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It's Too Cold Outside For Angels To Fly

OneshotRomanze, Schmerz/Trost / P12 Slash
Kenny McCormick Leopold "Butters" Stoch
18.01.2020
18.01.2020
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18.01.2020 4.074
 
Vorwort
Hallo^^ Hier ein kleiner OS für zwischen durch. Ich habe es geschafft diese Story in zwei bis drei Wochen zuschreiben, weswegen ich auch etwas stolz auf mich bin :D Nach langer Zeit im South Park Fandom habe ich endlich auch mal eine Kleinigkeit über dieses Pairring geschrieben. Ich hoffe, dass es auch gefällt und wünsche euch viel Spaß beim lesen c:





It‘s Too Cold Outside For Angels To Fly

Der Asphalt unter meinen Füßen war hart und kalt. Die Zeit meine Schuhe anzuziehen hatte ich nicht gehabt. Bei der erst besten Gelegenheit hatte ich sie mir an der Haustür geschnappt und bin dann los gerannt. Ich hatte noch nicht mals die Zeit drüber nachzudenken in was ich alles treten könnte. Alles was in diesem Moment zählte, war von diesem Haus wegzukommen.

Weitere Minuten hätte ich dort wahrscheinlich nicht unversehrt überlebt.

Ich rannte. Und wie ich rannte. Die Tränen brannten heiß auf meinen Wangen und mein Hals hatte sich schon lange zugeschnürt. Die Straße vor mir konnte ich noch gerade eben sehen, da mir meine Tränen die Sicht erschwerten. Doch das störte mich wenig.

Meine Beine trugen mich weit weg von meinem Haus. Zu dem einzigen Ort von dem ich wusste, dass ich dort um die Uhrzeit zu flucht finden würde. Der städtische Spielplatz von South Park.

Über die Jahre hinweg wurde dieser Ort zu meinem Zufluchtsort.

Als ich vor dem sandigen Boden zu stehen kam, merkte ich erst wie sehr meine Seiten stachen. Völlig außer Atem trat ich auf den Menschenleeren Spielplatz. Obwohl ich nicht viel erkennen konnte tastete ich mich langsam zu einen der Spielgeräte heran.

Es war eine Schaukel auf die ich mich erschöpft nieder ließ. Die Tränen rannten immer noch über meine Wangen und ließen mein Make Up verlaufen. Diese Tränen wischte ich mir mit dem Ende meines Pullovers weg, es war mir egal ob dieser schmutzig werden würde.  

Mir war kalt. Es war eine windige Herbstnacht und alles was ich an hatte war ein Pullover, ein kurze hose und Kniestrümpfe. Es ärgerte mich sehr, dass ich nicht an meinen Mantel gedacht hatte, denn jetzt hatte ich das Gefühl, dass mir meine Gliedmaße in den nächsten Minuten abfallen würden.

Tief ein und ausatmen Butters. Tief ein und ausatmen. Meine untere Lippe bebte und erst jetzt wurde mir schleichend klar, dass die Kälte in der nächsten Zeit mein ständiger Begleiter sein würde. Nie wieder könnte ich mein eigenes Haus betreten. Mein Vater würde mich wahrscheinlich umbringen, wenn ich sein Grundstück betrete.

So wütend hatte ich ihn selten gesehen. Er hatte mit Sachen geschmissen. Vasen, Bilder, Möbel. Nichts blieb verschont. Meine Mutter stand daneben. Sagte nichts. Machte nichts. Irgendwie konnte ich ihr deswegen gar nicht böse sein. Sie hatte immerhin genauso viel Angst vor ihm wie ich.

„Du elende Transe! Du bist eine Schande!“

Diese Worte hallten immer noch in meinem Kopf und ließen mein Blut gefrieren. Mir war kalt und warm gleichzeitig. Es war ein ekelhaftes Gefühl, was sich in mir ausbreitete.

Ein Blick auf meine Armbanduhr verriet mir, dass wir neun Uhr hatten. Was sollte ich nur machen? Zu wem sollte ich gehen? War ich jetzt obdachlos? Bei diesen Gedanken kamen mir erneut die Tränen hoch. Alles schien Hoffnungslos. Mein Leben lag wie ein Scherbenhaufen vor meine Füßen.

