To Be Unloved

GeschichteDrama, Romanze / P18
Aslaug Björn Lothbrok Lagertha Lothbrok OC (Own Character)
20.01.2020
03.02.2020
3
7.179
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Dieses Kapitel
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20.01.2020 2.301
 
Hello, hello :)
Hier das 1. Kapitel zu einer neuen FF von mir!  Ich hoffe, es gefällt allen, die das hier lesen. Zur Info: Ich versuche, mich bestmöglich an die Serie zu halten, aber verzeiht mir, wenn die Ereignisse etwas abweichen.^^
Achja, und wie schon in der Kurzbeschreibung steht, beginnt diese Geschichte relativ weit am Ende der Serie, als zwischen der letzten und der neuen (6.) Staffel. Also wenn ihr noch nicht auf dem neuesten Stand seid, dann werdet ihr euch spoilern, wenn ihr diese Geschichte hier lest. Entweder ihr hört auf, zu lesen oder euch ist das egal. :)
Wie auch immer: Viel Spaß beim Lesen!!


***


Sanna musste nicht alle Geschichten, die sie von König Harald erzählten, kennen, um zu wissen, was für eine Art Mann er war, um zu wissen, was er wollte.
Es war immer nur Macht, und Harald schnappte danach wie ein sterbender Fisch nach Luft.
Eines Tages wird das sein Ende sein, dachte Sanna und musterte ihn misstrauisch.

Harald Schönhaar wurde er genannt, weil er einst das Versprechen gegeben hatte, seine Haare nicht mehr zu schneiden, bis er eine Gemahlin gefunden hat, die ihn liebt, nachdem er eine Prinzessin geliebt hatte, die diese Liebe nicht erwiderte.
Doch Sanna glaubte nicht daran, dass er wirklich danach strebte, von einer Frau geliebt zu werden. Dieser Mann hatte seinen eigenen Bruder umgebracht; sie bezweifelte, dass er überhaupt fähig war, zu lieben.
Der Schwur und das angebliche Streben nach wahrer Größe, um eine Frau zu beeindrucken, waren nur ein armseliger Vorwand für das, was er wirklich wollte; Einfluss, Stärke, Reichtum, Bedeutung, Wichtigkeit. Es ging ihm um Dominanz und Autorität, so klar und wahrhaftig, dass niemand es wagen würde, diese auch nur anzuzweifeln.

Außerdem hatte er Björn kaltblütig verraten und mit Ivar gekämpft, bevor er Ivar verraten und mit Björn gekämpft hatte.
So etwas würde er wieder tun. Er war ein liebloser Mann, dem weder Treue, noch Ehre ein Begriff waren, und dazu hatte er ein Auge auf Ragnars einzige, überlebende Tochter geworfen hatte. Sie.

Sanna war das jüngste Kind von Aslaug und Ragnar. Würde Harald Schönhaar Sanna heiraten, so wären seine Kinder ebenfalls die Nachkommen Ragnar Lothbroks. Und die Norweger verehrten Ragnar mit fast schon kindlicher Naivität. Alles, was von Ragnar Lothbrok kam, liebten sie geradezu abgöttisch. Eine Ragnarstochter als Gemahlin würde seine zurzeit eher bescheidenen Chancen, König von ganz Norwegen zu werden, um ein Vielfaches vergrößern.

Seine stechenden Augen verfolgten durch die ganze Halle jede einzelne Bewegung, die Sanna machte. Die groben Züge seines vernarbten Gesichts flackerten im Schein der Fackeln an den Wänden. Er hatte das Blut der Schlacht von seinem entkräfteten Körper abgewaschen, sodass man wieder all die Zeichen, die man in seine Haut gestochen hatte, sehen konnte. Aber es klebte immer noch Blut an seinen schwieligen Händen, so wie es nur an den Händen eines Verräters kleben konnte.
Harald war bewusst, dass sie keine Schildmaid war, dass sie nicht so kräftig und wild war wie Gunhild oder Lagertha oder Astrid.
Sanna war nicht zum Kämpfen geboren, genauso wenig wie ihre Mutter.
Sie war keineswegs so stark, wie er es sich für seine zukünftige Frau eigentlich gewünscht hätte.
Doch sie war schön, mit langem, rotblondem Haar und kalten, blauen Augen. Mit einem Körper, den jeder Mann begehrte. Allerdings umgeben von ihren Brüdern, die sie bewachten wie Wölfe, wenn es darum ging. Das machte sie zwar unnahbar, jedoch nicht weniger attraktiv.

