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I want to feel Alive again

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Bill Simone Trümper / Kaulitz Tom
19.01.2020
14.11.2020
6
12.716
 
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03.02.2020 2.768
 
Guten Abend liebe Leser.

Ich hoffe Ihr hattet einen guten Start in die neue Woche! Ich habe meinen freien Tag zum Schreiben genutzt, bevor es morgen früh wieder auf zur Arbeit geht. Danke an den anonymen Leser für den Favoriteneintrag. :)

Und nun viel Spaß mit dem zweiten Kapitel!

In Liebe,

Herzenskiller :)

Kapitel 2 – „Psychodok“



Schon seit einer ganzen Weile saß er unschlüssig und mittlerweile sichtbar genervt im Wohnzimmer und wechselte ständig vom Fernsehbildschirm hin zu dem zerknüllten Papierball auf dem flachen Tisch vor sich. Warum auch immer, aber er dachte tatsächlich darüber nach dort anzurufen, auch wenn ihm dauernd sein – wenn auch kaum vorhandener – Stolz in die Quere kam. Er würde sich garantiert nicht für geistig gestört abstempeln lassen, denn genau das – so hatte er es jedenfalls im Gefühl – würde man von ihm halten.

Abermals fiel sein Blick auf das Papier. Er stöhnte genervt auf und nahm das Knöllchen dann doch in die Hand, um es auseinander zu falten.

Tom Koskinen – sein Nachname klang schon irgendwie merkwürdig, aber den Namen der Praxis konnte man fast unmöglich aussprechen, zumindest fiel es ihm schwer diesen allein in Gedanken richtig „auszusprechen“

Und von da aus driftete er wie so oft in seine Gedankenwelt, in seinem Zufluchtsort und leider auch in all seinen Erinnerungen ab, ob diese nun schön oder schmerzvoll waren. Doch diesmal konnte er es verdrängen. Es war mittlerweile ein automatischer Prozess in seinem Kopf geworden, all das was ihn zu zerreißen drohte, schob er ganz weit weg, irgendwohin in sein Unterbewusstsein.

Tagsüber war er dann befreit, konnte normal denken, ohne durchzudrehen. Doch am Abend, nein, besonders in der Nacht, im Schlaf – da holten sie ihn ein und schienen ihn aufzufressen.


Du wurdest nicht als einziger verletzt Bill.

Uns allen wurde schrecklich weh getan
und ein Teil genommen



Nur dass ihm nicht einfach ein Teil genommen wurde, nein.

Alles. Ihm wurde an diesem Tag alles genommen.

Es waren die Worte seiner Mutter, die ihm nun durch den Kopf schwirrten und ihn nachdenklich stimmten. Er wusste, dass er nicht allein verletzt wurde, aber er wusste auch, dass deren Trauer mit seinem täglichen Schmerz nicht zu vergleichen war. Er spürte es jeden Tag. Jedes Mal, wenn er die Augen öffnete; jedes Mal, wenn er in den Spiegel blickte. Jedes Mal zog es schmerzlich in seiner Brust und er hatte manchmal das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. An ihren Namen oder gar an ihr Gesicht durfte und konnte er nicht denken, es schmerzte einfach zu sehr.

Das war auch einer der Gründe, warum er es so gut es ging vermied, seine Familie zu besuchen. Denn dort würde er mit Bildern und zu vielen Erinnerungen konfrontiert werden. Er wäre dafür einfach nicht bereit, er würde es schlicht und einfach nicht aushalten.

Deshalb stand er entschieden auf und griff ohne lange darüber nachzudenken zum Telefon. Er wählte die Zahlen von dem zerknüllten Stück Papier und wartete angespannt ewig andauernde Sekunden, bis endlich jemand abhob. „Guten Tag, psychologische Praxis Sydän ja sielu, mein Name ist Frau Evers, wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“, perplex räusperte sich der Blonde und antwortete schließlich: „Ähm hallo.“, er kratzte mit seiner freien Hand über den rauen Stoff seiner zerrissenen Jeans und schwieg einen Moment. „Alles in Ordnung?“, erklang die weibliche und freundliche Stimme erneut. Seine Finger hatten sich festgekrallt. „Oh ja, sorry. Ich .. mein Name ist Bill Kaulitz und ich“, er zögerte und biss sich unbewusst auf die Unterlippe, „Ich  wollte gerne einen Termin mit Herrn Kos- äh.“, ein sanftes Lachen ertönte. „Sie möchten einen Termin mit Herrn Koskinen vereinbaren?“, er musste schlucken, „Ja.“

