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Unersetzlich.

von schnaf
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 Slash
1. FC Nürnberg
17.01.2020
17.08.2020
8
11.965
8
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28 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
02.08.2020 2.459
 
Und weiter geht es! Mit
a) einer Info: Das hier ist das vorletzte Kapitel.

b) dem Link zum letztens erwähnten Bild.

Viel Spaß :D

~*~*~

'Planänderung: Es gibt eine neue Folge Mando
Komm her
Ich bestell auch Pizza
Hab auch extra Käse im Kühlschrank
Und Gummibärchen :)'

Hanno war verdammt froh, als er Valles Nachrichten gelesen hat. Zuerst ist ihm das Herz stehen geblieben, das schon. Er hatte keine Ahnung, was sein Abgang für ihr Treffen heute Abend - für ihr Verhältnis zueinander insgesamt und eben für das Treffen heute Abend im Speziellen - bedeutete. Und als ihm sein Handy den Eingang von mehreren Nachrichten von Valle angezeigt hat...
Er hat nicht erwartet, dass Valle ihn zur Sau macht, dass Valle ihm mitteilt, dass er keinen Bock darauf hat, mit jemandem Zeit zu verbringen, der sich so verhält. Das ist einfach nicht Valles Art - er kann zwar durchaus wütend werden und in seiner Wut dann auch resolut, aber dann hätte er ihm nicht mit so viel Verzögerung geschrieben. Dann hätte er seinem Auto irgendetwas hinterher geworfen, wäre ihm hinterher gefahren, hätte ihn angerufen, um ihn anzuschreien...
Aber er hat fest damit gerechnet, dass Valle ihren Pizzaabend absagt. Eben nicht voller Wut, sondern... Eher verwirrt. Weil Hannos Verhalten so merkwürdig ist und weil er keinen Bock auf das Drama hat, wird er versuchen, sich aus der Affäre zu ziehen, dachte Hanno. Schwammige Ausreden, bis in seinem Kopf so viel Klartext herrschte, dass er auch Klartext sprechen konnte.

Doch es kam keine Absage - in den Nachrichten stand nicht, dass der Hund von Valles Oma plötzlich Durchfall bekommen hatte und er ihn zum Tierarzt bringen müsste.
Stattdessen... Eine Planänderung.

Irgendwie war das komisch. Hanno würde Valle nicht direkt als unspontan bezeichnen, das ist er beileibe nicht, doch er hält sich sehr gerne an Pläne, die er geschmiedet hat. Und da er sich auf das Pizzaessen gefreut hat und es hier nicht nur um die Pizza, sondern auch um Valles Lieblingsrestaurant geht, ist das... Ungewöhnlich, das auf jeden Fall.
(Ist etwa ein Ortswechsel nötig?)
Andererseits macht seine Aufforderung durchaus Sinn. Sie stehen beide auf Star Wars und als die neue Serie anlief, haben sie sich zu jeder neuen Folge getroffen. Hätte Hanno daran gedacht, hätte vermutlich auch er Baby Yoda einem Restaurantbesuch vorgezogen.

Wie dem auch sei: Dass Valle ihm geschrieben hat und wie Valle ihm geschrieben hat, zeigt, dass noch alles in Ordnung zwischen ihnen ist - trotz seines Abgangs vorher.
Da konnte Hanno ihm auch die Anspielung auf die Gummibärchen nachsehen. (Auch wenn sie ihm ein bisschen den Appetit verdorben hat.)

Tja, und nun ist er also hier. Vor Valles Haustüre, mit einer Packung Lakritzschnecken - ja, die Sache mit den Gummibärchen konnte er nicht ganz kommentarlos stehen lassen. Und Valles Gummibärchen auf Pizza kann Hanno leicht übertreffen. Immerhin haben sie, was Lakritze angeht, den typischen Nord-Süd-Konflikt - Valle findet Lakritze ekelhaft, Hanno mag Lakritze.
(Doch noch alles gut bei ihnen. Solange sie sich gegenseitig auf die Schippe nehmen können...)

Oder doch alles gut? Jetzt, wo er kurz davor ist, Valle wieder unter die Augen zu treten, kommen die Zweifel wieder hoch.
'Du hast gut ausgesehen im Torwarttrikot' - Mann, dümmer ging es kaum, oder? Selbst jetzt noch (selbst jetzt, wo er die letzten paar Stunden damit verbracht hat, über seinen Faux-pas nachzudenken und sich dafür in Grund und Boden zu schämen) dreht sich sein Magen um, wenn er daran denkt.
Verdammt, Valle ist nicht blöd. Und er war schon auf der richtigen Spur. Er muss nur noch eins und eins zusammenzählen, um -

Die Türe vor ihm geht auf, Valle erscheint im Türrahmen.

