Partnerstreifen

GeschichteRomanze, Fantasy / P12
18.01.2020
18.01.2020
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Es war ein schrecklicher, eiskalter Winterabend gewesen.

Ich hatte mich grade mit meinen Freunden bei McDonalds getroffen gehabt und wollte schnell nach Hause, da es bereits dämmerte, weshalb ich den kürzeren Weg durch den verschneiten, düsteren Wald nahm. Ich ging schnellst möglich den Weg entlang, da mir der Wald so dunkel nun doch etwas zu unheimlich war, da hörte ich ein sanftes Fauchen aus einem Berg von Holzstämmen. Verblüfft und zugleich verängstigt schlich ich mich an die Stämme heran, um zu sehen, was da fauchte. Da hörte ich das Fauchen erneut. Ich schlich mich noch näher heran. Plötzlich taumelte etwas gegen mein Bein. Ich erschrak und schrie fast auf, doch als ich das kleine herzliche Wesen sah, das da soeben gegen mein Bein getaumelt war, stockte mir der Atem und ich brachte kein Geräusch heraus. Vor mir hockte eine junge Dame, die sich zuvor hinter dem Holz versteckt hatte.

Sie sah nicht aus wie eine gewöhnliche Frau. Ihre Gesichtszüge waren wilder, animalischer. Aber auf eine gute Art und Weise. Auf ihrem Kopf trug sie plüschige, süße Ohren. Sie war menschlich, aber zugleich auch nicht. Wie gefangen zwischen den Leben zweier Wesen.

Als sie mich sah, knurrte sie mich an und fletschte ihre scharfen Zähne, doch ich konnte nicht anders, als sie regungslos anzusehen, denn ihre Schönheit ließ mich schier erstarren. Sie hatte blaue Augen, blau, wie die tiefste Tiefsee, himmlisches, ja göttliches Blau, ihre braunen Haare waren lang, gingen bis zu ihren Schultern, und hatten orangene Strähnchen in sich. Sie hatte einen gestreiften Schwanz. Schwarz, Orange. Doch dann war da noch dieser eine Streifen, der anders war. Da war ein roter Streifen am Ende ihres Schwanzes, den ich bei anderen Tigern - sofern man sie so nennen kann - noch nie gesehen hatte.

Sie starrte mich noch immer verängstigt an, doch ganz langsam sah ich, wie sich die Angst in ihren Augen legte und ich merkte, dass sie erkannte, dass ich keine Gefahr für sie war. Sie neigte ihren Kopf ganz leicht zur Seite, schnupperte leicht und betrachtete mich.

Ich zögerte kurz, doch dann streckte ich ihr meine Hand entgegen. Sie schnupperte kurz an ihr, dann nahm sie sie schließlich und ließ mich ihr aufhelfen. In dem Moment, in dem sich unsere Hände berührten,spürte ich ein Kribbeln in meinem Bauch und als sie mir dann auch noch in meine Augen sah, schlug mein Herz schneller. Sie schien das gehört zu haben, denn plötzlich lächelte sie ein umwerfendes, wunderschönes Lächeln und flüsterte: "Suria".

Ich stand da, wie gefesselt, immer noch ihre Hand haltend und sie anstarrend.

Sie knurrte leicht und ich löste mich schließlich aus der Starre. "Marco", sagte ich sanft, "was machst du hier so alleine?"

Sie schaute mich kurz an,dann wand sie den Blick von mir ab und zuckte mit den Schultern. "Kann nirgendwo sonst hin", murmelte sie leise in sich hinein.

"Dann komm mit zu mir." Es war als habe sie eine Trance über mich gelegt. Alles an ihr zog mich an und sagte mir ich könne ihr vertrauen. Ich wollte ihr vertrauen und ich wollte ihr helfen.

Sie sah wieder zu mir auf, erst jetzt sah ich den Schimmer von Rot in ihren himmlischen Augen, ganz wenig um ihre zu Schlitzen verengten Pupillen herum, und runzelte ihre Stirn.

"Ich ... Also ich werde meine Mutter fragen... sie lässt dich bestimmt bleiben... Weil- Du-Du brauchst ja nen Platz zum Schlafen, hier ist es ja nicht sicher", stotterte ich. Bereits schon das bloße Ruhen ihrer Augen auf mir machte mich nervös.

Ein Lächeln bahnte sich wieder auf ihre roten, samt weichen Lippen, und sie nickte schließlich.

"Für eine Nacht geht das sicher in Ordnung."

Ich konnte mir das breite Lächeln nicht verkneifen, als sie an meine Seite trat und sagte: "Dann zeig mir mal den Weg."



***



"Mama bitte!"

"Nein!"

"Mama, sie hat keinen anderen Platz zum Schlafen!"

"Sie ist ein Biest!"

"Nein, ist sie nicht! Sie ist genauso Mensch, wie du und ich!"

"Sie ist eine Bestie, Marco. Sieh dir doch nur mal ihre Zähne an und die Art, wie sie knurrt! Das ist ein Tiger kein Mensch!"