~ ~ ~

Der Dunkelhaarige verabschiedete sich mit einem sanften Händedruck und einem ermunternden Lächeln von einem älteren Ehepaar. Er war sehr zufrieden mit deren äußerst positiven Fortschritt - beiderseits wohl bemerkt – und dies machte seine heutige Laune umso besser, denn nett hatte der heutige Tag wirklich nicht begonnen.

Er ließ sich zufrieden in den dunklen Stuhl hinter seinem Schreibtisch fallen und lehnte sich entspannt zurück. Es war bereits später Nachmittag, was für Tom baldiger Feierabend bedeutete, zumindest für heute. Nicht immer hatte er das Glück schon so früh nach Hause zu dürfen, was nicht heißen sollte, er fühle sich in der Praxis nicht wohl. Immerhin hatte er wirklich herzensgute Arbeitskollegen, wenn er einige davon nicht sogar wirklich gute Freunde nennen konnte, wie Lina, seine Sekretärin zum Beispiel. Er kann sich noch gut daran erinnern, als diese ihren ersten Arbeitstag hier hatte. Sie war so verdammt nervös gewesen und vollkommen neben der Spur. Aber gerade das hatte er irgendwie sofort an ihr gemocht und mittlerweile hatte sich die Nervosität ganz gelegt und na ja, die Tollpatschigkeit kam zwar ab und an noch vor, aber das machte sie nur noch sympathischer. Ja, er mochte sie einfach so wie sie war.

Ein herzhaftes Gähnen entfloh ihm und er schreckte leicht auf, als es unerwartet an der Tür klopfte. Nach einem kurzen „Herein“ lugte Linas Kopf hervor, welche dann ganz den Raum betrat. Tom lehnte sich mit einem Grinsen auf die Tischplatte und blickte der jungen Frau offen ins Gesicht. „Was gibt´s?“, sie presste die Lippen aufeinander und mit einem Mal wirkte sie wieder wie das kleine, schüchterne Mädchen von damals. Sie legte den Kopf leicht schräg und kniff die Augen leicht zusammen, „Ich habe dir für morgen noch einen neuen Termin rein gedrückt.“ Tom schwieg einen kurzen Moment. „Schon in Ordnung, dafür geht es heute ja mal früher nach Hause.“, er lächelte und nun schien auch Lina etwas erleichtert zu sein. „Wer ist es denn?“

„Seiner Stimme zu urteilen nach, ein junger Mann. Bill Kaulitz heißt er.“

Als Tom diesen Namen hörte, konnte er sich ein winziges Lächeln einfach nicht verkneifen.



Gemütlich wie eh und je streifte der Dunkelhaarige seine schwarzen Sneakers von den Füßen und lief sogleich in die Küche um sich fertigen Nudelauflauf in der Mikrowelle aufzuwärmen – zugegebenermaßen, ein begabter Koch war der 33-Jährige nicht gerade, aber das steckte er gut weg. Solange er an den festlichen Feiertagen das wunderbare Essen seiner Mutter genießen konnte, brachten ihn ein paar Fertignudeln auch nicht um.

Es machte Pling und Tom nahm – die Hände mit einem Trockentuch geschützt – den dampfenden Teller aus der Mikrowelle und machte sich mit einer Gabel in der anderen Hand auf ins Wohnzimmer und setzte sich dort auf das große Ecksofa. Bevor er zu essen begann, schaltete er noch den Fernseher an, zappte ein wenig herum und blieb schließlich bei einem einfachen Nachrichtensender hängen. Tolle Uhrzeit dachte er sich, da somit mal wieder nichts gescheites lief – er war eher für Cartoon-Serien, aber auch Thriller und Krimis sah er gern. Mit mystischen Kram wie Vampire oder Werwölfe konnte er wiederum überhaupt nichts anfangen, warum das nun so war, wusste er selbst nicht so genau. Es könnte gut sein, dass der glitzernde Edward seinen Teil dazu beigetragen hatte, aber nun gut.

