Die Volturiprinzessin und der Wolf

GeschichteRomanze, Fantasy / P18
Aro Jacob Black Leah Clearwater Marcus Renesmee "Nessie" Carlie Cullen
22.01.2020
12.09.2020
18
39.850
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19.07.2020 2.302
 
14. Kein Wolf? Na und?

Als Edward zurück ins Dorf kam, sah er Diddy mit dem Wolfspullover im Arm auf einer Mauerbrüstung sitzen und vor sich auf den Boden starren. Schon wollte er fluchen, weil niemand zum Schutz in ihrer Nähe war, aber da hörte er schon Emmetts Gedanken, die sich wieder einmal um einen Bären drehten und Rosalie, deren Gedanken sich um das Übliche drehten, Mode und Autos. Beide waren, wenn auch für Diddy versteckt in ihrer Nähe, um sie keinen Augenblick aus den Augen zu lassen.
„Wie geht es Billy?“ sah Diddy auf, als Edward näher kam.
„Er hat überlegt, ob er lieber von einer Klippe springen, oder besser davonlaufen sollte“, antwortete Edward.
„Oh nein“, wurde Diddy blass.
„Nein, nein“, so erschrecken wollte Edward das Mädchen nicht, „er kommt gleich, will nur ein paar Minuten noch allein sein.“
„Glaubst du, dass ich mit ihm reden kann?“ Diddy sah Edward fragend an.
Dieser überlegte, Diddy war der Grund von Billys Verstörung in jeder Hinsicht, aber vielleicht war es auch gleich eine gute Prüfung ihrer Beziehung. Leider konnte er wieder einmal nicht in Diddys Kopf rein.
„Ja, aber sei ehrlich zu ihm, täusche nicht Mitgefühl vor, wenn du keines hast“, warnte er sie.
Plötzlich fühlte er, wie Diddys Gedanken sich ihm öffneten, es war, als ginge ein großes Tor auf, er sah sich in einen blühenden Garten und er hörte ihre Gedanken, die voller Sorge um Billy waren, echtes Mitgefühl, aber bevor er noch tiefer gehen konnte, fiel das Tor wieder zu und er stand wieder vor der grauen Nebelwand.
„Du bist ganz und gar Marcus Tochter“, meinte er und konnte nicht verhindern, dass er bewundernd klang.
„Ach ja? Ich weiß gar nicht, was du meinst“, tat Diddy harmlos, doch in ihren Augen funkelte es verdächtig.
„Nun geh schon, aber sei nicht gekränkt, wenn er dich wieder fortschickt“, mahnte Edward das Mädchen noch, bevor es in die Richtung verschwand, woher Edward gekommen war.
„Sollen wir ihr folgen?“ fragte Emmett, der neben Edward auftauchte.
Edward überlegte, ob er ihr selbst folgen sollte, entschied sich aber dann dagegen, er scheute sich davor, nicht nur das Gespräch der beiden mitzuhören, sondern auch ihre Gedanken dabei zu lesen.
„Ja, aber haltet genügend Abstand, damit sie nicht merken, dass ihr da seid, lasst ihnen ein bisschen Privatsphäre“, nickte Edward ihm zu, worauf Emmett die Finger kurz in die Ohren steckte und breit dabei grinste.

Billy wollte schon gehen, aber noch scheute er sich davor, den anderen unter die Augen zu treten und so setzte er sich wieder auf einen großen Stein, starrte in die Ferne und hoffte, der Mut, sich seiner Schande zu stellen, käme von irgendwo her.
Fast zu spät bemerkte er, dass sich ihm wer näherte.
„Du brauchst nicht zurückkommen, um mich zu holen, ich komme schon von selbst“, brummte er in der Meinung, Edward sei zurückgekehrt.
„Entschuldige, ich wollte dich nicht stören“, sagte Diddy zögernd, blieb abwartend stehen.
Billy wollte schon aufspringen und davonlaufen, aber dann blieb er doch sitzen.
„Du störst mich nicht“, presste er hervor und rückte ein wenig zur Seite um Diddy so viel Platz wie möglich zu lassen.
Diddy setzte sich, auch bedacht, ihm nicht zu nahe zu kommen.
„Jedes Mal, wenn ich hier bin, wundere ich mich, wie grün es hier ist, der dichte Wald, das schäumende Meer, es ist so… so viel Natur“, versuchte sie, ein harmloses Gespräch anzufangen.
