Adorable You

GeschichteAllgemein / P12
OC (Own Character) Zack Addy
21.01.2020
21.01.2020
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Adorable You

›Bezaubernd‹ war das Wort, das Zack beim Anblick der jungen Frau jedes Mal aufs Neue durch den Kopf schoss. Hodgins Vermutung, er würde nur wegen ihr Tag für Tag die Cafeteria aufsuchen, hatte er stets abgestritten, doch im Grunde hatte der Entomologe Recht. Aber in Zack’s Augen waren die Käsemaccaroni eine durchaus gerechtfertigte Ausrede; und das lag nicht daran, dass es Juliette Kettner — ihren Namen kannte er von dem kleinen Schild an ihrer hellblauen Schürze — war, die ihm die Maccaronis servierte. Ihre Kollegen nannten sie alle Julie, einfach nur Julie, und er mochte das. Es klang in seinen Ohren einfach bezaubernd, und da war er schon wieder bei diesem verdammt emotionalen Wort ›bezaubernd‹, das so ganz und gar nicht in seinen gewöhnlichen Wortschatz passte.

Das Team um Dr. Temperance Brennan arbeitete gerade an einem neuen Fall, eigentlich sollte er jetzt im Labor sitzen und den Schädel rekonstruieren, doch trotzdem nahm Zack sich die Zeit in der Mittagspause in die Cafeteria zu gehen. Denn mittlerweile wusste er, dass die hübsche Julie nur bis eins dort arbeitete. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, es war bereits viertel vor eins. Seine Schritte wurden schneller, er musste sich beeilen, wenn er sie noch sehen wollte. Auch wenn er sich selbst einredete, dass er sie nur sehen wollte, weil sie ihm immer eine besonders große Portion Käsemaccaronis auf den Teller schöpfte. Mit dem strahlenden Lächeln und dem wohl klingenden »Hi, Zack« hatte seine Vorfreude überhaupt nichts zu tun.

Zu Beginn hatte sie ihn noch Doctor Addy genannt. Er hatte sie erst darüber aufgeklärt, dass er noch kein Doctor sei und dann gefragt, woher sie seinen Namen kenne. Darauf lächelte sie nur und meinte, das Jeffersonian Institut sei klein, wenn es um Neuigkeiten ginge und das Erscheinen eines so jungen, intelligenten Mannes wie ihn sei definitiv etwas, was schnell herumerzählt wird. Das war die bisher längste Unterhaltung, die sie miteinander geführt haben, wenn man es denn überhaupt eine Unterhaltung nennen konnte.

Um neun vor eins stürmte er schon fast in die Cafeteria und stellte sich an das relativ kurze Ende der Warteschlange. Er hörte erst ihr leises Kichern, bevor er einen Blick auf sie werfen konnte. Ihr dunkelbraunes Haar, das aus manchen Winkeln mehr schwarz wirkte, war zu einem Zopf gebunden, die braunen Augen ungeschminkt, nur ihre Lippen schimmerten etwas — vielleicht eine Fettcreme, überlegte Zack, schüttelte aber sofort den Kopf über solch banale Gedanken.

Drei Anzugträger waren noch vor ihm an der Reihe. Manchmal glaubte Zack, er sei nicht der einzige, der nur zu Julie wollte. Denn alle drei Männer vor ihm schoben ihr Tablett ebenfalls an den Salaten und dem Fleischgericht vorbei, direkt zu Julie und den Käsemaccaronis.

Zack warf einen weiteren Blick auf seine Uhr. Zwei Minuten vor eins. Er wurde ungeduldig, klapperte mit den Fingern auf das Tablett, stellte sich etwas auf die Zehenspitzen, um dem Mann vor ihm irgendwie anzudeuten, dass er es eilig hatte. Nicht nur, dass Julie gleich ihre Schicht beendet, sondern auch Dr. Brennan wartete auf ihn oder viel mehr auf den Schädel, den er rekonstruieren sollte, möglichst gestern schon. Dr. Brennan würden die Ausreden über Käsemaccaronis oder hübsche Frauen hinter der Theke der Essensausgabe nur mäßig interessieren, wenn er damit die Zeit verschwendete, die er eigentlich in die Aufklärung des Mordfalles stecken sollte.

»Hi, Zack«, hörte er da plötzlich die gewohnte Begrüßung.