Ich hatte noch nicht mals mein Handy mit um irgendjemanden anschreiben oder anrufen zu können. Nicht das es viele Personen geben würde, an die ich mich wenden könnte. Da gab es Tweek, aber der war das komplette Wochenende bei Craig. Vielleicht, aber nur ganz vielleicht hätte ich auch Kenny gefragt, aber das war mir dann doch viel zu unangenehm. Immerhin haben wir uns gerade erst frisch angefreundet. Ihm sofort bei etwas um Hilfe zu bitten, das traute ich mich einfach nicht. „Ach man...“ Seufzte ich und starrte meine Oberschenkel an. Diese waren bereits eiskalt.

Am liebsten wäre ich in meinem Zimmer gewesen. In meinem warmen, nach Vanille duftenden Zimmer. Aber diese Tage waren für immer vorbei.

Jetzt würde ich hier wahrscheinlich gnadenlos erfrieren.

Mein Blick fuhr über den kompletten Spielplatz bis er an den Toiletten hängen blieb. Die Toiletten, dort könnte ich fürs erste hingehen. Vielleicht war es dort ziemlich schmutzig und wahrscheinlich würde mir der alleinige Anblick der Sanitärenanlagen Geschlechtskrankheiten geben, aber das war mir dann doch lieber, als die ganze Zeit draußen in der Kälte zu stehen.

Bevor ich mich von der Schaukel erhob, zog ich mir als erstes meine Stiefel an. Ein Gemisch aus Urin, Kot und Erbrochenem musste ich nicht unbedingt an meinen Kniestrümpfen haben.

Ich schwankte langsam zu der Herrentoilette. Als ich diese zaghaft öffnete war ich Gott sei dank, der einzige dort drin. Es hätte mir noch gefehlt, auf irgendeinen Alkoholisierten Menschen zutreffen der mich wahrscheinlich angepöbelt hätte.

Vor allem in den Sachen die ich gerade trug, war ich eine einzige Zielscheibe für bestimmte Menschen Gruppiereungen.

Meine Beine bewegten sich Richtung Waschbecken. Ich guckte mich im verdreckten Spiegel an. Das was ich vor mir sah, war furchtbar. Mein komplettes Gesicht war verheult. Rote Augen, verschmiertes Make Up und ein Gesichtsausdruck, den ich bis jetzt noch nie an mir gesehen hatte.

Eigentlich war ich von Natur aus ein fröhlicher und optimistischer Mensch. Aber jetzt gerade war nichts mehr von dieser Person übrig. Es war so als würde ein Fremder vor mir stehen.

Ich ließ meinen Kopf hängen. Die Person in diesem Spiegel wollte ich nicht mehr sehen. Sie war nicht ich. Ich kannte sie nicht.

Genau dann vielen mir die Risse in meinen Kniestrümpfen auf. Bei näherer Betrachtung sah ich die leichten bis mittleren Schnittwunden. Diese hatte ich überhaupt nicht bemerkte, sie taten auch nicht weh. Es war so als wären meine Beine Taub, was wahrscheinlich an der Kälte lag.

Mein Vater hatte mich kein einziges mal getroffen, war aber zwei mal nah dran gewesen. Wahrscheinlich war irgendwas zersplittert und hatte meine Haut gestreift.

„Oh nein.“ Hauchte ich schwach und müde, wenn ich nichts dagegen tun würde, dann würden sich die Wunden entzünden. Mir kam langsam die Panik hoch.

Alleine würde ich doch draußen sterben. Ich war keine Kämpfer und  Überlebenskünstler.

Noch nie war ich auf mich alleine gestellt. Während mein Vater immer sehr streng mit mir war, war meine Mutter das komplette Gegenteil. Sie versorgte mich immer und nahm mir jegliche Arbeit ab, die auf mich zukam. Sie wollte nicht, dass ich mich belastete. Ich wurde praktisch von ihr in Watte eingehüllt. Es war wahrscheinlich ihre schwache Entschuldigung dafür, dass mein Vater sehr hart zu mir sein konnte und mich wahrscheinlich nie so Respektieren würde wie ich war.

„Butters?“ Ich zuckte zusammen. Hatte er mich gefunden und wollte es zu ende bringen? Panik stieg in mir auf und vor schock konnte ich mich kein Millimeter bewegen. Ich war so sehr in meinen Gedanken versunken, sodass ich gar nicht gemerkt hatte wie jemand durch die Tür gekommen war.