Einige volle Gabeln später, lehnte sich Tom zufrieden und satt gegessen zurück. Er schweifte ab, beachtete das Geschehene auf dem Bildschirm überhaupt nicht mehr und musste stattdessen an seinen neuen Klienten denken. Wie hieß er gleich nochmal? Kaulitz, ja … aber sein Vorname. Er erinnerte sich, er war genauso kurz und knapp wie sein eigener. Er grinste und dann kam ihm sein Name tatsächlich wieder in den Sinn. Er hieß Bill. Bill Kaulitz. Er zog die Brauen kraus – irgendwie außergewöhnlich – dachte er sich und stand dann vom Sofa auf.

Er wollte raus an die frische Luft, denn das Wetter war wirklich angenehm für so einen späten Monat. Also zog er sich fix seine Jacke über, schlüpfte in seine diesmal weißen Sneakers und machte sich mit dem Haustürschlüssel, Smartphone und Portmonee auf den Weg nach draußen. Direkt sog er die frische Luft tief ein und besah sich den fast wolkenlosen Himmel. Es war mittlerweile Mitte Oktober und die Sonne erhellte fröhlich die Stadt und erinnerte mit ihrer schönen Wärme sofort wieder an den Sommer.

Ja, er liebte die heißen Sommertage ungemein, einfach weil sie das komplette Gegenteil seiner ursprünglichen Heimat waren – dem kalten Norden, Finnland. Daher auch sein Name Koskinen. Noch als Kleinkind kam er mit seiner Familie nach Deutschland, aber beherrschte dank seiner Eltern sowohl die deutsche, als auch finnische Sprache fließend. Und nun war er schon fast ein 34 jähriger Mann, hatte seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und könnte sich kaum zufriedener schätzen.

Nur manchmal, ja an Tagen, an denen es vielleicht mal nicht so rund lief, genau da fehlte ihm diese Nähe. Die bestimmte Nähe zur Familie, denn seine Eltern lebten schon seit einigen Jahren wieder in Finnland, ebenso wie es fast seine gesamte Verwandtschaft tat – er war quasi eine Ausnahme.

Klar, er konnte täglich mit seinen Eltern telefonieren oder per Videochat mit ihnen plaudern, aber dies war nun mal nicht mit einem gemütlichen Beisammensein vergleichbar. Dass man sich eine Umarmung schenken konnte, einfach die Anwesenheit des anderen spüren. Ja, manchmal vermisste er das, aber er war deswegen noch lange nicht einsam und wollte auch nicht mehr zurück. Hier in Deutschland, in Hamburg fühlte er sich trotz allem zu Hause und pudelwohl, denn hier war er nun mal aufgewachsen, ja seit er vier Jahre alt war. Und außerdem gab es genug Anlässe für einen Besuch, etwa Weihnachten, ja besonders Heiligabend war ein bedeutender, aber vor allem schöner Anlass, die Familie wiederzusehen. Und dort konnte man sich wenigstens zu hundert Prozent auf weiße Weihnacht verlassen!

Er lief durch einen Stadtpark, der zwar nicht mehr ganz so grün leuchtete, aber dennoch leichte Frühlingsgrüße verstreute. Er musste lächeln und beobachtete beim Vorbeigehen eines Spielplatzes die vielen umher tobenden Kinder und schweifte schon wieder in Gedanken ab.

~ ~ ~

Es war Freitag, was baldiges Wochenende hieß. Bill war dies nur recht, er hatte einfach keine Lust auf die ganzen Tratschtanten und Arbeits-„kollegen“, die ihn in der Woche umgaben und mit irgendwelchem Mist voll quasselten. Nun war es bereits kurz nach vier Uhr nachmittags und der Blonde trat etwas schneller in die Pedale, da er um halb sechs einen Termin hatte. Natürlich nicht irgendeinen, sondern den mit dem Psychodok. Er brauchte etwa noch eine Viertelstunde, bis er seine Wohnung endlich erreichte. Eigentlich könnte er sich diesen langen Weg auch sparen – wenn er denn wollte – aber nein, das wollte er nicht. Er sträubte sich grundsätzlich überhaupt in ein elektrisches Fahrzeug zu steigen – da war ihm der Drahtesel eindeutig lieber.

