Das Horrorhaus

GeschichteAngst, Horror / P18
18.01.2020
18.01.2020
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Versteckt in einer dunklen Nische in einem staubigen Schlafzimmer eines Anwesens lag ein Büchlein. Seine Seiten ließen sich von den Zungen des Windes küssen, als seine Worte ihren Weg in der Geister Ohren fanden. Sie erzählten von längst Vergangenem und doch so Präsentem, dass es der Geister graute, wenn sich nur ein einzig Wort in ihre Herzen verirrte.
Es waren die Gedanken eines Mädchens gewesen, die sie durch ihre tödliche Tinte in des Buches Haut brannte.
Eines Mädchens namens Xenia. Deren Geschichte sich bereits vor vielen Jahren ereignete:





Der Tag heute war sehr anstrengend gewesen. Samuel hatte mir geholfen, den Großteil meiner Möbel aus seiner Wohnung in dieses Haus zu schaffen. In dieses große, leere Haus... Ich verstehe noch immer nicht, was mit ihm los war, erst machte er mir einen Antrag und dann schmiss er mich plötzlich raus, als er dann dieses Haus betrat fiel er auf seine Knie und fing an zu weinen..

Ich packte seinen stark behaarten Arm und zog ihn wieder auf seine Beine. Er tauerte meterhoch über mir mit seinen 2,05 m an Körperlänge und schaute wütend auf mich herab, dann entriss er seinen Arm meinem sanften Griff und schmiss einen Karton voll Kleiderhaken um. Schließlich stürmte er wutentbrannt aus dem Haus heraus und ließ mich damit verblüfft und verwirrt alleine zurück.

Ich fing also alleine an, mein neues Zuhause einzurichten. Das Haus, es ist ein großes, dunkles Fachwerkhaus, gleicht schon eher einer kleinen Villa, umgeben von mehreren Hecktar verwuchertem Garten, mit, laut Markler, schalldichtem Keller, hatte ich erstaunlich günstig bekommen. Der Besitzer sei vor kurzem verstorben und habe keine Erben gehabt. Für die Stadt seien die Renovierungskosten zu hoch gewesen, deshalb wolle sie es loswerden und dafür könne sie kaum Geld nehmen. 1000€ bar auf die Hand und es sei meins. Es benötige nur etwas Renovierung, die Leitungen seien etwas eingerostet und Internet habe es noch keins, doch das könne ich von einem Fachmann machen lassen und müsse insgesamt weniger zahlen, als wenn ich ein neues kaufen oder gar mein eigenes bauen lassen würde.

Die Nachbarn, falls es denn welche gibt, das Grundstück ist so groß, da muss das nächste Haus weit entfernt sein, ließen sich heute nicht blicken, zumindest nicht auf der Straße.

Doch all das darf mich nicht groß stören. Ich brauche dieses Haus, denn ich brauche eine neue Unterkunft. Ich brauche eine neue sichere, kleine Niesche.





29.Oktober 2014

Seltsame Dinge gehen hier vor sich. Es ist nun zwei Wochen her, dass ich das letzte Mal einen Eintrag schrieb. Ich war beschäftigt gewesen, ich war weiter "mein Haus" am einräumen gewesen, ich hatte versucht, mich hier zurrecht zu finden, ich war auf der Suche nach einer Arbeit, ich versuchte hier zu schlafen, doch dieses Haus... es hatte so einen seltsamen, beunruhigenden Schimmer über sich liegen, war in Mystik getunkt wie ein Eis in Schokolade. Umhüllend. Allerfassend. Erstickend.

