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Per aspera ad Astra

GeschichteSci-Fi / P18
24.01.2020
17.01.2021
47
139.512
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24.01.2020 4.310
 
Per aspera ad Astra


-Alle guten Dinge enden einmal-

Gedanke des Tages

Martin saß auf einer großen Wiese etwas abseits von seinem Heimatdorf Havelheim und starrte in den Sternenhimmel hinauf. Er lebte als Lehrling eines Schäfers auf Taryan II, einer unscheinbaren technologisch unterentwickelten Agrarwelt welche eine Fabrikwelt im selben Subsystem mit einem konstanten Nachschub an Nahrungsrationen versorgte. Das Manufactorum welches diese Fertigrationen fertigte war im Grunde die einzige echte Industrie dieses Planeten. Er hatte es nie gesehen, doch seine Mutter welche den Kaufmannsladen in ihrem Dorf betrieb hatte ihm einige male davon erzählt.
Seine Mutter war schon immer fasziniert von Politik und moderner Technologie gewesen. Als er klein war hatte sie ihm immer Geschichten von den großen Raumschiffen erzählt die im Namen des Imperators glorreiche Schlachten schlugen. Seine Mutter hatte schon immer eine recht lebhafte Phantasie gehabt. Er hatte diese Geschichten geliebt, doch er war natürlich mittlerweile zu alt dafür. Sein Vater war ganz anders. Er war bodenständig, ein Schmied der sich für gewöhnlich nicht in die Angelegenheiten anderer einmischte und nur seinem Handwerk nachging. Sein Vater war zuerst verärgert gewesen das Martin nicht wie er den Beruf des Schmieds ergreifen wollte, doch als er hörte das Meister Harkin ihn als Lehrling genommen hatte gab er sich damit zufrieden das sein Sohn zumindest ein ehrliches Handwerk erlernen würde.
„Ich frage mich bis heute wie sie zusammengekommen sind.“ fragte er sich selbst. Dann wurde er von einem Stab angestubst. „Junge, was machst du noch hier? Das Fest der Vereinigung ist bereits im Gange.“ fragte Harkin. „Meister, ihr seid noch auf? Ich muss die Schafe hüten.“ gab Martin überrascht zurück. „Oh, Junge, die Schafe können mal eine Nacht auf sich selbst aufpassen. Das Fest ist nur einmal im Jahr. Geh ins Dorf, friss dich voll, betrinke dich und such dir ein Mädchen. Man ist nur einmal jung.“ der alte Mann stürzte sich auf seinen Schäferstab. „Seid ihr sicher, Meister?“ fragte Martin zögerlich. Er ließ den alten Mann ungern allein, seine Gesundheit war nicht mehr die Beste. „Wenn du im Dorf bist sag deiner Mutter das ich mehr Tanra-Kraut brauche. Jetzt ist es ein Auftrag. Nun geh schon, Junge, bevor ich dir Beine mache.“ erneut bekam Martin einen kleinen Stubs mit dem Stab. „Natürlich, Meister.“ Martin stand auf und ging zur Hütte um seine Tasche zu holen. „Und wenn du vor dem Morgengrauen zurück bist schere ich dich wie eines der Schafe, Junge.“ drohte sein Meister scherzend und ließ ihn ziehen.
Er brauchte nur eine halbe Stunde zurück zum Dorf. Alles was festlich geschmückt. Laternen hingen von jedem Haus, Trinklieder waren aus der Taverne zu hören, die Menschen tanzen fröhlich in den Straßen. Es würde vermutlich die ganze Nacht so gehen. Gleich nachdem er sich in die Menschenmenge begeben hatte packte ihn jemand und zog ihn auf die Tanzfläche. Es war Kyrie, die jüngste Jägerin des Dorfes. „Ich hatte mich schon gewundert ob du kommen würdest. Du verbringst zu viel Zeit mit den Schafen.“ lachte sie während sie ihn herumwirbelte. „Und verpassen wie du mich zum tanzen zwingst?“ er trat ihr völlig unbeabsichtigt auf den Fuß, doch sie ließ sich nichts anmerken und nachdem das Lied des Barden vorüber war setze sie sich mit ihm an einen Tisch vor der Taverne.