„Ist es denn bei euch nicht so?“ fragte Billy verwundert.
„Nein“, Diddy musste lachen, „unser Haus liegt zwar auch mitten im Grünen, ist aber umgeben von Feldern und ganzen Berghänge voll von Weinreben, Wald haben wir auch, aber nur wenig und in der Festung, naja, da ist nichts mit Grün und Wald, aber das kannst du dir ja ohnehin denken.“
„Ich stelle es mir schrecklich vor, so in einer Festung unter der Erde“, Billy war froh, von ganz etwas anderem als seinem Missgeschick sprechen zu können.
„Es ist nicht schrecklich, nur anders“, verteidigte Diddy sofort ihr zu Hause, „es ist nicht eng und finster, es gibt sehr viele große Räume, alle haben geräumige Wohnungen, die Privaträume meiner Familie und die meiner Onkel sind geradezu riesig. Wir haben Sporthallen, Bäder, einen schönen Garten…“,
„Ich kann es mir ganz einfach nicht vorstellen“, schüttelte Billy den Kopf.
„Du solltest uns einmal besuchen, es würde dir bestimmt gefallen, du könntest mit Sandro trainieren, wir haben auch die neuesten Computerspiele, da gibt es richtige Wettbewerbe, wer zuerst gewinnt und vieles mehr.“
„Euch dort besuchen?“ Billy sah sie entgeistert an, „das würde mein Vater nie erlauben!“
„Wenn ich meinen Vater bitte, es deinem Vater vorzuschlagen, dann kann er nicht mehr nein sagen“, war sich Diddy sicher.
Ja, dessen war sich Billy auch sicher, denn einem Marcus Volturi widersetzte sich man nicht, doch das würde seinen Vater in arge Bedrängnis bringen und das war das letzte, was Billy wollte.
„Ja, vielleicht, irgendwann einmal“, sagte er deshalb vage.
„Du musst ja nicht, wenn du nicht willst“, war Diddy nun verschnupft.
„Ich will schon“, beeilte sich Billy, zu sagen, „aber ich weiß nicht, ein Wolf, äh…, ich meinte, ein Quileute unter all den Vampiren…“,
„Meine Mutter ist auch eine Quileute“, erwiderte Diddy.
„Ja, aber sie ist schon so lange dort, sie ist…“, Billy wusste nicht, wie er es sagen sollte, er erinnerte sich an das Gespräch mit seinem Vater.
„Ich weiß, sie ist vor allem die Frau des Marcus Volturi“, nickte Diddy und klang auf einmal sehr erwachsen, „sie hatte es anfangs nicht leicht unter all den Vam…, den Mitbewohnern der Festung.“
„Es muss schrecklich gewesen sein“, war sich Billy sicher.
„Na, so schrecklich wieder auch nicht“, widersprach Diddy, „sonst wäre sie nicht geblieben.“
„Sie muss deinen Vater sehr geliebt haben“, war sich Billy sicher.
„Das tut sie immer noch und er ebenfalls“, sagte Diddy leise.
Beide versanken in verlegenes Schweigen, wussten nicht, was sie sagen sollten.

„Es tut mir leid…“,
„Es tut mir leid…“,
Zugleich kamen die Worte über ihre Lippen, sie hielten erschrocken inne.
„Was tut dir leid? Dass ich mich so blamiert habe?“ fuhr Billy Diddy an, sofort schämte er sich für seinen Ausbruch, biss sich auf die Lippen.
„Nein, denn du hast dich nicht blamiert, es tut mir leid, dass du darunter so leidest“, antwortete Diddy.
„Warum glaubst du, dass ich leide, vielleicht bin ja froh darüber?!“ widersprach Billy.
„So siehst du aber nicht aus“, stellte Diddy fest.
„So, wie sehe ich denn aus?“
„So als ob du am liebsten weglaufen würdest“, traf Diddy den Nagel auf dem Kopf.
„Das wäre wohl auch das Beste“, seufzte Billy, „was glaubst du, wie meine Freunde über mich spotten werden.“
„Na und? Ist denen noch nie ein Missgeschick passiert?“, zuckte Diddy mit den Schultern, „mir schon, denn als ich zum Beispiel anfing mit Pfeil und Bogen zu schießen, hat der arme Alec so manchen Pfeil abbekommen.“
„Du hast auf den Vampir mit Pfeilen geschossen?“ mit großen Augen sah Billy sie an.
