Hetalia: Gutes Karma?

KurzgeschichteHumor, Freundschaft / P6
Deutschland Italien Japan Preussen Russland Süd-Italien
18.01.2020
19.01.2020
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Auf dem Weg zur Bank, ein Gebäude wo Leute daran arbeiten, mehr Geld zu verdienen und Kredite vereinbaren, damit Träumer, wie der junge Italiener, sein eigenen Imbiss eröffnen konnten. Nur wenn der Traum nicht so aufgeht, wie man es sich erhofft, kann die Bank ein großes Problem werden.

Seufzend stand der junge Herr mit fuchsbraunen Haar, das eine hartnäckige Locke an der linken Seite besitzt. Ein Lächeln zierte nun sein Gesicht, da er hofft, dass alles gut werden wird. Sein Outfit ist bescheiden. Ein langärmliches hellblaues Hemd und eine schwarze Hose lassen ihn seriös wirken. Für eine Krawatte war das Geld zu knapp und die Schuhe hat er von sein Vater geerbt, die er mit Herzblut pflegt und somit das schwarze Leder glänzt.

Ein Angestellter mit blonden schulterlangen Haare und grünen Augen blickte den Italiener durchdringend an. Zwar stand auf dessen Namenschild "Azubi, Vash". Doch er wirkt so reif, dass man ihn nicht von den erfahrenden Kollegen unterscheiden kann.

Veneziano POV

Hoffentlich verlängert Herr Braginski die Frist. Letzter Zeit kommen immer weniger Gäste, wenn das so weitergeht, müssen Fratello und ich unseren Imbiss schließen. Dabei war die Eröffnung erst vor 5 Jahren gewesen.
Nun war ich an der Reihe und Vash wies mich streng hin:" Herr Braginski wartet im Büro 6 auf Sie."

"O...okay", brachte ich stottern raus und schaute auf die Türschilder, um die besagte 6 zu finden.

'Warum nehmen meine Kollegen mich nicht ernst?', konnte ich den inneren Frust von dem schweizer Azubi spüren. Nun ja meine Locke spürt es. Mein Bruder und ich haben seit der Geburt diese seltsame Haarsträhne und können damit die Gefühlslage und Gedanken unseres Gegenübers wahrnehmen. Manche Menschen haben ihre Intuitionen und können somit das innere eines Menschen unbewusst erkennen. Nur ich habe meine Locke. Sie ist wie eine Antenne und empfängt die Auren der Leute.
Raum 6, da ist es. Das Büro von Ivan Braginski. Seine Aura ist regelrecht düster, aber er hat ein gutes Herz. Er war es, der uns den Kredit gab, wobei die Anderen sich weigerten, weil wir keine Grundsicherheit besaßen. Er hat an uns geglaubt. Nur das die Lage so armselig geworden ist, ließ mich seufzen. Denn ich wollte beweisen, dass meine Träume und Ziele nicht albern und unbedacht sind, das sie sicher sind und Zukunft haben. Jetzt muss ich den Hoffnungsträger bitten auf sein Geld zu warten. Warum kann im Leben nicht alles glatt laufen?
Unsere Eltern starben an einen Autounfall vor langer Zeit und dann zog unser Opa uns groß. Auch er verließ uns vor 4 Jahren. Er hat uns jeden Tag besucht, als unser Imbiss stand und  Romanos Kochkünste kritisiert. Das tat er nur, weil er ihm anspornen wollte. Doch wir beide wussten, dass Opa das Essen schmeckte. Nun sind wir auf uns allein gestellt und Ivan ist unsere Hoffnung unseren Imbiss zu retten. Es soll nicht das Ende von Imbiss Hetalia sein. Viele Gäste sind damals gerne hingegangen und auch haben viele Pärchen ihr Glück in unseren bescheidenen Imbiss gefunden. Sei es wegen ein guten Rat von mir oder durch das gute Essen, denn Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Das waren unvergessliche, schöne Momente, die ich in der Zeit als Kellner genossen habe. Nur warum der Imbiss seit 2 Jahren nicht mehr gut lief, kann ich mir nicht ganz erklären.