"Wartest du schon lange? Hab' ich die Klingel nicht gehört oder so?"

Wow, Valle hat wirklich ein Talent darin, ihn in den ungünstigsten Momenten zu erwischen. (Nein, eigentlich - das vorher am Trainingsplatz, das war kein ungünstiger Moment. Da hat Valle ihn einfach nur in die Ecke getrieben und es bedurfte nur weniger Worte, um ihn an diesen Punkt zu bringen.)
Immerhin lenkt es Hanno von seinen Gedanken ab.

"Neee, ich wollte gerade klingeln. Alles gut."
"Gut."

Schweigen. Unangenehmes Schweigen? Hanno kann es nicht so recht sagen - und dann muss er es auch gar nicht, denn dann fällt ihm etwas ein, was er unbedingt loswerden muss.

"Ich hab' dir was mitgebracht. Ein Gastgeschenk oder so. Für die Pizza nachher."

Mit diesen Worten überreicht er die Lakritzpackung Valle. Und - sollten komische Schwingungen zwischen ihnen gewesen sein, damit verschwinden sie. Valle verzieht das Gesicht, dann verdreht er die Augen.

"Wichser. Das ist wirklich pervers. Aber auch ohne Pizza."

Er schlägt Hanno gegen die Schultern, doch damit ist das Thema offensichtlich für ihn beendet. Valle macht einen Schritt zur Seite, er lässt ihn eintreten.
Innen ist dann alles Routine - Schuhe ausziehen, Jacke ausziehen, den Autoschlüssel an das Schlüsselbord hängen, weil er sich das nach ihrer Beziehung nie abgewöhnen konnte, obwohl es sich so pärchenhaft und damit unpassend anfühlte...
Als nächstes wechseln sie in die Küche. Hanno nimmt sich ein Glas aus dem Schrank und eine Flasche aus dem Kühlschrank, schenkt sich etwas zu trinken ein - auch das ist etwas, was er nach ihrer Trennung nicht sein lassen konnte. Schließlich war das schon vor ihrer Beziehung so und... Mann, es ist einfach angenehm, sich bei Valle aufzuführen, als wäre das auch sein Zuhause. Wesentlich angenehmer als das Gefühl, nur ein Gast zu sein, nicht so recht zu wissen, wie er sich verhalten soll.
Auch Valle hat kein Problem damit. Er öffnet derweil die Lieferservice-App auf seinem Handy, wählt die Pizzen aus. Nachdem Hanno einen Schluck getrunken hat, tritt er neben Valle und sieht ebenfalls auf den Bildschirm.

Immer diese Sache mit der Auswahl... Sie sind, was das angeht, ähnlich schlimm. Obwohl das beileibe nicht das erste Mal ist, dass sie Pizza bestellen, müssen sie sich erst einmal noch den Kopf darüber zerbrechen, welche Sorte es denn nun sein darf. (Und meistens läuft es dann doch auf die gleiche Sorte wie immer hinaus...)

Dann hebt Valle den Kopf, sieht ihn an und -

"Bei mir war es, als du vor 'ner Weile mal im Bus eingeschlafen bist."

Das erste, was Hanno wahrnimmt, ist Valles ernster Blick. Nichts von dem Grinsen übrig, das er sich vorher bei der Lakritz-Aktion nicht verkneifen konnte.
Dann -
'als du vor 'ner Weile mal im Bus eingeschlafen bist.'

Das -
Das kann nicht sein, verdammt. Er liegt falsch, er muss falsch liegen, das macht doch keinen Sinn, verdammt, das -
Aber Valles Blick ist so ernst und sein Tonfall ebenfalls und eine andere Erklärung fällt Hanno partout nicht ein und sein Magen überschlägt sich und gleichzeitig ist da trotzdem noch das große 'Nein!' in seinem Kopf.

Seine Sprachlosigkeit ist offenbar Reaktion genug. Valle räuspert sich, Hanno verfolgt mit seinem Blick, wie sein Adamsapfel auf und ab wandert.

"Ich hab's irgendwie vermisst, dich schlafend zu sehen. Und - weiß nicht."

Hannos Herz rast. Kann es vielleicht doch sein...?
Mann, gerade deutet alles darauf hin, dass es Valle ähnlich ging wie ihm - dass sich Valle in einem ähnlichen Gefühlsdilemma befindet wie er.
(Dann wäre es kein Dilemma mehr.)