„Butters?“ Wiederholte sich die Stimme und kam immer näher. Jetzt war ich mir aber sicher, dass es nicht mein Vater war. Dennoch kam mir die Stimme mehr als bekannt vor. Erleichtert blies ich die angestaunte Luft aus meinem Lungen. Nun traute ich mich auch zur Seite zu schauen.

Das durfte doch nicht war sein. Wieso ausgerechnet jetzt Gott?

„K-Kenny.“ Oh nein. Nein, nein, nein, nein. Nicht Kenny. Nicht ausgerechnet er. Wieso muss er mich genau jetzt so erbärmlich sehen? Und dann auch noch in dieser Kleidung und diesem Gesicht.

Er musterte mich kurz machte dann aber große Augen und kam direkt auf mich zu.

„Oh scheiße, was ist denn mit dir passiert?! Du blutest ja am Bein!“

Ich schluckte den Kloß in meinem Hals herunter. „Ich ähm-“ Sollte ich die Wahrheit sagen? Lügen? Oder doch lieber einfach nur still bleiben?

Es bildeten sich wieder Tränen in meinen Augen, da ich mit der Situation vollkommen überfordert war. Meine Finger krallten sich an das kalte Waschbecken, dieses gab mir den nötigen halt um nicht auf meine Knie zufallen. Ein schluchzen verließ meinen Hals und ich war mir sicher, dass ich in diesem Moment furchtbar ausgesehen haben muss.

Kenny kam langsam auf mich zu, so als würde er sich einem verwundeten Tier nähern. „Hey… Ganz ruhig okay? Kümmern wir uns erst mal um dein Bein. Das muss doch bestimmt wehtun oder?“ Er beugte sich zu mir herunter und legte seine Hand auf meine Schulter.

Ich nickte hastig meinen Kopf. Ja ich hatte schmerzen, diese hatte ich aber nicht an meinem Bein. Es war vielmehr mein Kopf der dröhnte und dieser riss in meinem Herzen, der immer größer wurde. Es tat einfach nur weh.

„Okay… Dann setz dich auf das Waschbecken, ich mache das vorsichtig sauber.“ Wieder nickte ich und zog meine Nase hoch.

Mit etwas Schwung saß ich mich auf eine freie Fläche neben dem Waschbecken, meine Beine baumelten dabei einige Zentimeter über dem Boden. Danach zog ich erst meinen Schuh und danach meinen Kniestrumpf aus.

Wieso musste mich ausgerechnet er mich so finden? Ich wollte nicht dass er mich für einen Freak hielt, nicht er. Wir haben uns doch erst angefreundet und ich machte es kaputt.

Sachte hob er meinen Unterschenkel an. Seine Finger waren rau, was mich aber nicht störte, sie waren nämlich angenehm warm. Vorsichtig tupfte er die Wunden ab, bedacht darauf mir nicht unnötig wehzutun.

„Möchtest du darüber reden?“

Wollte ich darüber reden?

Ich zögerte und mied den Blick Kontakt mit ihm.

Wie würde er reagieren, wenn ich ihm alles erzählte? Wäre er mir gegenüber auch abgeneigt, würde er mich hassen? Nein. Nein es war Kenny, dass konnte ich mir nicht vorstellen. In diesem einen Monat habe ich sehr vieles Neues über ihn gelernt.

Einer dieser Dinge war, dass er ein lieber und rücksichtsvoller Mensch sein konnte.

Das zeigte er nur nicht jedem Menschen.

„Du musst nicht drüber reden, wenn du willst. Es ist okay, wenn-“

„Das war mein Vater.“ Und da war es raus. Ohne jegliche Vorwarnung oder Emotionen. Die vier Wörter hingen schwer in der Luft.

Ich traute mich gar nicht ihn anzusehen, dafür schämte ich mich zu sehr.

„Was genau ist passiert?“ Seine Stimme war ruhig. Gefährlich ruhig.

Ich mied den Blickkontakt und sah zur Seite. „Ich- Also ich ziehe mich hin und wieder gerne Mädchenklamotten an. Es macht mir irgendwie Spaß und ich mag einfach niedliche Dinge. Aber bevor du irgendwas falsch interpretierst, ich bin nicht Transsexuell.“ Ich hielt kurz inne und lugte zu ihm runter. Er hörte mir immer noch aufmerksam zu, während er mein Bein Abtupfte.