„Ja“, nickte Diddy, „Sandro und ich haben im Geschichtsunterricht von Wilhelm Tell gelesen, so ein Rebell aus der Schweiz, du weißt schon, der mit dem Pfeil und dem Apfel.“
Nein davon wusste Billy nichts, aber er wollte nicht als Dummkopf dastehen und deshalb nickte er.
„Der schießt doch einen Apfel vom Kopf seines Sohnes und das wollten wir beide auch ausprobieren“, erzählte Diddy weiter, „eigentlich wollten wir beide aufeinander schießen, aber Felix war darüber entsetzt und verbot es uns, leider ist er selbst zu groß, um den Sohn des Tell zu spielen und so hielt Alec seinen Kopf für uns hin“, nun kicherte Diddy, „wenn er keine Vampir Haut hätte, wäre er nun durchlöchert wie ein Sieb.“
„Und wenn er ein Mensch wäre, dann wäre er tot“, wandte Billy ein.
„Das weiß ich, Sandro und ich würden so etwas nie mit einem Menschen machen“, antwortete Diddy beleidigt, „wir sind ja nicht blöd.“
„Entschuldige, es klingt nur so… so unwirklich.“
„Ja, ich weiß, das Leben in der Festung ist eben anders“, wusste auch Diddy.
Sie sah Billy von der Seite an.
„Haben dir deine Eltern erzählt, dass mein Bruder eine Gabe hat?“ fragte sie unvermittelt.
„Ja, aber ich habe nicht richtig hingehört“, gab Billy zu.
„Er kann Schnee und Eis machen!“ Diddy lachte auf, „er hat Emmett eine Schneehaube aufgesetzt!“
„Wirklich?“ Billys Augen begannen vergnügt zu funkeln.
„Ja, er hat sich vertan, aber inzwischen kann er es bestimmt schon sehr gut“, sagte Diddy nun stolz, „wenn er herkommt, kann er eine Eisbahn machen und wir können dann Schlittschuh laufen!“
Billy schüttelte den Kopf.
„Du sagst das, als ob es die normalste Sache der Welt wäre.“
„Irgendwie ist es das doch auch“, erwiderte Diddy, „zumindest für uns. Dein Großvater kann Gedanken lesen, deine Großmutter einen Schutzschirm über alles geben, Alice mit ihren Visionen, Jasper mit seinen Gefühlswellen, dein Vater kann sich in einen Wolf verwandeln…“,
„Ich kann das auch“, aber dann seufzte Billy, „zumindest konnte ich es.“
„In der Festung können fast alle etwas“, fuhr Diddy fort, so als ob sie den Einwand nicht gehört hätte, „mein Vater kann Feuer machen, mein Bruder Eis, meine Mutter kann sich in einen Wolf verwandeln und ich…“, sie hob ihre Schultern, „ich kann gar nichts! Ich habe keine Gabe und die Chance, mich je in einen Wolf zu verwandeln ist verschwindend gering. Aber was solls, dann eben nicht, ich bin trotzdem ich!“
Ein ganz klein wenig hatte Diddy soeben geschwindelt, denn sie hatte sehr wohl eine Gabe, zwar noch ganz schwach und sie musste sich sehr konzentrieren, dann konnte sie sehen, ob zwei Menschen oder auch Vampire zusammen gehörten, aber das wollte sie Billy nicht erzählen, zumindest noch nicht.
„Ja und das ist schon sehr gut“, murmelte Billy.
„Ich meine damit, dass ich mir deshalb keine grauen Haare wachsen lasse, ich lebe mein Leben und genieße jeden Tag und das solltest du auch tun. Du bist ein Wolf, gut, du hast dich verwandelt, sehr gut, du kannst es im Augenblick nicht, weniger gut, aber das ist auch schon alles. Die Welt dreht sich deswegen weiter und auch du kannst trotzdem tausende Dinge tun, die dir Spaß machen, auch ohne ein Wolf zu sein. Irgendwann wird es wieder funktionieren und wenn nicht, dann eben nicht.“
Billy antwortete nicht gleich, doch dann schüttelte er den Kopf.
„Es ist schon eigenartig“, sagte er, „ich kann mich nicht in einen Wolf verwandeln und deine Mutter konnte sich fast nicht mehr zurück verwandeln.“
Diddy kannte natürlich die Geschichte ihrer Eltern, aber sie fühlte, dass es Billy helfen würde, davon zu erzählen.