„Du verbringst wirklich zu viel Zeit oben auf den Wiesen.“ meinte sie nachdem sie sich gesetzt hatten. „Und du zu viel in den Wäldern. Ich kam übrigens noch nicht dazu mich zu bedanken das du Molly gefunden und zurückgebracht hast.“ er hob die Hand um die Bedienung heranzuwinken. „Dieses Schaf hat einen Entdeckersinn, genau wie ich. Vielleicht richte ich sie für die Jagd ab.“ scherzte die Jägerin. Die Schankmaid Ruby kam an ihren Tisch. „Was kann ich euch... oh, Martin? Wir sehen dich viel zu selten im Dorf.“ bemerkte sie verwundert. „Ich weiß, aber das Leben eines Schäfers ist nun einmal auf den Weiden.“ entschuldigte er sich. Ein gerüsteter Mann setzte sich ungefragt zu ihnen noch bevor sie ihre Bestellung aufgeben konnten. „Dann wird es Zeit ein anderes Leben zu wählen, Bursche. Die Armee sucht Leute wie dich.“ es war der ´Kommandant der Wache´ Clausen. Er war die einzige Wache im Dorf und ein wahrer Patriot. „Ich bin zufrieden mit meinem Leben.“ gab Martin zurück während Kyrie für sie beide bestelle. „Du verschwendest dein Potential, Bengel! Du bist stark wie dein Vater und schlau wie deine Mutter! Erzähl mir nicht das du dein Leben lang Schafe hüten willst wenn du eine Armee befehligen könntest. Ich weiß aus sicherer Quelle das die Garde der Königin nach Nachwuchs sucht. Ich lege ein gutes Wort für dich ein.“ meinte die Wache einen guten Schluck aus seinem Bierhumpen nehmend. „Nein, danke. Meister Harkin braucht mich dringender als die Königin.“ verneinte Martin freundlich aber bestimmt. „Nun gut, ich kann dich nicht zu deinem Glück zwingen, aber ich sage dir, du verschwendest dein Potential. Der Imperator hat dich für Wichtigeres vorgehen.“ Clausen stand auf und verschwand wieder in der Menge.
„Ich kann nicht glauben das er dich immer noch für diese Schlägertruppe anwerben will.“ meinte Kyrie nachdem sie sicher war das der Wachmann außer Hörreichweite war. Martin war klar was sie meinte. Die königliche Garde genoss keinen guten Ruf. Sie galt als grausam, arrogant und brutal. „Lass das besser nicht den Falschen hören. Du bist hier nicht in den Wäldern wo dich keiner hören kann.“ warnte er sie kaum den Lärm um sie herum übertönend. „Jaja, ich weiß. Trotzdem, Clausen mag ja ein guter Mann sein, doch er ist auch ein Idiot.“ erwiderte die Jägerin in etwas leiserem Tonfall.
Ihre Getränke wurden serviert und eine Weile sprachen die beiden über alles Mögliche. Kyrie kannte jeden Dorfklatsch und wurde nicht müde ihn zu teilen. Dann setzte sich Priesterin Verena zu ihnen. „Kyrie, könntest du uns einen Moment geben?“ fragte die Klerikerin. „Natürlich, Hochwürden.“ die Jägerin stand auf, verbeugte sich respektvoll und fiel dann über einen Stand mit Leckereien her der nahe den Tischen stand. „Mein Kind, ich habe dich in der letzten Messe vermisst. Wo warst du?“ tadelte sie Martin in liebevollem Tonfall. „Verzeiht, Hochwürden, drei unsere Schafe waren gerissen worden. Ich musste dem Meister helfen die Überreste zu beseitigen.“ antwortete er wahrheitsgemäß. „Das verstehe ich, mein Kind, dennoch musst du auf dein Seelenheil achten. Ich erwarte dich in der nächsten Messe und werde für dich beten.“ die Priesterin erhob sich würdevoll und ging wieder ihrer Wege.
