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2020 01 21: Eine kleine Geschichte über die grenzenlose Begeisterung von Fans [by - Leela -]

Kurzbeschreibung
OneshotAllgemein / P6 / Gen
Zino
21.01.2020
21.01.2020
1
1.810
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21.01.2020 1.810
 
Tag der Veröffentlichung: 21.01.2020
Zitat: "Hast du sie gesehen? Wie sind sie, wie wir?" (Die Engel in den grünen Kugeln)
Titel der Geschichte: »Eine kleine Geschichte über die grenzenlose Begeisterung von Fans«
Autor: - Leela -
Hauptcharaktere: Zino
Nebencharaktere: Eine Handvoll gayanischer Kinder, die Verkäuferin im Buchhandel
Pairings: -/-
Kommentar des Autors: Die Szenerie aus diesem kleinen Werk hier mag dem einen oder anderen Schreiberling eventuell tatsächlich vertrauter erscheinen, als er zunächst erwarten mag, wie mir beim finalen Querlesen selbst erst aufgegangen ist. Wer weiß, vielleicht findet sich jemand von den Lesern & Mitautoren sogar direkt darin wieder? – Das hier erwähnte Buch von Zino gibt es übrigens wirklich, und wurde letztes Jahr von mir auf meinem Account für ihn veröffentlicht. Das aber hier nur als Info nebenbei. Diese Geschichte hier fiel mir additional dazu ein, um mal zu gucken, wie die Resonanz der Bevölkerung auf Zinos Buch ist. Wie auch immer, ich hoffe, dieser kleine OneShot macht euch genauso viel Spaß beim Lesen wie mir beim Schreiben! Zino und ich wünschen euch viel Lesevergnügen!



