Wo gehen Ideen hin, wenn sie sterben?

GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P16 Slash
24.01.2020
30.05.2020
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14.02.2020 2.920
 
Kapitel 7: Wichtiger als ein Name

Ein gewöhnliches Leben. Die letzten drei Tage, die Tenebris in Overloaded Clouds verbracht hatte, sahen für ihn dann schon eher nach einem gewöhnlichen Leben aus, als dass was er an seinem zweiten Tag an diesem Ort erlebt hatte.
Er hatte in diesen Tagen nichts Besonderes gemacht. Früh morgens war er aufgestanden, hatte geduscht und war anschließend frühstücken gegangen – einmal sogar zusammen mit Nemo! Tenebris hatte sich die Zeit genommen, sich in Overloaded Clouds etwas genauer umzusehen, wobei er auf zahlreiche, wirklich interessante Orte gestoßen war.
Er hatte nicht nur der Frostinsel einen Besuch abgestattet, auch hatte er bei Naimas zu Hause vorbeigeschaut, die zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht dort gewesen war. Stattdessen war er auf ihre zwei Mitbewohnerinnen gestoßen, mit denen er sich kurz unterhalten hatte.
Mittlerweile war es Tenebris‘ sechster Tag in Overloaded Clouds. Über diese Zeit hatte er nicht nur feststellen müssen, dass er all die Orte voller Leben wirklich gerne besuchte und sich mit Freude unter den unzähligen Menschen aufhielt und dabei zu sah, wie jeder auf seine Art sein Leben lebte; er hatte auch erfahren, dass er es wirklich schätzte, ab und an alleine zu sein. Tenebris hatte einen wirklich schönen Ort gefunden. Zahlreiche Inseln schwebten über den sogenannten Hauptinseln von Overloaded Clouds; auf einer von ihnen befand sich ein See.
Zu gerne ließ sich Tenebris in dem grünen Gras nieder, welches den See umgab und genoss einfach die Ruhe, die dort oben herrschte. Natürlich war er nicht der einzige an diesem Ort, doch auch die anderen Ideen schienen aus demselben Grund dort hoch zu kommen, wie er, weswegen auch sie kaum einen Laut von sich gaben.
Auch an diesem Tag hatte sich Tenebris zu besagter Insel begeben. Nur in der Ferne hörte er leise die Stimmen der Menschen, die auf der Insel unter ihm miteinander sprachen. Ab und an war das Zwitschern einiger Vögel zu vernehmen, doch ansonsten war es still. Über sich erblickte er den blauen Himmel, durch welchen sich zahlreiche weiße Wolken zogen, die ab und an die hellleuchtende Sonne verdeckten. Auch über der Insel auf welcher sich Tenebris momentan befand, konnte er noch einige kleinere Insel ausmachen und mittlerweile stellte er sich die Frage, aus wie vielen Inseln Overloaded Clouds eigentlich bestand.
»Wundert mich nicht, dass du einen solchen Ort aufsuchst, wenn du alleine sein willst, Normalo«, ertönte eine bekannte Stimme in Tenebris‘ unmittelbarer Nähe, weswegen Angesprochener sofort aufschreckte und sich umsah. Er hatte sich gewünscht, die Stimme wäre nur Einbildung gewesen; unglücklicherweise irrte er sich und entdeckte nur wenige Meter von sich entfernt am Rande der Insel das Mädchen mit den Katzenohren. Ihre Beine baumelten fröhlich vom Rande der Insel und als sie sich zu Tenebris umwandte, zierte ein freudiges Lächeln ihre  schmalen Lippen. »Schön dich wiederzusehen!«
»Beruht nicht auf Gegenseitigkeit …«, murmelte Tenebris und dass ihn diese Verrückte doch tatsächlich gefunden hatte, beunruhigte ihn. Er hatte sie doch eigentlich meiden wollen.
»Ich war richtig traurig, als du einfach so gegangen bist! Nicht einmal meinen Rekord habe ich brechen können. Unser kleines Gespräch zwischendurch hat mich einiges an Zeit gekostet«, erzählte sie und konnte ein niedergeschlagenes Seufzen nicht unterdrücken. Tenebris erinnerte sich an ihren gemeinsamen Aufenthalt in der Apokalypse-Welt zurück und konnte ehrlich gesagt nicht ganz verstehen, warum ihre Unterhaltung sie Zeit gekostet haben sollte. Denn selbst als sie miteinander gesprochen hatten, hatte das Mädchen ja nicht damit aufgehört ein Monster nach dem anderen aus der Entfernung umzulegen.
