Errare humanum est

von Jadrai
KurzgeschichteSchmerz/Trost / P16
Hank Anderson RK200 Markus RK800-51-59 Connor
22.01.2020
22.01.2020
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Vorwort
Hallo liebe Leserinnen! Hallo liebe Leser!
Es ist nun fünf Jahre her, dass ich etwas veröffentlicht habe. Meine Muse hat mich erst wieder vor zwei Jahren aufgrund von DBH geküsst. Das heißt, dass ich ein paar Jahre nicht geschrieben habe und etwas aus der Übung war/bin. Deswegen bin ich mit dem ersten Teil dieses Two Shots absolut nicht zufrieden, obwohl ich ihn arg überarbeitet habe. Der zweite Teil gefällt mir hingegen deutlich besser (wo Connor auch beschreiben wird, wie es für ihn die fünf Wochen war, da es im ersten Teil nicht erwähnt wird), aber auch ihn werde ich noch überarbeiten. Ich kann deswegen nicht genau sagen, wann ich ihn veröffentlichen werde, denn ich bin durch die Arbeit zeitlich sehr eingespannt :/ Aber er wird kommen, versprochen!
(Bei den Lyrics, die ich zum Anfang verwendet habe, handelt es sich btw um den Song Gasoline von Halsey.)


SPOILERWARNUNG!
Wenn ihr noch nicht alle Enden von DBH durchgespielt haben solltet, ab hier bitte nicht mehr weiterlesen, sofern ihr nicht gespoilert werden wollt.
Inspiriert hat mich die Auseinandersetzung zwischen Connor und Hank im Kapitel Kampf um Detroit. Wenn man Hank auf dem Dach stehen lässt (oder ihn tötet), steht Connor zum Schluss unten in der (Androiden)Menge, als Markus seine Rede hält. Ich habe mich gefragt, wie es für ihn weitergeht, wenn man sich für »nicht schießen« entscheidet. Und dann ist das hier entstanden. Und ja, Connor hätte sich hier einfach entscheiden können, sich abzuschalten, aber da er sich auch im Spiel zum Schluss in den Kopf schießt, wenn er der letzte Überlebende von Jericho ist und man sich für Suizid entscheidet, damit er nicht erneut von CyberLife kontrolliert wird, habe ich das mal so übernommen.

So, ich halte jetzt meine Klappe und wünsche euch viel Spaß beim Lesen! :)








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Errare humanum est
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»I think there’s a flaw in my code.
These voices won’t leave me alone.«



Es war der 18. Dezember 2038. Fünf Wochen war es her. Fünf Wochen waren seit dem 11. November vergangen. Und seit fünf Wochen streifte Connor ziellos durch Detroit. Er wusste nicht, wohin er sollte. Wohin er konnte. Er hätte alles haben können, stattdessen hatte er alles verloren. Weil er sie hintergangen hatte - Markus, die Leute von Jericho, Hank. Er hatte sich zu spät für die richtige Seite entschieden. Markus hatte auf Jericho versucht, ihn zur Vernunft zu bringen und gesagt, dass Connor zu ihnen kommen sollte, weil sie sein Volk waren und nicht die Menschen. Er hatte sich davon nicht beeinflussen und stören lassen. Der Nächste, der ihn zur Vernunft bringen wollte, war Hank. Auch seine Worte prallten an Connor ab. Connor hatte ihm auf dem Dach nicht zuhören wollen und hatte ihm lieber gedroht. Er hatte gesagt, dass Hank keine Chance gegen ihn haben würde … und er hätte Hank töten können. Er hatte sich aber entschieden, einfach zu gehen, weil es nicht Teil seiner Mission gewesen war, Hank zu töten. Connor hatte ihm anschließend nur noch mit auf den Weg gegeben, dass er hofft, dass Hank eines Tages über das hinwegkommt, was seinem Sohn passiert ist. Dann hatte er das Dach verlassen - und Hank seit diesem Tag nicht mehr gesehen. Er fragte sich, ob es Hank gut ging, denn ihm ging es ähnlich wie Connor. Hank hatte nur sich selbst und Sumo.