Nun ja vor 2 Jahren eröffneten Sadik Adnan und Heracles Karpusi ihre internationalen Bistros. Leider verstehen sie sich kein Bisschen und zanken immer in der Nachbarschaft, somit vertreiben sie potenzielle Gäste. Yao ist ein guter Freund von mir, der Chinese hat ein Imbiss auf Rädern. Er erklärte mir, dass dies effektiver ist und der Knochen nicht zum Hund läuft, sondern der Hund zum Knochen. Was immer das bedeutet? Vielleicht sollte ich auch ein Führerschein machen und unser Imbiss auf Rädern veranstalten. Dann können wir überall Leuten eine Freude mit gutem Essen bereiten. Das wärst, nur fehlt schlicht das Geld und das haben zurzeit nicht.
Schüchtern klopfte ich gegen die Tür und erhielt Einlass, als ich Ivan sagen hörte:" Herein!"
Immernoch mit ein Lächeln und positive Einstellung gehe ich hinein. Die Gardinen verdeckte zur Hälfte die Fenster und mit ein Grinsen begrüßt der Banker mich:" Ah Hallo Herr Vargas. Lange ist her."

"Hallo Herr Braginski, schön sie wieder zu sehen.", brachte ich mutig hervor und geh auf ihn zu.

"12 Monate bist du in Verzug. Was ist los?", kam Ivan gleich zur Sache und öffnete schon die Fenster seines Computers, die die Daten von mir aufzeigten. ROTE ZAHLEN!

"In letzter Zeit lief es nicht gut. Doch es wird besser werden. Ich verspreche es.", versicherte ich und konnte leichte Skepsis spüren.

"Soso nach 12 Monaten? Wann soll die Wende kommen?", möchte der russische Banker selbstverständlich wissen. Ein Jahr haben wir nur ein Anteil der Rate bezahlt, je nachdem wie wir verdienten. Doch dadurch haben sich die Schulden angehäuft.

"Ich verstehe deine Besorgnis, aber können wir nicht die Rate sinken und die Frist der Abbezahlung verlängern? Bitte, der Imbiss ist alles was ich habe.", flehte ich ihm an und hoffe, er geht auf mein Vorschlag ein.

"Vergünstigung der Rate und dafür eine längere Laufzeit der Ratenzahlung. Hm kein übler Vorschlag.", sprach Ivan und lässt meine Hoffnung aufleben. Es wird alles wieder gut. Doch dann setzte er fort:" Leider habe ich zu lange auf mein Geld gewartet, sodass mein Chef dein Imbiss zur Versteigerung freigegeben hat. Darum bat ich dich her, damit du die Information erhälst."

Vielleicht wäre es nicht soweit gekommen, wenn ich gleich zu Ivan gegangen wär. Denn sein Gesicht zeigte zwar keine Regung, aber ich konnte sein Bedauern fühlen. Er kann mir nicht mehr helfen.

"Es tut mir Leid, alles ist besiegelt. Aber ich konnte es um ein Monat herauszögern. Wäre es nach mein Chef gegangen, wärt ihr gleich morgen rausgeflogen. Unmöglich dieser Kerl.", konnte Ivan mir erzählen.

Aber es half nicht, meine Tränen flossen schon über mein Gesicht. Ich weiß ja selbst, dass weinen mädchenhaft ist. Doch wie soll man sonst reagieren, wenn einen die Existenz weggenommen wird? Wie soll ich es Romano erklären? Wie soll es weitergehen ohne Job und Haus? Denn die Wohnung über den Imbiss werden wir auch verlieren. Ich habe die Räumungsklage habe ich schwarz auf weiß zugesendet bekommen. Ich habe wenigstens gehofft, dass man das irgendwie klären kann. Vergebens!

