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Der Rabe und die Krähe

von Telda
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Hermine Granger Severus Snape
18.01.2020
02.03.2020
23
32.374
149
Alle Kapitel
304 Reviews
Dieses Kapitel
14 Reviews
 
 
18.01.2020 1.153
 
Moin^^

eine nebelhafte Idee, die ich schon seit Tagen hatte, wurde heute bei einem Telefonat mit Missy zu einem Plot^^ Danke Dir, Süße!
Die Geschichte wird in weiten Teilen so düster bleiben, wie es dieser Prolog bereits andeutet, aber ich denke, ich werde überwiegend auf zusätzliche Dramen verzichten. Die ganze Situation ist bereits Drama genug, glaube ich.
Außerdem probiere ich etwas für mich Neues, nämlich die ganze Geschichte in der Gegenwartsform zu schreiben. Das unterstreicht, dass die Protagonisten hier keine Vergangenheit haben - aber auch keine glückliche Zukunft.
Ich bin gespannt auf Eure Gedanken dazu^^
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Sie beugt sich hinunter und oblivatet den Mann mit oft geübter Präzision. Er wird sich an die vergangene Stunde nicht erinnern, nicht an den Stupor, der ihn außer Gefecht gesetzt hat und auch nicht an die Wertsachen, die sie ihm nun gestohlen hat. Sie verstaut die Ringe, die goldene Uhr und die paar Galleonen in ihrem Beutel, schiebt dem Kerl die Brieftasche wieder in den Umhang und läuft eilig davon.

Nie raubt sie ihre Opfer vollkommen aus, sonst wäre der Oblivate hinterher ziemlich nutzlos. Aber sie braucht schließlich etwas zum Leben. Nun überlegt sie, wo sie die Nacht verbringen soll, bis ihr einfällt, dass einer ihrer Schlupfwinkel sich ganz in der Nähe befindet und sie schlägt die Richtung zu dem verfallenen Haus ein, das einsam in der Gegend steht. Schon aus einiger Entfernung kann sie den Schein eines kleinen Feuers über die zerbrochenen Fenster geistern sehen. Also wird sie dort nicht allein sein.

Im Moment ist ihr das egal, denn sie ist erschöpft und hungrig. Sie schiebt die halb zerborstene Tür ein Stück weiter auf und schlüpft durch den Spalt. Die beiden Männer, die am Feuer sitzen, kennt sie. Ab und an kreuzen sich ihre Wege für eine Nacht.

Sie nickt den beiden zu, schöpft sich ein wenig Wasser aus einem zerbeulten Topf in ihren Becher und setzt sich auf den Boden zu den Männern.

Einer der beiden fragt: „Pacino, hast Du schon gehört, dass sie den Troll hopsgenommen haben? Hab's vor ein paar Stunden selbst gesehen.“

Den Troll hopsgenommen? Bei wem wird sie denn jetzt ihre Sachen los? Sie muss die Frage laut ausgesprochen haben, denn Pacino schlägt ihr vor, zum Raben zu gehen.

„Der ist fair, aber er nimmt nur hochwertiges Zeug an. Und er ist sehr vorsichtig. Sag' ihm, dass ich Dich geschickt habe, sonst macht er mit Dir keine Geschäfte.“

Sie fragt, wo sie den Raben finden könnte und nachdem ihr Pacino gesagt hat, dass der Rabe einen kleinen Laden in der Nokturngasse betreibt, dankt sie dem Mann, zieht sich in ihre Ecke zurück – beide Männer wissen, dass es ihre Ecke ist – wickelt sich in ihren Umhang und legt sich zum Schlafen, den Beutel mit ihren Habseligkeiten fest an sich gedrückt.

Am nächsten Morgen, als sie wach wird, ist sie allein in der Ruine. Sie gähnt und streckt sich, dann wickelt sie sich aus ihrem Umhang. Merlin sei Dank, dass ich allein bin, denkt sie, zieht sich aus und duscht unter dem Wasserstrahl ihres Zauberstabes. Einen Trocknungszauber auf sich und einen Reinigungszauber auf ihre Klamotten später zieht sie sich wieder an, schiebt den Beutel unter ihren Umhang und macht sich auf den Weg in die Nokturngasse.