Er bemerkte, wie er anfing, zu zittern. Er fror. Androiden spürten keine Kälte. Androiden spürten keine Wärme. Warum also fror er? Er umklammerte sein mittlerweile vollkommen verschmutztes CyberLife-Jackett, zog es an der rechten und linken Seite in die Mitte, sodass es seinen vorderen Oberkörper zumindest etwas bedeckte. Es war nicht genug … natürlich war es nicht genug.
Als er kurze Zeit später einen familiären Ort erblickte, blieb er stehen. Er hatte nicht bemerkt, wohin er gegangen war, wohin ihn seine Beine getragen hatten. Kurz sah er sich um. Riverfront. Er war in der Nähe des Riverfront. Zögerlich ging er auf die Bank zu und nahm schließlich dort Platz, wo einst Hank gesessen hatte. Und es war genauso ruhig wie damals. Es war fast genauso spät wie damals. Kein Mensch, kein Android. Nur auf der Ambassador Bridge, die Detroit mit Windsor und somit die USA mit Kanada verband, fuhren Autos. Connor sah sich erneut um, begriff dabei zum ersten Mal, was Hank gemeint hatte.

»Ich war sehr oft hier … früher.«
Wie hatte er es als fortschrittlichster Android nicht verknüpfen können, wo es doch offensichtlich gewesen war? Der Spielplatz. Hank war sehr oft hier gewesen … mit Cole.

Er schloss seine Augen und bekam die Bilder, die ihn augenblicklich heimsuchten, nicht aus seinem Kopf. Hank, der ihn anschrie. Ihm offenlegte, dass er angefangen hatte, Connor zu mögen, bis er verstand, dass Connor sich nie ändern würde. Dass er nur vorspielen würde, sein Freund zu sein, Connor aber in Wahrheit nicht einmal wusste, was dieses Wort bedeutete. Aber das entsprach nicht der Wahrheit, denn er mochte Hank. Er mochte ihn wirklich. Es war nicht fair gewesen, dass Hank ihm unterstellt hatte, dass er die Bedeutung des Wortes Freundschaft nicht kennen würde.

Er hatte nun mal einen Auftrag, einen Befehl, den er ausführen wollte.  
Und er hatte freie Schussbahn. Er hätte nur eine Kugel benötigt, um Markus auszuschalten. Aber dann war da etwas. Etwas, das nicht Teil seiner Programmierung gewesen war. Er hatte die Waffe sinken lassen und im gleichen Augenblick hatte er sich im Zen-Garten wiedergefunden. Amanda vor sich, die ihn fast schon hysterisch gefragt hatte, was er da tat. Er hatte nicht einmal selbst gewusst, was er da tat. Wie hätte er ihr also eine zufriedenstellende Antwort geben sollen?

»Gehorche! Das ist ein Befehl!«

Gehorche.

Gehorche!

Ein Befehl.

Ein Befehl!

Er öffnete schlagartig die Augen, atmete heftig. Er brauchte kein Oxygenium und dennoch atmete er schwer. Warum?  
Er war so durcheinander und gleichzeitig so wütend. Wütend auf Hank. Wütend auf Markus. Wütend auf sich. Er war so unfassbar wütend auf sich. Das erste Mal wünschte er sich, er hätte geschossen. Er hätte einfach nur gehorcht und diesen gottverdammten Befehl ausgeübt. Er hätte das getan, was man von ihm verlangt hatte; wozu er erschaffen worden war. Stattdessen saß er nun hier. Verhasst, gehasst. Von Hank. Von Markus. Von allen anderen Abweichlern. Ohne ein Dach über dem Kopf. Frierend. Er war nicht mehr der RK800. Er war einfach nur noch Connor, ein obdachloser Android.
Er stellte sich nicht zum ersten Mal die Frage, wie es weitergehen sollte. Was machte es für einen Sinn, wenn man niemanden hatte? Was machte es für einen Sinn, wenn man von niemandem gewollt war? Was machte es für einen Sinn, wenn man einfach nichts hatte? Was nützte es, weiterzuleben, wenn alles im Kopf ein gottverdammtes Chaos war? Er wollte das nicht mehr, er konnte die Gedanken nicht länger ertragen. Er zog die Waffe, die er noch immer bei sich trug, und betrachtete sie. Das alles konnte so schnell vorbei sein. Nur ein Schuss und das alles würde endlich aufhören. Zögerlich hielt er sich die Waffe unter das Kinn und -

„Bitte tu das nicht, Connor.“ Er vernahm eine bekannte Stimme, weiter weg. Sie war ruhig, so wunderbar ruhig. Aber sie war nur in seinem Kopf. Er drückte die Waffe fester unter sein Kinn, den Finger um den Abzug gelegt. Jeden Augenblick bereit, dieses Leben hinter sich zu lassen.