Als Kyrie nach einiger Zeit immer noch nicht zurück war beschloss der Schäferlehrling sich nach seiner Mutter umzusehen um die Nachricht seines Meisters zu überbringen. Er fand sie vor ihrem Laden wo sie einen kleinen Stand aufgebaut hatte. Sie verkaufte billige Anhänger und andere Kleinode, traditionelle Geschenke die oft während des Festes gekauft wurden. „Mutter.“ grüßte er sie und wartete bis sie ihren Kunden abgewickelt hatte. „Der verlorene Sohn kehrt zurück! Du weißt schon das du gerne öfter als einmal im Monat ins Dorf kommen kannst? So weit ist es auch nicht.“ sie umarmte ihn herzlich. „Ich weiß, es ist nur... Meister Tarkin hat viele Schafe und er ist nicht mehr gut zu Fuß.“ verteidigte er sich. „Ich weiß, ich weiß. Trotzdem wünschte ich mir das du öfter vorbeikommen würdest. Eine warme Mahlzeit wartet immer auf dich.“ meinte sie. „Ich versuche es. Meister Tarkin lässt ausrichten das er mehr Tanra-Kraut braucht.“ überbrachte er seine Botschaft. „So hat er dich also dazu gekriegt hierher zu kommen. Ich notiere es. Dein Vater ist übrigens irgendwo in der Schmiede, falls du ihn noch nicht gefunden hast.“ bemerkte sie und wendete sich wieder ihrem Stand zu.
Die Schmiede war ein wenig abseits vom Dorf aufgrund des Lärms und Rußes. Sein Vater suchte etwas auf den Regalen. „Vater.“ machte er sich bemerkbar. „Wie geht es Meister Tarkin?“ fragte der Schmied ohne sich zu ihm umzudrehen. „Nicht gut. Manchmal höre ich ihn nachts husten. Er sagt es ist nichts.“ antwortete er. „Aber du weißt es besser.“ sein Vater nahm eine Schachtel vom Regal und holte einige Nägel heraus. „Nun ja, es ist nicht so als hätten wir Geld für einen Heiler. Er ist immer wieder...“ sein Vater unterbrach Martin mit einem Handzeichen und blickte in Richtung Dorfeingang.
Martin folgte seinem Blick. Mehrere schwer gepanzerte Reiter waren in das Dorf gekommen. „Auf geheiß der Königin suchen wir einen gewissen Martin. Er soll in eurem Dorf leben. Gebt ihn sofort heraus oder lebt mit den Konsequenzen!“ verlangte der Kommandant der Truppe so laut das es problemlos bis zur Schmiede zu hören war. „Warum suchen sie nach dir?“ fragte sein Vater barsch. „Ich weiß nicht.“ Martin war verwirrt. Was konnten Diener der Königin vom einem einfachen Schäfer-Lehrling wollen? Er wollte sich gerade stellen als er aus der Ferne sah wie seine Mutter sich an den Reiter wandte. „Weswegen sucht ihr ihn?“ fragte sie höflich. Der Ritter stieg ab und schlug seine Mutter mit der gepanzerten Faust ins Gesicht worauf sie zu Boden fiel. „Was wagst du es deinen Lord anzusprechen, Bauernweib? Ich habe eine Frage gestellt und ich erwarte Gehorsam!“ der adelige Ritter wies die für seinen Stand übliche Arroganz auf.
Sein Vater griff zum Schmiedehammer und rannte los. Martin wollte ihn aufhalten, lief ihm hinterher doch Kyrie packte ihn plötzlich von hinten und zog ihn in eine Gasse. „Was hast du getan? Das ist Lord Rivers, ich habe ihn mal gesehen als ich Wild in seinem Schloss abgeliefert habe. Seine Männer haben dich im Wald gesehen, oder?“ zischte sie leise. „Ja, ich habe Dolly gesucht.“ gab er zu. „Toll, sie halten dich bestimmt für einen Wilderer. Die hängen dich!“ sie sah ihn entgeistert an. „Nein, das ist ein Missverständnis. Du weißt das ich nicht wildere! Manchmal laufen Schafe nun einmal in den Wald.“ verteidigte er sich. „Du glaubst das sie dir das glauben? Du musst fliehen! Sofort! Ich kenne geheime Schleichpfade, ich bringe dich an ihnen vorbei!“ verlangte sie.