Wir müssen den Monat nutzen, um ein Job und eine Wohnung zu finden. Dank Ivan haben wir Zeit bekommen. Irgendwann werden wir soviel gespart haben, um den Imbiss zurückzukaufen und nebenbei ein Führerschein zu machen, damit wir sogar ein Imbiss auf Rädern besitzen. Dann können wir im Urlaub Leuten mit fantastischen italienischen Essen versorgen und gleichzeitig Geld verdienen und für unseren Imbiss werben.
Sofort hörte ich mit Weinen auf, da ich ein neues Ziel anstreben werde. Geld verdienen und die neuen Träume in die Tat umsetzen. Genau nichts ist endgültig verloren, es ist halt ein Umweg und ein Weg zur Verbesserung. Denn das Leben war schon schwierig geworden. Kaum Gäste, wenig Geld und Haufen Schulden. So konnte es einfach nicht weitergehen und vielleicht ist es gut, dass es so gekommen ist. Hoffentlich finden wir beide schnell Arbeit und eine Wohnung.
Mein Bruder hat die Schule abgebrochen, weil er mit den Mitschülern nicht mehr konnte und die Lehrer ihn nervten. Dennoch ist er ein begnadeter Koch. Opa hat gerne mit uns in der Küche verbracht und vieles beigebracht. Leider war Romano zu faul gewesen, selbst eine Aubildung als Koch zu machen. Da wir Zwillinge sind, habe ich die Initiative ergriffen und unter seinem Namen die Qualifikation erworben, damit mein Bruder die Lizenz zum Kochen erhielt.  
Dafür musste ich leider auf mein Kunststudium verzichten, aber ich wollte auch nicht, dass mein Bruder auf die schiefe Bahn gerät, weil ihm nichts anderes übrig blieb. So hat er mir versprochen, anständig zu bleiben, wenn ich für ihn die Lizenz erwerbe. Dafür hat er sich um unseren Opa gekümmert.
Mein Bruder hatte dann gekocht und ich habe die Buchhaltung und das Kellnern unseres Imbisses übernommen. Nebenbei konnte ich paar Bilder verkaufen, die ich gemalt habe. Also ganz den Traum von Malen habe ich nicht aufgegeben. Nur ist dies nur sekundär.
Wenn mein Bruder dann irgendwo als Koch arbeitet, hoffe ich ein Beruf zu finden, der mich nimmt. Denn nur eine abgeschlossende Schulausbildung habe ich keine Qualifikationen. Ein Quereinsteigerjob würde ich bestimmt erhalten, besser als garnichts.

An der Ampel bermerkte ich im letzten Moment, dass sie rot anzeigt. Manchmal bin ich so tief im Gedanken versunken, dass ich die Außenwelt nicht mehr mitbekomme und manchmal finde ich es auch gut so, da die Realität hart sein kann.
Wartend ließ ich mein Blick über der Straße gleiten und konnte den Verkehr beobachten. Plötzlich spürte ich ein Ruck gegen meine rechten Schulter und hörte ein leises:" Oh Verzeihung..."
Als ich checkte, was gerade mir widerfahren ist, hörte ich schon ein rasendes Auto, der zu Hupen begann und sehe den Mann, der telefoniert während er die Straße in der Rotphase überquerte.
"Er wird angefahren werden!", schoss es in mein Kopf und ohne das ich es merke, setzten meine Beine zur Bewegung an. Gut, dass ich ein geborender Wegläufer bin. Schon damals konnte ich die Mobber entkommen, weil sich mich nicht einholen konnten. Es passiert einfach und wie ich mich versah, lag ich auf den Mann und das Auto rauschte an uns haaresbreite vorbei. Der Fahrer muss panisch gewesen sein, denn er fährt hastig davon und schwankte hin und her.
Nur das Auto schenkte ich keine Aufmerksamkeit mehr, der Mann unter mir war wohl wichtiger. Schnell richtete ich mich auf und bot ihm meine helfende Hand an. "Alles in Ordnung? Sie wären fast umgefahren worden.", suchte ich das Gespräch mit ihm. Seine azurfarbenden Augen schauten auf mir auf und sein Ausdruck war komplett überfordert. Unter Schock, wer wäre es nicht? Stellte ich stumm fest und sagte ruhig:" Komm ich helfe ihnen!" Leicht verwirrt nahm er meine Hand an und so richtet er sich auf. Er war deutlich größer als ich und wie ich ihm umschmeißen konnte, erschien mir gleich ein Rätsel zu sein. Suchend schauter er um sich und von seiner strengen Frisur haben sich paar Strähnen gelöst, die ihn nun übers Gesicht legen. Laut Anzug, Aktenkoffer und Handy schätze ich ihm als Geschäftsmann ein.