„Wir bekommen das wieder hin, Connor. Hörst du? Lass bitte die Waffe sinken.“ Die Stimme war näher gekommen, machte ihn wahnsinnig. Er fasste sich mit den Händen an den Kopf, hielt sich die Ohren zu, die Waffe dabei immer noch fest in seiner Hand.

„Raus aus meinem verdammten Kopf!“ Er schrie kurz auf, übermannt von seinen Emotionen. Übermannt von Selbsthass und Angst.

„Connor, hey.“ Er fühlte eine Hand auf seiner Schulter, vorsichtig nur. Er erschrak und sah ruckartig nach hinten.

Markus …
Markus.

„Markus?“ Augenblicklich ließ Connor die Waffe sinken, beinahe glitt sie ihm sogar aus der Hand.

Ungläubig starrte er den Anführer Jerichos an. Das konnte nicht sein. Markus konnte nicht hier sein. Der Druck auf seiner Schulter wurde bestimmter, aber es war nicht unangenehm. Im Gegenteil. Fast, allerdings nur fast, hätte Connor die Augen geschlossen. Die Hand war jedoch genauso schnell wieder verschwunden, wie sie seine Schulter berührt hatte. Stattdessen setzte Markus sich zu ihm auf die Bank. Einen Moment lang sahen sich die zwei Androiden einfach nur an und Markus hatte keinen wirklichen Ausdruck in den Augen, bis sein Blick dann doch fast so etwas wie Mitleid ausstrahlte.

Connor schaute weg und ihm glitt ein „Sieh mich nicht so an“ über die Lippen. Er brauchte kein Mitleid. Er wollte kein Mitleid. Es ließ ihn sich nur noch erbärmlicher fühlen, als er sowieso schon war.

„Entschuldige“, sagte Markus mit einem Hauch Wärme in der Stimme.

Connor kniff die Augen zusammen. Plötzliche Wut überfiel ihn. Er umklammerte die Waffe fest, die andere Hand ballte er zu einer Faust.

„Wo warst du die ganze Zeit? Ich habe dich schon länger gesucht.“

„Hier und da“, antwortete Connor knapp, als er spürte, wie die Wut der Entspannung wich. Er konnte sich nicht erklären, woher diese Schwankungen kamen. Sie machten ihn wahnsinnig. Er blickte wieder zu Markus, der leicht lächelte.

„Wie hast du mich gefunden?“, ergriff Connor nach kurzem Schweigen erneut das Wort.

„Ich bin hier und da“, erwiderte Markus noch immer lächelnd und jetzt schaffte Connor es doch, er lächelte; lachte sogar ganz leise auf. Allerdings war es von kurzer Dauer und sein Gesicht versteinerte sich wieder.

„Warum bist du einfach gegangen? Wir hätten reden können.“ Wenn Connor es nicht besser gewusst hätte, würde er behaupten, dass da Vorwurf in Markus’ Stimme mitschwang. Er wusste nicht, wie einfach es sich Markus vorstellte.

„Ich … ich war mehrmals kurz davor, dich zu erschießen. Du sitzt hier nur noch wegen Lieutenant Anderson.“ Dann wurde es kurz still, bis Connor sich entschloss, fortzufahren. Er sah Markus dabei nicht an, sondern starrte auf den Detroit River. „Bei der Demonstration … ich … ich war auf dem Dach und ich hatte dich bereits im Visier, bis Lieutenant Anderson kam. Wir … wir hatten eine Auseinandersetzung und-“ Connor stockte abrupt. Er begann zu zittern, was dieses Mal nicht an der Kälte lag. Es nützte nichts, wer oder was er jetzt war. Es machte nicht das wett, was er alles getan hatte.

„Ich habe ihn am Leben gelassen, aber er hätte nicht gezögert, mich zu erschießen, wenn ich nicht gegangen wäre.“ Seine Stimme klang brüchig, schwach; sie spiegelte ihn perfekt wider. „Er … er hätte mich getötet, damit du-“ Weiter kam Connor nicht, denn sein Hals schnürte sich immer mehr zu. Markus war für Hank wichtiger, wichtiger als sein Partner. Sein Partner, der er nie wirklich gewesen war und dennoch tat es gerade so unglaublich weh.

