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Unersetzlich.

von schnaf
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 Slash
1. FC Nürnberg
17.01.2020
17.08.2020
8
11.965
8
Alle Kapitel
28 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
17.08.2020 1.678
 
Hier ist es also. Das letzte Kapitel. Aber nicht nur das. Halt - eins nach dem anderen!

Zuallererst möchte ich DANKE sagen an alle, die hier mitgelesen haben! Wie ihr mitbekommen habt, hatte ich in den letzten Monaten große Zweifel, ob ich überhaupt im Fußball-Fandom bleiben soll. So viel kann ich schon einmal vorwegnehmen: Ich habe diese Frage nun mit Ja beantwortet. Und das liegt an euch! Eigentlich wollte ich "nur" diese Geschichte beenden und dann vielleicht einen Schlussstrich ziehen. Aber dass ich für eine Geschichte über zwei nicht gerade bekannte Spieler die ganze Zeit Kommentare bekommen habe, Kudos, Sternchen...

Das war schon verdammt schön. Und das hat mir gezeigt, dass ich eigentlich doch gar nicht hier weg möchte. :D

Ich bleibe also. Und was heißt das nun konkret? Nun ja - neue Geschichten!

Als erstes wäre da Sandro - eine Geschichte, die auf einer Kostümparty und mit Sandro-Wagner-Witzen beginnt. Würde mich freuen, wenn man sich dort wiederliest!

Das ist allerdings nur ein Übergang, ein Appetithäppchen, sozusagen. :D Denn ich habe beschlossen, nach den drei Kapiteln Sandro eine meiner großen Geschichten zu posten. Tja, da gibt es allerdings einen Haken - nämlich meine Entscheidungsunfähigkeit. :D Und hier seid ihr gefragt! Ihr dürft mir gerne hier mitteilen, welche der drei großen Geschichten es nun werden soll. :D

So, das war nun aber genügend geschichtenfremdes Geschreibsel. Kommen wir also zurück zu Valle und Hanno. Wir wollen euch ja schließlich angemessen Tschüss sagen.... :D

War schön mit euch!

~*~*~

Die Welt dreht sich etwas langsamer, als Hanno auf die Kommode starrt. Ist keine besondere Kommode, eigentlich, braun, fünf Schubladen - er nimmt sie auch schon längst nicht mehr richtig wahr.
Seinen Kopf hat er auf Valles Brust gebettet, Valle streichelt seine Schulter. Wie so oft... Egal, wie sie Sex hatten, egal wer oben und wer unten lag - meistens endeten sie so wie jetzt, Hanno mit dem Kopf auf Valles Brust, dazu die Streicheleinheiten von Valle, das Geräusch, das Gefühl seines Herzschlags an Hannos Ohr...

Es fühlt sich gleichzeitig so vertraut und so ungewohnt an.

Wie lange sie hier schon so liegen, kann Hanno nicht sagen. Wäre da nicht sein Magenknurren, wäre er vermutlich schon weggedöst. Aber er hat keine Zeit für Essen, keinen Kopf für Essen. Lieber noch ein bisschen liegen bleiben...
Doch dann räuspert sich Valle. Seine Stimme klingt etwas belegt, als er das Wort ergreift.

"Wir sollten reden, oder?"

Reden. Mh.
Prinzipiell keine schlechte Idee, prinzipiell noch nicht einmal etwas, wovor er sich fürchtet. Mann, hätte man ihm gestern gesagt, dass er heute mit Valle ein Gespräch über ihr Verhältnis zueinander führen muss, hätte er sich vermutlich wesentlich mehr ins Hemd gemacht. Jetzt, wo er weiß, dass sie die gleiche Ausgangslage haben, ist die Aussicht wesentlich weniger furchteinflößend.
Aber - es ist unbequem. Aus anderen Gründen. Weil Hanno keine Ahnung hat, wohin sie ihr Gespräch führen wird.

Trotzdem - Valle hat schon recht. Und so gerne er es auch würde - sie können nicht für immer hier liegen bleiben. Irgendwann geht es weiter und wenn sie bis dahin wissen, was nun Sache ist...
(Damit sie in Zukunft öfter gemeinsam im Bett liegen können. Damit das wieder zur Normalität wird, nicht mehr etwas, von dem er sich partout nicht lösen kann, weil er Angst hat, es sonst zu verlieren.)