„Er ekelt mich an.“, sagte Torvi neben ihr, die ebenfalls die lüsternen Blicke Haralds bemerkt hatte.
„Er ist ein Wiesel.“, flüsterte Sanna voller Abscheu so leise, dass nur Torvi es hören könnte. „Er frisst und frisst und wird einfach nicht satt.“
„Weil er mehr will, als nur das, was er haben kann.“, lächelte Torvi wissend. Ihre großen Augen ruhten auf Sanna. „Keine Sorge, Sanna. Ubbe wird das niemals zulassen. Und Björn auch nicht.“
Mit einem leidvollen Seufzen wandte Sanna den Blick von Harald ab und sah zu Boden, während Haralds Blicke weiter auf ihrem Gesicht brannten.
„Wahrscheinlich hast du Recht.“
Ihre Brüder würden sie nicht dazu zwingen, einen grausamen Mann wie Harald zu heiraten. Niemand konnte sie dazu zwingen, irgendjemanden zu heiraten.
Nein, falls Sanna eines Tages heiraten sollte, dann jemanden, der sie liebte, wirklich liebte. Nicht nur das Blut, das durch ihre Adern floss.
Aber du kennst Björn nicht so gut., flüsterte eine Stimme in ihrem Kopf, und es war wahr. Sie konnte sich nicht sicher sein, ob er sie nicht doch einfach mit Harald verloben würde. Als ihr ältester Bruder wäre es immerhin sein gutes Recht.

Als Sanna geboren wurde, war Björn bereits erwachsen gewesen, und nicht all zu oft in Kattegat.
Und wenn, dann war er bei Torvi oder Lagertha oder ihren Brüdern gewesen, nicht bei ihr. Ansonsten war er mit Ragnar oder ihren anderen Brüdern, alle die erfüllende Genugtuung eines Abenteuers suchend, um die Welt gesegelt, und war ihr, jedesmal, wenn er wieder heim kam, ein bisschen fremder geworden. Nicht, dass sie Björn je besonders gut gekannt hatte. Er war mehr ein Onkel als ein Bruder. Der Onkel, vor dem man sich als Kind ein wenig fürchtet, vor dem man sich hinter dem schützenden Rock der eigenen Mutter versteckt.
Während Torvi begann, sich wieder angeregt mit Ubbe zu unterhalten, blieb Sanna stumm und blickte abwesend in der überfüllten Halle umher.
Die meisten Männer waren reichlich betrunken und grölten laut herum. Einige von ihnen  lachten und zogen unvorbereitete Frauen zu sich auf ihren Schoß, nur, um noch mehr zu lachen und zu grölen, sorglos und unbedarft.
Bei Sanna würde niemand so etwas wagen, dafür hatten sie alle zu viel Respekt vor ihren einschüchternden, bedrohlichen Brüdern.
Besonders vor Björn und Ubbe. Hvitserk war, seit er von Thoras Tod erfahren hatte, ein menschliches Wrack, und man hatte vor allem Angst um ihn.
Sicherlich hing er irgendwo zwischen den torkelnden Gestalten und war weit davon entfernt, nüchtern zu sein.
Sannas schweifender Blick blieb an Lagertha hängen.
Eine Welle des Zorns schwappte durch ihren Körper, als sie die Mörderin ihrer Mutter ansah. Ubbe und Hvitserk schienen ihr verziehen zu haben, doch Sanna würde niemals damit aufhören können, sie mit völliger Hingabe zu hassen.
Lagertha sah alt aus, kaputt und müde, aber nicht nur von der Schlacht, sie war gezeichnet vom Leben. Sie strahlte nicht mehr die Stärke aus wie einst, als sie Königin Aslaug gestürzt und sich Kattegat genommen hatte.

