Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Partnerstreifen

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P12 / Gen
18.01.2020
18.01.2020
2
2.872
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
18.01.2020 1.430
 
Ich liebe dich, Marco", flüstert Suria mir sanft ins Ohr und schlingt ihre Arme noch fester um meinen Hals. Ich kann mein Grinsen nicht mehr verbergen. Meine Wangen schmerzen. Die Schmetterlinge in meinem Bauch drehen durch. Ich fühle das Blut in mein Gesicht strömen und umfassen sie noch fester. Halte sie ganz fest an mich gedrückt. Will sie nie wieder loslassen.

„Ich liebe dich", flüstert sie erneut. Ich grinse noch mehr und küsse sie mit all der Liebe, die ich in meinem Herzen für sie fühle. Hoffe, ihr zeigen zu können, wie wichtig sie mir ist. Dass sie der Grund ist, weshalb ich lebe. Dass sie der Stern ist, den ich Abends betrachte. Dass sie das einzige Schaf ist, das ich zähle, wenn ich versuche zu schlafen. Dass sie der Sonnenschein ist, auf den ich mich schon am Abend freue, bevor ich schlafen gehe. Dass sie der Traum ist, den ich freudig erwarte, wenn ich meine Augen schließe.

Wunderschön. Dieses Lachen.

Plötzlich fühle ich ihre Lippen auf meinen.

Sanfte Federn. Himmlische Wolken. Göttlich. Schier göttlich scheint sie mir. Göttin meines Herzens. Ich spüre Liebe. Liebe auf ihren Lippen. Liebe in ihrem Kuss. Liebe -

Dunkel. Es wird alles dunkel. Sie lässt mich alleine. Ich bin verlassen. Ich bin alleine. Alleine. Angst. Dunkel. Knurren.

Ich höre ein Knurren. Es kommt immer näher. Meine Liebste ist verschwunden. Alles ist dunkel. Vor mir steht eine Bestie. Ein Räuber. Ein Mörder.

Er wird mich töten.







Schweißgebadet wache ich auf.

Es war nur ein Traum. Was ein Glück!

Ich drehe mich auf meine Seite und will Suria zurück in meine Arme ziehen, doch sie ist nicht da. Ich bin alleine. Ganz alleine, als meine Erinnerungen mich einholen. Erinnerungen an die letzten Tage, in denen ich sie nicht mehr gesehen habe. Sie war an dem Morgen verschwunden und nie wieder zurückgekehrt.

Ich stehe langsam auf, als ich einen Schmerz in meiner linken Schulter verspüre. Alles verschwimmt vor meinen Augen und ich kann nicht mehr klar sehen. Ich strecke meinen rechten, nicht schmerzenden Arm zur Seite aus, um mich an meinem Schrank abzustützen, als eine Schmerzenswelle erneut meine linke Schulter durchzuckt. Ich schreie auf. Der Schmerz ist entsetzlich. Eine Qual. Langsam klärt sich meine Sicht wieder und ich sehe direkt in den Spiegel vor mir. Sofort fällt mein Blick auf meine Schulter. Sie hat tiefe Kratzspuren. Krallenspuren. Der Schmerz durchzuckt mich erneut. Meine Schläfen pochen. Ich habe das Gefühl mein Schädel würde platzen, so stark sind die Schmerzen in meinen Schläfen.

Meine Sicht verschwimmt erneut und mich verlässt alle Kraft in meinen Armen. Ich kann mich nicht mehr auf ihnen halten. Ich fühle sie nicht mehr. Meine Beine schmerzen. Sie geben nach und ich stürze auf den Boden. Doch ich spüre nichts. Ich sehe nur den letzten Schimmer an Licht, bevor alles schwarz wird.









Langsam legt sich der Schmerz in meinen Gliedern. Meine Augenlider fühlen sich wieder leichter an. Ich kann wieder atmen. Ich spüre meine Arme und Beine wieder. Auch meinen Schwanz kann ich bewegen.

Moment...Schwanz?

Ich reiße meine Augen auf und sehe in den Spiegel, vor dem ich immer noch auf dem Boden liege.

Was ich dort sehe verschlägt mir den Atem. Mein Magen zieht sich zusammen und meine Atmung wird immer schneller.

Vor mir, im Spiegel, sehe ich mich. Doch ich bin anders. Auf dem Boden sehe ich meine blonden Haare liegen und auf meinem Kopf befinden sich braune Haare mit orangenen Strähnen. Meine Finger sind mit scharfen Krallen gespickt. Und vom unteren, hinteren Ende meiner Wirbelsäule ragt ein pelziger, gestreifter Tigerschwanz hervor. Doch da ist ein Streifen an meinem Schwanz, der ist anders. Da ist ein roter Streifen am Ende meines Schwanzes.



Auf meinem Kopf bewegen sich meine plüschigen Ohren in welche Richtung auch immer ich will.

Plötzlich höre ich ein Knacksen. Ein Knurren und einen Schrei.

Dieses Knurren... ich kenne es...

Sofort springe ich auf und renne aus dem Haus. Renne so schnell ich kann in die Richtung, aus der der Schrei kam. Ich renne immer schneller und schneller.

Stoße gegen Äste und Büsche, doch das interessiert mich nicht. Mein Tier, mein Instinkt hat die Überhand gewonnen und ich lasse mich willenlos von ihm kontrollieren. Lasse mich von ihm anspornen schneller zu rennen.

