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KurzgeschichteDrama, Familie / P12
20.01.2020
20.01.2020
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Der Fernseher lief schon eine ganze Weile als ich nach Hause kam.
Eine dieser Casting Shows, die so scheiße waren, dass sie nur mitten in der Nacht ausgestrahlt wurden.
Cynthia war nirgendswo zu sehen.
So nannte ich sie, Cynthia, meine Mutter.
Sie war nie da.
Mein ganzes Leben nicht.
Ich war immer alleine gewesen.
Mal im Heim, mal in einer Pflegefamilie.
Und gestern stand sie vor der Tür meines Trailers.
Einfach so.
Nach 13 Jahren.
Sie sagte, dass sie nicht wisse, wo sie hin solle.
Das wusste ich auch nie Mama.
Du hast mich verlassen.
Wahrscheinlich konnte sie die Drogen nicht mehr bezahlen.
Vielleicht wollte sie mich anzapfen?
Oder sogar bestehlen.
Nein, das würde sie nicht tun.
Sie hatte Würde.
Aber welcher Mensch mit Würde ließ ein 10 jähriges Kind alleine.
Achso, ja , genau, Cynthia.
Als Kind hatte ich sie angehimmelt.
Sie war die schönste Frau der ganzen Welt.
Für mich natürlich.
Und bevor das Meth sie aufzehrte.
Jetzt war sie hässlich.
Graue Haut, glasige Augen, kratertiefe Falten.
Hässlich.
Meine unzähligen Halbgeschwister von genauso vielen Vätern sahen auch so aus.
Hässlich.
Die Tür zum Schlafzimmer war einen Spalt geöffnet.
Das Licht war aus.
Bevor ich ins Zimmer trat wusste ich, dass sie weg war.
Warum war ich eigentlich noch enttäuscht?
Es war vorhersehbar.
Meine Spardose lag leer auf dem Boden.
Ich Idiot.
Keine Nachricht, kein goodbye.
Aus dem Wohnzimmer hörte man Lachen.
Der Fernseher.
Er war noch eingeschaltet.
Cynthia war nicht mehr da.
Ich bin wieder allein.