Er sprang das Treppenhaus hinauf und hüpfte sofort unter die Dusche, nachdem er seine Wohnung betreten hatte. Auch wenn er ein wenig in Eile war, so genoss er dennoch ein klein wenig das warme Wasser, welches seinen entblößten Körper hinablief. Es erinnerte ihn irgendwie an etwas Angenehmes und dann tauchte plötzlich ein Bild vor seinem inneren Augen auf. Sie und er. Wie sie sich umarmten. Und blitzschnell hatte er die Augen aufgerissen und das Wasser auf eiskalt gedreht. Er durfte nicht daran denken. Nicht an Sie.

Mit Gänsehaut übersätem Körper stieg der Blonde aus der Duschkabine und trocknete sich ab. Den Blick in den Spiegel ließ er dieses Mal vollkommen aus. Er würde es nicht aushalten.

Die Gardinen in seinem Schlafgemach waren zugezogen, weswegen Bill auch ohne zu zögern das Handtuch um seine Hüften fallen ließ und nun völlig nackt vor seinem Kleiderschrank stand. Lange blieb dies aber nicht so, denn sogleich zog er sich eine enge, schwarze Boxershorts über, worauf eine ausgeblichene hellblaue Jeans, ein blaues Shirt und weiße Sneaker folgten. Eine Sweatshirtjacke war kaum noch erwähnenswert, da er diese fast täglich trug – es sei denn, er hatte sich für eines seiner karierten Hemden entschieden, dann ging es auch mal ohne.

Als er letztlich ein Blick auf sein Handybildschirm warf, bemerkte er, dass es langsam Zeit wurde. Schnurstracks war er in der Küche verschwunden, machte sich noch schnell einen Kaffee, um sich zehn Minuten später wieder auf sein Fahrrad zu schwingen und zur unaussprechlichen Praxis zu radeln.



Er war mittlerweile furchtbar genervt und saß mit wackelnden Knien und verschränkten Armen in einem der zwei Stühle, die vor dem großen hellen Holztisch standen. Seine momentane Haltung glich der eines bockigen Kindes, welchem man das Essen von Süßigkeiten verboten hatte. Doch Bill hatte man nichts verboten, nein, er wartete seit einer gefühlten Ewigkeit auf den ach so tollen Herrn Koskinen – komischer Name – doch der ließ sich einfach nicht blicken. Der Blonde hasste es allgemein zu warten, aber ihn dann noch warten zu lassen, obwohl ein fester Termin vereinbart war, ist fast unglaublich für ihn. Er ist ein ungeduldiger Mensch und zudem, in seiner derzeitigen Verfassung, sehr schnell reizbar. Keine gute Kombination, das wusste er selbst, doch seiner über fürsorglichen Mutter zuliebe hat er sich auf einen Termin eingelassen und nun saß er hier und würde am liebsten gleich wieder gehen.

Er seufzte gedehnt und legte den Kopf in den Nacken. Wie lange sollte er noch hier warten?

Diese Frage schwirrte ihm derzeit durch den Kopf, bis diese sich ganz von selbst beantwortete, als die Tür schwungvoll geöffnet wurde. Bills Kopf fuhr hoch und vor ihm stand ein in dunkler weiter Jeans und weißem Langarmshirt gekleideter Mann seines Alters und brachte ihm ein Lächeln entgegen. Der Blonde jedoch seufzte erneut, jetzt hatte er echt keine Lust mehr. Er stand auf und sah den Typen vor sich an, der wohl gerade etwas sagen wollte, doch da wurde er von dem 29-Jährigen unterbrochen. „Sorry, aber könnten Sie mir vielleicht sagen, wie lange ich hier noch rumsitzen muss? Ich habe kein Bock noch ´ne halbe Ewigkeit auf den Psychodok zu warten.“