Sie glaubt die Nokturngasse zu kennen, aber von dem kleinen Laden, den Pacino erwähnte, hat sie noch nichts gehört. Allerdings ist sie auch nicht oft hier. Dazu hat sie zu viel Angst vor den Auroren des Ministeriums. Doch nun hat sie außer den paar Galleonen von dem Kerl gestern wieder mal keinen Knut mehr und seit dem Morgen des Vortages nichts mehr gegessen.

Endlich hat sie den Laden gefunden, denn der ist wirklich gut versteckt, so gut, dass sie bezweifelt, dass dort schon jemals ein Auror war. Die Fenster sind beinahe blind vor Schmutz, aber das versteht sie. So kann von außen niemand in den Laden schauen.

Sie schiebt die Tür auf und huscht hinein. Oben über dem Laden hört sie leise ein Glöckchen klingeln. Sie schaut sich um und staunt nicht schlecht. Im Gegensatz zu den Fenstern ist es im Laden vollkommen sauber, wenn auch alles schäbig und abgenutzt aussieht. Sie tritt nach vorn an die Ladentheke und wartet.

Gleich darauf tritt ein Mann in einem weiten Umhang und mit – ebenso wie bei ihr – tief ins Gesicht gezogener Kapuze lautlos aus den Schatten an den Ladentisch. Einen Augenblick herrscht Stille, dann sagt er etwas, bei dem ihr Herz vor Schreck einen Moment aussetzt.

„Du warst noch nie hier. Ich mache keine Geschäfte mit Unbekannten. Am besten gehst Du gleich wieder.“

Würde er ihr ihre Sachen nicht abnehmen? Aber sie braucht das Geld doch! Sie schluckt.

„Pacino hat mir von dem Laden hier erzählt und gesagt, ich soll seinen Namen nennen.“

Der Mann scheint sie einen Moment zu mustern. Sehen kann sie das nicht, denn die Kapuze verdeckt sein Gesicht.

„So, Pacino also. Dann zeig mal her, was Du hast. Und wie nennst Du Dich?“

Sie zieht den Beutel aus dem Umhang und schiebt ihn über die rissige Oberfläche des Ladentisches. „Krähe heiße ich.“

Der Mann streckt eine Hand aus und zieht den Beutel zu sich herüber. Er öffnet ihn und schüttet den Inhalt vor sich auf den Tisch. Seine Hand schiebt die paar Ringe und die fette Uhrenkette mit der Uhr auseinander, nimmt dann ein Stück nach dem anderen hoch, um es zu begutachten. Und er lässt sich Zeit dabei.

Währenddessen schlägt ihr Herz ihr bis in den Hals hinauf. Pacino hat gesagt, der Rabe nimmt nur hochwertiges Zeug. Was soll sie bloß tun, wenn er ihr die Sachen nicht abnimmt? Die Galleonen reichen höchstens bis zum Ende der Woche und sie braucht dringend ein paar dickere Klamotten. Der Winter steht vor der Tür und es wird nachts schon ziemlich kühl!

Plötzlich knurrt ihr Magen laut, so laut, dass sie glaubt, man könnte es bis auf die Gasse hören.

Der Rabe hebt den Kopf. „Hast Hunger, ja?“

Sie nickt, beschämt, und denkt, dass er ihr womöglich jetzt weniger zahlen wird, weil er weiß, dass sie das Geld braucht. Als er dann jedoch weiterspricht, fällt ihr ein Stein vom Herzen.

„Die Sachen sind gut. Ich gebe Dir dreißig Galleonen dafür – und einen Pfandschein. Damit kannst Du die Sachen wieder auslösen, wenn Du willst und kannst. Ich hole das Geld.“

Als er wiederkommt und ihr die Galleonen auf dem Tisch vorzählt, bemerkt sie, dass er schöne Hände hat, mit schlanken, eleganten Fingern. Allerdings erkennt sie auch ein paar Narben darauf, besonders eine am Mittelfinger seiner rechten Hand, die die Form eines Halbmondes hat. Doch im Moment hat sie dafür keinen Gedanken frei. Dreißig Galleonen! Dafür kann sie in dem Laden für gebrauchte Kleidung ein Stück die Gasse hinunter einen warmen Umhang und vielleicht noch mehr kaufen!

Sie bedankt sich mit leiser Stimme, steckt den Pfandschein ein und sammelt die Galleonen in ihren Beutel, den sie wieder sicher unter ihrem Umhang verstaut, bevor sie den Laden verlässt.
 
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