahrscheinlich noch ungefähr eine Stunde fliegen müssen. Wenn wir keinen Gegenwind bekommen, versteht sich“

„Mit einem Drachen braucht man wirklich nur eine Stunde bis nach Rulid? Zu Fuß haben wir fast ein Jahr gebraucht, um nach Centoria zu kommen“, staunte Kirito.



„Ich dachte nicht, dass wir so schnell zurückkommen würden. Ich freue mich schon, Selka und die Anderen wiederzusehen“, sagte Kirito erfreut, als er von Eldries Drache stieg. Mittlerweile waren sie vor dem Eingang der Höhle im Grenzgebirge angekommen. In der Ferne konnte man die Umrisse von Rulid in der Dunkelheit erkennen.

„Ja, du hast recht. Aber bevor wir in Erinnerung schwelgen sollten wir wohl Ronye und Tiese erklären, was hier eigentlich los ist, oder?", fragte Eugeo und drehte sich zu den Mädchen, die noch immer unglaublich verwirrt schienen.

"Ich übernehme das", sagte Raion, "Also, wir werden den Administrator ermorden, um…"

"Was!?", schrie Tiese entsetzt.

"Du bist wirklich echt schlecht in solchen Dingen", murmelte Eldrie gerade so laut, dass Raion es noch hören konnte.

"Lass mich das lieber machen", bat Eugeo und begann, den Mädchen die Geschichte der letzten paar Tage zu erzählen.

"Also… ist der Administrator böse?", fragte Ronye verunsichert.

"Genau. Sie ist eine grausame Frau, die Menschen wie Werkzeuge behandelt. Und außerdem hat sie uns allen ein Siegel eingepflanzt, das verhindert, dass wir uns gegen sie erheben", erklärte Raion.

"Hat Eldrie deswegen sein Auge verloren?"

"Genau. So kann man den Effekt brechen. Der Einzige, der kein so ein Siegel hat, ist Kirito. Aber das muss er uns ein anderes Mal in Ruhe erklären", fügte der Rosen Ritter hinzu.

"Ich glaube, ich verstehe. Also müssen wir nichts befürchten, solange wir uns nicht direkt gegen die Kirche wehren?", wollte Tiese wissen.

"Exakt. Irgendwann werdet aber auch ihr eure Siegel brechen müssen. Vorausgesetzt, ihr wollt an unserer Seite kämpfen"

"Natürlich wollen wir das! Ich gehe, wohin auch immer Eugeo-senpai geht!", entschloss sich Tiese. Eugeo sah sie nur beeindruckt an.

"In Ordnung. Dann willkommen im Team", sagte Kirito mit einem warmen Lächeln.
"Was ist mit dir Ronye?"

"Ich bleibe natürlich auch bei euch!"

"Danke, Ronye. Ich wusste, dass ich auf dich zählen kann"


„Das ist ja sehr schön und so, aber wir sollten lieber weiter machen“, behauptete Eldrie trocken.

„Ihr habt recht. Gehen wir es an“, sagte Eugeo entschlossen.

"Zuerst sollten wir aber festlegen, wie wir weiter vorgehen", behauptete Raion.

„Da hast du wahrscheinlich recht. Also, was ist der Plan?“, fragte Kirito.

„Ich bin zum Entschluss gekommen, dass die einzige Möglichkeit, diesem Reich Frieden zu bringen, voraussetzt, dass wir die Regentin niederstrecken“, erklärte Raion ohne Umschweife. Eldrie schien entsetzt, als er das hörte.
„Das können wir alleine aber ziemlich sicher nicht schaffen, so ungern ich es auch zugebe. Wenn es wenigstens nur sie alleine wäre, aber es gibt ja auch noch ihre fanatischen Anhänger“, setzte der rote Ritter fort.

„Zwei dieser Anhänger haben wir schon auf unserer Seite. Vielleicht können wir uns ja die Unterstützung von einigen der Anderen ebenfalls holen“, schlug Kirito vor, der, seit er Raion kannte, nicht mehr wirklich das Verlangen hatte, auch nur einen der Ritter zu töten.

