Schnuff der Osterhase

GeschichteAllgemein / P6
18.01.2020
18.01.2020
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Witternd hob Schnuff seine Nase empor und stellte sich auf seine Hinterbeine.

Er roch den Geruch feiner Pienienzapfen. Leicht nussig. Frisch. Etwas süß.

Ein Lächeln bahnte sich auf seine Schnauze. Er roch noch etwas anderes. Einen zitronigen Geruch. Mit einem Schuss von Brombeere und viel Wärme. Ja, den Geruch kannte Schnuff sehr gut. Das war der Geruch, den er sein Leben lang jeden Tag riechen konnte. Das war der Geruch des Menschen, der Schnuff jeden Tag sein Essen brachte. Aber ihre Beziehung war mehr als nur das. Schnuff liebte diesen Menschen. Sie war für ihn seine Familie. Seine große Schwester, auf die er immer zählen konnte.

Der Hase ließ das Loch, das er grade am graben gewesen war, links liegen, als er sie näher kommen hörte. Freudig klopfte er sich seine Hinterläufe sauber und rannte auf den großen Menschen zu, schlug vor Freude einige Haken, bevor er sich vor sie setzte und an ihrem Schuh knabberte.

Das Mädchen lachte freudig und hob ihren kleinen Schatz auf ihren Arm, streichelte schnell sein sanftes braunes Fell. Schnuffs Lächeln breitete sich aus und er vergrab seine Schnuatze in ihrem Haar, knabberte etwas an diesem rum.

Das tat Schnuff gerne. So zeigte er ihr seine Zuneigung. Er wusste nicht, wieso er es auf diese Art tat, denn sie zeigte ihm ihre Zuneigung immer, indem sie ihn fest in den Arm nahm und ihn streichelte, aber er selbst hatte irgendwann angefangen sanft an ihr rumzuknabbern.

Das erste Mal, das er das getan hatte, war vor wenigen Jahren gewesen. Seraph, so hieß das Mädchen, hatte ihn grade frisch zu sich geholt und kam jeden Tag bei ihm vorbei, um sich mit ihm zu unterhalten. Der kleine Hase konnte zwar nicht in ihrer Sprache antworten, aber er verstand sie und sie schien seine Gestik zu verstehen.

Sie erzählte ihm von ihrem Tag, von den Anstrengungen, denen sie in der Schule ausgesetzt war, von den Treffen mit ihren Freunden und davon, wie sie diese bald vorbei bringen würde, damit er sie einmal treffen konnte.

Schnuff war darüber zwar erfreut, aber auch geängstigt gewesen. Er wusste nicht, ob die anderen Menschen denn nicht vielleicht böse waren. In ihm war ein Trieb, der sich gegen den Gedanken auflehnte.

Ja, aber bei Seraph fühlte er sich sicher. Mittlerweile vertraute er ihr vollkommen und wenn sie ihren Freunden vertraute, dann konnte auch Schnuff ihnen vertrauen, schließlich würde Seraph ihn keiner Gefahr aussetzen. Sie liebte ihn ja schließlich auch.

Freudig strampelte Schnuff in Seraphs Armen herum, leckte kurz und schnell über ihre Wange und vergrub seine Schnauze noch weiter in ihrem Haar.

„Wow, der mag dich ja echt gerne", vernahm er plötzlich eine helle Stimme.

Sofort verstummte Schnuff etwas und kuschelte sich besorgt an seinen Menschen.

„Shh, Schnuff, das sind doch meine Freunde", flüsterte diese sanft in seine langen Löffel und streichelte weiter sein Fell, um ihn zu beruhigen.

Der kleine tapfere Hase rieb mit seiner Schnauze etwas an ihren Haaren herum, bis ihm diese nicht mehr im Gesicht hingen und er den anderen Menschen etwas besser erkennen konnte, ohne komplett seine Deckung zu verlieren.

Der andere Mensch, der da mit etwas Abstand zu ihnen, in seinem Garten stand, war ebenfalls ein Mädchen. Sie hatte dunkle Haare, die so weich aussahen, wie Seraphs. Nunja, nicht ganz so weich. Seraph hatte immer noch die weichesten und leckersten Haare, die ein Mensch haben konnte.

Das fremde Mädchen lächelte ihn an und er studierte sie weiter mit einem aufmerksamen Blick. Musste er Angst vor ihr haben? Sie sah sehr nett aus, schien ihm sympatisch. Aber sie war ein Mensch und vorallem war sie ihm fremd.

Die sanften Berührungen seiner Schwester ließen ihn entspannen und strichen ihm seine Sorgen aus seinem kleinen Köpfchen.

„Der sieht so weich aus", sagte das brünette Mädchen fasziniert und ging einen Schritt auf Seraph und Schnuff zu.

„Ja, das ist er auch. Und so lieb", schwärmte Seraph und drehte sich und Schuff, sodass er zwar das Mädchen nicht mehr sehen konnte, sie aber ihn.

Sie war in seinem Rücken. Das mochte er nicht.