Martin wusste nicht wie ihm geschieht. Er sah aus den Augenwinkeln das sein Vater die Truppe erreicht hatte und seiner Frau hoch half. „Lasst sie in Ruhe!“ verlangte der Schmied lautstark. „Was tust du? Er weiß nicht was er redet, euer Gnaden!“ versuchte seine Mutter den Ritter zu beschwichtigen. „Hat dieser Bauer mir gerade einen Befehl erteilt?“ fragte der Lord einen seiner Männer. „Ich bin kein Bauer! Ich bin ein Schmied!“ sein Vater war in Rage. Er konnte alles ertragen, aber nicht Gewalt gegen seine Frau. „Schmied ist der Mann. Sagt mir, guter Mann, ist diese Klinge von guter Qualität?“ der Ritter stieg ab, zog sein Schwert und rammte es seinem Vater in den Bauch. Sein Vater brach leblos zusammen. Lord Rivers putze seine Klinge an der Kleidung des Toten, seine Mutter starrte nur ungläubig auf die Szene. „Worauf wartet ihr, ihr Narren? Findet den Jungen!“ befahl der Ritter seinen Männern.
Martin wollte aufschreien, doch Kyrie bedeckte seinen Mund mit ihren Lederhandschuhen. „Los jetzt, du siehst doch das sie auf Blut aus sind!“ sie zog ihn mit sich und sie flohen in den Wald. Er hörte die Schreie der Dorfbevölkerung aus der Ferne als die Soldaten jegliche Opposition niederschlugen und den Widerstand seines Vaters als Rechtfertigung verwendeten um zu morden, zu vergewaltigen und zu plündern.

-Das Vertrauen eines Kämpfers in seinen Kommandanten ist seine beste Rüstung und seine stärkste Waffe-

Gedanke des Tages

Die beiden liefen und liefen bis ihnen die letzte Luft ausging. Das Feuer welches die Garde im Dorf entzündet hatte war noch über Meilen zu sehen. „Was ist da passiert?“ Martin war immer noch geschockt und durcheinander. Hatte dieser Ritter wirklich seinen Vater getötet? Was war mit seiner Mutter und dem Rest des Dorfes? „Wir müssen zurück!“ verlangte er. „Verdammt nochmal, denk mal nach! Wir können nicht zurück. Lord Rivers ist ein Monster! Seid er unsere Ländereien übernommen hat hat er nichts anderes getan als wegen Nichtigkeiten zu morden! Ich war oft genug in seinem Schloss um das beurteilen zu können. Wir müssen aus seinen Ländereien fliehen, weg von hier.“ formulierte sie ihren Plan.
„Meine Mutter könnte noch leben!“ Martin würde nicht so leicht aufgeben. „Deine Mutter ist klug. Wenn sie noch lebt wird sie ebenfalls fliehen, das weißt du so gut wie ich. Wir würden sie nie finden in diesem Chaos.“ gab die Jägerin zu bedenken. „Ja, du hast recht. Ich kann nicht glauben das das passiert ist, ausgerechnet heute.“ er versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. „Wenn wir uns immer südlich halten kommen wir irgendwann in die Ländereien von Lord Zillstein. Er soll ein guter Herrscher sein, habe ich gehört.“ meinte Kyrie nachdem sie sich erschöpft auf einem Baumstumpf niedergelassen hatte.
„Gut, wir sollten morgen sobald wie möglich aufbrechen und die Wege benutzen.“ meinte er schließlich. „Die suchen doch nach dir.“ gab die Jägerin zu bedenken. „Aber sie scheinen nicht zu wissen wie ich aussehe. Wir machen uns viel verdächtiger wenn wir nur nachts im Schutz der Dunkelheit reisen. Meine Mutter sagt immer das Täuschung einfacher ist als Tarnung.“ erklärte er. „In deinem Fall mag das sogar stimmen. Du bist ein beschissener Schleicher. Also gut, wir rasten einige Stunden, benutzen die königlichen Straßen und hoffen das uns keine Reiterei begegnet.“ Kyrie stimmte zu.