„Das ist genau, was ich vorgeschlagen hätte. Aber ich befürchte, dass wir bei weitem nicht alle auf unsere Seite ziehen können. Also sollten wir uns auf jeden Fall für einen Kampf rüsten“

„Aber wie bereitet man sich auf so einen Kampf vor? Mit Training alleine wird das wohl nichts“, sagte Eugeo und klang besorgt.

„Genau dafür will ich den Schatz des Drachen. Von dem Gold können wir uns Proviant, Medizin und Ähnliches kaufen. Außerdem können wir einen Schmied bezahlen, der euch eine Rüstung anfertigt. Die Materialien dafür müssen wir uns allerdings selbst besorgen. Aber das wird wohl kein Problem darstellen“, erläuterte Raion seinen Plan.

„Warte mal, wir haben noch nie mit Rüstung gekämpft. Und um das zu lernen fehlt uns wahrscheinlich auch die Zeit“, wandte Kirito ein.

„Das ist mir bewusst. Aus diesem Grund will ich euch auch Rüstungen besorgen, die eure Bewegungen nur leicht bis gar nicht einschränken“

„Und woher willst du sowas bekommen? Ich bin mir nicht einmal sicher, ob sowas überhaupt existiert“

„Wir besitzen bereits zwei davon. Die Rüstungen, die von den Integrity Knights getragen werden, sind aus einem speziellen Material gefertigt, das beinahe kein Gewicht hat. Und dieses Material müssen wir in ausreichenden Mengen besorgen. Aber das ist nicht unsere erste Aufgabe“, erklärte der Ritter und legte seinen Finger zuerst auf die westliche, dann auf die östliche Seite der Karte, die er aus einer der Satteltaschen an seinem Drachen geholt hatte.
„Zuerst möchte ich zwei bestimmte Schwerter finden, die angeblichen im Westen und Osten des Landes versteckt liegen. Genauer gesagt in einem Tempel an der West-Klamm im Reich Wesderath und in einer Höhle am östlichen Tor im Reich Eastavarieth"

„Und wofür? Wir haben doch alle schon Waffen“, fragte Eugeo perplex.

„Zum einen bin ich mir nicht sicher, ob das Schwert deines Freundes die Perfect Weapon Control Art beherrscht. Also brauchen wir wahrscheinlich ein mächtigeres. Und zum anderen vermute ich, dass ich auch ein anderes Schwert brauchen werde. Zumindest, wenn die Prophezeiung stimmt, von der Eldrie uns erzählt hat“

„Du meinst, dass jemand das blaue und rote Rosenschwert zugleich tragen wird? Aber dann bräuchte ich doch auch ein zweites Schwert, oder?“, sagte Eugeo.

„Wenn ich ehrlich bin, erwarte ich, dass du meine Waffe an dich nehmen wirst“, gab Raion zu.

„Ich fühle mich zwar sehr geschmeichelt, aber das ist ziemlich unwahrscheinlich, wenn du mich fragst“

„Glaub mir, mit meiner Intuition liege ich fast immer richtig. Und sollte es doch anders kommen werden wir uns schon etwas einfallen lassen“

„Und welche Schwerter willst du finden, wenn ich fragen darf? Sind sie auch aus irgendeiner alten Legende?“, wechselte Kirito schließlich das Thema.

„Aus einer sehr Unbekannten, ja. Laut ihr ist ein Schwert dunkel wie die Nacht und das Andere hell wie der Tag“, erzählte Raion und klang, warum auch immer, etwas sehnsüchtig, „Namen haben sie allerdings keine, soweit ich weiß“

„Sollten wir uns nicht darauf konzentrieren, was vor uns liegt, wie du vorher so schön gesagt hast?“, sagte Eldrie, der offensichtlich nicht viel für solche Geschichten übrig hatte, „Besorgen wir uns zuerst das Gold, dann die Schwerter und im Anschluss die Rüstungen“

„Leider können wir am Tag nicht wirklich reisen. Sonst werden wir noch von einem dieser Ritter entdeckt. Das wird das ganze Vorhaben sicher ziemlich in die Länge ziehen. Oder wartet…“ Es schien, als hätte Kirito wieder eine seiner „genialen“ Ideen.