„Heute habe ich mir wieder Mädchenklamotten angezogen, aber ich hatte vergessen meine Zimmertür abzuschließen und  dann kam mein Vater einfach rein.“ Meine Stimme wurde immer leiser und Kenny hielt inne, er wirkte verspannt.

„Er hat mich angeschrien, er hat mit Sachen um sich geschmissen. Er war so unfassbar wütend Kenny, ich kann nie wieder Nachhause. Er würde mich wahrscheinlich zusammenschlagen.“  Ich zitterte und verkrampfte meine Finger in meine kurze Hose. Die Tränen fielen auf meine Oberschenkel.

Zwei warme und raue Hände umschlossen meine Wangen und hoben etwas meinen Kopf an. Kenny wischte mir mit seinen Daumen behutsam die Tränen weg. „Shh, ganz ruhig Leo. Das kriegen wir schon irgendwie wieder hin.“

Seine Ozean blauen Augen trafen auf meine und ich wusste dass ich ihm irgendwie vertrauen konnte.

„Kenny… Ich bin obdachlos, ich weiß nicht wohin ich soll. Die Straßen werde ich niemals überleben.“

„Du wohnst ab jetzt bei mir.“ Er hat keinen Moment gezögert.

„Nein… Das geht nicht. Du hast doch selber kaum Geld, wie willst du uns beide dann über die Runden bringen?“

„Meine Eltern sind eh fast nie zuhause, sondern nur in irgendwelchen Kneipen. Sie kommen lediglich nach Hause um ihren Rausch auszuschlafen. Mein Bruder ist schon lange abgehauen und Karen würde nichts unseren Eltern sagen. Glaub mir meine Eltern bemerken dich nicht. Und wegen dem Geld musst du dir keine Sorgen machen.“

Ich seufzte, würde das wirklich gut gehen? Ein weiterer Blick in seine Augen verriet mir, dass es gut gehen würde.

„Wenn ich dir aber zu sehr zur Last falle, dann musst du mir das auf jeden Fall sagen.“ Murmelte ich unsicher.

Er guckte mich so unfassbar lieb an. „Mir würdest du niemals zur Last fallen Leo.“

Meine Wangen wurden unfassbar heiß und am liebsten wäre ich ihm direkt in die Arme gefallen. Er war zu gut für diese Welt. Er war einfach besonders.

„Danke Kenny.“ Hauchte ich und er streichelt mir noch ein letztes mal über meine Wange. Zögerlich schmiegte ich mich an seine Hand und er musste augenblicklich anfangen zu lächeln. „Nicht dafür.“

Er ließ seine Hand sinken und schnappte sich wieder das feuchte Stück Papier, womit er meine Wunden abtupfte.

„Sag mal, was machst du um die Uhrzeit alleine draußen?“ Fragte ich ihn irgendwann.

„Es ist ja schon dunkel und ich habe Karen geschrieben, dass ich sie heute abholen werde. Sie feiert zusammen mit Ike und ein paar anderen Freunden seinen Geburtstag.“ Erklärte er und schmiss das blutige Stück Papier in den Mülleimer.

„Ich komme zwar etwas zu spät, aber ihr macht das bestimmt nichts aus.“

„Also müssen wir jetzt zu Kyle rüber?“

„Ganz genau. Kannst du so laufen?“

Mittlerweile spürte ich die Verletzungen an meinem Bein, jedoch würde ich auf jeden Fall noch laufen können. So sehr tat mir mein Bein dann doch nicht weh.

„Ja, das ist kein Problem.“ Um ihm zu zeigen, dass ich es ernst meinte lächelte ich ihn leicht an, was er dann erwiderte.

„Bevor wir losgehen, willst dein Make Up vielleicht nicht wegmachen? Mir macht es nichts aus,  aber ich glaube das es dich vielleicht stört.“

Das hatte ich ja komplett vergessen. Ich sprang vom Waschbecken herunter und drehte mich zum Spiegel. So konnte ich auf keinen Fall rausgehen. Gott sei Dank hatte ich kein Wasserfestes Make Up drauf.

„Danke, daran hatte ich überhaupt nicht gedacht.“ Ich kratzte mich am Nacken und grinste ihn leicht verlegen an.

Ich wusch mir mein Gesicht und nach mehreren Versuchen war alles weg, was weg sein sollte.