»Für dich war das alles nur ein Spiel, oder?«, sprach Tenebris und ging dabei nicht auf die Worte seiner Gesprächspartnerin ein. Irritiert legte diese den Kopf schief, ehe sie zu einer Antwort ansetzte: »Natürlich war das nur ein Spiel! Für die meisten Ideen, die dort hingehen ist es das! Es gibt wohl kaum eine Welt, die unvollkommener ist als Apokalypse!«
»Wie meinst du das denn jetzt wieder?«, hakte Tenebris verwirrt nach und erneut kam über die Lippen des Mädchens ein Seufzen. Sie schwang ihre Beine zurück auf die Insel ehe sie ein Stück an Tenebris herankroch und dann zu einer Erklärung ansetzte: »Die Geschichte der Charaktere, die in dieser Welt leben, ist nicht allzu lang. Wenn du es genau wissen willst: Nur 26 Minuten!«
»26 Minuten?«, wiederholte Tenebris verblüfft, woraufhin das Mädchen nickte.
»Alles, was sich für diese Welt erdachte wurde, war, dass sich die Menschen nach und nach in diese bösartigen Kreaturen verwandeln und dass die drei Hauptcharaktere der Geschichte … na ja … das eben mit eigenen Augen zu sehen bekommen und später mit dem Zug fliehen. Das wars. Mehr gabs nicht. Ist auch nicht viel besser, als gar keine Hintergrundgeschichte zu besitzen, richtig?«
Tenebris musste dem Mädchen tatsächlich zustimmen. Er persönlich fand es sogar angenehmer, keine Geschichte zu haben, anstelle vor diesen Monstern davonrennen zu müssen.
»Da von der Geschichte nicht mehr existiert als dieses kleine bisschen, gibt es eben nicht mehr zu sehen als das. Nach Ablauf der 26 Minuten, beginnt die Geschichte wieder von vorne«, fuhr das Mädchen fort und Tenebris schien nun zu verstehen.
»Wie bei einer Zeitschleife? Die Geschichte wiederholt sich immer und immer wieder? Die Menschen werden also immer wieder zu Monstern und egal was Ideen wie wir, die sich dazu entscheiden dieser Welt einen Besuch abzustatten, tun, es hat keinen Einfluss auf die Geschehnisse«, sprach Tenebris und das Mädchen symbolisierte ihm mit einem Daumen hoch, dass er recht hatte.
»Korrekt! Bist gar nicht so dumm, wie du aussiehst!«, gab sie grinsend zurück. »Es spielt absolut keine Rolle, wie viele dieser Kreaturen ich töte. Wenn die Zeit abgelaufen ist, werden sie alle wieder gewöhnliche Menschen sein, die erneut zu Monstern werden. Und ich habe die Chance, sie erneut zu erledigen. Und bevor du dich jetzt fragst, wie das für uns mit dem Sterben funktioniert: Wäre einer von uns in dieser Welt draufgegangen, wären wir nach ablaufen der Zeit einfach wieder dort gelandet. So einfach ist das.«
»Wie bei einem Spiel …«, führte Tenebris ihren Gedankengang zu Ende. Ob die Tatsache, dass sich die Ereignisse dieser Welt immerzu wiederholten und die Taten des Mädchens so ungeschehen machten, nun etwas Gutes war, war für Tenebris noch nicht ganz klar. Immerhin änderte das nichts daran, dass es ihr scheinbar Freude bereitete ehemalige Menschen zu töten, auch wenn es deren Bestimmung war, zu Monstern zu werden. Aber immerhin verstand er nun, was das Mädchen und Naima gemeint hatten, als sie sagten, er könne nicht sterben.
»Was denkst du, warum ich immerzu in diese Welt gehe?«, setzte Tenebris‘ Gesprächspartnerin nun zu einer Frage an, vermutlich da sie Tenebris‘ doch recht besorgten Gesichtsausdruck bemerkt hatte.
»Weil es dir Freude bereitet?«, gab Angesprochener sofort zurück, seine Antwort klang jedoch mehr nach einer Frage als nach einer Aussage.