„Ich weiß nicht, ob ich überhaupt hören will, was du gleich sagen wirst“, lachte Eugeo.

„Wenn wir die Ritter einzeln anlocken, dann könnten wir sie doch problemlos besiegen. Räumen wir sie Einen nach dem Anderen aus dem Weg, bevor wir allen auf einmal gegenüberstehen“, schlug der Schwarze Schwertkämpfer vor.

„Das ist die dümmste…“, wollte Eldrie widersprechen, wurde aber von Raion unterbrochen.
„Das könnte sogar funktionieren“

„Also können wir unseren Weg auch am helllichten Tag fortsetzen, und locken gleichzeitig unsere Feinde aus der Reserve. Dann holen wir uns jetzt das Gold, danach fliegen wir weiter nach Westen“, fasste Eugeo den Plan zusammen.

„Gut. Dann machen wir uns auf den Weg, sobald wir das Gold haben. Bis wir wieder aus der Höhle kommen wird Solus sicher schon aufgegangen sein“, sagte Raion und rollte die alte Karte wieder zusammen.

„Warte noch kurz!“, meldete sich Eldrie zu Wort, „Ist es dir eventuell möglich, mein Auge zu ersetzen, bevor wir in die Höhle gehen? Du bist wahrscheinlich schneller, als ich“

„Stimmt. Das hätte ich fast vergessen. Entschuldigung. Halt kurz still“, bat Raion und nahm Eldrie die Augenbinde ab.
„System Call. Generate Luminous Element“, rezitierte er das Mantra und seine Fingerspitzen begannen zu leuchten. Ronye und Tiese sahen fasziniert zu.


Nur Sekunden später betrat Eldrie, nun wieder mit zwei Augen, als erster die Höhle. Hinter diesem langen, dunklen Gang verbarg sich ein gigantischer Schatz, der geradezu darauf wartete, mitgenommen zu werden. Und so machten sich die Sechs mit einem Grashalm, der heiliges Licht ausstrahlte, auf den Weg zum Grab des weißen Drachen des Nordens.


Nach einem gefühlt endlos langem Marsch durch das kalte Innere des Berges wurde der Weg langsam Breiter und vereinzelt hingen Eiszapfen von der Decke, die glitzerten wie Kristalle. Wie Eugeo wusste, bedeutete das, dass sie ihr Ziel fast erreicht hatten.


„Das ist erstaunlich“, sagte Eldrie leise, als er den Haufen von Gold und anderen Schätzen inmitten der riesigen Kammer sah. Dort lagen mehr Reichtümer, als er in seinem ganzen Leben als Ritter je gesehen hatte. Doch auf diesem Schatz lag das gigantische Gerippe eines toten Drachen, der einst den Schatz bewacht hatte. Wer stark genug war, solch ein Monstrum zu töten, musste wirklich ein Meister der Klinge sein.

„Glaubst du uns jetzt?“, fragte Eugeo, als auch er mit Tiese die Kuppel betreten hatte. Eldrie blickte nur stumm auf die Knochen. Kirito, Romye und Raion gingen währenddessen zu den glitzernden Münzen und stopften so viele davon, wie sie tragen konnte, in die Taschen, die sie mitgebracht hatten. Obwohl sie recht große Beutel mitgenommen hatten konnten sie nicht einmal ein Hundertstel des Schatzes einpacken. Doch diese Menge war weit mehr als Genug.

Als sie gerade wieder durch den Ausgang gehen wollten sah Eugeo allerdings etwas, das er eigentlich in seinem ganzen Leben nie wieder hatte sehen wollen.
„Kirito! Da kommen Goblins!“, schrie er, so laut er konnte. Seine Gefährten drehten sich ruckartig um. Aus dem anderen Gang kamen fast dreißig grüne Gestalten mit gelb leuchtenden Augen, die ihre rostigen Schwerter über ihren Köpfen schwangen.