Erst jetzt fiel Zack auf, dass er mittlerweile an der Reihe war. Unbewusst wurde ihm eine Sache klar: sie überzog ihre Dienstzeit, um ihm sein Essen zu geben. Wahrscheinlich redete er sich das nur ein, doch der Gedanke, dies könnte der Wahrheit entsprechen, machte ihn auf eine unbekannte Art glücklich.

»Käsemaccaroni?«, fragte sie und zeigte bei dem Lächeln ihre weißen Zähne. Schon beim ersten Treffen war ihm der leicht schief stehende linke Schneidezahn aufgefallen. Doch Zack Addy fand, das verlieh ihrem Lächeln diesen ganz besonderen Charme. Noch ehe er antworten konnte, löffelte sie bereits einen Berg der käsigen Nudeln auf einen Teller und reichte ihn herüber.

Viel zu spät sagte er: »Ja, genau.« Er nahm den Teller, stellte ihn auf sein Tablett und blieb dort an der Theke stehen.

»Ich habe jetzt aus«, sagte sie schließlich. Er sagte ihr nicht, dass er das sehr wohl wusste; und zu seiner Überraschung fügte sie an: »Ich habe noch kurz Zeit. Willst du … vielleicht … zusammen essen?« Ihre Stimme klang nervös, das kannte er nicht von ihr. Er dachte immer, sie sei eine von der aufgeschlossenen, mutigen Sorte. Doch es war kein Wunder, wenn er sich damit getäuscht hatte, immerhin war er nicht unbedingt für seine besonders guten Menschenkenntnisse bekannte. Wenn man es genau nahm, konnte er mit zwischenmenschlichem überhaupt nichts anfangen, selbst wenn er sich Mühe gab, auch wenn das nicht oft passierte; aber bei Julie wollte er es versuchen.

Zachary Addy, mit einem IQ von deutlich über 163 und einem fotografischen Gedächtnis, bekam kein Wort heraus. Er versuchte sich an einem Lächeln und nickte. Nach einem Räuspern schaffte er es dann doch »Gerne« zu sagen.

Julie schöpfte sich ebenfalls etwas der Käsemaccaroni, aber eine wesentlich kleinere Portion, als sie Zack gegeben hatte, kam hinter der Theke hervor und folgte ihm mit dem Teller in der einen und einer Gabel in der anderen Hand an einen der runden Tische.

Nach einigen Minuten des Schweigens, in denen Zack viel zu oft die Wörter ›bezaubernd‹ und ›hinreißend‹ dachte, ergriff sie das Wort. »Ich studiere Archäologie«, berichtete sie ihm zwischen zwei Bissen. »Nicht, dass du denkst, ich würde das hier« — sie deutete erst auf ihre Schürze und dann auf die Theke — »hauptberuflich machen. Wie ich gehört habe, bist du nach Doctor Brennan der Beste auf deinem Gebiet. Deswegen wollte ich, dass du weißt, das ich auch studiere. Ich verdiene mir hier nur nebenbei etwas Geld.«

Der dunkelhaarige sah sie irritiert an. »Wieso ist es dir wichtig, dass ich das weiß?« Er verstand den Zusammenhang ihrer Worte nicht. Obwohl sie ihm gerade klar gemacht hat, dass sie wusste, wie intelligent er war, oder vielleicht genau deswegen, war es ihm unangenehm, die Bedeutung ihrer Worte nachfragen zu müssen. Normalerweise fragten die anderen ihn, was er sagte, nicht andersherum.

Verlegen starrte sie auf ihren Teller, umklammerte die Gabel nun mit mehr Kraft als zuvor. Er erkannte an ihrer Hand die körperliche Verkrampfung, konnte sich aber keinen Reim daraus schließen, wieso sie nun plötzlich nervös sein sollte. Nicht bis sie sagte: »Ich — du gefällst mir. Ich finde dich sympathisch.« Sie zog mit dem Finger etwas Käse in die Höhe, bis er abriss und sie ihn sich in den Mund steckte. Viel zu lange kaute sie auf dem bisschen herum, bevor sie schluckte. »Deswegen wollte ich dir mit der Tatsache, dass ich studiere, etwas imponieren.« Julie legte den Kopf schief. Sie sah ihm jetzt wieder in die Augen, lächelte leicht. »Vielleicht könnten wir uns ja mal treffen, außerhalb dieser Cafeteria, auch außerhalb des Jeffersonian Instituts?«

Endlich konnte er wieder ihr hübsches Gesicht ansehen, doch gleichzeitig wusste er überhaupt nicht mehr, wo ihm der Kopf stand. Ihm war nicht bewusst, dass jemals ein menschliches Wesen des anderen Geschlechts an ihm Interesse zeigen würde; und gerade dann als sich diese Vermutung als falsch herausstellte, gefiel sie ihm auch. Zumindest glaubte er, dass sie ihm auf diese gewisse andere Art und Weise gefiel. Diese Art über die seine Kollegen, insbesondere Angela und Hodgins und auch Booth und Dr. Saroyan, immer miteinander sprachen; dieses gefühlsmäßige Zeug.