Was die seltsamen Dinge sind? Nun, entweder leide ich an Amnesie, hier wohnt unbemerkt noch ein anderer Mensch, oder dieses Haus wird heimgesucht... Am ersten Morgen war alles noch relativ normal, ich stand auf, ging ins Bad und putzte mir meine Zähne. Dabei hob ich meinen Kopf an und schaute in den bereits polierten Spiegel, der direkt über dem Porzelanwaschbecken hängt, ich beobachtete die kreisende Bewegung, die mein Arm mit der Zahnbürste an meinen Zähnen ausführte, ich beobachtete, wie der weiße, reinigende Schaum meine rote Unterlippe hinunterfloss und ins Waschbecken tropfte, da sah ich aus meinen Augenwinkeln durch den Spiegel einen goldenen Schimmer neben meiner kleinen, noch verstaubten Dusche. Zuerst tat ich es als einen Lichtbruch in meinem Spiegel ab, doch nach den heutigen und gestrigen Ereignissen, bin ich mir da nicht mehr so





31.Oktober 2014

Verzeih mein liebes zukünftiges Ich oder fremder Leser, dass ich meinen vorherigen Eintrag nicht beendete. Ich wurde angerufen. Samuel wollte mit mir reden, er fragte, ob er vorbei kommen dürfe. Nun, es liegt mir ja noch viel an ihm, also bejahte ich und eine halbe Stunde später kam er vorbei. Das Warten war schwer für mich, mein Herz raste, ich hatte Angst vor dem, was er mir sagen würde.

Er betrat das Haus nur ganz zaghaft, etwas an ihm schien erdrückend auf ihn zu wirken, er traut sich nicht gerne hier hinein und ich kann seine Angst nachvollziehen

"Xenia, da ist etwas, das ich dir sagen muss", sagte er in einem sehr nachdenklichen Ton. Seine Stirn lag in Falten und er wagte es nicht, mir in die Augen zu blicken, "ich möchte dir endlich den Grund für mein Verhalten liefern. Du verdienst es, zu wissen, warum ich dich verlassen habe."

Ich sah ihn gespannt an und wurde immer nervöser. Ich kann jetzt noch das Herzrasen spüren, das sich zu dem Zeitpunkt in meinem Körper ausbreitete.

"Ich habe mich verliebt, Xenia", sagte er schließlich ganz leise. Er starrte immer noch auf den hölzernen Flur unter seinen Füßen. Er hatte sich in seine Angestellte, Helena, verliebt, erklärte er mir.

Ich fühle mich elendig. Ich liebe ihn noch immer und er behauptet, er liebe auch mich noch, aber er könne mir nicht 100% geben, deshalb ginge er.

Er ging aber nicht... er schmiss mich raus, er brachte mich dazu zugehen und auch als er es mir beichtete ging er nicht. Er erzählte weiter, dass sie nichts davon wisse und dass es ihm Leid täte und dass er auch nichts mit ihr anfangen wolle und noch weitere Dinge, die ich nicht mehr vernehmen konnte. Ich war zu taub vor Schmerz.

Wieso passiert das immer mir? Wieso muss immer ich solche Qualen durchleben und nun noch in einem heimgesuchten Haus leben?



Nachtrag 23 Uhr :

Bevor mich die Dämonen hier meines Lebens berauben, will ich festgehalten haben, was hier vor sich geht. Ich bezweifle nun, dass es mein zukünftiges Ich sein wird, das dies liest, denn ich schätze meine Überlebenschancen nicht groß ein, aber ich hoffe, dass du, der du es grade liest, es aus dem Grunde liest, dass du hier einziehen willst, wo ich nun in deiner Zeit tot bin, und schlau genug bist, von deinem Vorhaben abzulassen, bevor es dir wie mir ergeht.

Warum verlasse ich dieses Haus, dieses wahrhaft verfluchte Haus nicht? Nun, ich kann es nicht. Mächte in diesem Haus halten mich davon ab. Am Tag verhindern sie, dass ich gehen will, in der Nacht verhindern sie, dass ich gehen kann. Morgens wache ich auf und erinnere mich nicht an das Unheil, ich verdränge es unbewusst, ich sehe Lichtschimmer und stempel sie als Sonnenstrahlen ab. Nachts will ich gehen, doch die Türen lassen sich nicht öffnen. Ich bin in meinem Zimmer eingesperrt, die Tür schloss sich von selbst und ich kann sie nicht mehr öffnen, also bleibt mir nichts anderes, als in meinem Bett zu sitzen und dir davon zu berichten.