„Die sind kein Problem für uns. Überlasst das mir und Raion“, sagte Eldrie und zog sein Schwert. Kirito und Eugeo traten ein paar Schritte zurück und der Ritter der Roten Rose warf seinen Beutel voll Gold auf die Seite, zog sein Schwert und grinste vergnügt. Alleine diese Geste schien die Monster schon einzuschüchtern. Mit einem gezielten Hieb teilte er einen Goblin in zwei Hälften. Das Blut der Kreatur verdampfte sofort auf der feurigen Klinge.

„Kirito, ich muss etwas probieren“, sagte Eugeo und zog sein geliebtes Schwert, das wie der gefrorene Boden glänzte. Tiese wollte ihn noch aufhalten, doch er rannte vor zu den Rittern, die problemlos einen Feind nach dem Anderen zerhackten.
„Jetzt! Das ist meine einzige Chance“, dachte Eugeo und rammte sein Schwert in den Boden. „System Call! Enhance Armament!“

Doch nichts geschah. Keine Lichteffekte, keine tödliche Welle aus Eis.
Während Eugeo hilflos am Boden kniete visierte ihn schon einer der Goblins mit blutrünstigen Blick an. Das Monster hob sein Schwert und setze zu einem fatalen Schlag an. Doch genau in dem Moment, als die Klinge Eugeo treffen sollte, ertönte ein dumpfes Geräusch, das klang, als hätte jemand mit einer stumpfen Axt auf die Rinde der Gigas Cedar geschlagen.

„Eugeo, steh auf!“, schrie Kirito, der die primitive Waffe im letzten Moment aufgehalten hatte. So schnell er konnte zog Eugeo sein Schwert aus dem Boden und stach es in den Hals des Goblins, der röchelnd auf den Boden sackte und in einer Lache aus Blut liegen blieb.
Während die zwei Schwertkämpfer zusammen ein einziges Monster ausgeschaltet hatten, hatten die Ritter jeweils mehr als ein Dutzend abgeschlachtet.


„Das war wirklich knapp Junge“, sagte Raion streng, während er sein Schwert zurück in die Scheide an seinem Gürtel steckte. „Ich habe dir doch gesagt, dass diese Technik nicht so leicht zu meistern ist“

„Ich weiß. Es tut mir leid. Das war eine dumme Idee“

„Oh nein, das war es nicht. Diese Aktion zeugt nämlich davon, wie entschlossen du bist, dein Ziel zu erreichen. Du versuchst sogar, das eigentlich Unmögliche. Das erinnert mich in gewisser Weise an Fräulein Alice“, sagte Eldrie, der versuchte, möglichst freundlich zu klingen, obwohl ihm sowas eigentlich nicht besonders lag.

„Alice… Ich frage mich, wann wir ihr begegnen werden“, murmelte Eugeo und sah an die gefrorene Decke, die im wenigen Licht glitzerte wie der Sternenhimmel.



Hallo zusammen!
Ich danke euch, dass ihr meine Geschichte bis hier verfolgt habt und ich hoffe, dass sie euch gefällt.
Bei diesem Kapitel muss ich mich aber für etwas entschuldigen. Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob die Namen der Reiche "Wesderath" und "Eastavarieth" stimmen. Diese Info habe ich nämlich aus SAO Alicization: Lycoris (was nicht zum offiziellen Kanon gehört). Und außerdem kenne ich nur die englischen Namen und hoffe einfach, dass diese im Deutschen gleich bleiben (ich habe auch Google befragt, allerdings keine Antwort gefunden). Sollte also jemand wissen, ob die Namen so stimmen, oder nicht, wäre ich dieser Person sehr dankbar, wenn sie mir das mitteilen könnte.

In diesem Sinne, Stay Cool und bis zum nächsten Mal!
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