„Du warst dabei?“ fragte sie deshalb.
„Ja, aber ich war noch ganz klein“, erinnerte sich Billy, „ich kann mich nur noch erinnern, dass ich zwischen den riesigen Wölfen stand und ein sehr großer fremder Mann dabei war. Aber da ja alle Wölfe als Menschen sehr groß sind, hatte ich keine Angst, nur als der Mann dann Feuer machte, rutschte mir das Herz ziemlich tief in die Hose.“
„Und der Drachenmann war geboren“, kicherte Diddy.
„Ja, seit damals bekomme ich das ständig zu hören“, brummte Billy.
„Und dann hat sich meine Mutter wieder verwandeln können und sie haben geheiratet“, Diddy bekam einen schwärmerischen Gesichtsausdruck, „ich wäre so gerne dabei gewesen.“
„Nun das hätte nicht funktionieren können“, lachte Billy, „aber ich war dabei.“
„Ja, richtig! War meine Mutter eine schöne Braut?“
„Keine Ahnung“, zuckte Billy mit den Schultern, „wenn ich daran denke, sehe ich nur sehr viele Füße und lange Kleider vor mir.“
„Du warst ja auch klein und alle anderen groß“, Diddy strich gedankenverloren über den Pullover, den sie noch immer in der Hand hielt, „wenn ich mal heirate, möchte ich auch eine so schöne Braut sein.“
„Das bist du bestimmt, oder noch schöner“, sagte Billy, verstummte aber dann verlegen und auch Diddy schwieg. Sie stellte sich selbst als Braut vor, in einem schönen weißen Kleid und dem Goldumhang, den ihr ihre Mutter einmal gezeigt hatte, sah vor sich, wie ihr Vater sie dem Bräutigam zuführte, einem jungen Mann, der jemand verdammt ähnlich sah, sie sah auf und sah genau in die braunen Augen Billys und ohne es zu wollen erschauerte sie und auch in Billy gab es einen Aufruhr der Gefühle, die er bisher noch nicht gekannt hatte.
„Ist dir kalt?“ fragte Billy, froh, einen Grund zu haben, etwas harmloses sagen zu können und Diddy nickte, obwohl ihr im Augenblick eher das Gegenteil war.
„Dann zieh den Pullover an, den du in der Hand hast“, schlug Billy vor.
„Es ist der, den ich dir gerade geschenkt habe“, wehrte Diddy ab.
„Ich erlaube dir trotzdem, dass du ihn anziehst, aber nur ausnahmsweise“, grinste nun Billy breit.
Diddy schlüpfte hinein und verschwand fast darin, liebevoll fuhr sie mit der Hand über das Wolfsbild.
„Schau, er ist bei mir ganz faltig“, sagte sie bedauernd.
„Das sind eben Sorgenfalten“, meinte Billy, passend zu seiner Stimmung.
„Nein, das sind Lachfalten“, korrigierte Diddy, „er lacht sich kringelig, weil wir hier sitzen und gleich patschnass werden, wenn aus den Tropfen ein Regen wird.“
Ohne dass die zwei es richtig mitbekommen hatten, hatte sich der Himmel verdunkelt und erste Tropfen klatschten zu Boden.
„Dann sollten wir zusehen, dass wir nach Hause kommen“, sagte Billy und hielt Diddy seine Hand hin.
„Ja, gehen wir nach Hause“, nickte sie und Hand in Hand liefen sie los.

„Na also“, brummte Emmett, „alles wieder im Lot. Und mich soll der nächste Bär fressen, wenn aus den beiden nicht demnächst ein Liebespaar wird.“
„Demnächst ist nicht sofort“, sagte Rosalie, „was ist mit uns, zuerst Bär oder wir zwei?“ doch als Emmett zu zögern schien, fuhr sie mit strenger Stimme fort, „untersteh dich, jetzt etwas Falsches zu sagen!“
„Ich wollte doch nur sagen, dass wir die beiden zuerst noch gut zu Hause abliefern müssen und dann ab in die nächste Felshöhle“, erwiderte Emmett kleinlaut.
„Gut für dich, dass du noch die richtige Kurve genommen hast“, fauchte Rosalie, aber dann konnte sie nicht weitersprechen, Emmetts Lippen hinderte sie daran.
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