Schnell stellte er seine Ohren auf, um wenigstens hören zu können, was die Menschen taten. Er wunderte sich noch immer, warum er hatte den Menschen nicht riechen können. War er so auf Seraph fixiert gewesen? Oder kam das Mädchen erst so spät zu ihnen?

Unter seinem Fell runzelte er seine Stirn. Er war sich sicher, dass hier etwas nicht stimmen konnte.

Mit seinen Vorderpfoten klopfte er Seraph auf die Schulter. Er wollte runter von ihrem Arm.

Doch seine Schwester war zu vertieft in das Gespräch mit ihrer Freundin. Ja, sie wollte dem fremden Kind sogar Schnuff in den Arm geben!

Der Hase fing an zu zappeln und stemmte sich gegen Seraphs Schulter, versuchte irgendwie ihre Aufmerksamkeit zu bekommen, doch sie nahm ihn nicht war.

Das fremde Mädchen hatte sie in einen Bann gezogen, so schien es dem Hasen.

Er spürte wie sie ihre Arme ausstreckte und man ihn in diesem hineinsetzte.

Das wurde ihm zu viel. Schnell sprang er herunter, landete glücklich auf seinen vier Pfoten und rannte ins Gebüsch, wo er sich hinter den grünen Blättern versteckte und hoffte, dass das Kind ihn nicht sehen würde.

Schnuff musste an dieser Stelle eingeschlafen sein, denn als er wieder aufwachte, war er noch immer im Gebüsch. Neben ihm lag ein anderer Hase und schlief tief und fest.

Der Hase war schwarz und hatte weiße Pfoten.

Wieder legte sich Schnuffs Stirn in Falten. Wer war dieser fremde Hase?

Er hüpfte ein Stück auf seinen fremden Kameraden zu, da bemerkte er das Ei, dass unter dessen Pfoten lag. Es war grün, wie das Gras und nur schwer zu erkennen und zu finden, wenn man nicht mit ihm rechnete.

„Schnuff, bist du das?", hörte er die verschlafene Stimme von Seraph.

Sofort hüpfte er aus dem Gebüsch auf sie zu und kuschelte sich an ihr Bein.

„Es tut mir leid. Ich hätte dich nicht einfach auf ihren Arm setzen sollen", sagte sie sanft und zog ihn in seine Arme. Schnuff entspannte und kuschelte sich mehr an sich, genoss ihre Wärme und ihren Geruch um sich herum.

„Du bist Schnuff?", hörte er eine tierische Stimme hinter sich. Verwirrung stieg in dem braunen Hasen auf. Er konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte mal so eine Stimme gehört hatte. Seit seiner Kindheit war er nicht mehr mit anderen Hasen zusammen gewesen, er hatte seine Sprache fast schon verlernt, als er die der Menschen zu verstehen begann.

Er wand sofort seinen Kopf in Richtung der Stimme und sah den schwarzen Hasen, der neben ihm geschlafen hatte.

„Ich soll dich zu deinem Dienst abholen", sagte dieser und hüpfte weiter auf ihn zu.

„Dint?", formte Schnuff unter großen Anstrengungen das Wort, das der andere Hase gesagt hatte. Er verstand nicht, was er ihm sagen wollte.

„Es ist bald Ostern und der König verlangt nach deinem Dienst", sagte der schwarze Hase und zeigte mit seiner Nase in Richtung des Gebüschs, wo das grüne Ei noch immer unentdeckt lag.

Schnuff begann langsam zu verstehen, wovon der ältere Hase sprach. Er hatte den Brauch mitbekommen. An Ostern tauchten plötzlich bunte Eier auf. Seraph hatte ihm einmal erzählt gehabt, dass es wohl ein Hase sei, der diese Eier dort hinlegte. „Osterhase" hatte sie ihn genannt, doch Schnuff hatte sich nie etwas darunter vorstellen können.

Jetzt saß wohl genau dieser Osterhase vor ihm und verlangte von ihm, ihm zu helfen.

„Dort hinten ist ein Loch. Da musst du runter. Unten bekommst du die Eier und dann versteckst du sie in deinem und den drei anliegenden Gärten", sagte der schwarze Hase, bevor er in Richtung des Loches hüpfte.

„Nachs?", fragte Schnuff hoffnungsvoll. Er wollte Seraph nicht alleine lassen. Er konnte sie nicht alleine lassen. Und wenn Seraph nur Nachts nicht da war, dann konnte er nur nachts verschwinden, um die Eier zu verstecken.

Der schwarze Hase nickte noch einmal, bevor er hakenschlagend ins Gebüsch verschwand und Schnuff vor seiner großen Aufgabe zurücklies.

Aber Schnuff wusste, dass er diese Aufgabe bewältigen konnte, denn er hatte ja Seraph an seiner Seite, zu der er jeden Tag nach seiner Arbeit zurückkommen konnte. Und es war Seraph für die er diese Geschenke versteckte, denn er wusste, wie sehr sie sich darüber freuen würde.

Und so schlief Seraph weiter im grünen, frischen Gras, sich auf Ostern freuend, den Osterhasen in ihren Armen haltend und wusste von Nichts.
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