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A Starlight Story

von Knirps
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Electra Greaseball Pearl Rusty
19.01.2020
30.03.2020
6
5.255
2
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
31.01.2020 1.309
 
Ach kommt, ihr sollt auch nicht leben wie ein Hund. Ich erfreue mich gerade an meinem Urlaub, hab meine Mama besucht, und lausche gerade ihrer StEx CD von 1989.
Weil ich gerade so schön in Stimmung bin, gibt es das nächste Kapitel schon wesentlich früher.
Vielen Dank für eure lieben Worte zum letzten Kapitel, ihr habt mich mit jedem Wort glücklich gemacht und ich hoffe dass auch das jetzt folgende Kapitel euch zufrieden stellen kann.


Sieben Tage, nachdem Ben seine Spielzeuge auf Ebay eingestellt hatte, endete die Auktion. Der Höchstbietende mit dem Benutzernamen "webweblloyd" überwies noch am selben Tag die sagenhaften 250€, die die alten Züge eingebracht hatten, woraufhin Ben alle in einen vorbereitenden Karton legte. Dieser war bis zum Anschlag gefüllt mit diesen Plastikchips, die entfernt an Erdnüsse erinnerten. So sollten die Spielzeuge die Reise in ihr neues Zuhause gut überstehen.

Als die Züge und Wagen das nächste Mal aus der Verstummung erwachten herrschte große Verwirrung. Ben hatte sie alle zusammen in einen neuen Karton gepackt, dieses Mal ohne eine Möglichkeit die Außenwelt zu beobachten. Es ruckelte und der Karton schien getragen zu werden. Geistesgegenwärtig blieben sie alle still, machten keinen Mucks, sodass sie hören konnten wie Ben mit jemandem sprach. Scheinbar hatte er die fremde Person dafür bezahlt den Karton mit seinen Spielzeugen anzunehmen, denn er verabschiedete sich von der Person, ihr neues Haus wurde aber nicht mehr bewegt.
Es blieb für eine ganze Weile ruhig, nur ab und an konnten sie hören wie die fremde Person weitere Kartons gegen Bezahlung von anderen entgegen nahm. Schließlich wurden sie nach einer ganzen Weile wieder gepackt und unsanft durch die Gegend geworfen. Ein Motor startete, was darauf hindeutete dass sie in einem Auto unterwegs waren. Unsicher, wie weit der nächste Mensch entfernt war, unterhielten sich die Züge nur im Flüsterton.
"Was passiert hier gerade?" fragte Rusty die alte Dampflok Papa besorgt.
Papa war damals aus zweiter Hand zu Ben gekommen und hatte dementsprechend schon eine Menge Erfahrungen gesammelt. Tatsächlich konnte er sich sogar zusammenreimen, was gerade passiert war, denn so etwas hatte er schon einmal erlebt. "Control hat uns verkauft und wir sind jetzt unterwegs zu unserem neuen Kind" erklärte er leise seinen zuhörenden Kameraden.
Der darauf folgende schockierte Aufschrei seiner Kollegen wurde glücklicherweise von der Autohupe übertönt. "Leise!" zischte Papa verärgert "das ist nicht so schlimm wie ihr vielleicht gerade denkt. Ich hab das schon einmal mitgemacht. Ja, wir werden Control nie wieder sehen, aber wir sind auf dem Weg zu einem neuen, jungen, Kind, das ganz sicher wieder mit uns spielen wird."
Seine beschwichtigenden Worte schienen zu wirken, denn die Aufregung legte sich langsam.
"Und du bist dir sicher dass es besser ist, da wo wir jetzt hingebracht werden?" hakte Dinah noch einmal zweifelnd nach. "Ja, ganz sicher. So war es beim letzten Mal bei mir auch" versicherte Papa.
Beruhigt machten es sich die Spielzeuge in dem Verpackungsmaterial gemütlich und warteten ab, denn etwas anderes konnten sie ja jetzt eh nicht mehr tun.

Was Papa nicht wusste war, dass nicht hinter jedem Transport im Karton ein Kind wartete. Denn derjenige, der den Kauf betätigt hatte, war bereits 40 Jahre alt und hatte kein Kind in seiner näheren Bekanntschaft, dem er die Spielzeuge hätte schenken können. Nein, er wollte die Spielzeuge ganz für sich allein obwohl er gewiss nicht vorhatte mit ihnen zu spielen.