Meine Muskeln sind sauer, meine Lunge scheint zu brennen, doch noch bin ich zu weit weg von ihr, ich muss schneller sein. Ich muss sie erreichen!

Ein letztes Mal zwinge ich meinen Körper noch mehr zu geben. Ich habe das Gefühl, meine Muskeln würden reißen. Mein ganzer Körper schmerzt mehr als je zuvor.

Aufmeinen letzten paar Metern verfängt sich mein Fuß in einer Baumwurzel und ich knalle mit voller Wucht auf den Boden.

Ich rieche Eisen. Blut. Ich blute. Mein Kopf pocht und ich kann meinen rechten Arm nicht mehr bewegen.

Doch ich muss sie finden. Ich hebe meinen Kopf und da sehe ich sie. Sie und einen fremden Mann. Ich stütze mich mit meinem linken Arm auf und versuche aufzustehen, da sehe ich, wie sie ihn niederschlägt. Der Mann liegt am Boden und Suria steht über ihm, ballt ihre Fäuste und knurrt ihn an. Doch es war kein freundliches Knurren, kein spielerisches Knurren. Es war ein furchteinflöstendes Knurren. Das Knurren aus meinen Alpträumen. Das Knurren, das mich verfolgt. Das Knurren, das mir Angst einjagt. Es lässt einen eiskalten Schauer meinen Rücken hinunterlaufen, während ich dort liege und zusehen muss, wie das Mädchen, von dem ich dachte, ich würde es immer lieben, ihre Krallen ausfährt und den Menschen mit einem festen Stoß gegen seinen Hals tötet.

Ich spüre einen Stich in meinem Brustkorb.

Plötzlich treffe ich ihre Augen. Sie sind verändert. Hasserfüllt. Rot. Teufelsrot. Rot wie das Blut, das von ihrer Pfote herabläuft.

Ich rappele mich so gut wie ich kann auf und humpele davon. Nur weg von ihr. Weg von dem Monster. Ich muss weg. Verderben. Nichts als Verderben. Mutter hatte Recht, sie war ein Dämon. Sie war böse. Teuflisch. Angst. Ich bin angsterfüllt. Hass. Ich bin hasserfüllt. Liebe. Liebe in Allem. Es ist Liebe! Oder irre ich? Ist es Liebe? Kann es Liebe sein? Hass. Es ist Hass! Angst. Es ist Angst! Teufel. Sie ist der Teufel! Renn. Renn schneller. Renn weg! Sicherheit. Ich muss in Sicherheit.



„Marco", ruft sie. Diese Stimme. Sie hypnotisiert. Doch ich kann nicht. Ich darf nicht. Ich muss weiter. Ich muss weg. Weg von ihr. Weg vom Teufel. Weg vom Gefühl der Liebe für den Dämon, der mir das Herz entriss. Weg von der Gefahr. Gefahr. Sie ist nichts als Gefahr. Sie schadet mir. Sie bricht mein Herz. Sie tötet mich. Ist das Liebe? Kann das Liebe sein? Liebe in Allem. Auch Liebe im Hass?



„Marco, bitte", ruft sie. Wieder ruft sie mich. Sie soll schweigen! Nein, sie soll rufen. Ich will ihre Stimme hören. Schweig Dämon! Nein, sprich. Mach alles wieder gut! Verschwinde Dämon! Nein, bleib. Mach alles wieder gut! Hasse mich Dämon! Nein, liebe mich. Mach alles wieder gut! Ich hasse dich Dämon! Liebe in Allem. Selbst im Hass.



„Marco", flüstert sie sanft. Sie ist hinter mir. Ich kann das Blut an ihrer Hand riechen. So stark. So heiß und doch so kalt. Mein Brustkorb zieht sich zusammen, als ich ein Schluchzen aus ihrer Lunge entnehme. Werde wieder mein Engel, Dämon. Lass mich dich trösten, Dämon. Lass mich dich lieben, Dämon. Lass mich dir verzeihen, Dämon.



„Bitte",  wimmert sie ganz leise nur noch. Ich höre, wie es ihr die Kraft entzieht, mir zu folgen. Ich bin langsam. Ich bin verletzt. Doch sie hat nicht die Kraft. Etwas stimmt nicht mit ihr.

Ist da noch Liebe? Kann da noch Liebe sein? Wird da je wieder Liebe sein?

Braucht der Engel mich oder ist es ein Spiel des Dämons? Darf ich sie trösten, oder wird das Monster mich töten?

Ist es Liebe es zu riskieren? Ist es Liebe zu gehen? Nein. Es ist Liebe zu bleiben. Es ist Liebe es zu riskieren.

Langsam drehe ich mich um und sehe sie an. Ihr Gesicht ist von Tränenüberströmt, doch ihre Augen... blaue Augen, blau, wie die tiefste Tiefsee, himmlisches, ja göttliches Blau. Der Engel. Das ist er. Ich verliere mich in ihren Augen. Mein Herz schlägt schneller. Sie lächelt ein wenig.

Ich fühle, wie sich meine Muskulatur entspannt und endlich, endlich umarme ich sie. Drücke sie fest an mich.

„Es tut mir Leid. Ich hatte keine Kontrolle über es. Es tut mir so Leid", schluchzt sie in meine verletzte Schulter, deren Schmerz ich in diesem Moment gar nicht mehr fühle. Ich halte sie nur fester und flüstere: „Es ist Liebe. Liebe für immer."
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast