Stilles Herz

GeschichteDrama / P16 Slash
Ingo "Easy" Winter Richard "Ringo" Beckmann
18.01.2020
17.02.2020
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Ende Mai 2014 - gut 2 Wochen sind nach dem Tod der Eltern der Zwillinge vergangen und noch immer ist es nicht greifbar, unwirklich und vor allem so gar nicht in Ringos Welt gehörend. Wie kann es sein, dass jene Menschen, die ihm zwar immer mal mächtig auf den Geist gingen, plötzlich einfach nicht mehr da sind!? So sehr er die Tage versuchte, sich damit anzufinden, dass es ist, wie es ist, so sehr holt ihn auch immer wieder dieser eine Aspekt ein: "Nie wieder!". Ein Fakt, der Ringo jeden Morgen, Mittag, jeden Abend und jede Nacht bis auf seine seelische Grundmauer erschüttert. Seinen Alltag absolviert er wie sonst auch, nur dass ihm dieser Verlust in die Quere kommen musste, mit dem er eigentlich so gar nichts anfangen kann und es auch gar nicht will. Sie sollen einfach wieder zur Wohnungstür reinkommen, mit dieser für Ringo meist unerträglich guten Laune und fertig!

Er fragt sich, was das Leben oder dieses miese Schicksal dazu verleitet hat, ihm das anzutun!? Warum soll er sich jetzt mit solchen Gefühlen auseinandersetzen, die ihm seit dem zeigen, dass auch er nur ein Mensch ist!? Wo ist der Schalter, den er drücken kann und alles ist wieder, wie gehabt!? Mit diesen Gedanken sitzt er fast täglich im Wohnzimmer der einst elterlichen Wohnung - alleine. Seine Augen trauen sich schon gar nicht mehr, jeden Winkel zu erfassen, ohne dass er sich seine Eltern, seine Mutter Sonja, seinen Vater Paul, irgendwo vorstellt, wie sie kramen, wühlen, in Hektik sind und trotzdem gut gelaunt. Und ihn genau mit letzterem immer mal auf die Nerven gingen. Jetzt wünscht er sich nichts Sehnlicheres, als genau das!

Bislang genoss er die Stille in der Wohnung, wenn alle ausgeflogen waren oder ihre Termine hatten. Doch diese Stille, die nun seit 2 Wochen um ihn schwebt, ihn fesselt, ihn zu ersticken droht, diese Stille bezeichnet er als 'Stille des Todes'. Zwischendrin spricht er manchmal einen Gedanken in hartem Tonfall aus, so als würde er auf eine Antwort warten - so auch jetzt

"Es müsste mal wieder jemand saugen ... und Staub gewischt müsste auch mal wieder werden ... wozu gibt's den Putzplan ...!"

Nach solchen Äußerungen lässt er seinen Blick meist Richtung Fenster schweifen und seine Stimme wird grundsätzlich leiser

"... wenn sich eh niemand dran hält!"

Auf deren Fensterbank betrachtet er immer das Grün der Pflanzen. So wirklich begriffen hat er nie, warum seine Eltern so vernaht in das Grünzeug waren. Nun ist es das Einzige Leben, was neben seiner Schwester Kira und ihm in der Wohnung noch existiert.

Und wie fast jeden Tag schreitet Ringo aus dem Wohnzimmer in den Korridor und bleibt vor der Tür des Schlafzimmers seiner Eltern stehen. Er sieht mit geschlossenem Mund einfach nur auf die Tür, auf die Klinke und jedesmal hat er das Gefühl, sie würde gedrückt, die Tür geöffnet und seine Mutter oder sein Vater kommen freudestrahlend heraus und sehen ihren Sohn Richard an. Es ist für ihn jedesmal ein Akt des Begreifens oder der Versuch dessen. Und jedesmal sammeln sich nach einer Weile Tränen in seinen Augen, während seine Augenlider zur Hälfte sinken. Es dauert teilweise Minuten, manchmal auch 10 oder 15, bis er leicht zittrig durchatmet, mit den Augen flackert, um seine Tränen zu trocknen, diese gleichzeitig mit dem Handballen wegwischt und ein kurzes Schluchzen lässt. Danach bleibt er meist, wie auch jetzt, an selbiger Stelle kurz verweilend und fragt sich, wie es in Zukunft ohne seine Eltern weitergehen soll - jene Eltern, die ihm letztlich stets zur Seite standen, auch wenn ihre Fürsorge manchmal überzogen schien.

Sein nächster Schritt ist grundsätzlicher der Gang aus dem Haus, an die Luft, um seinen tief im Inneren verwurzelten Schmerz irgendwie zu kompensieren - so auch heute. Dabei ist ihm manchmal eine Gegend mit vielen Menschen, manchmal auch eine ohne, wichtig. In diesem Moment hat er eher die Stimmung, es auf sich zukommen zu lassen, doch als er auf der anderen Straßenseite einen Jungen mit seinen Eltern sieht, beschleunigt er. Er kann diesen Anblick nicht mehr ertragen. Nach einer gewissen Zeit erreicht Ringo den Park, wo er Stimmen hört, die ihm bekannt vorkommen. Darunter sin Malte, Bambi und vor allem Easy, der wieder aus dem Krankenhaus raus ist. Zögerlich schleicht sich Easy heran, kneift seine Augen leicht zusammen und hört, was er vielleicht gar nicht hören sollte oder gar wollte - Easy war im Auto der Beckmanns, als sie verunglückten. Er beobachtet, wie sich Malte und Bambi auf den Weg machen und Easy mit seinem Fotoapparat hantiert. Die Gelegenheit für Ringo, ein Ventil für seine Trauer

"Hab ich das gerade richtig verstanden - du warst im Auto meiner Eltern, als der Unfall passierte!?"

Als würde mit diesem Satz und dem dazugehörigem Tonfall ein scharfes Schwert durch Easys Körper gejagd, dreht sich dieser erschrocken um. Mit großen angstvollen Augen und offenem Mund stiert er auf Ringo - ein Wort kriegt er nicht raus. Aber das reicht Ringo schon, um sich im Gehörten seine Bestätigung zu holen. Er nähert sich brisant, schärft seinen Blick, seine Stimme wird leicht brüchig, als seine Augen direkt bei Easy eintauchen

"Ich wünschte, es hätte dich erwischt!"
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