Hanno rappelt sich auf, er setzt sich auf, lehnt sich mit dem Rücken an die Rückwand des Betts, neben Valle. Immerhin kann er so den Arm um Valle legen und dass Valle sofort ein bisschen näher rückt, zeigt, dass sie trotz Gespräch nicht auf Nähe verzichten müssen.
Gut so.

Hannos Finger streichen träge über Valles Schulter. Reden also...
Das heißt allerdings nicht, dass sie sich sofort den großen Fragen stellen müssen.

"Wann war das mit dem Bus?"
"Mh?"

Trotz Valles Nachfrage muss Hanno nicht weiter ins Detail gehen - er weiß schon, was er meint.

"Gute Frage, ich weiß es nicht mehr genau. War auch nicht direkt ein Aha-Effekt - ich hab's noch 'ne Weile lang geschafft, das alles zu verdrängen. Deshalb war der Moment an sich nicht so einprägsam."
"War's vor dem Pokalspiel?"
"Ja."

Stille. Und Hanno muss erst einmal...
Verdauen, was er gerade gehört hat? Nun ja, gewissermaßen hat er es schon geahnt - das, was Valle vorher gesagt hat, das, was zu ihrem ersten Kuss nach der Trennung (zum ersten Kuss in einer neuen Zeitrechnung?) geführt hat, klang schon danach, als hätte Valle die große Erkenntnis vor Hanno gehabt. Aber...
Mann, die ganze Zeit über ging er davon aus, dass Valle ihn nur noch als Kumpel sieht. Dabei hatte er mit den gleichen Gefühlen zu kämpfen...

Dann lacht Valle leise.

"Du fragst dich, ob ich's bei dir gemerkt habe, oder?"

Ja. Ja, schon. Er hat zwar gerade über etwas anderes nachgedacht, aber... Dass er sich nicht immer unauffällig verhalten hat, ist ihm durchaus bewusst. Und schon vorher, als er noch gar nicht wusste, was bei Valle so los ist, hatte er die Vermutung, dass Valle ihn durchschaut hat.

"Hast du?"
"Ja. Aber nicht, weil es so sehr aufgefallen ist. Ich... Ich hab' auf die Zeichen geachtet. Weil ich gehofft habe, dass da welche sind. Und... Zuerst waren da keine. Aber dann... Ich hätte nicht sagen können, dass es das Pokalspiel war. Aber irgendwann danach habe ich mich langsam gefragt, ob sich etwas verändert hat. Ob du..."
"Du hättest mich ja ruhig auch mal etwas merken lassen können."

Wieder lacht Valle und verdammt, ihn dabei anzusehen, zu spüren, wie die Kränkung langsam verschwindet und es ihm warm ums Herz wird, weil es schön ist, Valle so befreit zu sehen... Das ist so unglaublich gut.

"Hätte es geholfen? Wie auffällig hätte ich werden müssen?"

Okay, berechtigter Einwand. Immerhin hatte er zwischendurch sogar kurz den Verdacht, dass Valle seine Gefühle erwidert - doch den hat er sehr schnell und sehr erfolgreich verdrängt. Wahrscheinlich wäre die Botschaft nicht einmal bei ihm angekommen, wenn Valle ihm einen Liebesbrief geschrieben hätte.

Allerdings ist er nicht der einzige Idiot hier. Und es ist an der Zeit, das klarzustellen.

"Und was war mit dir? Du wusstest schon länger, dass da was ist. Und trotzdem - du hättest nichts getan, wenn ich dir nicht gesteckt hätte, dass... Na ja, Pokal und so."

Valle beugt sich zu ihm herüber, er küsst ihn kurz auf den Mund. Ein Versuch, von seinem Vorwurf abzulenken?
Nein. Auch Valle steht dazu, dass er übervorsichtig war.

"Schuldig im Sinne der Anklage. Hätte ich wahrscheinlich tatsächlich nicht."

Dann wird sein Grinsen etwas schwächer - etwas sanfter.