Er wollte gerade beginnen Feuerholz zu sammeln als sie ihn stoppte. „Was tust du da?“ fragte sie. „Wonach sieht es aus?“ fragte er. „Wir können kein Feuer machen. Die Reiter würden es sehen, so weit sind wir nicht weg.“ meinte sie. „Aber es ist verflucht kalt.“ beschwerte er sich. „Man sollte meinen das du Kälte mittlerweile gewohnt bist.“ amüsierte sie sich. „Das schon, aber ich habe meinen dicken Mantel in der Hütte gelassen. Ich dachte ich würde...“ er brachte den Satz nicht zu ende. „Ich weiß. Komm unter meinen Mantel.“ sie zog ihren weiten grünen Mantel ein wenig auf. „Aber, das geht doch nicht. Du bist eine Frau.“ verneinte er. „Ja, das ist mir aufgefallen. Wir haben früher auch miteinander geschlafen.“ bemerkte sie. „Da waren wir noch Kinder!“ widersprach er. „Wirst du jetzt rot? Jetzt komm schon, ich will nur nicht das du Frostbeulen kriegst. Außerdem ist mir auch kalt.“ sie drückte ihn zu Boden und kuschelte sich an ihn um von seiner Körperwärme zu profitieren. Beide schliefen aufgrund der Erschöpfung schnell ein.
Es war früher Vormittag als die beiden wieder erwachten. „Ahh, ich bin es nicht gewohnt auf dem Waldboden zu schlafen.“ beschwerte er sich während er sich streckte. „Stell dich nicht so an. Da hinten ist ein Bach, mach dich ein bisschen sauber und dann auf die Straße. Wir müssen heute so viel Strecke machen wie möglich.“ drängte Kyrie ihn. Er ging zum Fluss und wusch sich. Es war eiskalt, doch das störte ihn nicht. Doch als er sein Spiegelbild im Wasser sah dämmerte es ihm das sein altes Leben vorüber war. Er war jetzt ein Vogelfreier. Sein Vater war tot, seine Mutter der Imperator weiß wo und er mitten im Wald ohne Waffe, lediglich begleitet von seiner Kindheitsfreundin.
Wie konnte all das so schnell geschehen? War war überhaupt schief gelaufen? Er verstand es einfach nicht! Wieso hatte der Adelige das getan? Es hatte keinen Grund gegeben! Das machte ihn wütend! Er schlug einige male kräftig gegen einen Baum um sich ein wenig Luft zu machen. Es war ungerecht! Nein, er würde nicht einfach in die nächste Baronie fliehen! Er würde zur Hauptstadt gehen, zur Königin selbst und sich beschweren! Natürlich waren das unrealistische Gedanken, das wusste er selbst. Der Adel war nun einmal grausam, tötete oft nur aus Launen heraus. Doch irgendjemand musste doch etwas tun!
Dann fiel es ihm ein. Priesterin Verena hatte einige male einen Priester erwähnt der in der Stadt Nimmerswehr predigte. Er war einflussreich und ein treuer aufrichtiger Diener des Imperators. Er hatte sich wiederholt erfolgreich gegen Grausamkeiten des Adels gestellt und die Ekklesiarchie stand auf seiner Seite. Wenn er es schaffen könnte ihn zu treffen, vom Schicksal seines Dorfes zu berichten würde dieses Unrecht womöglich gesühnt und sein eigener Name auch reingewaschen werden können.
„Bist du endlich fertig?“ fragte Kyrie. „Wir gehen nach Nimmerswehr.“ verkündete er. „Das ist die falsche Richtung.“ verneinte sie. „Wir müssen den Priester finden, den die Priesterin in ihren Predigten erwähnt hat.“ meinte er. „Was? Woher weißt du das sie sich das nicht einfach ausgedacht hat? Und selbst wenn nicht, Nimmerswehr ist eine große Stadt. Wir würden Wochen brauchen ihn zu finden und die Wachen von Lord Rivers sind da überall.“ Kyrie ärgerte sich über Martin. Er schien immer noch nicht verstanden zu haben das sie sich von Menschenmengen fernhalten sollten, vor allem von Wachen.