"Ähm danke. Ich wusste gerade nicht, wo mein Kopf stand.", sagte der Herr zu mir und meine Locke empfing seine Aura. Die wirklich komplex ist. Teils ist sie einschüchtern und unerschütterlich, doch gleichzeitig fühle ich ein warmen Beigeschmack. Er hat eine gute Seele. Bestimmt ist er ein strenger und fürsorglicher Mann.

"Ach nichts zu danken. Hauptsache Sie sind unversehrt.", meinte ich zufrieden und hob sein Handy auf.

"Oh danke, aber ich muss mich irgendwie revanchieren. Ohne sie wäre mein Sohn allein.", erklärte der blondhaarige Mann zu mir.

"Ihr habt ein Sohn?", fragte ich erstaunt und unbewusst begleitet ich ihn auf seine Reise.

"Ja, Gilbert ist sein Name. Der kleine Frechdachs ist gerade 6 geworden. Seine Mutter starb....", konnte der Mann mir erzählen und verstummte plötzlich. Anscheinend ist ihm gerade aufgefallen, das er einen Fremden wie mir, seine halbe Lebensgeschichte offenbarte.
Allerdings wollte ich das Gespräch nicht enden lassen und sagte:" Ich heiße Veneziano Vargas und lebe mit mein Bruder über unseren Imbiss, der leider geschlossen wird. Und wie ist dein Name?"
Mit großen Augen sah er mich an. Er ist verwirrt, kein Wunder, ich habe gerade mit eine Freude gesagt, dass mein Imbiss zugemacht wird.

"Mein Name ist Ludwig Beilschmidt und das mit dein Imbiss tut mir leid. Wie hieß es?", sprach der Deutsche und schaute mich fragend an.

"Hetalia. Ein italienischer Imbiss an der römischen Straße.", sagte ich stolz.

"Dort befinden sich doch viele Imbisse, wenn ich mich nicht irre. In der Zeitung las ich von einer gigantischen Essenschlacht in Rom-Viertel zwischen Türken und Griechen.", berichtet Ludwig und ja, daran erinnere ich mich noch. War ein lustiges Spektakel gewesen.

"Genau da.", bestätige ich ihm.

"Und was macht ihr dann? Ich meine, wenn eurer Imbiss zugemacht wird.", möchte Ludwig erfahren und wir gehen durch den Stadtpark.

"Nun ich werde wohl mit mein Bruder nach neue Jobs umsehen und eine neue Wohnung suchen. Denn nach diesen Monat geht die Räumung los. Wir werden schon was finden.", versicherte ich ihn zuverlässig.

"Na da habe ich doch was.", hörte ich Ludwig sagen und erhielt seine Visitenkarte, "Wenn du nichts finden solltest, bewirbt Euch doch bei uns. sehe es als Wiedergutmachung, dass ihr wegen mir in so einer Gefahr geraten seid."

"Die Hero-AG?", las ich von der Karte, die ein Bild von Helden mit amerkanischen Umhang zeigte und Adresse, Telefonnummer beinhaltet.

" Ja, ich bin in der Personalabteilung und würde euch unterbringen. Der Chef Alfred F. Jones ist sehr nett und lässig. Also nur zu.", versichert Ludwig mir und wartet auf eine Antwort.

"Ich werde es annehmen, aber ich habe keinerlei Erfahrung. Ich habe doch nur gekellnert.", wies ich Ludwig hin.

"Kein Problem, ich werde euch einweisen und viele Kollegen sind sehr hilfsbereit. Kiku zum Beispiel, er ist sehr zuverlässig. Wir achten aufeinander im Betrieb.", konnte der blonde Mann berichten.

"Das klingt fast so gut, um wahr zu sein!", strahlte ich begeistert und auch Ludwig schlich ein kleines Lächeln.