Hanno bewegt sich ein kleines Stück näher zu Valle - sie stehen schon so nah beieinander, dass er dafür nicht einmal mehr einen Schritt zur Seite machen muss, es reicht völlig, dass er sich etwas zu ihm lehnt.
Warum er das tut? Keine Ahnung. Irgendwie fühlt es sich richtig an, den Abstand zwischen ihnen weiter zu verringern. Weil sie in ihrer eigenen kleinen Blase sind, weil gerade nichts außerhalb dieser Blase zählt. Nicht einmal mehr die Pizzabestellung - Valle legt sein Handy hinter sich auf die Küchenablage. Dann sieht er Hanno an und -
Da ist eine gewisse Entschlossenheit in seinem Blick. Nicht mehr die Unsicherheit von gerade eben noch, zumindest nicht mehr überwiegend. Und - verdammt, es ist so verführerisch, ihn einfach zu küssen.
So schwer wie jetzt war es noch nie, diesem Drang zu widerstehen.

Wenigstens tut er es diesmal nicht, weil es unangemessen ist. Wenigstens widersteht er diesmal diesem Drang, weil es so unglaublich wichtig ist, dass Valle das aussprechen kann, was er gerade loswerden will.
Und genau das tut er nun.

"Ich kann nicht ohne dich. Und zwar - Ich will, dass es wieder so ist wie früher. Ich vermiss' das. Ich..."

Er liegt richtig. Seine erste Intuition war richtig. Valle ist tatsächlich -
Die Erkenntnis ist überwältigend. Mann, die letzten Wochen hat er sich so fertig gemacht, weil er wieder Gefühle für Valle entwickelt hat und die Lage so hoffnungslos aussah und - jetzt tut sie das nicht mehr, jetzt hat sich das Blatt gewendet und -

Diesmal fühlt es sich nicht wie ein Fehler an, als es einfach so aus ihm herausplatzt.

"Ich liebe dich noch, Valle."

Valles Blick ist im ersten Moment ziemlich überrascht. Aber - und diesmal hört Hanno auf sein Gefühl, diesmal vertraut Hanno auf sein Gefühl - es ist nicht deshalb, weil Hannos Aussage so unpassend war. Nein, scheinbar ging er davon aus, einen Vortrag halten zu müssen - Hanno über seine Gefühle aufklären zu müssen, während Hanno nur zuhörte.
Tja, vertan. Das hier ist eine Sache zwischen zwei Personen und verdammt, Valle hat es verdient, etwas zurückzubekommen - zu hören, dass er sich nicht in etwas verrannt hat.
Und das kommt nun auch bei ihm an. Ganz langsam verschwindet der verwirrte Gesichtsausdruck und Valles Mundwinkel wandern nach oben.

"Oh Gott, das..."

Hannos Herz macht einen Hüpfer. Die Erleichterung in Valles Stimme...
In den letzten paar Minuten wurde gerade alles über den Haufen geworfen, was sein Denken in den letzten Wochen - genau genommen sogar seit ihrer Trennung - ausgemacht hat. Und obwohl vor ihnen nun ein ziemliches Chaos liegt, fühlt es sich unglaublich gut an.
Ein Scherbenhaufen der guten Art, irgendwie.

Valles Hand schnellt nach oben, er packt ihn an der Schulter, dann gleitet seine Hand nach hinten, auf sein Schulterblatt und -
Er ist etwas atemlos, als er wieder das Wort ergreift, er stolpert über die Wörter.

"Hanno, ich - Oh, Mann, Hanno. Ich -"

Dann holt er tief Luft und er strahlt so breit und gleichzeitig ist da noch die Ungläubigkeit in seinem Blick, aber eben Ungläubigkeit gemischt mit Freude und es tut so, so gut, Valle so zu sehen, erst recht in diesem Zusammenhang.

"Ich liebe dich auch. Immer noch."

'Ich liebe dich.'
Wow.

Ist nicht gerade so, dass er sich nach seinem Liebesgeständnis mental darauf vorbereitet hat, dass Valle das Thema umgeht, dass Valle noch nicht bereit ist, es zu erwidern. Nein, der Grund, warum das so überraschend kommt, warum ihn das so umhaut...
Wahrscheinlich, weil sein eigenes Liebesgeständnis ebenfalls aus dem Nichts kommt? Weil er nie und nimmer damit gerechnet hätte, dass der Abend so verlaufen wird, erst recht nicht nach seinem Auftritt vorher am Trainingsplatz. Dass Valle ihm sagt, dass er ihn liebt...