„Ich verlange nicht das du mit mir kommst, doch ich will nicht den Rest meines Lebens vogelfrei sein. Außerdem muss meinem Vater Gerechtigkeit geschehen, genau wie den anderen im Dorf. Du hast das Feuer gesehen.“ Martin blieb bei seiner Entscheidung. „Du sturer Schafstreiber! Sie werden dich erwischen bevor du auch nur in der Nähe des Tempels bist! Ich will dich nur nicht hängen sehen, verstehst du das nicht?“ ärgerte sie sich. „Ich muss auf den Imperator vertrauen. Geh einfach, du bist sicherer wenn du so weit weg von mir bist wie möglich.“ er wollte wenigstens Kyrie in Sicherheit wissen. „Natürlich komme ich mit dir. Du warst noch nie in einer Stadt, du würdest nicht einmal durchs Tor kommen ohne mich. Okay, wir gehen, aber wir machen es auf meine Weise. Es sind zwei Wochen Tagesmarsch. Ich kenne eine Herberge nicht weit von hier in der wir Rast machen können, der Wirt ist ein Freund von mir. Wir statten uns für die Straße aus und reisen so schnell wie möglich. Und überlass mir das reden, okay?“ sie würde ihn nicht im Stich lassen. „Gut, brechen wir auf.“ er nickte und sie machten sich auf den Weg.

-Täuschung ist der Kern von Taktik-

Codex Astartes

Es war bereits später Abend als sie das Gasthaus ´zur Straßenruhe´ erreichten. Es war ein zweistöckiges Gebäude vor dem eine kleine Pferdetränke stand. Musik war aus dem Inneren zu hören, ein Barde schien gerade aufzuspielen. Sie gingen hinein, der Schankraum war gut gefüllt mit Reisenden. Niemand beachtete sie was beiden nur recht war. Kyrie ging an die Theke, der Wirt nickte ihr kurz zu um die musikalische Darbietung des Barden nicht zu stören und stellte wortlos zwei Bierhumpen auf den Tresen.
Sie hörten beide der Musik zu, der Barde war gut und enthielt entsprechendes Gejubel und Münzen als seine Vorstellung beendet war. „Kyrie, ich hatte nicht erwartet dich außerhalb der Jagdsaison begrüßen zu dürfen. Wer ist dein Freund? Hast dir endlich einen Mann angelacht?“ begann der füllige Wirt. „Ich bin nur ein Reisender... ein reisender Händler.“ platzte es aus Martin heraus. Kyrie versuchte sich nicht anmerken zu lassen wie verärgert sie war das er sie nicht hatte reden lassen wie es vereinbart war. „Ja, mein Freund hier und ich reisen gemeinsam. Er hat mir ein wenig bezahlt damit ich ihn eskortiere. Wir brauchen ein Zimmer für die Nacht.“ sie legte einige Kupferstücke auf die Theke. „Natürlich. Das Zimmer unter dem Dachboden ist das einzige das noch frei ist. Das Fest, ihr versteht. Allerdings nur ein Bett.“ meinte er. „Das ist schon in Ordnung.“ sie schnappte sich den Schlüssel und ging die Treppe hinauf.
Erst als sie außer Hörweite waren herrschte sie ihn an. „Was habe ich dir gesagt? Ich rede! Wieso beim heiligen Terra hast du dich bitte als Kaufmann vorgestellt?“ fragte sie verärgert. „Verzeih, ich war nervös. Ich dachte mir, ein wandernder Kaufmann macht am meisten Sinn.“ antwortete er. „Und wenn jemand nach deinen Waren fragt?“ hakte sie nach. „Ich habe alles verkauft und bin auf dem Rückweg. Bitte, meine Mutter ist Händlerin, ich weiß wie man einen Händler spielt. Außerdem finden die anderen Gäste es bestimmt irgendwann verdächtig wenn du immer für mich redest.“ gab er zu bedenken. „Keine weiteren Überraschungen mehr, Herr Kaufmann! Ich gehe wieder runter und besorge uns Vorräte und du gehst aufs Zimmer und machst einfach nichts Dummes!“ meinte sie und drehte auf der Hälfte der Treppe wieder um.