„Geht das so oder sind da noch Reste?“ Fragte ich Kenny und dieser nickte „Ja geht fit.“

Meine Hand drückte bereits die Türklinke herunter, als mich Kenny leicht an der Schulter packte.

„Also eigentlich bin ich vorhin mit dem Ziel hier hingegangen um pissen zu gehen und das würde ich noch gerne nachholen.“ Er grinste mich an und ich kicherte.

„Sag das doch früher, ich habe dich 15 Minuten lang in Anspruch genommen und dabei musstest du die ganze Zeit aufs Klo.“

Er zuckte mit den Schultern und grinste mich immer noch an. „Kann man wohl nichts machen, wenn mein Leo mich doch braucht, dann bin ich auch für ihn da. Selbst, wenn ich mich dabei einnässen sollte.“

Ein leichtes Rosa schlich sich auf meine Wangen. „Kenny...“ Murmelte ich peinlich berührt.

„Wenn du mich also kurz entschuldigen könntest, ich muss Wasser lassen.“ Er ging in einer der versifften Toiletten und ich stand immer noch mit pinken Bäckchen an der Tür.

Ich patschte mir mit beiden Händen gegen meine Wangen und schüttelte meinen Kopf. Reiß dich zusammen Butters, nicht schwach werden. Du darfst dich nicht noch weiter in ihn verlieben. Das geht nicht.

Nachdem sich Kenny erleichtert hatte gingen wir zu Kyles Haus. Der Weg war nicht lang, jedoch war die Kälte fast unerträglich. Meine Beine zitterten und meinen Oberkörper umschloss ich mit meinen Armen, um mir zu mindestens etwas wärme zu spenden.

Nur noch die Straße runter dann wären wir da, meine Schritte beschleunigte ich, dies merkte Kenny natürlich.

Ohne zu fragen zog er seine Jacke aus und wollte sie über mich werfen, ich wich jedoch dem Kleidungsstück aus. „Zieh deine Jacke wieder an! Du frierst doch sonst!“ Mein Tonfall war der einer Mutter, drohend liebevoll.

Kenny hatte lediglich ein weißes T-Shirt unter seiner Orangenen Jacke und würde definitiv mehr frieren als ich, wenn er mir seine Jacke geben würde.

Eben benannter hob sein Kleidungsstück auf. „Du frierst doch selber.“

„Nö.“ Gab ich Simpel zurück. Er hatte einen undefinierbaren Blick und kam langsam aber gefährlich auf mich zu. Ich schluckte.

Ohne jegliche Worte wollte er einen erneuten Angriff starten. „Nein Kenny ich brauche deine Jacke nicht.“ „Doch.“ Gab er ebenfalls Simpel zurück.

Ich ging einige Schritte zurück, doch er ging einige vor.

Dann fing ich einfach an los zu laufen und er folgte mir. „Leooo.“

„Neinnn.“ Rief ich ihm entgegen und legte einen Zahn zu. Ich konnte es einfach nicht verkneifen und fing an zulachen.

Und so ging das bis zu Kyles Haus weiter. Kenny jagte mich und wollte mir seine Jacke überwerfen, während ich weglief und seiner Jacke auswich.

„Scheiße du bist ja schneller als Forest!“ Rief er mir zu. „Ich bin Forest!“ Lachte ich und hinter mir konnte ich auch sein fröhliches Lachen hören. Ich liebte es ihn Lachen zuhören, er sah dabei so schön aus. So schön, dass es mich ablenkte und ich fasst über einen Stein flog. Ich geriet ins stolpern, schaffte es jedoch mein Gleichgewicht beizubehalten.

Und dann kam Kenny von hinten und rannten in mich rein. Er schloss seine Arme um mich. „Hab dich!“ Ich gab ein kurzes Mädchenhaftes Kreischen von mir, was ihn zum lachen brachte.

Ich zappelte etwas in seinen Armen, dies brachte jedoch nichts, weswegen ich es irgendwann ließ. „Dir ist schon klar, dass wir keine fünf Meter vor Kyles Haus stehen.“ Sagte ich leicht außer Atem.

„Das Ergebnis zählt.“ Meine Mundwinkel verzogen sich zu einem Schmunzeln. Er ließ mich los und platzierte seine Jacke über meine Schultern.

„Bist du jetzt Zufrieden?“

„Ja das bin ich in der Tat.“ Er grinste mich fröhlich an und ich konnte nicht anders als zu lächeln.