Ganz plötzlich, ohne dass Zack die Chance ergreifen konnte, irgendetwas darauf zu erwidern, nachdem er sie sicher einige Minuten nur angestarrt hatte, stand sie auf, ohne aufgegessen zu haben und verabschiedete sich von ihm. »Bis Morgen, Zachary.« Für den jungen forensischen Anthropologen war das ein Versprechen. Vielleicht wartete sie in der Mittagszeit auch auf ihn. Natürlich war das nur eine Vermutung … und ihren Worten zufolge, eine nicht mal ganz so unwahrscheinliche. Hodgins würde das nicht glauben, sollte Zack jemals das Bedürfnis verspüren, mit seinem Kollegen, der irgendwie auch dem, was ein Freund war, am nächsten kam, darüber zu sprechen. Den Moment des inneren Glücksgefühls konnte er allerdings nicht lange genießen, denn er kam nicht umhin, sich selbst für sein bescheuertes, sehr unmännliches Verhalten Julie gegenüber zu maßregeln.

Wieso hat er nichts gesagt? Auf der anderen Seite: was hätte er sagen sollen? Wie viel Zeit vergangen war, merkte er an den kalt gewordenen Käsemaccaronis. Das war eindeutig ein Zeichen sofort Richtung Labor aufzubrechen und endlich seiner eigentlichen Arbeit nachzugehen; dieser Schädel musste so schnell wie möglich rekonstruiert werden.

Das verschmitzte Grinsen, das er bei seiner Rückkehr auf den Lippen trug, entging natürlich keinem seiner Kollegen — außer natürlich Doctor Temperance Brennan — und die Gerüchteküche begann zu brodeln.

+++


Am Montag der nächsten Woche hatte Julie es ganz besonders eilig, in das Café gegenüber des Jeffersonian Instituts zu kommen. Sie kämpfte sich durch den dichten Schnee, der seit Mitternacht ohne Pause von den Wolken ausgeschüttet wurde. Vor dem Café stampfte sie den weißen festen Schnee von ihren braunen Stiefeln und im Inneren zog sie die Mütze aus, um ihr dunkles Haar auszuschütteln. Zu ihrer freudigen Überraschung erkannte sie den dunklen Haarschopf vor sich in der Schlange. Ohne groß darüber nachzudenken, wuschelte sie ihm durch das Haar, und entfernte so die weißen Schneeflocken.

Daraufhin drehte sich der junge Mann um, den Mund halb geöffnet, wohl um sich für die Frechheit, aus dem Nichts heraus angefasst zu werden, zu beschweren. Sie konnte an seinen Gesichtszügen erkennen, wie er erst einen Moment brauchte, bevor er sie erkannte und als die Julie aus der Cafeteria identifizierte. Doch kaum wusste er, wer sie war, schlich sich dieses unheimlich süße, verschmitzte Lächeln auf seine Lippen, dessen Anblick ihr Herz immer schneller schlagen ließ.

»Hi, Zack«, grinste sie.

Er räusperte sich. »Hey, Julie.« Wieder wurde sie von ihm überrascht, als es dieses Mal der angehende Doctor der Anthropologie war, der eine Hand hob und ebenfalls einige Schneeflocken aus ihrem Haar strich. Seine Finger berührten dabei kurz ihre Wange. Unbewusst legte sie ihre Hand auf die seine und strahlte ihn an; sie konnte einfach nicht anders.

Als sie beide sich mit verlegenen Blicken wieder aus ihrer Starre lösten, versuchte sie, ein Gespräch zu beginnen: »Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich mein Treffen mit dir außerhalb des Jeffersonian  so schnell bekommen würde.«

»Hier gibt es die besten Blaubeer-Muffins«, erklärte Zack den Grund für sein Dasein.