»Auch. Und weil es in dieser Welt keine Rolle spielt! Ich besitze zwar eine Hintergrundgeschichte, aber keine Welt aus der ich komme. Merkwürdige Kreaturen aus dem Weg zu räumen, die es auf das Leben unschuldiger Menschen abgesehen haben, ist meine Bestimmung. Und die kann ich nun mal am besten in Apokalypse erfüllen«, erklärte das Mädchen und Tenebris nickte verstehend. Er hatte gar nicht in Erwägung gezogen, dass seine Gegenüber nur das tat, was ihre Hintergrundgeschichte für sie vorgesehen hatte. Doch wenn eben genau das der Fall war, konnte er ihre Handlungen schon irgendwie nachvollziehen. Auch wenn er sie nicht zu 100 Prozent gut hieß.
»Wie heißt du?«, stellte Tenebris nun die Frage, die ihn bereits seit einigen Tagen auf der Zunge brannte und welche das Mädchen augenscheinlich sehr zu amüsieren schien.
»Du hast mir doch bestimmt bereits einen Spitznamen verpasst, als du deinem Freund von mir erzählt hast!«, gab sie zurück und Tenebris konnte nicht glauben, dass sie davon wusste. Oder hatte sie nur geraten?
»Woher weißt du von-«, setzte er zum Sprechen an, während ihm gedanklich in den Sinn kam, dass ihn das Mädchen auch hätte beobachten können. Doch warum sollte sie etwas dergleichen tun?
»Ich hab euch gesehen. Dich und den Jungen ohne Namen … Ihr scheint einander ja richtig gerne zu haben!«, unterbrach sie ihn und konnte sich dabei ein Kichern nicht verkneifen.
»Nenn ihn nicht so«, ergriff Tenebris erneut das Wort. Dass seine Gesprächspartnerin Nemo als namenlos betitelte, gefiel ihm überhaupt nicht.
»Huh? Du meinst Junge ohne Name? Aber wenn es doch stimmt! Unsere Schöpferin hat ihm nun mal keinen Namen gegeben. Und was ist ein Name schon wert, wenn man ihn sich selber gibt?«, erzählte das Mädchen und warf in Tenebris erneut einige Fragen auf, weswegen er sofort nachhakte: »Er hat ihn sich selber gegeben?«
»Das ist richtig.« Das Mädchen nickte noch zusätzlich als Bestätigung. »Doch was ich dir eben erzählt habe, wusste er wohl auch selber, weswegen er diesen unfassbar passenden Namen für sich gewählt hat!«
»Was meinst du damit?«, kam es erneut fragend über Tenebris‘ Lippen und seine Worte entlockten dem Mädchen zum wiederholten Male ein Kichern. Es amüsierte sie wirklich, wie neugierig Tenebris doch war. Das hatte sie nicht nur in ihren Unterhaltungen miteinander mitbekommen. Auch in den vergangenen Tagen, als sie Tenebris das ein oder andere Mal zufällig in den Straßen von Overloaded Clouds erblickt hatte, war ihr aufgefallen, dass die Ideen, mit denen Tenebris sich umgeben hatte, ständig am Erzählen und Erklären waren.
»Dein Name ist lateinisch, wusstet du das?«, stellte das Mädchen eine Gegenfrage und Tenebris nickte.
»Nemo hat es mir erzählt.«
»War zu erwarten … Sein Name ist ebenfalls lateinisch und beschreibt perfekt wer oder was er eigentlich ist!« Noch immer umspielte ein Lächeln die Lippen des Mädchens. Sie erhob sich nun und trat an den Rand der Insel. Tenebris glaubte bereits, sie würde sich aus dem Staub machen und ihn ohne eine Antwort zurücklassen. Erstaunlicherweise setzte die Verrückte vor ihrem Abgang jedoch ein letztes Mal zum Sprechen an: »Genau wie sein Name es vermuten lässt, ist er nichts weiter als ein Niemand.«
Tenebris wollte sich aufrappeln, seine Hand austrecken und versuchen das Mädchen noch irgendwie zu fassen zu bekommen. Ein einfaches »Warte!« kam über seine Lippen, als die Verrückte von der Insel sprang, doch als er sich tatsächlich aufgerafft und zum Rand der Insel geeilt war, war von ihr bereits jede Spur verschwunden.
»Nenn ihn nicht so«, wisperte Tenebris, obwohl er wusste, dass das Mädchen ihn nicht mehr hören konnte. Trotzdem hatte er das Gefühl, diese Worte aussprechen zu müssen. Nemo war kein Niemand, auch nicht wenn sein Name diese Bedeutung trug.
Tenebris konnte nicht anders, als seine Hände zu Fäusten zu ballen. Die Worte des Mädchens machten ihn wütend. Und dass sie einfach so verschwunden war, hatte die ganze Situation auch nicht viel besser gemacht.