„Wollen wir jetzt die letzten fünf Meter auf uns nehmen und endlich deine Schwester abholen? Wir lassen sie ganz schön warten.“

„Das ist ein guter Vorschlag.“

Als wir an der Haustür ankamen betätigten wir die Klingeln. Die Tür wurde von niemand anderen als Kyle geöffnet. „Hey- Oh Hi Butters.“ Begrüßte er uns fröhlich. „Kommt rein.“ Mit einer Handbewegung forderte er uns auf in das Haus zu treten.

„Was geht bei dir Momentan?“ Fragte Kenny, während wir die Treppen hochgingen. „Nicht viel, musste heute wieder arbeiten gehen.“ Meinte er. „Und bei euch?“

„Wir waren vorhin noch Essen und er übernachtet heute bei mir.“ Erklärte er, wobei er Kyle ohne mit der Wimper zuzucken anlog. Dieser nickte jedoch. „Schön, schön.“ Der Rothaarige klopfte leicht gegen die Tür zu Ikes Schlafzimmer.

„Kannst rein, seid aber nicht so laut.“ Keine Sekunde später hatte Kyle die Tür aufgemacht.

Es saßen vier der Geburtstagsgäste vor Ikes Fernseher. „Karen und Filmore sind am schlafen.“ Sagte ein Mädchen, das ich als Craigs Schwester identifizieren konnte.

„Och das ist kein großes Hindernis für mich.“ Kenny ging auf das 15 Jährige Mädchen zu und rüttelte sie leicht an der Schulter. Diese öffnete leicht ihre Augen und musste sofort Lächeln. „Hallo Kenny.“ Ihre Stimme war schläfrig.

„Hallo Kleine, wollen wir nachhause?“ Müde nickte sie. „Soll ich dich Huckepack nehmen?“ Wieder nickte sie, wobei sie kurz davor  war wieder einzuschlafen.

„Na dann komm.“ Er hockte sich vor ihr hin und sie stand mit letzter Kraft auf um auf seinen Rücken zu klettern. Die Kinder verabschiedeten sich noch kurz voneinander ehe wir das Zimmer verließen.  

„Ich hätte gerne so eine kleine Schwester wie du, der merkt man es gar nicht an das sie in der Pubertät ist. Ike wird immer schwieriger, ich meine er hatte bereits eine Freundin und er ist 15.“ Seufzte Kyle und Kenny lachte etwas auf.

„In dem Alter waren wir aber auch nicht besser mein Lieber.“ Meinte Kenny grinsend.

Mein Blick fiel automatisch auf den silbernen Ring den Kyle an seiner linken Hand trug. „Nunja im Gegensatz zu mir könnte er aber jemanden Schwängern!“

Nun musste Kenny richtig lachen. „Er ist ein schlauer Junge, er wird schon wissen, dass er seinen kleinen Freund nicht ohne-“ Kyle hielt ihm den Mund zu. „Auf hören! Davon bekomme ich Kopfkino!“ „Tja du musstest doch mit dem Thema anfangen.“ Kyle blies seine Wangen auf.

„Wie dem auch sei, kommt sicher zu hause an.“

„Werden wir, bis Montag.“ Sagte ich zum Abschied.

Wir waren keine 10 Minuten vom aus weg, als ich die Gänsehaut auf Karens Haut erkannte. Sofort zog ich Kenny Jacke aus und legte sie behutsam auf Karen.

„Danke.“ Der Blondhaarige lächelte mich dankend an. „ Nichts zu Danken.“ Antwortete ich glücklich und gemeinsam gingen wir nachhause.

Als wir in Kennys Haus ankamen, brannte kein Licht. Das Haus war alt und verkümmert, es war schon lange renovierungsfällig, aber das störte Herr und Frau McCormick nicht. Sie waren nicht in der Finanziellenlage dazu um irgendetwas ändern zukönnen.

„Komm rein und fühle dich wie zuhause. Es ist etwas kalt, aber ich kann dir gleich gerne was warmes zum Anziehen geben.“ Meinte er, während ich die Tür aufstieß.

Wir gingen den Flur entlang, wo wir an einer pink angestrichenen Tür ankamen. „Ich bring sie kurz ins Bett, mach es dir in meinem Zimmer bequem.“

Mit diesen Worten teilten wir uns auf. In der Zeit wo er Karen ins Bett brachte, setzte ich mich auf sein Bett und lehnte mich an die kühle Wand hinter mit. Hier würde ich als die nächste Zeit wohnen. Es war zwar mehr als ungewohnt, aber ich wusste dass es nur eine Frage der Zeit war, bis auch ich diesen Ort als mein Heim bezeichnen konnte.