Aus meinem Augenwinkel konnte ich Surias verletzten Blick sehen, als meine Mutter all diese grausamen Dinge sagte, also ging ich zu ihr und brachte sie vor die Tür.



"Wir warten, bis meine Mutter schläft, dann schleichen wir uns ins Haus. Mein Zimmer ist groß, ich bringe dich da unter, ohne dass meine Mutter er direkt bemerkt.", flüsterte ich leise, als wir zusammen auf der kalten Treppe vor meinem Haus saßen.

Sie nickte und starrte auf den Boden.

Sie trug keine Schuhe und ihre Kleidung, eine kurze Hose und ein Tank-Top, war eingerissen. Sie rollte ihre Zehen zusammen und zog ihre Schultern hoch, offensichtlich frierend, also zog ich meinen schwarzen Pulli aus und reichte ihn ihr.

Sie lächelte leicht und zog ihn an, während ich die Kälte der Abendluft wie eine Decke auf mir spürte. Die Häarchen an meinen Armen stellten sich auf und ich zitterte leicht.

"Seit wann bist du schon da draußen? Bist du ganz alleine?", fragte ich von der Neugier gepackt.

Sie nickte und flüsterte: "Die Wildnis ist mein Zuhause. Tiere gehören in die Wildnis."

"Du bist kein Tier!", rief ich empört.

Sie lachte, doch das Lachen wirkte sehr aufgezwungen und falsch, ironisch.

"Marco, ich bin ein Tiger."

"Aber du bist doch auch ein Mensch."

"Danke, dass du das glaubst."

Ich sah sie verwundert an. Sie schien so stark zu sein, geheimnisvoll und selbstbewusst, doch sie so kennengelernt zu haben, hätte ich es nie für möglich gehalten, dass sie etwas an sich selbst nicht aussetzen könnte. Doch anscheinend tat sie das: Sie kam nicht damit klar, Mensch und Tier zu sein.



Wir saßen noch eine Weile draußen in der Kälte, bis ich vermutete, dass ich besser wieder ins Haus ginge, bevor meine Mutter noch einmal in mein Zimmer schauen würde, um mir eine gute Nacht zu wünschen, und wieder zurück in mein Zimmer ging. Jedoch nie vergessend, dass Suria draußen saß und ich sie reinholen würde, sobald ich mir sicher sein konnte, dass meine Mutter schlief.





"Okay, komm schnell", flüsterte ich, als ich die Haustür leise öffnete, um Suria ins Haus zu lassen.

Ganz leise und elegant betrat sie das Haus und schließlich auch mein Zimmer. Erstaunt sah sie sich um. Pure Bewunderung und Neugier lagen in ihren Augen, als sie sich meine Einrichtung ansah. Hin und wieder zeigte sie auf einige Gegenstände und fragte mich was das sei. Ich vermutete dass sie noch nicht häufig in Häusern gewesen war, doch ich sprach sie nicht darauf an. Ich war besorgt ich könnte sie verschrecken, oder beschämen.
Schließlich war auch sie von ihren eigenen Fragen ermüdet. Sie gähnte ausgiebig und erlaubte mir so einen Blick auf ihre gefährlichen Zähne.

Sie riss mich aus meinen Gedanken, als sie von meinem Bett aufstand und sich auf den Boden legte.

"Was tust du?" Meine Stirn legte sich in Falten.

"Ich lege mich hin?", antwortete sie verdutzt.

"Aber mein Bett ist groß genug. Du darfst gerne hier schlafen, wenn du das möchtest." Ich sah etwas Misstrauen in ihren Augen und fügte schnell an: "Natürlich ohne Hintergedanken", auch wenn das ehrlich gesagt gelogen war. Sie faszinierte mich sehr und ich würde sie sehr gerne auf diese Art und Weise kennenlernen, doch ich würde ihr nicht zu nahe kommen, wenn sie das nicht wollte. Und sie schien es im Moment nicht zu wollen. Also ja, ich bot es ihr wohl doch ohne Hintergedanken an.

Doch sie lehnte trotzdem dankend an: "Ich bin die Härte des Bodens gewöhnt. Ich fühle mich wohl, wenn es rustikaler ist. Was denkst du, warum ich in diesem Zustand bleibe?"

"Zustand?"

"Meine Form. Das, was du hier siehst, diesen Tiger, das ist meine wilde Form, meine reine Natur. Ich könnte das Leben eines Menschen leben, wenn ich wollte. Doch das will und verdiene ich nicht. Ich bin nicht dafür gemacht."

In ihren Augen lag keine Trauer, als sie das sagte. Ich sah sogar einen kleinen Funken Stolz als sie davon sprach die Wahl zu haben, also beließ ich es dabei und nickte ihre Worte ab.





Doch als ich am nächsten Morgen meine Augen öffnete, lag kein Tiger mehr neben meinem Bett. Auch im Kleiderschrank, oder unter meinem Bett war sie nicht zu finden. Keine Spur im Bad und keine im Garten.

Sie war verschwunden.
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