27. Januar: Never surrender [by NamiraKayleighFaolan]

OneshotAbenteuer, Drama / P18
Alex Gibson Tommy
27.01.2020
27.01.2020
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Tag der Veröffentlichung
27. Januar 2020    

Zitat
"Greif an! Du musst kämpfen! Der Gewinner … überlebt. Der Verlierer stirbt."

Titel der Geschichte
Never surrender

Autorin
NamiraKayleighFaolan

Hauptcharaktere
Gibson • Tommy • Alex

Nebencharaktere
/

Pairings
/

Kommentar des Autors
Die mit * markierten Passagen sind Zitate aus dem Film.

Auch dieses Mal möchte ich Forbidden to Fly danken. Wieder einmal war sie eine große Hilfe und Stütze. Dieser OS spielt während der Szene auf dem sinkenden Schiff – und ist eine Art Preview auf eine geplante Geschichte, die sich mit der Vergangenheit einiger der Soldaten befassen wird. Auch dafür möchte ich FtF danken, der Plotbunny ist recht happy (und gefrässig). Das Zitat habe ich teilweise wörtlich, teilweise als Rahmenhandlung verarbeitet



Mit einem Fuß im Grab zu stehen.
Welch eine Freude.
Welch eine Wonne.


Das Plätschern des Wassers in seinem Rücken übertönte den dumpfen Nachhall der Schüsse. Aus weit aufgerissenen Augen starrte er in die bleichen Gesichter der Männer, mit denen er hier unten gefangen war. Seine Hand schmerzte, die Munition war scharfkantig, bohrte sich unbarmherzig in seine Haut. Blut klebte an seinen Fingern. Es blieb keine Zeit, um es abzuwischen, genauso wie es keine Zeit gab, die vor Dreck starre, muffige Uniform zu waschen. Und auch die Körperpflege musste in diesen Tagen eine zweitrangige Priorität einnehmen. Alles was blieb und wichtig war, war das blanke Überleben. Eiskalt. Unbarmherzig. Erneut war es ihren Feinden gelungen, sie in die Falle zu locken. Er biss die Zähne zusammen, wandte den Blick ab.

Wasser sammelte sich zu seinen Füßen, sickerte durch die Schuhe, eroberte sich gnadenlos jeden Fleck des getroffenen Schiffs. Er musste nicht zurücksehen, um zu verstehen, dass sie keine Chance mehr hatten, dass ihre Flucht gescheitert war. Die Wand hinter ihm war durchlöchert. Wie frische, blutende Wunden klafften die Einschusslöcher in dem alten, rostigen Metall.

Seine Glieder fühlten sich taub an. Das kalte Wasser lähmte seine Nerven. Es war ein Gegner, den sie unterschätzt hatten. Alles, was wichtig gewesen war, war die Heimat.
Welche Heimat …?
Er konnte nichts gegen die Verbitterung machen. Sein Heim existierte nicht mehr. Seine Familie – ausgelöscht binnen weniger Augenblicke. Die Schüsse erinnerten ihn daran. Genauso wie an den armen Soldaten, dessen Identität er nun trug.

Gibson …

Engländer. Jung. Ambitioniert. Talentiert. Auch wenn sie auf den ersten Blick wenig gemein hatten, so verband sie eine weitaus tiefergehende Geschichte … ihre Vergangenheit war voller Schnittstellen und selbst jetzt überkam es ihn eiskalt, wenn er an den Moment zurückdachte, als sich ihre Wege in Dünkirchen abermals gekreuzt hatten.

Leider schreibt das Leben eigene, grausame Geschichten …

Es war alles schnell gegangen. Der Tod war in ihrem Leben allgegenwärtig. Ein faulig riechender Schatten, getarnt in Gewehrschüssen, Torpedos und Explosionen. Sein Blick wanderte nach oben. Das Deck des Schiffs versperrte den Blick in den Himmel, doch selbst hier unten wusste er, dass der Krieg noch lange nicht entschieden war.

Und er hatte andere Probleme, als dem klaren Sommerhimmel seiner Kindheit nachzutrauern.

Mittlerweile konnte er seine Füße nicht mehr sehen. Instinktiv zog er die Jacke enger um sich, auch wenn es keinen Nutzen abwarf.

„Wir sinken!“*

Ach was …

„Müssen Ballast abwerfen! Jetzt!“*

Plötzlich stand Alex vor ihm, in den erschöpften Augen loderte ein Feuer; ihn überkam es eiskalt – und er wusste, dass es nicht mehr vom Wasser herrührte, das unerbittlich sein Territorium ausweitete.

Hass … wenn Blicke töten könnten …

„Und ich weiß auch schon, wer sich freiwillig melden wird!“*

Er sah es nicht kommen und verfluchte sich im nächsten Moment dafür. Trotz der Erschöpfung besaß Alex noch viel zu viel Kraft. Gnadenlos packte er ihn am Kragen.

Lass mich los!

Kein Wort verließ seine Lippen, lediglich seine Wehrversuche offenbarten, dass er nicht vorhatte, sich freiwillig den Feinden auszuliefern.

Lieber Ertrinken als im Kugelhagel umkommen …

Er konnte nichts gegen das dumpfe Gefühl in seinem Inneren machen. Es war keine Angst. Keine Panik. Nicht wirklich. Eher das Erinnern an damals.

Schüsse. Schreie. Blut.

Überall.
Ihre fallenden Körper, durchlöchert, vernichtet.

Wieder.
Blut. Schwere. Kälte.

Er biss die Zähne zusammen, zwang sich, seinen Oberkörper nach vorne zu bewegen. Alex stolperte nach hinten, überrascht von seinem Ausbruch aus der passiven Haltung. Doch nicht lange. Schneller als ihm lieb war, fing der andere Soldat sich wieder, stürzte sich erneut auf ihn.

„Alex!“
Tommy. Sein Freund versuchte zu intervenieren, zu schlichten und eine Eskalation zwischen Alex und ihm zu verhindern. Vergeblich. Es hielt Alex nicht auf. Mit Wucht prallte der Soldat gegen ihn, sie fielen nach hinten, gegen die Wand.

Den Halt verlieren. Ausrutschen.

Er schnappte nach Luft, konnte sich ein schmerzvolles Keuchen nicht verkneifen. Seine Welt verschwamm zu einer nicht definierbaren Masse, wurde klarer, verschwamm wieder.

„Steh auf!“ Jemand zog ihn auf die Beine, gnadenlos, obwohl alle Muskeln protestierten. Er blinzelte, sah wie Tommy sich abwandte und den anderen Soldaten ins Visier nahm, ihn davon abhielt, sich erneut auf ihn zu stürzen.
„Was soll das, Alex? Wir müssen zusammenhalten!“
„Er ist ein Spion! Ist euch überhaupt aufgefallen, dass er noch kein einziges Wort gesagt hat?“*
„Und?“
„Er kennt unsere Sprache nicht, ist vermutlich nicht einmal Gibson und jetzt lass mich los!“

Scheiße …
Er hatte mit allem gerechnet. In den letzten Stunden hatten Gibson und er lange über alles geredet … dort am Strand von Dünkirchen, als ihre Welt den Wirren des Krieges noch standgehalten hatte. Über alte Zeiten hatten sie geredet, über damals, als alles noch in Ordnung gewesen war und ihre größte Sorge darin bestanden hatte, beim Blödsinnmachen nicht erwischt zu werden. Der Krieg hatte sie gezwungen, erwachsen zu werden, doch die Leichtigkeit ihrer Jugendzeit hatten sie nicht verloren. Zwischen ihm und dem Engländer hatte einfach diese Verbindung existiert – und als er im Sterben lag, hatte sein Freund fast schon danach verlangt, dass er seinen Namen annahm und aus Dünkirchen verschwand. Doch all diese Gespräche hatten ihn hierauf nicht vorbereitet …

Mit zusammengebissenen Zähnen lehnte er sich gegen die Wand, ignorierte das Pochen in seinem Hinterkopf, das klebrige Gefühl in seinen Haaren oder die Tatsache, dass auch seine Arme langsam taub wurden.