Das Zimmer war knapp eingerichtet. Kenny besaß zwar mittlerweile ein großes Bett mit einem mehr oder weniger vernünftigen Gestell, aber es fehlten mehrere Kommoden oder ein Nachttisch. Die Gardinen hinter mir waren ausgewaschen, genauso wie die karierte Bettwäsche. Das störte mich aber nicht.  

Die Tür ging auf und Kenny trat herein. „Möchtest du einen Pullover oder ein Shirt?“ Er ging sofort an seinen Kleiderschrank und wühlte in seinen Sachen herum.

„Ein Pullover wäre gut.“

Sofort zog er einen grauen Pullover heraus und schmiss ihn sich über die Schulter. „Schläfst du in Boxershorts oder mit Jogginghose?“

„In Boxershorts.“ Antwortete ich knapp und er nickte.

Er selber zog sich eine schwarze Jogginghose heraus, verzichtete jedoch auf eine Oberteil. „Stört es dich, wenn ich Oberkörperfrei schlafe?“ Direkt schüttelte ich mit meinem Kopf. „Nein, alles gut.“ Dass mich das überhaupt nicht störte musste er nicht wissen. Es würde mich wahrscheinlich meine ganze Kraft kosten ihn nicht die ganze Zeit anzustarren.  

Kenny schmiss mir den Kapuzenpullover zu und ich begann mich umzuziehen. Der Pullover war mir etwas zu groß, das war mir aber egal. Das Stückstoff roch angenehm, nach seinem Besitzer, weswegen ich mich nicht beschweren konnte.

Wie selbstverständlich kletterte ich auf sein Bett und rutschte durch um Kenny Platz zu machen, auch er legte sich neben mir uns und warf seine Decke über uns. Er drehte sich auf die Seite und legte seinen Arm um meinen Bauch, die Augen hatte er geschlossen.

Auch das störte mich nicht. Es würde wahrscheinlich nicht lange dauern, bis ich mich hier komplett eingelebt hatte.

„Sag mal Kenny?“ Fing ich an und drehte meinen Kopf zu seinem Gesicht. Ich wurde etwas nervös, nahm dann aber meinen kompletten Mut zusammen und fragte ihn.

„Stört es dich nicht, dass ich manchmal gerne Mädchenklamotten anziehe?“

Kenny lachte auf. „Ist dein Witz? Ich fand dich heute in deinen Klamotten voll süß. Ich meinen du könntest einen Kartoffelsack tragen und ich würde dich immer noch hübsch finden, aber nein mir macht es nichts aus.“

Mir stieg die Hitze in die Wangen. „D-Danke Kenny.“

„Nein Leo, nicht dafür.“ Ich drehte mich selber auf die Seite und sah in seine Augen. Sie waren unfassbar schön. Das konnte ich nie zu oft erwähnen.

„Hey Leo ich habe eine Idee.“ Die Müdigkeit aus seiner Stimme konnte ich genau heraushören.

„Hm?“

„Lass morgen mal dein Zimmer ausräumen.“ Ich sah ihn verwirrt an. „Wie wollen wir denn das schaffen?“

„Ganz einfach, wir warten bis deine Eltern arbeiten sind, danach suchen wir euren Ersatzschlüssel, gehen in dein Zimmer und holen uns alles was du brauchst und was nicht Niet und Nagel fest ist.

Es bildete sich ein Lächeln auf meinen Lippen. „Das hört sich nach Diebstahl an.“

„Und das was dein Vater mit dir gemacht hat hört sich nach Kindesmisshandlung an.“ Gab er trocken zurück. „Also was hältst du von meiner Idee?“

Ich überlegte nicht lange. „Ich finde sie gut.“ Gab ich zufrieden von mir und schloss selber meine Augen um langsam in einen angenehmen  Schlaf zudriften. Ich sog noch ein letztes mal seinen Duft ein und legte auch meine Arme um ihn.

Meine Schultern fühlten sich leichter an.

Und das nur dank ihm.

„Super.“ Murmelte er und nach fünf Minuten, waren wir friedlich in den Armen des jeweils anderen eingeschlafen.
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