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Glasige Augen

KurzgeschichteLiebesgeschichte / P12
19.01.2020
08.07.2020
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19.01.2020 894
 
Als ich gerade zu meinem besten Kumpel unterwegs war, um an diesem sonnigen Freitagnachmittag Basketball zu spielen. Traf ich sie, sie saß mit einem aufgeriebenen Knie auf einem großen Stein und hielt sich das Bein fest. Als ich näher kam und sie mich schließlich bemerkte wollte sie Aufstehen und davon laufen. Es schien ihr wohl sehr unangenehm zu sein, sie dort so schwach, blutend und mit glasklaren Augen zu sehen. Doch als sie versuchte mit vollem Adrenalin aufzustehen. Knickte sie weg und fiel fast wieder zu Boden. Inzwischen war ich näher gekommen und fing sie auf. Ich Stütze sie damit sie sich wieder Setzen konnte. Kein Wort wurde ausgetauscht, nur ein Paar sehr schmerzvolle Blicke welche zurückgehalten wurden. Was ist denn passiert, sagte ich mit einer versehentlich viel zu hohen Stimme. Schnell hustete ich, um davon abzulenken. Nichts schlimmes, bin nur über einen Stein gestolpert. Kam erstaunlich schnell zurück.

Und an der Stelle musste ich natürlich alles vermasseln. Im Glauben Lustig sein zu können, sagte ich das mein Kumpel auch so eine Verletzung hatte und eine Woche darauf gestorben sei. Zu meinem bedauern lachte sie nicht. Nein, sie fing an zu weinen. Ihre Tränen flossen wie ein Wasserfall von ihren Augen herab. Was hab ich nur getan, ich wusste nicht was ich tun solle. Ich entschuldigte mich sofort und meinte, dass es ein echt schlechter Scherz gewesen sei. Nach mehrfachem entschuldigen, Versuchte sie die Tränen zurück zu halten, was ziemlich schwer schien. Was hatte ich mir nur dabei gedacht. Nach einigen Sekunden, welche sich wie Stunden anfühlen, beruhigte sie sich schließlich. Was natürlich okay war, sie hatte allen Recht wütend auf mich zu sein und zu weinen. Ich bot ihr an sie zu mir nach Hause zu bringen und dort zu verarzten. Doch sie bot dankend ab. Was ich natürlich so nicht auf mich nehmen konnte, da sie so mit diesem blutüberströmten Knie und dem wahrscheinlich geprellten Gelenk kein Meter laufen könne. Ich Bestand drauf, was ich ihr auch so sagte.

Unentschlossen und mehr oder weniger gezwungen nahm sie mein Angebot an. Sie zitterte am ganzen Körper und ihre Augen waren immer noch glasig. Mir war bewusst, dass es ihr viel zu unangenehm wäre, wenn ich sie tragen würde. Also hatte ich einen Plan um sie dazu zu bringen sich von mir tragen zu lassen. Okay bevor wir gehen, musst du mir versprechen, dass du dich jetzt nicht beschwerst und stark bleibst. Ich setzte ihr meine Kopfhörer auf, welche ich um den Hals Umhängen hatte. Schaltete die Musik am Handy an. Und dann, bevor sie etwas sagen könnte, ging alles ganz schnell. Ich drehte mich mit dem Rücken zu ihr und schnappte sie schnell huckepack auf dem Rücken und lief los. Die Kopfhörer waren, wohl in erster Linie dazu da, damit sie mein mittlerweile auf 180 klopfenden Herzschlag nicht zu hören. Sie hielt sich sehr vorsichtig mit den Händen an meinen Schultern Fest, was sich aber relativ schnell änderte, da ich den berg runter lief und sie so gezwungen war mich mit ihren armen zu umklammern. Sie war wirklich warm und ihr Zittern machte sich noch deutlicher bemerkbar. Das war das letzte was ich für sie tun konnte. Ich konnte es immernoch nicht fassen sie zum Weinen gebracht zu haben, ich bin echt das letzte, dachte ich mir ganz Still. Nach Knappen 200 Meter waren wir an meinem haus angekommen. Ich setzte sie auf die Bank vor meiner Haustür und rannte schnell rein um Hilfe und Verband zu holen. Schnell kam meine Mutter von der Küche angelaufen, welche uns scheinbar schon aus dem Fenster kommen sah. Sie wurde, mit salbe und Verband verarztet.

Meine Mutter ging ins Haus um bei ihren Eltern welche bekannte und Freunde von uns sind anzurufen und ihnen Bescheid zu geben. Meine Mutter meinte ich solle sie Stützen und uns ins Wohnzimmer setzten. Bis jemand sie abholen komme. Ich zögerte keine Sekunde und nun saßen wir zwei alleine im Wohnzimmer, während meine Mutter etwas zu trinken holte. Bei den über 30 Grad Celsius war es auch echt notwendig. Still ohne sich zu bewegen und kaum atmend saßen wir also da, eine seltsame Stille. Ich fragte ob sie noch etwas bräuchte, doch nach einem einfachen nein. Wusste ich auch nicht mehr was ich weiter sagen solle.

Die Kopfhörer hangen an ihrem Hals und die Musik lief wohl schon lange nicht mehr. Schließlich sagte sie dass es ihr leid tut das sie geweint hat. Das ich daran keine Schuld habe. Sie habe geweint weil sie so unter Schock stand und sie sich immer blamieren müsse, wenn ich in der Nähe bin. Noch verwirrter stritt ich ab, es könne mir genauso passieren und das sie sich in meinen Augen noch nie blamiert hätte. Mit einem noch schnellerem Herzklopfen ergänzte ich noch, dass ich sie so mag und süß finde wie sie eben ist. Wie bin ich denn fragte sie, grinsend sagte ich, so ehrlich und so tollpatschig halt. Ein schüchternes lächeln kam zurück. Und so klingelte es auch schon an der Tür. Die Eltern waren da, welche ja auch nur ein Paar wenige Blocks weiter wohnten. Nach dem sie fort waren erinnerte ich mich an die Kopfhörer, doch irgendwie freute es mich, dass sie sie mitgenommen hatte, denn dies sollte ein neuer Anlass werden sie wieder zu treffen.

Nur diesmal ohne Schmerz, Wunden und Tränen. Zumindest glaubte ich es in diesem Moment.
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