Vielleicht leide ich nur an Paranoia und bin Abends schon zu schwach, um diese großen Türen noch zu öffnen? Vielleicht, doch das ist nicht das einzige seltsame, das vor sich geht. Jeden Abend, wenn ich es schaffe, um exakt 20 Uhr nehme ich dieses Tagebuch aus dem kleinen hölzernen, alten Nachtschränkchen rechts neben meinem Bett, um meinen Eintrag zu schreiben doch als ich es heute nehmen wollte und ich versichere dir, ich legte es vorgestern genau an seinen Platz, war es nicht dort. Ich suchte in meinem ganzen Zimmer, im Bad, hinter dem Duschvorhang, unter der Treppe, bis ich es schließlich in der großen Küche auf dem Herd liegen sah. Der Herd war auf niedriger Temperatur angeschaltet und das Büchlein litt schon unter wenigen Brandblasen – dreh das Buch einmal um, dort auf der Rückseite, in der rechten unteren Ecke, kannst du sie noch erkennen. Dies war mit Sicherheit nicht mein Werk, ich liebe meine Bücher, und es war leider nicht der einzige Vorfall, der mir hier Grauen bereitet.

Wie bereits geschrieben, war der erste Morgen ereignislos, bis auf den Schimmer im Spiegel, doch am zweiten Morgen fehlte mir plötzlich ein Stuhl von der Tafel in meinem Speisesaal.

Am dritten Morgen hatte ich zwei Äpfel weniger in der Küche und fand einen von ihnen hinterher in der Dusche wieder.

Am vierten Morgen fehlte mir der Duschkopf und mein Bad war halb überflutet.

Dieser Geist, so es doch einer ist, treibt seinen Schabernak mit mir, dachte ich, doch es blieb nicht bei den harmlosen Dingen. Heute Morgen wachte ich mit einem Messer nur Milimeter von meinem Kopf entfernt im Kissen steckend auf. Es war mit Gewalt reingedrückt worden, es hatte das Kissen vollkommen durchdrungen und als ich es rauszog, schienen sich wenige rote Federn in ihm zu befinden, doch als ich ging, um eine Lupe zu holen, um zu erforschen, ob ich es richtig sah, und wieder zurück kam, war das Kissen verschwunden und an seiner Stelle lag ein neues.

Mich quält die Angst. Ich will hier weg, doch alle Zettel, die ich mir selbst schreibe, damit ich am Tag gehe, verschwinden. Ich muss weg, doch wie?

Nun, weiter zu schreiben wird mir wohl nicht viel helfen. Du kennst nun diese Zustände und ich hoffe für dein eigenes Wohl, dass du schlau genug bist, dieses Haus zu meiden, egal was die Markler dir sagen. Ich werde versuchen zu schlafen und hoffe, den nächsten Morgen noch zu erleben.





1.November 2014

Es ist 2 Uhr morgens, erst vor 2,5 Stunden ging ich schlafen und nun bin ich wieder wach und ich muss dir davon berichten. Ich wachte nicht auf, weil ich ausgeschlafen war, oder weil ein Messer in meinem Kissen steckte. Ich wachte auf, weil es an meiner Wand kratzte.





3.November 2014

Es wird immer schlimmer. Das Kratzen ertönt jede Nacht. Ich habe Angst. Ich habe Todesangst. Ich will hier weg, doch wie?

Da! Da klappert es in der Küche, es ist das Geräusch von Metall, das auf den steinernen Boden im Flur fällt.

Jetzt ertönen Schritt. Oh Himmel, wie kann ich mich schützen? Doch wenn ich mich nicht schützen kann, muss ich doch zumindest dich schützen!

Die Schritte kommen näher, sie sind laut und schwer, sie sind.... weg.





10.November 2014

Es blieb nicht bei den Schritten. Nun ertönen Schreie aus dem Keller. Aus dem schalldichten Keller. Es sind die Schreie von Frauen, jungen Frauen, ja fast noch Mädchen. Es sind Todesschreie, es sind verzweifelte Schreie. Was ging hier vor sich? Wie komme ich hier weg?

Muss ich nachsehen?



Nachtrag22 Uhr:

Die Schreie hören noch immer nicht auf. Ich werde nun gehen und nachsehen.
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