Damals war Sanna in Kattegat gewesen, wie eigentlich ihr ganzes Leben lang. Nur, als Ivar König von Kattegat wurde, war sie mit ihren anderen Brüdern nach England geflüchtet. Vermutlich hätte Ivar sie sonst getötet; er hatte seine kleine Schwester noch nie leiden können.
Sanna erinnerte sich genau an den verhängnisvollen Augenblick, als ihr klar wurde, dass ihre Mutter tot war, dass sie allein war mit deren Mörderin. Sie hatte den toten Körper ihrer Mutter gefunden, mit weit aufgerissenen, leblosen Augen hatte sie dagelegen, umgeben von klebrigem Blut.
Sie befürchtete damals, Lagertha würde sie auch umbringen, doch das tat sie nicht. Stattdessen hatte sie Sanna in Frieden gelassen. Und irgendwann waren ihre Brüder heimgekehrt, aber dadurch hatte sie sich nicht weniger allein gefühlt.
Ubbe war erst genauso wütend gewesen wie sie und Hvitserk hatte sich Ivar angeschlossen, aber beide wussten sich, darüber hinwegzutrösten. Außerdem liebte Torvi Lagertha; und Ubbe liebte Torvi.
Sanna  war nie über den Tod ihrer Mutter hinweggekommen, obwohl Aslaug sie nicht so sehr geliebt hatte wie Ivar. Sanna hatte sich stets ungeliebt gefühlt.
Ihr Vater war kaum bei ihr gewesen, ihre Mutter hatte Ivar immer vorgezogen.
Ubbe und Hvitserk hatten sich gehabt, das hatten sie noch immer.
Sie hatte als Kind niemanden gehabt und hatte noch immer keinen. Jedenfalls nicht wirklich. Sicher hatte hatte sie hier in Kattegat Freunde und gute Bekannte, sie lebte immerhin schon ihr ganzes Leben hier, doch die hatten alle immer ein wenig Angst vor ihr gehabt. Angst vor Ragnars Tochter.
Torvi war vielleicht so etwas wie eine gute Freundin geworden, doch sie stand Lagertha viel näher. Und sie hatte Ubbe und zwei Kinder. Sie hatte besseres zu tun, als sich Sannas Jammern anzuhören.
Mit Björn redete sie nur das Nötigste, der war nämlich ebenfalls anderweitig beschäftigt. Er hatte Gunhild und war nun König von Kattegat. Außerdem klaffte die Tatsache, dass Sanna Lagertha nicht verziehen hatte, das und die jahrelange Fremdheit, wie eine tiefe Schlucht zwischen ihnen.
In diesem Moment fühlte Sanna sich plötzlich allein wie nie zuvor. Umgeben von ihrer Familie und vielen Leuten, die sich schon ihr ganzes Leben lang kannte, war sie so einsam wie die sterbende Aslaug. Die endgültige Bewusstheit dieses Zustands, ließ eine gähnende Leere und tiefe Traurigkeit in ihr aufsteigen.
„Entschuldigt mich.“ sagte sie knapp mit belegter Stimme zu Ubbe und Torvi, die ihr verwundert nachblickten. Auch Björn sah, wie seine Schwester nach draußen stürmte und schaute stirnrunzelnd zu Ubbe und Torvi. Zur Antwort zuckten beide nur mit den Schultern.
Keiner der drei bemerkte allerdings, wie Harald Schönhaar Sanna folgte.

Die Luft in der Halle war stickig und stank nach Rauch, Schweiß und Bier. Als Sanna endlich draußen war, schnappte sie energisch nach frischer Luft. Die Luft in Kattegat schmeckte nach Salz und Holz und Wind. Das hatte Sanna schon immer geliebt.
Für einen kurzen Moment war ihr, als müsse sie weinen, doch dann fing sie sich wieder und setzte sich auf einen Balken am Rand der Gasse.
Der Mond schien hell in ihr blasses Gesicht und hob die wenigen Sommersprossen auf ihrer Nase hervor. Ihre blauen Augen strahlten.

„Ihr seht unglücklich aus.“, erklang plötzlich eine tiefe Stimme hinter ihr. Sanna zuckte erschrocken zusammen.
Sie kannte diese Stimme, und deshalb brauchte sie sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass Harald Schönhaar ihr gefolgt war.

„Was wollt ihr?“, zischte sie abweisend. Harald, der mit Abweisung nicht gut umgehen konnte, da diese ihn manchmal dazu verleitete, irgendwelche Schwüre einzugehen, lachte daraufhin kurz auf.
Eine weitere Prinzessin, die sich weigerte, ihn zu lieben. Oder wenigstens freundlich zu ihm zu sein.

„Eine große Frage, die ihr mir da stellt.“, erwiderte er und schmunzelte vermessen.
„Es gibt viele Dinge, die ich will, und scheinbar nur so wenige, die ich davon haben kann.“
Harald warf ihr einen bedeutungsvollen Blick zu, doch Sanna konnte nicht anders, als mit den Augen zu rollen.

„Ihr armer Mann“, spottete sie. „Dabei habt ihr doch schon so viel. Eine Krone, eine gewonnene Schlacht. Und doch jubeln sie meinem großen Bruder zu.“
Eine Stille breitete sich zwischen den beiden in der ansonsten menschenleeren Gasse aus, die im Mondschein wirkte wie ein verlassener Geisterweg, doch Harald hielt dieser nur kurz stand.