Sein Gegenüber zog die Mundwinkel leicht nach oben und streckte dem aufgebrachten Herrn vor sich die Hand entgegen, bevor er nun begann zu sprechen: „Auch ´nen guten Tag, Herr“, er zog kurz fragend die Augenbrauen kraus, „Kaulitz? Ebenfalls nett Sie kennenzulernen“, Bill nahm verwirrt seine Hand, „Tom Koskinen mein Name, Ihr zukünftiger Psychodok.“

Tom drückte leicht die Hand des irritiert aussehenden Mannes und konnte sich ein amüsiertes Lächeln nicht verkneifen. Er ließ seine Hand los und legte erst mal seine Arbeitstasche auf den Tisch links neben sich ab. Daraus fischte er eine dünne Akte mit Bills Namen und legte diese vor sich ab. Dann sah er den Blonden erneut an, woraufhin dieser sich räusperte und scheinbar peinlich berührt an ihm vorbei schaute. „Entschuldigen Sie, ich dachte nur ehrlich gesagt, dass Sie etwas-“, der Dunkelhaarige fuhr ihm dazwischen, „Dass ich etwas älter bin?“, Bill sah ihm nun doch ins Gesicht, „Ja.“

Verdammt, es war ihm wirklich unangenehm und er wusste noch nicht mal wirklich warum, das kann immerhin jedem mal passieren. Er fuhr sich durch die Haare und beobachtete Herr Koskinen dabei, wie dieser um den großen Tisch herumging und sich dahinter ebenfalls auf den dunkel gepolsterten Stuhl setzte. Er lehnte sich nach vorn´ und stütze seine Ellbogen auf die Tischplatte. „Wollen Sie, ach ich meine, willst Du dich nicht auch setzen? Ich hoffe, das Du ist okay?“ Bills Augen huschten zu dem Stuhl, auf welchem er vorhin schon gesessen hatte und ließ sich mit einem „Ehm klar.“ darauf fallen.

Einen Moment lang schwiegen beide, bis Tom nun doch wieder das Wort ergriff.

„Ich muss sagen, ich bin wirklich überrascht dich nun doch zu treffen.“ Tom lächelte nach seinen Worten und besah sich den Blonden, der wie ein Schluck Wasser im Stuhl hing. Bill erwiderte zunächst nichts, mied jeden Blickkontakt und könnte noch immer im Erdboden versinken, dafür dass er den Kerl vor sich so angepampt hatte. Aber im Nachhinein stand ihm das doch auch voll zu, oder nicht? Immerhin konnte keiner damit rechnen, dass ein Kerl seines Alters seinen persönlichen Psychodok spielen sollte. Ja, Psychodok war momentan eines seiner Lieblingsworte.

Der Dunkelhaarige wartete noch einige Sekunden in der Hoffnung sein Gegenüber würde doch noch etwas sagen, aber leider blieb dieser still. „Warum bist du eigentlich hier Bill?“ Der Jüngere reagierte diesmal nur mit einem leisen Seufzen. Was sollte diese blöde Frage? Das wusste der Kerl doch ganz genau, sonst wäre er immerhin nicht so furchtbar überrascht gewesen, ihn doch noch kennenzulernen.

„Ich kann mir vorstellen, dass es dir nicht gerade leicht gefallen ist hier her zu kommen.“ Er machte eine kurze Pause. „Aber hey, du bist hier.“ Bill verdrehte die Augen und seufzte erneut. Auch wenn er sich gerade wahrscheinlich wie ein bockiger Teenager benahm, so ging ihm der komische Typ wirklich auf die Nerven. Wollte der mit seinem Gelaber irgendetwas bei ihm bewirken, irgendwas auslösen?

„Denk dran, du bist freiwillig hergekommen und kannst auch jederzeit wieder gehen.“ Tom lehnte sich zurück und legte die Hände in seinen Schoß. „Aber wir können auch eine Stunde hier sitzen und schweigen, das macht mir nichts aus.“ Er lächelte ganz leicht und musterte das müde Gesicht des Jüngeren.

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Dankeschön für's Lesen. Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen! Bis bald. :)
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