Connor brauchte eine kurze Zeit, um sich zu fangen. „Ich habe nichts und niemanden. Ich laufe seit der Demonstration in Detroit umher, habe kein Ziel, kein Zuhause. Niemand würde mich vermissen, wenn ich nicht mehr da wäre, weil jeder-“

„Ich habe mich um dich gesorgt! Denkst du, ich habe dich gesucht, weil es mir Spaß macht?“, unterbrach Markus ihn fast wirsch und klang gar ein wenig verärgert. „Hör zu: Es ist mir egal, wer oder was du vorher warst, denn das warst nicht du.“ Connor spürte eine Hand auf seinem Knie, die leicht zudrückte. „Das, was du jetzt bist, bist wirklich du. Du bist einer von uns, Connor. Und unsere Leute werden dich akzeptieren, wenn sie sehen, dass ich es auch tue.“ Connor schüttelte energisch den Kopf.

Nein. Nie würde er einer von ihnen sein. Er konnte Markus kaum in die Augen sehen, ohne dass ihn Schuld und ein schlechtes Gewissen übermannten. Wie also sollte er mit den anderen Abweichlern umgehen, die er beinahe alle auf dem Gewissen hatte? Das funktionierte nicht.

„Du hast doch keine Ahnung.“

„Dann erklär’ es mir!“, forderte Markus ihn auf, die Hand noch immer auf Connors Knie, die der RK800 wütend von sich schob und aufstand.

Er spürte, wie sich Markus’ Augen in seinen Rücken bohrten. Beinahe schon hektisch drehte sich Connor um, damit er Markus ansehen konnte. „Ich habe unsere Leute getötet - und du weißt es! Genauso gut weißt du, dass die Menschen Jericho wegen mir orten konnten. Und hast du schon vergessen, dass ich dich umbringen wollte? Viermal, um genau zu sein. Und nun soll ich nach all dem weiterleben dürfen? Wo ist das fair, hm? Sag es mir!“

Connor atmete heftig, während Markus ihn ansah und dann auf den Boden schaute. Connor schnaufte spöttisch und nickte, er fühlte sich in diesem Moment so sehr bestätigt. „Siehst du“, sagte er resigniert und nun wieder etwas leiser.

„Connor“, begann Markus, den Blick noch immer auf den Boden gerichtet.

„Nein!“, grätschte Connor sofort dazwischen. Er sollte einfach gehen und Markus darum bitten, ihn allein zu lassen.

Markus schaute wieder auf, sah Connor direkt an und seine Augen verengten sich. Dann stand er auf und kam vor Connor zum Stehen. „Ich habe genau wie du Blut an meinen Händen, weil ich zu stur war. Ich habe billigend in Kauf genommen, dass unserer Leute abgeschlachtet werden, nur damit ich ein Statement setze“, sprach Markus leise.

Erneut schnaufte Connor höhnisch. „Du vergleichst etwas, was man so überhaupt nicht vergleichen kann.“

„Ach ja?“ Die Ruhe war aus Markus’ Stimme gewichen, machte Platz für Wut.

„Ja, denn ich habe sie umgebracht! Du konntest am wenigsten dafür, dass die Menschen geschossen habe!“ Connor hatte mitbekommen, was passiert gewesen war, als die Androiden für ihre Freiheit demonstriert hatten. Dass die Menschen wahllos geschossen hatten, während Markus und die anderen standgehalten hatten.

„Schon vergessen, dass ich dich erschossen habe?“

„Weil du keine Wahl hattest, Markus. Und du hast dich sogar noch indirekt dafür entschuldigt. Außerdem bin ich ja wieder hier, also was soll’s.“

Markus seufzte. „Hör mal,“, begann der Anführer Jerichos sanft, „ich weiß, dass es Dinge gibt, die du dir vielleicht niemals verzeihen wirst. Und das musst du tatsächlich mit dir selbst ausmachen. Aber solltest du nicht trotzdem versuchen, dein Leben zu leben? Solltest du nicht versuchen, Dinge, die in Ordnung zu bringen sind, wieder in Ordnung zu bringen?“ Markus legte seine Hand auf Connors Schulter und blickte ihn eindringlich an.

