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Auf schwarzen Pfaden

GeschichteFantasy, Horror / P18 / Gen
OC (Own Character)
18.01.2020
17.04.2021
29
147.270
3
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
18.01.2020 1.032
 
Vorwort des Autors

Diesmal, liebe Leserinnen und Leser, nehme ich Euch mit in die Schwarzen Lande kurz nach der Dritten Dämonenschlacht. Bisher haben wir uns in unserer Gruppe immer um diesen düsteren und verstörenden Teil der Aventurischen Geschichte gedrückt.
Nun allerdings, da Ragnar und seine Freunde mal eine Pause brauchen, wagen wir uns hinein in das Reich der Knochenkaiserin.
Cavarya habt ihr bereits in der Hexennacht kennengelernt. Sie ist ebenso wie Senôr Sal extra für diese Abenteuer erschaffen worden. Amal ist ein erfahrener Charakter, mit ihm macht unser Meister mal Urlaub. Nicht unbedingt das Urlaubsziel, welches ich gewählt hätte.

SPOILERWARNUNG: Grundlage der Ereignisse sind die offiziellen Abenteuer Brogars Blut und Jenseits des Lichts.

Ich wünsche Euch Viel Spaß und hoffe, ich kann Euch die düstere Stimmung, die am Spieltisch herrschte vermitteln!

Eure Yasmina


Was mich, Cavarya Fioletta della Scardeoni, in die Schwarzen Lande führte:

Geboren wurde ich am 21. des Boronmondes im Jahre 996 Bosparans Fall in Belhanka als eine Tochter Satuarias. Meine Mutter, Ardare Simiona della Scardeoni, war eine ehrgeizige Frau, die sich ganz der Wissenschaft verschrieben hatte. So gab es keinen Platz für Mann und Familie, aber das war im Lieblichen Feld auch nicht nötig. Allerorten gab es gebildete, einflussreiche Frauen, erst Recht seit mit dem Hesindeedikt unserer Kaiserin Amene Horas, als ich vier Sommer zählte, Bildung nicht mehr nur für die Nobili und Adeligen zugänglich war. Es war ein Segen, als Schwester des Wissens in unserem großartigen, fortschrittlichen Reich aufzuwachsen.
Bis zu jener verhängnisvollen Neumondnacht, als sich auf dem Fest zur Sommersonnenwende, mein Leben für immer veränderte. Ich war vierzehn, eine vielversprechende Junghexe, machte meine Mutter stolz. Es war eine leichte Übung, in die eigene Kraft hineinspüren, den Klang der Sphären in mir fühlen. Das Fest war ausgelassen, die Energie pulsierte in mir. Ich spürte voller Freude die arkane Macht. Dann sollte ich das erste Mal den Bund führen, mich mit den anderen Schwestern verbinden. Aber ich verband mich mit etwas anderem. Rief etwas Dunkles aus den Sphären. Sie kamen, brachten Chaos, suchten uns heim. Obwohl der Zirkel sie gemeinsam bannte, ließen sie mich traumatisiert zurück.
Man war sich einig, dass ich niemals die Invocatio lernen sollte. Zudem hatte sich etwas an mich gehängt, lästige Mindergeister, die mich in allen denkbaren Situationen plagten. Das ließ sich nicht mehr ändern. Immer um Neumond quälen mich seitdem Schlafstörungen. Als würden sie mich dann rufen, die Wesen. Je älter ich wurde, desto klarer wurde ein weiterer irreparabler Schaden. Nicht nur, dass keine der Schwestern mit mir die Verständigung trainieren wollte und selbst meine Mutter den Fokus meiner Unterweisungen auf die Antimagie legte, nein, ich fand keinen Vertrauten. Die Bindung zu anderen Wesen und Zauberkundigen war unwiederbringlich zerstört.
Verloren und einsam fristete ich mein Leben, zumindest kam es mir in meinen stillen Stunden so vor. Bis sie kam, Asmodena ya Montazzi. Eine Schöne der Nacht. Frisch verheiratet mit einem Adeligen, frisch in unserem Zirkel, wunderschön und aufregend. Und sie behandelte mich anders als die anderen, nicht wie einen Unfall. Es begann als Freundschaft und wurde so viel mehr. Sie zu lieben war wie ein Rausch. Betörend nahm sie all meine Sinne gefangen. Sorglos liebten und lebten wir neben ihrer Ehe, jahrelang unentdeckt. Wir genossen das süße Leben, welches sich einem in einer Stadt wie der Serenissima bietet: Kunst, Kultur, Magie, Mode, Spiel und manchmal zum Spaß auch Männer.
Trunken vor Liebe nahm ich die heraufziehende Bedrohung durch den Dämonenmeister und seinen Anhängern zwar wahr, aber Tobrien und Maraskan waren schrecklich weit weg. Eine abtrünnige Schwester überzog einen Landstrich mit ewigen Winter. Furchtbar, aber noch immer weit weg. Der Ausbruch der roten Keuche im Süden war weit bedrohlicher. Die Leute versteckten sich entgegen ihrer Natur im Haus. Wir verließen tagelang nicht das Bett, zumindest bis ihr Ehemann von seiner Reise zurück war. Die Zeitungen quollen über von schrecklichen Nachrichten. Allen wurde bewusst, die Lage war ernst. So ernst, dass das Horasreich sich mit den Barbaren aus dem Norden versöhnte und sie gemeinsam gegen die Horden zogen. Meine Mutter zog mit. Als Mitglied der Schwesternschaft der Mada empfand sie es als ihre Pflicht. Ich dachte darüber nach mit ihr zu gehen. Aber ich brachte es nicht fertig, Asmodena zu verlassen. Ein Blick in ihre braunen Augen, eine Liebkosung ihrer köstlichen Lippen und alle guten Vorsätze schmolzen dahin.
Das Gefühl der Bedrohung, die allgegenwärtige Angst der Menschen ließ uns verzweifelt an unserer Liebe festhalten, und uns leichtsinnig werden. Und es kam, wie es kommen musste. Er erwischte uns. Am Tag darauf prangte mein Gesicht auf Fahndungsplakaten. In dicken schwarzes Lettern bezichtigte man mich des Diebstahls. Niemals würde ich den Prozess gewinnen. Und niemals würde ich die Ehre meiner Liebsten derart beschmutzen. Noch in der gleichen Nacht floh ich aus Belhanka, dem Horasreich und meinem Leben. Allein, denn noch bevor ich sie fragte, sah ich es in ihren Augen.
Die dritte Dämonenschlacht war geschlagen, die schwarzen Horden zurückgedrängt hinter den Wall des Todes und die Menschen standen an der Schwelle eines neuen Zeitalters. Doch alles, was mir im Norden begegnete, war unfassbares Leid. Tausende hatten ihr Leben gegeben im Kampf gegen das Böse. Die Überlebenden trugen schwer an ihren körperlichen und seelischen Wunden. Doch es glomm ein Funken Hoffnung in den Herzen.
Ich traf auf Schwestern im Norden. Erdverbunden, natürlich und wild nahmen sie mich in ihre Gemeinschaft auf. Eine Schwester ohne Vertrauten war in ihren Augen nicht das Schlimmste, was ihnen letzter Zeit begegnet war. Die Wildeste, Smeralda, nahm mich mütterlich in ihre Arme und lud mich ein mit ihr zu kommen. Irgendetwas an der Art, wie sie mir versicherte, dass es das Beste für mich sein würde, ließ mich folgen.
Ehe ich mich versah, wohnte ich mitten in einem Wald, in einer Gemeinschaft von Heilkundigen und freiwilligen Helfern, die sich um die, aus dem Gebirge strömenden, Flüchtlinge kümmerten. Smeralda unternahm viele lange Spaziergänge mit mir durch den Wald. Und sie hatte nicht gelogen. Der Ort, die Arbeit und die Gemeinschaft taten mir gut. Ich gewann Abstand, überdachte meine Prioritäten und kam zur Ruhe. Selbst meine Schlafstörungen wurden erträglich. Es war ein Ort der heiteren Gelassenheit und sanfter Ruhe. Trotz der schrecklichen Dinge, die unweit von unserem Hain passierten. Unweit in den Schwarzen Landen.
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