„Wir haben viel gemeinsam, Ihr und ich.“, behauptete er gönnerhaft.

„Und was wäre das?“, fragte Sanna. Sie war selbst überrascht darüber, wie verbittert sie dabei klang.

„Wir beide haben große Opfer bringen müssen, um heute hier zu stehen.“
Wieder musste Sanna unwillkürlich mit den Augen rollen. Es war doch kaum zu fassen, wie eingenommen dieser Mann von sich selbst war.

Ihr habt Euren Bruder umgebracht und alle irgendwann man verraten. Meine Mutter wurde umgebracht.“ Sie sah ihm entschlossen und mit Verachtung in die blitzenden Katzenaugen,. „Ein bedeutender Unterschied, wie ich finde.“

Anstatt beleidigt zu sein, lächelte er sie vielsagend an und kam ihr mit seinem Gesicht gefährlich nahe. „Das habe ich nicht gemeint.“, raunte er, sodass sie seinen warmen Atem an ihrer kalten Wange spüren konnte. Er roch nach Alkohol.
„Was sollten wir dann gemeinsam haben?“, zischte sie wieder, vielleicht, um sich selbst zu beweisen, dass sie sich gegen ihn wehrte, sich nicht manipulieren ließ von seinen mit Bedacht und Verschlagenheit ausgewählten Worten. „Wenn ich an Euch denke, weiß ich gar nicht, was größer ist. Eure Arroganz oder eure Gier.“ Ihr Blick fuhr voller Geringschätzung und Misstrauen an ihm herab. „Ihr seid selbstsüchtig und verbissen.“

Voller Genugtuung beobachtete Sanna, wie Haralds ritterliche Maske anfing, zu bröckeln. Seine Lippen waren zu einem dünnen Strich zusammengepresst, seine deutlich ausgeprägten Kieferknochen trat noch deutlicher hervor, er atmete hörbar aus.
Jetzt habe ich es übertrieben., dachte Sanna sich kraftlos.
Doch dann fing er sich wieder, brachte wieder etwas Distanz zwischen ihre Gesichter und lächelte, als wäre er nicht gerade von einer Frau auf die unterste Stufe herabgesetzt worden.
Er räusperte sich kurz.
„Ich meinte Liebe.“ Seine Zähne blitzten kurz auf, während er nach den passenden Worten suchte. „Wir beide mussten unsere Liebsten opfern, um zu überleben. Wir werden nicht geliebt. Wir können keine Rache nehmen.“
Sanna verstand nicht gleich und runzelte die Stirn.
„Versteht doch: Lagertha tötete Eure Mutter, und Björn brachte Halfdan gegen mich auf, sodass ich gezwungen war, ihn zu töten. Der Tod meines Bruders ist Björns Schuld.“
Da war Sanna allerdings anderer Meinung, doch sie beschloss, das für sich zu behalten. Immerhin hatte sie Harald schon einmal um ein Haar aus der Fassung gebracht und sie wollte nicht wissen, was danach passieren würde.
„Ihr und ich, wir haben niemanden, wir sind allein. Wir können uns nicht rächen, noch nicht und wir müssen zusehen, wie ihre Macht wächst und sie zu Königen werden, während wir nur daneben stehen können.“
Und auch wenn Sanna innerlich wusste, dass Haralds Worte zumindest zu einem Teil wahr waren, wies sie ihn ab. Dennoch kam er ihr immer näher und platzierte eine Hand auf ihrer schmalen Schulter.
„Ich will keine Rache.“, log sie, sah ihm fest in den stählenden Augen. „Und ich bin nicht allein. Und ich werde geliebt.“

„Und weswegen seid Ihr dann mitten in der Feier zum Sieg hinaus in die kalte Nacht gestürmt?“, hauchte er in ihr Ohr, wobei seine rauen Lippen ihre zarte Haut streiften.
Allein?“

Sie riss sich augenblicklich von ihm los. Er erkannte zufrieden, dass er sie verstimmt hatte.

„Im Gegensatz zu Euch habe ich noch eine Familie. Und selbst, wenn ich nach meinem Tod dann nach Helheim komme, werde ich diese Familie nicht verraten.“

Mit diesen Worten ging sie davon.

„Verbitterung steht Euch nicht!“, höhnte er ihr nach, doch sein Ruf verklang in der Dunkelheit.
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