»Er ist kein Niemand«, sprach Tenebris und senkte nun den Blick. »Wenn er es ist, dann bin ich es auch. Dann sind wir alle niemand.«
Jedem von ihnen fehlte etwas. Es musste ja nicht einmal der Name sein. Tenebris fehlte seine Augenfarbe, einige Ideen besaßen keine Vergangenheit und manche hatten keine Welt, in der sie hätten leben sollen. Doch das Allerwichtigste, dass besaß keiner von ihnen: Die Verbindung zu ihrer Schöpferin.
Und in gewisser Weise machte das jede einzelne dieser Ideen zu niemanden.
Aufgebracht trat Tenebris nun seinen Weg nach Hause an. Dabei wollten ihn die Worte der Verrückten einfach nicht loslassen. Vor allem aber begann er damit sich Sorgen um Nemo zu machen. Das Mädchen hatte Tenebris gegenüber erwähnt, dass sich Nemo der Bedeutung seines Namens bewusst gewesen war, als er sich diesen gegeben hatte. Hielt sich Nemo also tatsächlich für einen Niemand? Dachte er möglicherweise, er wäre nichts wert?
Tenebris‘ Schritte beschleunigten sich von Minute zu Minute, sodass er schon bald zu rennen begonnen hatte. Das Atmen fiel ihm mit der Zeit schwer, doch er hielt nicht an, was ihm von diversen Bewohnern von Overloaded Clouds einige irritierte Blicke einbrachte.
Mit Nemo war im Augenblick alles in Ordnung, da war sich Tenebris sicher. Doch wenn sein Freund tatsächlich so von sich dachte, dann wollte Tenebris so schnell wie möglich zu ihm und ihm sagen, dass er sich irrte.
Völlig außer Atem kam er vor der Tür von Nemos Zuhause zum Stehen, zögerte jedoch keine Sekunde und drückte auf die Klingel. Es dauerte nur wenige Sekunden, da wurde die Tür auch schon geöffnet und Nemo kam dahinter zum Vorschein.
»Tenebris, ist alles oka-«, setzte Nemo zum Sprechen an, kaum dass er den Zustand bemerkt hatte, in welchem sich sein Freund befand. Dieser ließ ihn jedoch nicht einmal zu Ende sprechen und ergriff mit erhobener Stimme das Wort: »Du bist kein Niemand, Nemo!«
Überraschung machte sich auf Nemos Gesichtszügen breit, als Tenebris‘ Worte an seine Ohren drangen. Dabei entging es Nemo keineswegs, dass sich in den farblosen Augen seines Freundes Tränen sammelten.
»Du bist nicht wertlos! Du bist ein toller Junge, ein großartiger Freund und ganz bestimmt kein Niemand! Nur weil dir etwas fehlt, heißt das nicht, dass du keine Daseinsberechtigung hast! Und das ist auch gut so, denn ich bin froh, dass du hier bist!« Ein Schluchzen drang über Tenebris Lippen und einige Weitere sollten folgen, weswegen Tenebris sofort die Hände vor den Mund schlug, um besagte Laute zu dämpfen. Zeitgleich begannen sich einige Tränen ihren Weg über seine Wangen zu suchen, doch noch bevor er überhaupt hatte versuchen können, sie sich aus dem Gesicht zu wischen, da hatte Nemo auch schon die nicht gerade große Distanz zu Tenebris überwunden und diesen in seine Arme gezogen.
»Tut mir leid«, wisperte Nemo, als sein Freund nun noch schlimmer zu Schluchzen begann und sich zuerst zaghaft, dann jedoch fast schon ängstlich an ihm festklammerte. »Hätte ich gewusst, dass dich das so sehr bedrückt, hätte ich dir von dieser Sache erzählt.«
Sanft strichen Nemos Finger durch Tenebris‘ dunkles Haar, welches dieser erstaunlicherweise mal nicht zu einem Zopf zusammengebunden hatte. Seine andere Hand ruhte auf Tenebris‘ Rücken und auch seine Finger hatten sich fast schon ein wenig ängstlich in der Jacke seines Freundes festgekrallt.