"Deshalb bin ich echt froh, dass es dir herausgerutscht ist. Auch wenn dein Abgang ein bisschen arg dramatisch war."

Hanno lehnt seinen Kopf gegen Valles Schulter - er muss sich einfach gerade verstecken. Schade, er hat gedacht, er kommt damit davon...
Zum Glück nimmt Valles Glucksen recht schnell wieder ab und damit ist die Angelegenheit hoffentlich vom Tisch.

Okay, reden. Das war ja jetzt ganz nett, aber... Es ist wohl Zeit für Klartext.
Hanno hebt seinen Kopf wieder, er nimmt sogar den Arm von Valles Schulter. Nein - zu viel Abstand, er muss es ja nicht übertreiben. Also greift er nach Valles Hand, die locker auf der Decke liegt, verschränkt ihre Finger miteinander.
Dann - er atmet tief durch.

"Ich würd's so gerne noch mal mit uns versuchen."

Es klingt so belanglos. Und gleichzeitig... Ist es so unglaublich groß. Zu groß?
Nein. Valle drückt seine Hand kurz, dann -

"Ich auch. Es ist zwar - es ist nicht so, dass sich seit damals so viel geändert hat und ich glaube auch nicht, dass wir zu früh aufgegeben haben. Aber... Ich will's diesmal schaffen. Und wenn wir uns Hilfe holen oder so."
„Also – tun wir's? Probieren wir es noch mal?“

Sie sehen sich an und – obwohl sie beide für einen Moment ganz ruhig sind, hat Hanno nicht das Gefühl, dass Valle ihn zappeln lässt. Denn -
Sein Blick spricht tausend Worte.

Und dann zieht auch sein Mund nach.

„Ja. Ich denk', du hast jetzt wieder 'nen Freund, mein Lieber.“
„Denke ich auch.“

Es fühlt sich an, als wäre Hanno ein unglaublich schweres Gewicht von den Schultern genommen worden. Plötzlich -
Viel haben sie noch nicht gesagt. Doch das, was sie gerade beschlossen haben...

Ja, Valle hat recht. Ist nicht gerade so, dass es mittlerweile massenhaft öffentlich geoutete Fußballer gibt. Aber... Es gibt genügend schwule Fußballer. Und bis heute ist noch keiner aufgeflogen. Warum sollte sich jemand dafür interessieren, ausgerechnet sie auffliegen zu lassen? Da gibt es vermutlich interessantere Kandidaten.
Und selbst wenn - sie würden schon nicht mit Mistgabeln und Fackeln aus dem Land gejagt werden. Einfach würde es garantiert nicht werden, aber...
Vielleicht setzen sie ihre Karriere damit aufs Spiel. Und auch das will Hanno nicht kleinreden - das ist durchaus ein Spiel mit dem Feuer und es ist nicht gerade so, dass er dem Worst Case optimistisch entgegen sieht. Doch der Worst Case ist nur eine Möglichkeit von vielen und -

Er braucht Valle. Sie brauchen sich.
Hanno lässt seinen Kopf wieder gegen Valles Schulter sinken.

Das ist erst der Anfang, das ist ihm durchaus bewusst. Es steht noch so viel vor ihnen: Der Umgang mit ihrer Beziehung. Der Umgang mit ihrer Angst. Sie müssen ihren Familien, ihren Freunden von ihrer Beziehung erzählen. (Das ist sogar noch ein recht alltägliches Problem. Nichtsdestotrotz ein Problem, eine weitere Hürde.) Ihre Freundinnen. Sollen sie ihren Mitspielern von ihrer Beziehung erzählen? Wem können sie vertrauen, wem nicht? Wie sieht die Zukunft für sie aus? Was machen sie, wenn einer von ihnen zu einem anderen Verein wechseln möchte?
Hürden über Hürden. Aber...

Er kann wieder von einer Beziehung sprechen. Es geht hier nicht etwa um etwas ganz Vages, um etwas Theoretisches - nein, das ist ganz real. Im Gegensatz zu einigen seiner Sorgen, im Gegensatz zu seinem Wunschdenken noch vor ein paar Stunden...
Sie sind wieder ein Paar.

Und das ist die Hauptsache. Denn das mit ihnen, das ist unersetzlich.
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