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A Starlight Story

von Knirps
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Electra Greaseball Pearl Rusty
19.01.2020
30.03.2020
6
5.255
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19.01.2020 648
 
Es wurde hell am Himmel der kleinen Welt, die die Züge und Waggons des Control ihr Zuhause nannten. Ob man es hell nennen konnte, darüber war zu streiten, denn von der Sonne sahen sie nicht viel, schon länger hatte sich ihr Gemeinschaftsdepot nicht mehr geöffnet. Nur durch ein paar Ritzen konnten sie die Sonne sehen, doch sie schien schon länger nicht mehr für sie.

Was war passiert?
Warum bewohnten alle ein Depot, was war aus ihren schönen Eigenheimen geworden?
Warum fuhren sie nicht mehr?
Nun, um diese Fragen zu beantworten, muss man ein wenig in der Vergangenheit nachgraben.

Noch vor ein paar Jahren war alles so, wie es zu Zeiten der Weltmeisterschaft gewesen war: Control, wie sich der kleine Ben in ihren Spielen immer nannte, sorgte jeden Abend für Aufregung und Furore in ihrem kleinen Bahnhof. Jeden Tag kam er, erst vom Kindergarten, dann von der Grundschule, dann vom Gymnasium nach Hause mit neu ausgedachten Szenarien und aufregenden Zugfahrten. Alle Züge und Waggons warteten ungeduldig auf die Heimkehr 'ihres' Kindes und keiner glaubte dass sich je etwas ändern würde.
Doch es änderte sich.
Der Prozess begann schleichend, nur kleine Unregelmäßigkeiten in der Häufigkeit ihrer Spieleabende tauchten auf. Ben war nun schon 12 Jahre alt und hatte eine Menge Freunde, die er oft und gerne besuchte. Die Züge hatten dafür vollstes Verständnis, dass er den ein oder anderen Abend mit seinen Freunden verbrachte und nicht mit ihnen.
Doch aus dem ein oder anderen Abend wurde jeder Abend und schließlich sah der mittlerweile nicht mehr ganz so kleine Ben sie nicht einmal mehr an, wenn er sein Reich betrat.
Und dann, dann kam der Paukenschlag.
Sie wurden ihrer Depots, liebevoll gebastelt aus alten Schuhkartons, beraubt, gepackt, in eine große Umzugskiste gesteckt, und in eine Zimmerecke verfrachtet.
Das war der letzte Abend, an dem sie Control gesehen hatten.

Das war vor ziemlich genau zwei Jahren gewesen, dies verriet eine akribische Aufzeichnung aller Sonnenaufgänge, die die Inhaftierten durch die Schlitze des Kartons beobachten konnten. Die Aufzeichnung bestand aus einer eingeritzer Strichliste in die Wand des Kartons.
War am Anfang das Gejammer groß gewesen, interessierte sich heute niemand mehr für Control. Er war schlicht nicht mehr existent, die Abenteuer lange vergessen, die Zugfahrten nur noch eine Erinnerung.
Stattdessen war es, als würde man eine riesige Wohngemeinschaft betreten, wenn man einen Blick in den Karton warf. Sie hatten sich alle irgendwie miteinander auf dem engen Raum arrangiert und durch diverse gefährliche Ausflüge in 'die Welt da draußen', bei denen sie die ein oder anderen Luxusgüter hatten mitgehen lassen, hatten sie ihr Gemeinschaftsdepot recht angenehm und wohnlich herrichten können.

Als Spielzeug benötigt man nicht viel zum überleben, um genau zu sein eigentlich gar nichts.
Man musste nicht essen, nicht trinken, nicht auf die Toilette und Hygiene war nur von Nöten wenn man von Control durch eine Matschwüste gejagt wurde. Da Control diese Art der Beschäftigung allerdings nicht mehr verfolgte, fiel auch die Hygiene flach.
Die einzigen, die in den letzten Jahren völliger Einsamkeit schwer gelitten hatten, waren Electra und seine Components. Als Teile einer, damals, neuen hypermodernen Reihe der Modellbahnen hatten sie eingebaute Batterien.
Diese Batterien hatten aber nur eine begrenzte Lebensdauer und die war längst überschritten.

Greaseball konnte sich schon fast nicht mehr daran erinnern, wie es war, mit Electra über diverse wichtige und unwichtige Kleinigkeiten zu streiten. Nein, es ging mittlerweile schon fast so weit, dass einer der Rockies steif und fest behauptete gesehen zu haben, dass Greaseball dem verstummten Electra erzählte wie sehr er ihn vermisse. Eine Anschuldigung der übelsten Sorte, die der Angeklagte natürlich wehement von sich wies.

Nun wisst ihr Bescheid, wie es passieren konnte, dass sie in dieser auswegslosen Situation gelandet waren. Es klingt genau so schrecklich wie es sich für die Gefangenenu anfühlte, doch wussten sie eines nicht: dass heute der Tag angebrochen war, an dem ihr Schicksal für immer verändert werden sollte.
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