»Damals dachte ich wirklich, ich wäre ein Niemand. Ich glaubte, ich wäre nichts wert und dieser Junge, dem es so erging wie mir, tat nichts anderes, als mir - was das anging - ständig zuzustimmen. Ich dachte, ich wäre wie er …«, erzählte Nemo und während Tenebris versuchte, sich auf die Stimme des anderen zu konzentrieren, ließen auch seine Tränen langsam nach. »Aber ich war nicht wie er. Und ich war auch kein Niemand. Mittlerweile weiß ich das.«
Tenebris fiel ein Stein vom Herzen, als er Nemo diese Worte aussprechen hörte. Die vorherige Anspannung wich aus seinem Körper, den Griff um seinen Freund lockerte er jedoch nicht komplett. Auch Nemo war nicht entgangen, dass sein Freund sichtlich über seine Worte erleichtert war, denn dass Tenebris in Nemos Armen zusammengesackt war, hatte er wohl kaum nicht bemerken können.
»Mein Name mag nicht länger für das Stehen, als was ich mich einst sah, aber das heißt nicht, dass ich mir einfach so einen anderen geben sollte«, sprach Nemo weiter. »Ich bin nun mal, wer ich bin und inzwischen ist dieser Name ein Teil von mir. Gerade weil ich weiß,  dass ich jemand bin, kann ich mich ohne Probleme als Nemo vorstellen. Natürlich ist es traurig, dass mir meine Schöpferin nie einen Namen gab, aber jetzt darüber nachzudenken, ändert an dieser Tatsache auch nichts. Das alles ist okay … Denn jetzt bist du ja hier.«
Überrascht sah Tenebris zu seinem Freund auf, auf dessen Lippen sich ein sanftes Lächeln gelegt hatte.
»Es gibt wichtigere Dinge als einen Namen, oder? Freunde zum Beispiel! Du bist mir wichtiger, als es die Bedeutung oder gar die Existenz eines Namens jemals sein könnte«, versicherte Nemo Tenebris, dessen Pupillen bei den Worten seines Freundes um einiges größer wurden. »Es ist wirklich schön zu wissen, dass es jemanden gibt, der sich Sorgen um mich macht.«
Auch auf Tenebris Lippen schlich sich nun ein kleines Lächeln. Seine Tränen wahren indes vollkommen versiegt und auch die Spuren, welche die Tränen zuvor auf Tenebris‘ Wangen hinterlassen hatten, wurden nun von Nemo beseitigt, der mit seinen Fingern vorsichtig über die Wangen seines Freundes strich.
»Alles wieder gut?«, erkundigte Nemo sich. Erst nach einem zaghaften Nicken setzte Tenebris zu einer Antwort an: »Ja. Tut mir leid, wenn ich etwas überreagiert habe.«
»Hast du nicht«, erwiderte Nemo und konnte sich ein kleines, amüsiertes Kichern nicht verkneifen. »Wie gesagt, es ist schön zu wissen, dass es jemanden gibt, der sich um mich sorgt ... Möchtest du  mit rein kommen? Ich könnte uns einen Tee machen.«
»Gerne.«
Tenebris fühlte sich um einiges besser als noch Minuten zuvor. Sein Gespräch mit der Verrückten hatte ihn aufgewühlt, doch Nemo hatte es in Null Komma Nichts geschafft, ihn wieder zu beruhigen. Dabei waren es eben nicht nur Nemos Worte an sich gewesen, mit denen er Tenebris versichert hatte, dass er sich eben nicht als wertlos ansah, sondern auch Nemos komplette Art.
Tenebris erinnerte sich an die Worte seines Freundes zurück, welche er nur Tage zuvor mit ihm geteilt hatte: »Ich möchte nicht … dass dir etwas Schlimmes passiert und du dich zum Schlechten entwickelst.«
Als Nemo von ihrer Schöpferin vergessen wurde und deswegen in Overloaded Clouds gelandet war, hatte es nichts gegeben, was ihn ausgemacht hatte. Über die wenigen Monate, die er nun bereits an diesem Ort war, hatte er sich zu dem entwickelt, der er nun war. Eine wirklich gute Entwicklung, wie Tenebris fand. Doch der Achtzehnjährige fragte sich, ob auch er sich in eine gute Richtung entwickeln würde.
Tenebris‘ Gedanken schweiften zu dem Mädchen mit den Katzenohren. Um sie jedoch sofort wieder aus seinem Kopf zu verbannen, schüttelte er den Kopf.
Wenn er sich in eine gute Richtung entwickeln wollte, dann würde er sich wohl in Zukunft auch weiterhin versuchen, von ihr Fernzuhalten. Irgendetwas an diesem Mädchen war ihm wirklich nicht ganz geheuer.
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