Disco des Grauens

von Sakurake
GeschichteAbenteuer, Krimi / P18 Slash
Bob Andrews Inspektor Cotta Justus Jonas OC (Own Character) Peter Shaw Skinner "Skinny" Norris
23.01.2020
23.05.2020
21
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23.05.2020 1.836
 
Langsam fuhr der erste Detektiv weiter in Richtung seines Hauses. Als er außer Sichtweite von Bobs Haus war, bog er in eine andere Richtung ab. Ihm war absolut nicht danach, sich jetzt ins Bett zu legen.

Er hatte sich auf einen ruhigen gemeinsamen Abend mit seinem Freund zusammen gefreut. Der war ins Wasser gefallen. Vor Bob hatte er es sich nicht anmerken lassen, tatsächlich war er wütend auf sich selbst und machte sich Sorgen um Peter.

Ihm war zuzutrauen, dass er auf eigene Faust handeln würde, wenn seine Wut auf Skinny ihn nur stark genug antrieb. Darüber hinaus gab es noch den Drohbrief. Peter hatte ihn nicht explizit erwähnt, es war für Justus aber offensichtlich gewesen, dass er daran hatte denken müssen.

Nur selbst, wenn sie darauf Skinnys Fingerabdrücke fanden, würde die Polizei ihn nur für kurze Zeit festhalten können. Er bewies nicht, dass der Halunke sich anderweitig strafbar gemacht hatte. Höchstens als zusätzliches Beweismittel konnte es taugen. Jetzt war der erste Detektiv froh, dass er den Brief für Peter unzugänglich eingeschlossen hatte.

Dessen ungeachtet nagte eine weitere Sache an Justus. Er musste dringend mit Peter sprechen, am besten sofort. Doch vorher wollte er seine Gedanken sortieren und in sich gehen. Die Worte für das, was ihm im Kopf herum spukte, wollten ihm nicht in den Sinn kommen. Wenn er wusste, was ihn störte, konnte er es seinem Freund noch sagen. Außerdem wollte der ja gerade Ruhe haben.

Er war so in seine Gedanken versunken gewesen, dass er nicht darauf geachtet hatte, wo er hinfuhr. Als er seinen Entschluss gefasst hatte und aufblickte bemerkte Justus, dass er an der Promenade von Rocky Beach angekommen war. Nach ein paar Metern wurde der Weg uneben und ging in den angrenzenden Strand über. Dort schloss er sein Rad an einer Laterne fest und zog die Schuhe aus.

Mit den Füßen berührte er den Sand. Er atmete tief aus und genoss das weiche Gefühl zwischen und unter seinen Zehen. Die Sonne des Tages hatte den Sand unerträglich heiß gemacht und jetzt, als sie untergegangen war, war er auf eine angenehme Temperatur abgekühlt.

Ruhigen Schrittes lief er weiter in Richtung Meer und ließ das lauwarme Wasser den Sand von seinen Füßen spülen. Das Rauschen der Wellen beruhigte ihn. So konnte er in Ruhe nachdenken. Behutsam setzte er einen Fuß vor den anderen. Er wollte sich nicht an einer Muschel oder einem scharfkantigen Stein verletzen. Ein Spaziergang am Strand entlang würde ihm vielleicht helfen, die richtigen Worte zu finden.


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Mit dem Surfbrett in der Hand machte sich Peter auf den Weg zum Meer. In seiner Wut war ihm nur eine Sache eingefallen, die ihn ablenkte und zeitgleich seine Stimmung aufhellen konnte: Surfen.

Er hatte einen Sprint mit dem Rad zu den Häuschen hingelegt, in denen der Surfclub alles aufbewahrte – auch Ersatzbadehosen. Als eines der aktivsten Mitglieder hatte der Sportler einen Schlüssel erhalten und jederzeit Zugriff. Und wenn er mitten in der Nacht Surfen wollte, konnte er das tun. Es war zwar nicht zu empfehlen, aber er kannte das Meer in der Umgebung seit Jahren und konnte die Gewässer einschätzen.

Um sich auf die Betätigung vorzubereiten, stellte er das Brett senkrecht neben sich in den Sand und machte ein paar auflockernde Übungen. Ein lauer Wind strich ihm über die Haut, als er sich an die Grenze von Sand zu Wasser stellte.

Die Wellen waren ruhig und stetig. Sie beruhigten sein Gemüt etwas.

Und trotzdem war er noch wütend, wie das Gespräch verlaufen war. Justus hätte ja nicht gleich alles abblocken müssen, was er vorgeschlagen hatte. Das hätte schon alles irgendwie geklappt.