Sie ging wieder in den Schankraum, doch es waren mittlerweile weitere Gäste eingetroffen. Ein dutzend Soldaten des Lords saßen an einem der Tische und tranken. Sie bemühte sich unauffällig zu verhalten, mit der Menge zu verschmelzen. Suchten sie Kyrie mittlerweile ebenfalls? Womöglich hatte einer der Dorfbewohner ihre Flucht beobachtet und sie als Mitverschwörerin genannt. Sie durfte sich nichts anmerken lassen, keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sie setzte sich an die Theke, doch der Wirt war gerade in der Küche um noch einen Eintopf für die Soldaten zuzubereiten.
Sie lauschte ein wenig, die Kapuze ins Gesicht gezogen. „Wir brauchen den Schäfer lebend, vergesst das ja nicht! Angeblich hilft ihm eine junge blonde Frau, wohl die Jägerin des Dorfes gewesen. Sie ist entbehrlich, er nicht. Corporal, befragt den Wirt ob man sie hier gesehen hat. Der Rest von euch kann noch einen heben, aber wehe einer von euch ist morgen früh nicht fähig sich auf dem Pferd zu halten. Ich befragte den Barden.“ meinte der Hauptmann der Einheit, stand vom Tisch auf und ging die Treppe hinauf.
Der Corporal ging an die Theke und klopfte einige male mit seinem gepanzerten Handschuh auf die Theke um Aufmerksamkeit zu erregen. „Ich komme gleich. Wenn ihr etwas zu essen wollt gebt mir noch einige Minuten.“ rief der Wirt aus der Küche. Der Soldat nahm die Zeit sich umzusehen. „Mädchen, mit der Kapuze! Du hast einen Bogen! Du bist nicht zufällig Jägerin?“ er hatte sie bemerkt und zog bereits sein Schwert worauf auch seine Kollegen auf ihn aufmerksam wurden.
Sie schätze ihre Fluchtoptionen ab. Er würde sie eingeholt haben bevor sie zur Tür raus war, das war keine Option. Vielleicht über die Theke und durch die Küche? Doch sie würde Martin zurücklassen müssen. Sollte sie kämpfen? Nein, eine Wache mochte sie vielleicht töten können, doch es waren zu viele. Gerade als ihr diese Gedanken durch den Kopf rasten hörte sie einen Tumult von der oberen Treppe. Martin stand da, gekleidet wie ein Edelmann! „Darf ich fragen wieso die Wachen des verehrten Lord Rivers meine persönliche Wache belästigen?“ fragte er lautstark in einem autoritärem Tonfall den sie gar nicht von ihm gewohnt war.
Der Hauptmann der gerade das obere Ende der Treppe erreicht hatte ging auf ihn zu. „Wir suchen einige Flüchtige, Herr. Und ihr seid?“ fragte der Soldat. „Kaufmann Hartmann von Fichtenstein. Da reise ich extra inkognito mit wenig Gepäck um ein wichtiges Geschäft abzuschließen und dann werde ich noch von gewöhnlichen Wachen belästigt.“ Martin versuchte den arroganten Adeligen zu spielen. Zu seiner Überraschung trat der Hauptmann einen Schritt zurück. „Verzeiht, werter Kaufmann. Es ist nur...“ wollte sich der Soldat rechtfertigen, doch wie ein guter Adeliger fiel Martin ihm natürlich ins Wort. „Es ist was, Soldat? Grund genug das ich eine formale Beschwerde bei eurem Lord einreiche? Er wird sicher begeistert sein davon zu hören. Wie lautet euer Name?“ fragte der falsche Kaufmann. „Herr, ich... Corporal, lasst sie los! Die Gesuchten sind offensichtlich nicht hier. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Entschuldigt uns, werter Kaufmann. Männer, aufsatteln.“ der Hauptmann drückte Martin noch einen prall gefüllten Beutel in die Hand, wohl eine Bestechung damit er diesen Vorfall vergaß und verließ hastig mit seinen Männern die Taverne. Kyrie musste sich beherrschen das ihr nicht die Kinnlade herunterfiel.