„Ich …“, seine Stimme hatte er lange nicht mehr benutzt, dementsprechend rau klang sie auch. Und doch … so morbide es auch in seinen Ohren klang, dieses eine Wort schlug ein wie eine Bombe. Er schluckte; jeder Blick fühlte sich plötzlich wie ein Granatsplitter an, der sich immer tiefer in die Haut bohrte. Seine Zähne schlugen schmerzhaft aufeinander.
Sei still …
„Ich … bin … kein … Deutscher …“ Auch wenn Gibson früher oft versucht hatte, ihm die englische Sprache nahe- und beizubringen, so fiel das Sprechen ihm noch immer schwer. Er musste lange über die Worte nachdenken, die schlussendlich unbeholfen über seine Lippen kamen. Dazu noch die Kälte und die Angst … all das war nicht gerade förderlich für eine Konversation in einer doch unvertrauten Sprache. Doch ein Gefühl zwang ihn, nicht in seine Muttersprache zu flüchten. Gegen den Akzent konnte er jedoch nichts ausrichten.

„Ein Franzose! Noch besser!“* Hätte er noch genügend Kraft besessen und wäre die Situation nicht so angespannt, er nicht am Ende seiner Kräfte, hätte er die Augen verdreht. Alex benahm sich wahrlich wie ein Kleinkind, dem man das Spielzeug weggenommen hatte. Dabei sollten sie doch zusammenhalten! Gegen die Krauts und vor allem endlich einen Weg hier rausfinden. Sie hatten bereits viel zu viele Männer verloren, da mussten sie doch nicht weiter Russisch Roulette spielen! Nur schien das irgendwie bei seinen Kameraden nicht anzukommen. Sie starrten ihn an, während das Wasser immer weiter stieg.

Und als wäre es nicht genug, wurde in diesem Moment das Feuer erneut eröffnet. Gnadenlos prasselten die Salven auf sie ein, durchbrachen das Metall abermals. Wieder warfen sie sich zu Boden, fielen übereinander. Schmerz. Kälte. Blut. Schreie. Es war ein nie endender Teufelskreis.

„Ach verdammte Scheiße! Los jetzt! Zur Leiter!“ Er würde diese Stimme nie wieder vergessen, ebenso wenig wie den Hass, der von Alex ausging. Selbst in dieser Stunde verkannte er den wahren Feind.

Die Luft wurde aus seiner Lunge gepresst; die Panik der Männer kannte kein Halten mehr. War noch Minuten zuvor noch genügend Atemluft vorhanden gewesen, um sich anzuschreien und gegenseitig zu beschuldigen, so übernahm von nun an nur noch der blanke Kampf ums Überleben, der Drang nach Hause zurückzukehren das Ruder. Es gab keine Bande mehr, keine Rücksichtnahme. Die Soldaten, die nicht getroffen waren, die noch genügend Kraft hatten, vergaßen alle Achtsamkeit. Er konnte es ihnen nicht verübeln, auch wenn die Luft immer knapper wurde, das Gewicht des getroffenen Soldaten über ihm immer schwerer. Er konnte sich nicht befreien, schloss die Augen.

„Du musst kämpfen! Wenigstens einer von uns muss überleben … die Verlierer sterben, die Gewinner überleben!“

Die Stimme drang dumpf aus seinem schwindenden Unterbewusstsein, während das Wasser ihn genauso gnadenlos bezwang wie die schweren Männer, die über ihn zur Leiter krochen. Er konnte niemandem mehr standhalten.

Verzeih mir Gibson … ich habe es nicht geschafft …





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Etwas verspätet kommt hier nun mein Nachwort: Obwohl ich das Fandom nicht kenne, hat mir diese Geschichte sehr gefallen. Ira schafft hier eine wunderbare Atmosphäre, die die Stimmung des Protagonisten wirklich gut einfängt und darstellt. Das ist sehr gut gemacht.

Eure lula-chan
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