»Leider nur montags«, ergänzte sie. »Ich hole mir auch immer einen, für einen guten Start in die Woche.« Nach einigen Momenten sagte sie: »Du bist an der Reihe.«

Zack bestellte sich einen der berühmten Blaubeer-Muffins, der ihm in einer Papiertüte über die Theke gereicht wurde. Er bezahlte und machte einen Schritt zur Seite, damit Julie vortreten konnte. Er wirkte nun nervös, zögerlich, schien zu überlegen, ob er auf sie warten solle, oder ob ihr Gespräch, ihre Zweisamkeit nun beendet war. Lange konnte er diesen Gedankengang nicht verfolgen, denn Julie nahm auch nur einen der Muffins und eine Flasche Wasser und war schnell fertig. In einem stillen Übereinkommen setzten sie sich gemeinsam im Café an einen der Tische, obwohl sie beide theoretisch keine Zeit für Trödeleien hatten. Zack musste Morde aufklären, Julie hatte Vorlesungen an der Uni.

Schweigend beobachteten sie das Schneetreiben vor dem Fenster.

»Du hast gesagt, du findest mich sympathisch.« Zack hatte diesen monotonen Ton in der Stimme, mit der er wichtige Dinge erklärte. Einmal hat Julie Zack mit einem seiner Kollegen — Jack Hodgins war sein Name — sprechen hören, über Dinge, die sie sich nicht mal ansatzweise erklären konnte, die für sie aber völlig normal waren. »Für mich ist meine Intelligenz in gewisser Weise ein Handicap. Zunächst einmal bin ich seltsam. Und andererseits fühlen sich Menschen in meiner Gegenwart dumm und das nehmen sie mir übel. Das sind beides Gründe, die es mir schwer machen, zu glauben, du könntest mich sympathisch finden.«

Julie lehnte sich etwas vor, damit nicht jeder ihren Worten lauschen konnte und natürlich um Zacks warme braune Augen aus der Nähe bewundern zu können. »Ich finde dich süß, nicht seltsam.« Sie wollte ihm die Sorgen nehmen. »Natürlich haben wir noch nicht sonderlich viel Zeit miteinander verbracht, daher kann ich es weder bestätigen, noch abstreiten, dass Leute sich in deiner Gegenwart dumm fühlen, aber ich habe die Einstellung, dass es durchaus Menschen da draußen gibt, die intelligenter sind als ich und du bist nun mal einer davon — warum soll ich dir das übel nehmen?« Sie nahm einen Schluck aus ihrer Wasserflasche. »Und wenn wir schon von seltsam sprechen, Zack, ich sammle Steine. Außerdem studiere ich Archäologie, weil ich die Vorstellung Knochen und andere Funde auszugraben, interessant finde. Ich bin absolut langweilig.«

»Willst du mir damit sagen, seltsam und langweilig sind möglicherweise eine gute Kombination?«, lächelte Zack.

»So in etwa. Einen Versuch wäre es doch wert, oder nicht?« Sie beugte sich noch weiter vor und hauchte ihm einen zarten Kuss auf die Wange. »Ich muss jetzt los, die Professoren warten nicht auf mich.« Vor dem Verlassen des so angenehmen Cafés, schloss sie ihre Jacke und zog die Mütze wieder auf. Eisige Kälte empfing sie draußen und am liebsten wäre sie wieder in das warme Innere zurückgekehrt.

Mehrere Wochen, in denen Julie und Zack sich jeden Mittag in der Cafeteria und montags im Café trafen, vergingen. Nach der anfänglichen Nervosität stellten sie beide fest, wie gut sie doch miteinander umgehen konnten. Julies Herz schlug immer noch schneller, wenn sie den jungen Anthropologen sah; und auch Zack entdeckte für sich selbst die tiefere Bedeutung von Emotionen und einen besseren Umgang im Zwischenmenschlichen — zumindest mit seiner Juliette. Doch zu Julies Freude blieben dem jungen Mann die leichte Unsicherheit und schüchterne Verpeiltheit, die sie so an ihm mochte.