„Blöder Justus“, murmelte er vor sich hin und begab sich ins Wasser. Mit ein paar kräftigen Zügen schwamm er mehrere Meter. Dann ließ er sich vom Sog des Meeres ein Stück weit hinaustreiben und kehrte mit gezielten Bewegungen wieder ans Ufer zurück.

„… und trotzdem liebe ich ihn“, gestand er sich leise ein, als er das Brett packte. Er sollte nicht so wütend auf den einen sein, den er gerade erst gefunden und für sich gewonnen hatte. Sie sollten den Fall so schnell wie möglich abschließen.

Danach würde sich hoffentlich kein Skinny Norris mehr mit irgendwelchen Drohbriefen in sein Leben einmischen. Mit etwas Glück würden sie ihn endlich ins Gefängnis bringen und hätten endlich Ruhe. Entschlossen packte er das Surfbrett und machte sich auf, um ein paar kleine Wellen zu reiten.

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Seit bereits gefühlt einer halben Stunde lief Justus am Strand entlang. Er war bisher keinem Menschen begegnet.

Das war auch besser so. Sein Verstand war zwar klar, aber er wusste immer noch nicht, welche Worte er an Peter richten sollte, wenn sie sich wiedersahen.

Mit gesenktem Kopf schlenderte er am Strand entlang. Da hörte er ein leises Platschen in der Ferne. Sein Kopf ruckte hoch und er sah eine Person etwa hundert Meter von sich entfernt aus dem Wasser steigen.

Sie zog etwas Großes aus dem Wasser und stellte es neben sich auf. Dann streckte sie sich und fuhr mit den Händen durch die Haare. Konnte es sein? Größe und Statur stimmten. Und diese Gesten würde er überall wiedererkennen.

Mit größeren Schritten näherte er sich. Die Person bemerkte ihn nicht, als sie sich wieder dem Wasser zuwandte und mit dem Surfbrett, das Justus nun erkannte, wieder ins Wasser begab.

Das könnte noch eine Weile dauern. Justus beschloss, den Anblick noch etwas zu genießen und nicht zu stören. Bei zwei Sandbänken am hinteren Rand des Strandes setzte er sich so hin, dass er einen guten Ausblick hatte und wartete ab.

Als er sah, dass der andere sich aus dem Wasser herausbewegte und in Richtung Strand ging, richtete er sich auf und kam ihm entgegen.

Peter hatte ihn bereits bemerkt, sein Surfbrett neben sich hingelegt und wartete auf den ersten Detektiv. Er wirkte nun ruhiger auf Justus.

Dieser blieb ein paar Schritte entfernt stehen und schaute auf den Boden vor den sandigen Füßen seines Freundes. Er ballte die Hände zu Fäusten, atmete tief ein, und öffnete seine Hände beim Ausatmen wieder. Dann blickte er seinem Freund direkt ins Gesicht.

„Hey, Peter. Ich weiß es kommt vielleicht etwas unerwartet, dass wir uns jetzt hier treffen. Eigentlich wollte ich dich in Ruhe lassen aber ich wollte auch mit dir reden und irgendwie bin ich hier gelandet. Und du bist auch hier. Also… rede ich.“

Neugierig hob der zweite Detektiv seine Augenbrauen, reagierte sonst aber nicht.

„Nun, weißt du, es ist wirklich schwierig das auszusprechen und ich habe mir einige Gedanken dazu gemacht wie ich es formulieren soll. Aber ich glaube am einfachsten trifft es Folgendes: Ich fühle mich frustriert. Ja das klingt wahrscheinlich unsinnig, aber so empfinde ich. Dieser ganze Fall mit Morrison und dem Club nimmt uns alle unglaublich in Anspruch." Um seiner Verzweiflung Ausdruck zu verleihen, tigerte er vor Peter auf und ab.

"Wir haben Sommerferien  und dennoch kommt es mir vor, als würden wir immer weniger Zeit miteinander verbringen. Natürlich arbeiten wir am Fall, aber wir unternehmen privat kaum noch etwas. Da hatte ich die Hoffnung, wir könnten an diesem Abend etwas zu zweit machen, wie wir es zu Anfang geplant hatten.“

Während Justus seine Gefühle gestand, hatte Peter erst irritiert und dann zunehmend wütender geschaut. Das Surfen hatte ihn halbwegs entspannt aber das Verhalten und die Worte seines Freundes brachten ihn direkt wieder auf hundert-achtzig. Er ließ ihn reden, knirschte dabei aber mit den Zähnen, um ihn nicht zu unterbrechen. Mit seiner Antwort wartete er, bis Justus zu Ende geredet hatte.

„So ist das also? Der feine Herr ist frustriert?!“, zischte er ihn an. „Du meinst also, dass wir zu wenig Zeit miteinander verbringen? Vielleicht erinnerst du dich nicht daran, aber wir haben gestern den ganzen Abend zusammen verbracht. Sogar die Nacht. Und es ging dabei definitiv nicht ein einziges Mal um den Fall.“

„Genau davon rede ich doch, Peter. Am liebsten würde ich mit dir jeden Abend so verbringen. Aber da hast du sicherlich keine Lust drauf…“ Zögerlich näherte sich der erste Detektiv seinem Freund. Der verschränkte die Arme.

„Falsch. Ich habe keine Lust darauf, dass du meine Vorschläge alle abblockst, obwohl ich einfach nur helfen will, den Fall zu lösen. Danach können wir immer noch zusammen etwas unternehmen.“

In Wahrheit fürchtete sich der Sportler vor dem, was kommen würde, wenn sie sich mit dem beschäftigten, was zwischen ihnen passiert war. Justus hatte mehr als einmal gezeigt, dass er nicht akzeptierte, was sie beide verband.

Und sollte er seinem Freund wirklich seine Gefühle gestehen, wenn dieser scheinbar nur auf Spaß aus war? Justus schien das Ganze nicht ernst genug zu nehmen.

Und Peter wollte nicht mit gebrochenem Herzen dastehen, während sie versuchten, den Fall abzuschließen. Es wäre besser, sie würden ihn abschließen und danach ihre Angelegenheiten klären. Dann könnte er einen Vorwand suchen, damit sie sich zumindest nicht mehr so häufig sahen.

Die Angst vor einem gebrochenen Herzen brachte ihn dazu, schnippisch auf die Worte seines Freundes zu reagieren: „Aber du machst es dir wieder mal schön einfach, Justus Jonas. Lenkst alles so, dass es für dich passt und wenn einer nicht nach deiner Pfeife tanzt, wird er halt überstimmt. Hätte Bob von dem Brief gewusst, wäre das ganz anders gelaufen.“

Justus wollte etwas erwidern, doch Peter hatte sich in Rage geredet.

„Wir haben endlich die Möglichkeit, Skinny dingfest zu machen! Den Fall vielleicht sogar schon abzuschließen! Und was interessiert dich: Du willst lieber warten und einen gemütlichen Abend verbringen?! Tut mir leid aber ich kann nicht so tun als wäre alles okay, wenn es das nicht ist. Da brauchst du dich nicht wundern, wenn ich meine Zeit lieber anders verbringe. Wenn ich schon nicht am Fall arbeiten kann, gehe ich halt trainieren.“

Justus nutzte den Augenblick, in dem Peter Luft holen musste, um selbst zu Wort zu kommen.

„Ich weiß doch, dass dieser Brief in deinem Kopf herumspukt. Ich wollte dir ursprünglich erläutern, warum ich so reagiert habe. Mir geht es hierbei nicht um Skinny oder sonst irgend wen, sondern um uns -“

Das wollte Peter überhaupt nicht hören. Er fürchtete sich vor den folgenden Worten und unterbrach schnell seinen Freund. „Das ist ja sehr schön für dich. Für mich geht es hier um mehr! Ich will dich und Bob beschützen aber das willst du ja nicht hören!“

„Aber Peter“, zaghaft hob Justus einen Arm in Richtung seines Freundes. Ruckartig wich dieser einen Schritt zurück und wehrte die Geste ab.

„Du interessierst dich wieder kein Stück für das was ich gesagt habe. Weißt du was, ist mir jetzt auch egal. Jetzt bin ich eh trocken und kann auch so nach Hause fahren. Mach doch was du willst, Justus. Das machst du ja eh.“

Mit den Worten ließ er den Schwarzhaarigen alleine am Strand stehen und lief zügigen Schrittes zu seinem Rad. Ohne sich umzudrehen fuhr er schnell nach Hause.

Der Wind schnitt ihm ins Gesicht, so schnell fuhr er. Doch das war ihm egal. Er wollte einfach nur weg.

Zornig suchte er in seinem Zimmer die Kopfhörer, legte sich auf sein Bett und drehte die Musik auf. Schlaf würde er heute Nacht so schnell keinen finden.