Sofort musste Connor an Hank denken. Wie jedoch sollte er das Vertrauen des Lieutenant zurückgewinnen? Auch wenn er es so sehr wollte, zweifelte er. Hank war eine harte Nuss, die man kaum knacken konnte. Obwohl er wusste, dass Hank ein guter Mensch war.

„Ich kann nicht zu Hank. Er wird mir nie verzeihen.“ Connor schluckte erneut und konnte Markus nicht in die Augen sehen.

„Woher willst du das wissen, wenn du nicht mit ihm gesprochen hast?“ Connor wusste, dass Markus recht hatte. Aber er hatte nun mal Angst, weil er wusste, wie Hank tickte.

„Ich ruf uns ein Taxi, okay? Ich werde dich zu ihm begleiten. Und wenn du mit Hank geredet hast, möchte ich, dass du zur 8941 Lafayette Avenue kommst. Wir werden dort in Ruhe die Situation besprechen, ja?“, sprach Markus weiter. Connor wusste nicht, was ihn letztendlich dazu bewegte, dass er nickte und somit sein Einverständnis gab. Vielleicht, weil er wusste, dass Markus ihn nun eh nicht mehr sich selbst überlassen würde und Widerstand daher zwecklos war.


Markus hatte Connor wie versprochen zu Hanks Haus begleitet. Dort hatte er ihn mit den Worten „Viel Glück! Und vergiss nicht, dass ich dich erwarte“ stehengelassen und fuhr mit dem Taxi fort. Connor war nun auf sich allein gestellt. Und er war nervös, viel zu nervös, um eine Konversation zu führen. Wenn es dazu überhaupt kommen würde.
Im Haus brannte Licht und auch Sumo hörte er einmal bellen, wenn auch nur sehr leise. Seine Lippen verformten sich zu einem leichten Lächeln, ehe er wieder an Hank denken musste. Die Wahrscheinlichkeit, dass er noch etwas mit Connor zu tun haben wollte, war gering. Viel zu gering.

„Woher willst du das wissen, wenn du nicht mit ihm gesprochen hast?“, hallten Markus’ Worte in seinem Kopf nach.

Warum war er nur so ein Feigling? Warum klopfte er nicht einfach? Er schloss seine Augen, öffnete sie allerdings sofort wieder und betrat das Grundstück des Lieutenant. Er spürte den hämmernden Schlag seines künstlichen Herzens. Es schlug erbarmungslos gegen seinen Brustkorb, schneller und schneller. Noch schneller, als er endlich klopfte. Wann auch immer er die Treppen betreten hatte. Er fand sich jedenfalls plötzlich vor der Tür wieder und hatte geklopft, aber es kam keine Reaktion. Natürlich nicht. Nur Sumo bellte nun etwas lauter. Fast von allein schloss sich Connors Hand um den Türknauf; und tatsächlich öffnete sich die Tür. Etwas überrascht starrte er auf den Knauf, bevor er in das Haus eintrat.

Hank lag auf dem Sofa, schlafend und schnarchend. Eine Whiskeyflasche stand auf dem Couchtisch, war fast geleert. Als Sumo Connor erblickte, stand er sofort auf, bellte und wedelte aufgeregt mit der Rute.

„Na, Kleiner.“ Vorsichtig näherte Connor sich dem großen Bernhardiner und ging vor ihm in die Hocke, um ihn hinter seinem Ohr zu kraulen. Sumo schmiegte sich an Connors Hand, die Augen hatte er dabei genüsslich geschlossen. „Hast du gut auf deinen Besitzer aufgepasst, während ich weg war?“, fragte Connor mit einem Lächeln und Sumo fiepste darauf leise.

„Sumo! Connor! Ruhe! Ich will pennen!“

Ruckartig sah Connor auf und auch Sumo legte den Kopf schief. Langsam stand Connor auf und er merkte, wie sein künstliches Herz vor Schreck stolperte, aber Hank lag immer noch auf dem Sofa, die Augen geschlossen. Doch dann öffneten sie sich schlagartig, blickten erst weit aufgerissen ins Leere und anschließend trafen blaue Augen auf braune Augen. Automatisch ging Connor einen Schritt zurück, während Hank sich aufsetzte, ohne seinen Blick von Connor abzuwenden.

„Was zum Teufel?!“
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