Eine kleine Geschichte über die grenzenlose Begeisterung von Fans

Hätte Zino gewußt, was es nach sich zog, ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen – er hätte es sicher nicht anders gemacht. Aber er wäre in bestimmten Situationen besser vorbereitet gewesen. Und dabei hatte er nur einmal in seinem Leben das Bedürfnis gehabt, eine Geschichte aufzuschreiben, um sie für die Gayaner auf den Markt zu bringen.
      Zino war schon berühmt gewesen, bevor er das Buch geschrieben hatte. Als Nationalheld Gayas wurde er schon lange gefeiert, und so war er es gewohnt, daß er sofort im Mittelpunkt stand, egal wo er hinkam. Heute stand er einmal mehr unvermittelt im Zentrum der Aufmerksamkeit – allerdings auf eine ganz andere Art und Weise, als er es gewohnt war, oder er es erwartet hätte.
      Mittlerweile war es einige Zeit her, daß er sein Buch herausgebracht hatte. Fast dachte er schon selber nicht mehr darüber nach, als er heute den Buchhandel betrat. Wie gewohnt wandten sich ihm die Blicke der anwesenden Personen zu, als er in den Laden kam. Das kannte er schon. Als Berühmtheit in Gaya zog er sofort die Blicke seines Umfeldes auf sich, wurde für Autogramme und Fotos angesprochen, manchmal sogar für Interviews, und aus der Ferne bewundert. In der Regel ging er nicht darauf ein, bis er angesprochen wurde.
      Er trat an den Tresen des Informationsbereiches und wartete geduldig auf die Dame, die hier im Laden arbeitete. Dabei fiel ihm bereits die kleine Gruppe von Kindern in der Sitzecke auf, wo man sich über die Bücher im Laden informieren konnte. Es war im Grunde nicht anders möglich, als daß sie ihm auffiel, denn es handelte sich um eine lebhafte Gruppe von Schulkindern, sechs oder sieben Kinder schätzte er auf den ersten Blick. Er tippte auf eine Lerngruppe, die vielleicht mit ihrer Lehrerin hier war.
      Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als die Gayanerin mittleren Alters - die ihn glücklicherweise schon kannte und daher nicht in Aufregung über seine Anwesenheit verfiel - ihn ansprach. „Guten Tag! Was kann ich für Sie tun?“
      „Oh, können Sie bitte mal nachschauen, ob Sie dieses Buch für mich besorgen können?“ Er gab ihr einen Zettel mit dem Titel. Es sollte ein Geburtstagsgeschenk für Boo werden; allerdings wurde das Buch nicht direkt in Gaya vertrieben, sondern nur in seinem Ursprungsland Rubingen. Er hoffte inständig, daß der Laden es würde importieren können.
      Die Frau auf der anderen Seite des Tresens runzelte die Stirn, als sie durch ihre halbrunden Brillengläser die Notizen las. „Da muß ich mal eben recherchieren. Das könnte einen Moment dauern.“
      Zino nickte, als Zeichen, daß es ihm nichts ausmachte zu warten.
      Die Verkäuferin verschwand wieder in dem Raum hinter dem Tresen.
      Zino wartete. Nach einem Moment wurde ihm langweilig, und so sah er sich bei den Büchern um, die in seiner Nähe angepriesen wurden. Plötzlich fiel sein Augenmerk auf den kleinen Stand, auf dem sein eigenes Buch angeboten wurde. Er schmunzelte, ging herüber und nahm ein Exemplar zur Hand. »Die Legende von Gayamis«! Darauf war er noch immer stolz.
      Es war ein gayanisches Märchen. Ein Roman für Kinder und Erwachsene gleichermaßen; das Buch erzählte eine Geschichte, die ihm selbst auf der einen Seite sehr vertraut war, denn der Hauptcharakter seiner Erzählung, Zinolaus, hatte viel von ihm selbst – andererseits aber auch voller Magie, erzählte die Geschichte doch von einem magischen Land, das nie ein Gayaner zu sehen bekommen hatte. Dieses Land hieß Gayamis, und in ihm lebten die Elfen; ein Volk, das kleiner war als die Gayaner, und in ihrem Land einen besonderen Zauber ihr eigen nannten.
      Versonnen drehte er das Buch in seinen Händen um und las die Zusammenfassung. Zinolaus, der couragierte und erklärte Held Gayas, hatte keine ruhige Minute mehr, seit die Dorfgemeinschaft herausgefunden hatte, daß er hinter den mysteriösen Heldentaten steckte, die den Gayanern seit einiger Zeit Rätsel aufgaben. Als ihm seine Fans mit ihrer Bewunderung mehr und mehr zu Leibe rücken und sein Privatleben zu kollabieren droht, flüchtet er in die Wälder, um nachzudenken. Dabei entdeckt er ein gut gehütetes Geheimnis: Gayamis!
      „Kennst du das Buch?“
      Zino zuckte tödlich erschrocken zusammen, als er plötzlich von dem Mädchen angesprochen wurde. „Was?“ Es war nicht die eleganteste Reaktion, aber so schnell hatte er diese Art der Resonanz nicht verhindern können.
      „Hast du das Buch noch gar nicht gelesen? Das ist echt richtig gut!“ setzte das Mädchen nach.
      Eine warme Welle arbeitete sich ob des unvermittelten Lobs durch seinen Körper. Und dann folgte der zweite Moment, in dem er nicht nachdachte. „Ob ich…?“ Er lachte auf. „Ob ich es gelesen habe? Ich habe es geschrieben!“
      Ein eigentümlicher Moment schloß sich an, in dem das Mädchen ihn voller Ehrfurcht anstarrte. „Ehrlich?“ brachte sie schließlich heraus.
      Zino versuchte indes, die Füße von seinem leichten Höhenflug wieder ein wenig mehr auf die Erde zu bekommen und antwortete etwas verhaltener: „Ehrlich!“
      Er ahnte bereits hier Unheil. Und dies tat sich jetzt auch auf, als das Mädchen sich zu der Gruppe der restlichen Kinder umwandte und rief: „Hey, Leute, ich hab’ hier den Mann, der die »Legende von Gayamis« geschrieben hat!“
      Ab da brach ein Sturm los. Innerhalb von Sekunden sah der gayanische Nationalheld sich von aufgeregten Kindern umgeben, die ihn mit Fragen überschütteten und förmlich überforderten.
      „Kennst du Zinolaus persönlich?“
      Der Autor des Buches räusperte sich leicht. „Ähm, ja, gewissermaßen…“
      „Gibt es das Land Gayamis wirklich?“
      „Ja, natürlich!“ Er sagte es im Brustton der Überzeugung. Auch wenn Gayamis nur ein fiktives Land war, war es deswegen nicht weniger real als Gaya, oder Rubingen, und die Phantasie eines jeden Gayaners, der sich darauf einlassen konnte, erfüllte es mit Leben.
      „Und die Elfen?“ fragte ein anderes, jüngeres Kind.
      Es wurde prompt von dem Jungen neben ihm angestoßen. „Das ist doch logisch! Wenn es Gayamis gibt, dann gibt es auch die Elfen!“
      Zino schmunzelte amüsiert, was gleichzeitig auch kundtat, daß der Junge ihm die Antwort bereits abgenommen hatte.
      Das kleine Mädchen ließ aber nicht locker. „Stimmt das?“
      „Ja, das stimmt!“ bestätigte Zino.
      „Hast du sie gesehen? Wie sind sie, wie wir?“ wollte ein anderer Junge wissen.
      Ab da entwickelte sich die Situation in eine Richtung, die Zino sich zu Beginn, als er in den Laden gekommen war, nie hätte träumen lassen. Die Kinder wollten alles über die Gayamis-Elfen wissen! Wie sie lebten, wie sie aussahen, was für Fähigkeiten sie hatten, warum man sie nur so selten sah … Alles, was Zino in seinem Buch geschrieben hatte, mußten die Kinder nun ganz genau wissen, präziser, detaillierter, mehr.
      Ehe es sich der große blonde Gayaner versah, hatten die Kinder ihn mit in die Sitzecke genommen, scharten sich zu seinen Füßen und forderten von ihm einen umfassenden Bericht über alles, was noch nicht aus dem Buch über die Elfen herauszulesen war.
      Der überraschte und stolze Autor des Buches gab über alles Auskunft, was er zu verantworten bereit war. So erzählte er seinen gespannt lauschenden Zuhörern, daß die Gayamis-Elfen genau so aussahen wie die Gayaner, nur viel kleiner waren als sie. Er beschrieb ihre Heimat mit den vielen kleinen Häusern, die mitten im Wald in die Bäume hinein gebaut waren und durch Brücken, Leitern, Treppen und Stege miteinander verbunden waren. Er sprach über die besonderen Fähigkeiten der Elfen, den Kräften, die sie aus ihrem Land bezogen, und der Quelle, welche das Land mit Energie versorgte, und welche auch sie zum Überleben brauchten, wodurch sie ihr Land nie lange verlassen durften. Er erklärte aber auch, daß er niemandem erzählen durfte, wo dieses geheimnisvolle Land Gayamis lag.
      Die Verkäuferin lehnte sich derweil auf den Tresen und sah dem Spektakel schmunzelnd zu. Sie konnte ihm auch später noch sagen, daß sie das gesuchte Buch würde hier herbestellen können.