An einem Tag besuchte Julie nach ihrer Schicht in der Cafeteria Zack in dem Labor, da ihre nachmittägliche Vorlesung ausfiel und sie so Zeit hatte. Beim Anblick des in einem dunkelblauen Overalls steckenden Zachary Addy brach sie in schallendes Lachen aus. »Ich würde dich ja umarmen, aber …«, sie hielt sich die Nase zu, »du riechst als hättest du dich in Müll gewälzt.«

Der leicht beleidigte Blick von Zack war unbezahlbar, trotzig marschierte er an ihr vorbei. »Es war eine Mülltonne«, informierte er sie aber netterweise doch. Das leicht verschrobene Lächeln verriet ihr, dass er sich trotz seines Aufzugs freute, sie zu sehen. »Wir haben fehlende Leichenteile gesucht und gefunden.« Julie folgte ihm und spürte die neugierigen Blicke seiner Kollegen auf sich. »Doctor Saroyan wollte mir doch tatsächlich die Telefonnummer des Jeffersonians um den Hals hängen, für die Dauer meines Außeneinsatzes«, beschwerte er sich bei mir. »Damit ich nicht verloren gehe.«

»Das ist irgendwie süß«, lachte Julie. »Das zeigt doch nur, wie wichtig du ihnen bist.« Ihr gefiel es, wie er so gelöst mit ihr sprach, obwohl das hier sein Arbeitsplatz war.

Er erklärte ihr noch, wo die Pausenlounge der Gruppe war, bevor er sich umziehen und waschen ging. In der Lounge kam sie nie an, da die beiden Mitarbeiter, die sich als Angela Montenegro und Jack Hodgins, vorstellten, sie sofort belagerten, kaum war Zack außer Sichtweite. Mit einem schüchternen Lächeln ließ sie die Fragen über sich ergehen, wusste nicht, was Zack ihnen erzählt hatte oder was er ihnen erzählen wollte. Sie versuchte sich mit wagen Antworten vor möglichen Fettnäpfchen zu bewahren, bereute es ein wenig, hier so ungeplant aufgetaucht zu sein, ohne vorherige Absprache mit Zack, wusste sie doch selbst nicht so recht, was das zwischen ihnen war.

Die Ankunft von Zack rettete sie. »Oh, ihr habt Julie kennengelernt«, waren seine verlegenen Worte, ehe er ihre Hand nahm und mit sich zog. »Ich zeige dir mein Büro.« Er war unheimlich stolz, als er sein eigenes Büro zugeteilt bekommen hat. Mit ihrer Hand in seiner fühlte sie sich wieder etwas sicherer.

Mit ihm allein streckte sie ihm die Hand entgegen. Er hielt seine darunter und nahm, was sie ihm geben wollte. Irritiert sah er den glattgeschliffenen Stein an. »Ich hab doch gesagt, ich mag Steine«, erklärte sie. »Sie sind hübsch und nützlich, haben schöne Formen und Farben. Schon klar, häufig sind es Grautöne, aber grau kann auch sehr hübsch sein. Ich zumindest mag grau. Du kannst ihn auf deinen Schreibtisch legen oder ins Bücherregal legen oder Papiere damit beschweren.« Mit jedem Wort, das sie sagte, wurde sie leiser. Fast schon schüchtern. Zack war es nicht gewohnt, dass Menschen in seiner Gegenwart schüchtern waren, irritiert und genervt vielleicht, aber nicht schüchtern. Höchstens war er selbst es, der schüchtern war, besonders in Gegenwart von jungen Frauen. Und wieder einmal waren da diese Gefühle, die so neu für ihn waren. Er strich über das in den Stein eingravierte ›Ich mag dich‹ und lächelte verschmitzt; er war glücklich. Zum ersten Mal hatte er das Gefühl, dass es nicht unbedingt das wichtigste war, zur Welt da draußen dazugehören zu wollen; solange er Julie hatte.

»Sagt dir der Ausdruck kurz und bündig etwas?«, unterbrach Zack den Redefluss seiner Julie, nutzte dafür die Worte, die sie in den letzten Wochen des öfteren zu ihm gesagt hat, wenn er wieder zu ausschweifend erzählte.

Zack neigte leicht den Kopf hinunter und küsste Julie sanft auf die rosa Lippen, was in ihrem Inneren ein riesiges Feuerwerk entfachte. Aber nicht nur in ihr; laute Jubelrufe unterbrachen den vorsichtigen ersten Kuss der beiden. Mit hochrotem Kopf erkannte Julie in der offen stehenden Tür Angela und Jack. Den peinlichen und übertriebenen Glückwünschen der beiden entgehend, versteckte sie ihr Gesicht einen Moment an Zacks Brust, ehe sie ihn gleich nochmal küsste. Es war ihr egal, dass die zwei zusahen, solange Zack sie in den Armen hielt, war sie glücklich.

E N D E
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