Martin ging nach unten und setzte sich neben sie. „Wie hast du...? Wo hast du diese Kleider her?“ fragte sie stotternd. „Ich bin aus versehen in das falsche Zimmer gegangen.“ entschuldigte er sich. Genau in dem Moment setzte sich der Barde hinzu. „Euer Freund hier hat die Zimmer verwechselt. Als wir den Tumult unten hörten dachte ich zugegeben das die Häscher der Königin hinter mir her wären. Euer Freund bot an sie abzulenken und ich muss sagen das ihm nicht nur das Kostüm ausgezeichnet steht. Ihr, Meister, seid ein hervorragender Schauspieler.“ bemerkte der Gaukler.
„Weswegen sucht die Krone euch?“ fragte Kyrie. „Einige Stücke die ich spielte waren womöglich... anstößig für den einen oder anderen Adeligen.“ war alles was der Spielmann bereit war zu erzählen. „Du hättest ihm geholfen trotz dessen das die ganze Wache auf dich aufmerksam geworden wäre? Sag mal, willst du sterben?“ fragte sie ein wenig empört. „Ich dachte er braucht Hilfe und schlussendlich sind wir damit durchgekommen. Ernsthaft, für einen Moment hatte ich gedacht der zieht sein Schwert.“ Martin konnte selbst noch nicht glauben das es funktioniert hatte. „Martin, du warst schon immer zu gutherzig, doch diesmal hat es sich wenigstens ausgezahlt. Ich wünschte ich könnte dir böse sein, doch du hast vermutlich mein Leben gerettet.“ gab sie schließlich zu.
„Vermutlich? Mit Sicherheit. Wo habt ihr diese Fähigkeit gelernt? Ihr habt eine solche Ausstrahlung, ich wünschte glatt ich hätte euer Talent.“ bemerkte der Barde. „Naja, die Schafe haben sich nie beschwert.“ Martin zuckte mit den Schultern. „Schafe? Ihr, mein Freund, gehört auf die Bühne. Wohin reist ihr und das werte Fräulein. Ich würde euch gern eine Weile begleiten, vielleicht sogar einigen meiner Freunde vorstellen. Ihr könntet viel Geld machen auf der Bühne.“ der Gaukler konnte schwerlich seine Verwunderung zurückhalten über die natürliche Autorität seiner neuen Bekanntschaft.
„Ach ja, was ist eigentlich in dem Beutel?“ Martin erinnerte sich erst jetzt an die Bestechung die der Hauptmann ihm gegeben hatte und blickte hinein. Er war halb gefüllt mit Kupferstücken, vermutlich mehrere Monatsgehälter des Soldaten. „Dafür kriegen wir eine Menge Provisionen.“ bemerkte Kyrie pfeifend. „Meister Barde, wenn ihr mit uns nach Nimmerswehr reisen wollt solltet ihr euch vorstellen. Und danke noch einmal für eure Leihgabe.“ bemerkte Martin schließlich. „Natürlich, wo sind meine Manieren. Ich bin Gunderson, Barde, Schauspieler, Liebling der Massen.“ der Barde war aufgestanden und verbeugte sich theatralisch tief. „Willst du ihn wirklich mitnehmen?“ fragte Kyrie skeptisch. „Sicher, er hat uns geholfen. Warum nicht?“ gab Martin zurück. „Dann ist es beschlossen. Übrigens, behaltet es ruhig an. Die Kleidung steht euch, sie wirkt beinahe natürlich.“ bemerkte der Barde beiläufig „Danke, ich sollte mich jetzt ein wenig ausruhen. Die Vorstellung eben hat mich den letzten Nerv gekostet.“ Martin ging wieder die Treppe herauf. „Keine Sorge, junge Lady, ich sorge dafür das er diesmal das richtige Zimmer findet.“ rief der Barde Kyrie zu und begleitete ihn.
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