Es wurde viel später als Zino es erwartet hatte, als er den Buchhandel verließ. Der Tag war aufregend gewesen, schön, aber auch anstrengend. Letzteres vor allem deshalb, weil ihn diese Situation so komplett unvorbereitet erwischt hatte.
      Er war es gewohnt gewesen, daß die Gayaner auf ihn aufmerksam wurden, weil er der gayanische Nationalheld war, weil die Leute Autogramme und Fotos mit ihm haben wollten. Aber noch nie hatte er es erlebt, daß er im Mittelpunkt stand, weil man von ihm wissen wollte, ob er tatsächlich schon einmal Gayamis-Elfen gesehen hatte, und ob er wußte, wo ihr Land lag.
      Folgendes stellte er für sich dabei fest: Eines hatte sich nicht in Gaya geändert, seit er das Buch veröffentlicht hatte, nämlich daß die Gayaner ihn bestürmten, kaum daß er auf der Bildfläche erschien. Aber eines hatte sich geändert, und das war, daß nicht mehr er im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses stand, sondern ein fiktives Volk in einem fiktiven Land.
      Diese kleine Erkenntnis ließ ihn schmunzeln. Konnte es eine größere Belohnung für einen Autoren geben als das …?





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Das Fandom kenne ich nicht. Das ändert aber nichts daran, dass ich die Geschichte echt gut finde. Es ist echt interessant zu lesen, wie Zino plötzlich nicht mehr als Nationalheld sondern als Buchautor wahrgenommen wird. Sowas ist doch die Freude eines jeden Autors, wenn plötzlich nicht mehr wichtig ist, wer man ist, sondern nur noch, was man geschrieben hat.

Eure lula-chan
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