Sie blieben mehrere Tage in dem Karton. Mehrmals wurde die Kiste von ständig wechselnden Menschen angehoben, getragen, in ein neues Auto gelegt, durch die Gegend gefahren und erneut umgeladen. Jedes Mal wenn sie Stimmen hörten horchten die Spielzeuge voller Spannung, ob sie ihr neues Kind hörten. Vor allem die Rockys und Flat Top platzten beinahe vor Ungeduld, sie wollten endlich wissen wo sie waren, mit wem sie demnächst durch das Zimmer über Gleise rasen würden.
Papa weckte alle, als sie ihren Zielort erreicht hatten. Der Postbote hatte den Karton gerade vor sich abgestellt und sie konnten eine Türklingel läuten hören. Das darauf folgende Gespräch konnten sie nicht ganz verfolgen, dafür sprachen die Menschen zu leise. Klar war jedoch dass keine Kinderstimme dabei war. Besorgt sahen die Spielzeuge sich untereinander an, Papa zuckte mit den Schultern und meinte leise "vielleicht ist er noch in der Schule". Ja, das musste es sein, es musste hier einfach ein Kind geben. Kein Erwachsener holte sich neue Spielzeuge.
Doch bevor sie das Ausbleiben der Kinderstimme weiter erläutern konnten wurde der Karton geöffnet und sie verstummten.

Andrew summte fröhlich vor sich hin, als er das Paket auf seinem Wohnzimmertisch abstellte. Das mussten die Züge sein, welcher er vor kurzem auf Ebay ersteigert und damit vor irgendeinem anderen Idioten, vermutlich ein Sammler, gerettet hatte. Es war ein ganz schön happiger Preis für ein wenig Inspiration gewesen, aber er konnte es sich ja leisten. Ein Messer, aus der Küche geholt, half ihm die Massen an Paketklebeband zu durchtrennen. Da hatte der Vorbesitzer ganze Arbeit geleistet, die Spielzeuge hätten nie eine Chance gehabt sich selbst zu befreien. Im ersten Moment sah es so aus als wäre der Karton nur mit diesen Erdnüssen befüllt, die man noch Tage später unter dem Sofa wieder fand. Ausschütten wollte er den Karton auf gar keinen Fall, wer würde den Dreck wieder wegmachen müssen, also griff er hinein und zog den ersten Wagen heraus, welchen seine Hand umschloss. Dieser wurde von ihm erst prüfend betrachtet, von oben bis unten.

Dies hier war wohl der Bremswagen, dies verriet eine Aufschrift - brake van. Rot schwarz gestreift, mit ordentlichen Bremsen ausgestattet, ordentlich verschrammt, erweckte er den Eindruck als wäre er schon in viele Unfälle verwickelt gewesen.
Als nächstes holte er eine Lok heraus, die zwar in gutem Zustand zu sein schien, jedoch musste er schnell feststellen dass sie ein Batteriefach hatte und die sich darin befindlichen Batterien offensichtlich ausgelaufen waren. Wüste Beschimpfungen auf den Vorbesitzer loslassend stellte er den toten Electra ab und lief los um einen Schraubenzieher und Utensilien zum säubern zu holen.
Greaseball hatte es gewagt sich zu bewegen und linste nun über den Rand des Kartons hinweg, konnte beobachten wie ihr neuer Besitzer Electra gerade fachmännisch operierte, die alten Batterien entfernte, das Fach säuberte und neue Batterien einsetzte. Probeweise betätigte er den Schalter, welcher die Leuchtfunktionen aktivierte und die schon lange ausgeschaltete E-Lok erwachte surrend zum Leben. Es dauerte nur wenige Sekunden, da erwachte Electra vollends und rollte aus Reflex rückwärts, weg von seinem Lebensretter. "Gib auf, elender Dampfer, mich wirst du niemals besiegen!" brüllte er, gänzlich in seiner Rage gefangen, den Mann vor sich an.
Entzückt sah Andrew den erwachten Electra an und lachte. "Es freut mich deine Bekanntschaft zu machen, aber ich fürchte du verwechselst mich" sagte er zu der E-Lok, welche nun ihren fatalen Fehler bemerkte und sofort verstummte. Hoffentlich war es nicht zu spät.

Greaseball versank vor Scham in den Plastikerdnüssen. Natürlich, das letzte, was Electra getan hatte ehe seine Batterien versagten, war mit ihm zu streiten. Mitten in einem ihrer schönsten Wortgefechte hatte er plötzlich gestottert und war ausgegangen, dies hatte sich sein Computer scheinbar gemerkt, wenn er nun als erstes die letzte unterbrochene Beleidigung fortsetzte.

Immer noch lachend griff Andrew erneut in den Karton und holte den Dampfer heraus, stellte diesen provokativ nahe an die Lok der Zukunft. "Ihr könnt euch also nicht leiden, ja?" fragte er, doch eine Antwort bekam er nicht, "Ach kommt schon, ich weiß dass ihr mich versteht und auch dass ihr mir antworten könnt. Ich bin nicht dumm, wisst ihr." Erneutes Schweigen strafte seine Worte. Seufzend sah der Mann auf und erhob sich nach einem Blick auf die Uhr. "Ihr werdet noch merken dass ich euch nichts tue, ich muss jetzt arbeiten gehen, macht es euch bequem" informierte er seine neuen Spielzeuge, ehe er den Raum verließ.
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