"Tja irgendwie kann ich es auch nicht glauben.", musste er mir gestehen und meine Locke kann seine eigene Fassungslosigkeit gegenüber sein Fehlverhalten wittern. Kein Wunder, er wurde fast umgefahren und hat auch den Fahrer ein Schreck seines Lebens eingejagt.

Nicht nur der Fahrer, mir auch. Obwohl ich nur reagiert habe. Doch hinterher wird einen bewusst, was hätte alles passieren können. Wir hatten Glück und darauf sollten wir es belassen. Sonst macht man sich unnötig Gedanken über das Was-Wäre-Wenn!

"Ach Kopf hoch! Nächstes mal auf den Verkehr achten und telefonieren nur wo es sicher ist.", munterte ich mein Begleiter auf.

"Recht habt ihr. Nur manchmal kann Herr Jones aufdringlich sein.", seufzte der Deutsche und holte aus seiner Tasche ein Bund Schlüssel hervor.

"Naja, dann schalte auf stumm und ruft zurück, wenns günstig ist. Es bringt keinem etwas, wenn ihr im Krankenhaus landet. Oder?", belehrte ich mein Gegenüber. Irgenwie komisch, normalerweise bin ich gegenüber Fremden sehr schüchtern, aber vielleicht lag es an die gegenseitige Erleichterung, die wir empfinden, weil wir ein großes Glück hatten und mit den Schrecken davongekommen sind. Trotzallem muss ich zugeben, dass mir seine Nähe mein Selbstbewusstsein stärkt. Denn eigentlich belehre ich niemanden und lasse alles, was die Leute sagen. Aber bei Ludwig kann ich meine Meinung offen sagen und er erfasst es mit Verständnis. Es ist schön, so ungezwungen mit jemanden zu unterhalten, der nicht mein eigener Bruder ist.

"Hm, ich schätze bei diesen Argument habe ich nichts entgegenzusetzen.", lächelte Ludwig verlegen. Zum Einen, weil er sich über meine Besorgnis geschmeichelt fühlt. Zum Anderen, weil mein Argument eine Tatsache ist.

Als Ludwig nun seine Haustür aufschließen wollte, geht die längst auf und ein kleiner Knabe mit silbernen zersausten Haaren und violetten Augen sprang in seine Arme.

"PAPA!", drückte der Kleine vor Freude fest an ihm und sagte," Ich habe dich ganz doll lieb, das weißt du, oder?"

"Gilbert, was hast du mit Frau Müller gemacht?", konnte der Vater die Scheinheiligkeit seines Sohnes entlarven. Obwohl ich spüren konntem dass Gilbert sein Vater die Wahrheit gesagt hat. Nur wahrscheinlich zeigt der Sohn es anders und so hat er sich verraten.

"Die Alte ist doof.", motzte der Kleine und verweigert die Aussage.

"ES REICHT!", ertönte eine laute kreischende Frauenstimme aus der Wohnung. Völlig aufgewühlt stand die Frau mit voller Farbe auf ihr Körper an der Haustür. An beiden Händen trug sie Koffer. "ICH KÜNDIGE! SATANSBRATEN!", rief sie Ludwig entgegen.

"Beruhigen Sie sich! Wir finden bestimmt eine Lösung. Schließlich ist er ein Kind und...", versuchte der Vater zu schlichten und schien damit viel Erfahrung zu haben. Leider brachte das gar nichts.

"NIEMALS! DAS KIND IST EINE ZUMUTUNG!", brüllte sie der kleinen Familie entgegen und meine Locke empfing ihre Boshaftigkeit.

Gilbert hat sie nicht ohne Grund, Streiche gespielt! Sie hat ihm immer wieder gesagt, dass er als Albinokind keine Freunde finden würde, weil niemand sein Aussehen verstehen und ihn auslachen würden. So eine Hexe, dachte ich mir.

Wütend stampfte die farbige Frau davon und hinterließ eine Spur voller gelber Farbe.