Zu viel Abstand. Da ist immer noch zu viel Abstand zwischen ihnen - obwohl sie sich inzwischen so nah sind, dass das längst nicht mehr als freundschaftlicher Abstand gilt, obwohl schon alleine der Abstand zwischen ihnen verrät, dass sich etwas zwischen ihnen verändert hat.
Hanno schlingt die Arme um Valle, er lehnt sich nach vorne, sein Gesicht ist Valles so nah und -
Valle neigt seinen Kopf ein wenig zur Seite, nun ist er es, der Hanno näher kommt und es geht so schnell und passiert so plötzlich und es ist, als würden sie voneinander angezogen werden, als könnten sie sich dieser Anziehung nicht mehr widersetzen, jetzt, wo die letzten Hürden verschwunden ist und -

Valle küsst ihn. Valles Lippen auf seinen, hastig, fahrig, dann ist da seine Zunge und -

Hannos Augen fallen zu, seine Hand krallt sich in Valles Haare. Scheiße, wie sehr hat er das vermisst... Und zu spüren, dass es Valle ähnlich geht, dass sie beide nicht anders können als sich zu küssen, sich zu berühren, so richtig wahrzunehmen, dass sie sich wieder nahe sein können, dass es wieder okay ist, dass sie -
Mehr. Er braucht mehr. Das Verlangen überwältigt ihn und - Verdammt, mit einer Kostprobe ist es hier nicht getan, bei weitem nicht. (Auch wenn ihre Küsse nicht unter 'Kostprobe' fallen, eigentlich. Sie sind so viel mehr.)
Hannos Hand wandert nach unten, bis er den Bund von Valles Pulli ertastet. Seine Finger schieben sich darunter, er spürt Valles warme Haut unter seinen Fingerspitzen. Wie Valle scharf einatmet... Auf seinen Armen bildet sich Gänsehaut.

Einen Moment durchatmen. Also, im übertragenen Sinne - den Kuss lösen sie nicht, den Kuss kann Hanno nicht lösen. Doch für einen Moment belässt er es bei dem Kuss, bei dem Gefühl von Valles Haut unter seinen Fingern.
Dann - es ist, als wäre der letzte Damm gebrochen. Plötzlich zerrt Valle an seinem Oberteil und Hanno beschließt, dass das an Pause reicht, dass auch er -

Weiter. Mehr. Bitte.

Beinahe zeitgleich ziehen sie ihre Oberteile nach oben - sie unterbrechen den Kuss, um sie ausziehen zu können. Hanno lässt Valles Pulli auf den Boden fallen, Valle behält seinen noch in der Hand - das spürt er, als sich Valles Hand auf sein Steißbein legt und der Stoff gegen seine Haut reibt.
Egal. Gibt gerade wichtigere Dinge. Ihren Kuss, nämlich.
Ihre Berührungen.
Valles Hände am Verschluss seiner Hose - nun hat er doch noch den Pulli fallen gelassen.
Ein gerauntes "Ich will dich" - Blickkontakt - "Schlafzimmer?" - "Okay.".
Taumelnde Schritte, weil sie partout nicht voneinander ablassen können.
Valles Arme, die sich von hinten um seine Hüfte schlingen, als Hanno beschließt, doch die Küsserei zu unterbrechen, damit sie endlich ins Schlafzimmer kommen - Küsse in seinen Nacken, Valles Latte an seinem Arsch, schon verdammt deutlich zu spüren.
Valles Schlafzimmer – er war ewig nicht mehr hier – er war zwar öfter mal bei Valle zu Besuch, aber dieses Zimmer war tabu. (Heute nicht mehr.)
Eine schnelle Drehung - Valle nun vor ihm, mit dem Rücken zum Bett - dann auf dem Bett, als er ihn nach hinten stößt und Valle sich bereitwillig fallen lässt.
Hanno über Valle - Innehalten, wieder Blickkontakt - die Ungläubigkeit, die er selbst immer noch spürt, die er jetzt in diesem Augenblick ganz besonders spürt, in Valles Blick widergespiegelt.

Ja, sie tun das tatsächlich. Ja, das passiert gerade wirklich. Ja, sie sind tatsächlich in Valles Bett und ja, es ist alles genau so, wie es aussieht.

Dann -
Keine Zeit mehr für Ungläubigkeit. Hanno senkt seinen Kopf, Valle verschränkt seine Arme in Hannos Nacken, zieht ihn nach unten, sie küssen sich, küssen sich, küssen sich -
Tastende Finger, überall. Lippen, die langsam wandern. Valles Stöhnen - verdammt, Valles Stöhnen, gemischt mit seinem eigenen Stöhnen.
Und - Nähe. Nähe. So unglaublich viel Nähe und doch noch nicht genug, weil er Valle nicht loslassen will, weil er Valle nie wieder loslassen will, weil -

Sie lieben sich.
Immer noch.

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