"Gilbert, warum nur? Das ist schon die 3. diesen Monat.", verlangt Ludwig streng nach einer Erklärung. Der Sohn schwieg und schmieg sich fest an seinem Papa an.

"Er kann nichts dafür! Die Frau hat gemeint, dass Gilbert nie Freunde finden würde, weil er ein Albino ähnelt.", verteidigte ich unbewusst den Jungen. Ich konnte mich einfach nicht zurückhalten.

Betroffen vergrub der Kleine sein Kopf in Ludwigs Brust.

"Gilbert ist das wahr? Hat Frau Müller wirklich sowas dämliches behauptet?", hakte er nach und blickte mich erstaunt an. Als würde er mit sein Gesicht mir fragen wollen, woher ich das weiß. Nur zuckte ich scheinheilig mit den Schultern.

"Ich bin ein Albino. Warum wurde ich nicht als Hase geboren?", jammerte der Kleine und fügte niedergeschlagen hinzu," Dann hätte ich Freunde."

"Aber Gilbert, das Aussehen beeinflusst doch nicht, ob du Freunde bekommst oder nicht. Ich bin mir sicher, wenn du in der Schule gehst, dass du viele Freunde finden würdest. Frau Müller hat keine Ahnung und die wirst du nie wiedersehen!", tröstet Ludwig seinem Jungen.

"Aber warum sagen das alle? Frau Müller, Frau Schreck und Frau Poppins! Alle Aufpasser sagten das. Also muss es doch stimmen.", begann Gilbert frustiert zu erzählen.

"Hast du deshalb alle vergrault? Weil sie dir solche Lügen auf den Kopf geworfen haben.", konnte der Vater endlich nachvollziehen, warum sein Sohn solche Fehlverhalten an diesen Tagen gelegt hatte. Doch darüber gibt der Kleine keine Auskunft.

Stattdessen fragte der Sohn:" Was ist wenn sie die Wahrheit sagen, aber du lügst?" Schon laufen Tränen auf seinen Wangen. Die Vorstellung, dass sein Vater lügt, um ihn die harte traurige Wahrheit vorzuenthalten, dass er nie Freunde finden würde, verletzte Gilbert zutief.

"Ich und Lügen?! Weißt du was, ich beweise es dir!", war Ludwig entrüstet. So eine Behauptung, da muss er schnell seine Ehre bewahren. Die violetten Augen seines Sohnes weiten sich. Sein Vater will ihn das beweisen?

"Oh ja zum Kinderspielplatz, da wirst du sicherlich Freunde finden!", mischte ich mich ein und der Kleine strahlte über beide Wangen. Anscheinend war er noch nie auf dem Spielplatz gewesen.

"Genau heute gehts zum Spielplatz, los macht dich fertig Gilbert.", stimmte Ludwig mir dankbar zu und ließ sein Sohn runter.

"Nun ich danke euch erneut. Woher wusstet ihr, dass genau das Gilbert bedrückt? Ich rätselte seit Wochen darüber.", fragte Ludwig mir direkt und ich spüre, dass er sich selbst Vorwürfe machte, als Vater es nicht erkannt zu haben.

"Also ich habe es nur vermutet. Ihr als sein Vater habt ihn das ganze Leben begleitet, aber ich war auch anfangs über sein Aussehen überrascht gewesen. Nur für mich ist das nicht schlimm, andere wiederum sind sehr oberflächlich.", bemühte ich ihm zu erklären und teils wieder aufzumuntern.

"Nun Gilbert kommt stark nach seiner Mutter und ich gebe zu, dass mir ihr Aussehen sehr fasziniert hatte, weil es eben ungewöhnlich war. Das hätte ich wissen müssen. Ihr scheint ein guter Menschenkenner zu sein.", schätzte Ludwig mich ein und schwelgte in Erinnerungen.

"Ihr könnt mich ruhig duzen.", sagte ich komplett verlegen. Normalerweise sagen Leute zu mir, dass ich seltsam bin. Doch als Menschenkenner hat mich nur Ludwig eingeschätzt. Jetzt fühle ich mich glatt normal und das dank ihm. Wir werden bestimmt sehr gute Freunde! Darauf wette ich!
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