Unersetzlich.

von schnaf
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
1. FC Nürnberg
17.01.2020
17.08.2020
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25.01.2020 1.429
 
Da sind wir wieder, bei Valle und Hanno! Und Hanno darf heute mal ein bisschen in die Vergangenheit zurückblicken...

~*~*~

Das mit Valle, das war...

Verdammt, Hanno war noch nie so sehr verliebt. Das mit Valle, das war nicht unbedingt etwas Neues, Valle war nicht seine erste Beziehung, noch nicht einmal die erste Beziehung mit einem Mann. Aber es war auf seine ganz eigene Art und Weise etwas Neues. Weil...
So hat es sich noch nie angefühlt. So richtig, so - so intuitiv, irgendwie. Danach, als wäre zusammengefügt worden, was zusammen gehört, ohne dass es erst passend gemacht werden musste. (Was nicht heißt, dass sie nicht ihre kleinen Reibereien hatten - oh, die gab es durchaus. Aber von Grund auf hat es einfach gepasst bei ihnen.)

Es war das erste Mal, dass er sich Hals über Kopf verliebt hat. Nur Gefühle, keine Kalkulation. Bisher, wenn er sich in einen Mann verguckt hat, dann war da immer dieses große Fragezeichen, die Frage, ob er sich etwa nur deshalb diesen Mann ausgesucht hat, weil er passenderweise auch auf Männer steht - ob er dazu gezwungen wurde, sich in diesen Mann zu vergucken, weil seine Auswahl so überschaubar ist. Und dementsprechend hatte er immer das Gefühl, zurückzustecken, Kompromisse einzugehen - auch bei seinen Gefühlen.
Bei Valle war das anders. Bei Valle gab es diese Frage nicht, weil - verdammt, er war so beschissen verliebt. Und er hätte sich genauso sehr in ihn verliebt, wenn er stockhetero gewesen wäre.

War er zum Glück nicht. Hat zwar ein Weilchen gedauert, bis Hanno das herausgefunden hat, aber...

Ihre Dates, Mann. Diese zahllosen Treffen, bei denen Hanno sich nie so ganz sicher war, ob das nun Dates sind oder ob er das überinterpretiert - rückblickend weiß er, dass es eben doch Dates waren, dass sie beide aufgeregt waren, dass sie beide die Hoffnung hatten, mit diesen Treffen weitere Schritte hin zu einer Beziehung zu machen.
Sie haben so viel gesehen, so viel unternommen... Anfangs war da ihr kleiner Wettkampf - es war ungewohnt für Hanno, einen neuen Mitspieler zu haben, der Nürnberg besser kannte als er selbst. Konnte er so allerdings nicht zugeben und so haben sie begonnen, sich gegenseitig ihre Lieblingsorte in Nürnberg und Umgebung zu zeigen. Irgendwann haben sie das einfach fallen gelassen, irgendwann ging es nicht mehr darum, sich gegenseitig zu übertreffen - irgendwann stand im Vordergrund, Zeit miteinander zu verbringen.
Und dann das Date, bei dem Hanno es nicht mehr aushielt. Diese Ungewissheit, dieses ständige Hoffen, dieses ständige Zweifeln...

Dann kam das Date, bei dem er Valle geküsst hat. Und als Valle ihn zurückgeküsst hat, wurde klar, dass es tatsächlich ein Date war.

~*~*~

Valle fast täglich zu sehen ist so anstrengend. Ihn lachen zu sehen, ihm dabei zuzusehen, wie er etwas erzählt, wie seine Hände dabei durch die Luft rudern, ihn anzusehen, wenn sich ihre Blicke treffen, nicht sofort wegzusehen, weil er verdammt noch mal kein Teenager mehr ist...
Es war normal. Es war absolut okay, Valle zu sehen, mit ihm Zeit zu verbringen - Valles Kumpel zu sein. Keine Ahnung, wie er es gemacht hat, wie er es hinbekommen hat, aber... Es war so viel besser als jetzt.

Kann er diese Unbeschwertheit bitte wieder zurückbekommen? Im Tausch dafür kann er viel zu viele Gedanken anbieten.

~*~*~

Es war so früh. Noch nicht einmal sechs Monate - noch nicht einmal ein halbes Jahr.

Dieses verdammte Gespräch. Valles Augenringe, das Kratzen in Valles Stimme - alles an ihm schrie "Ich bin so erschöpft, ich kann nicht mehr". Und Mann, Hanno wollte ihn nicht so sehen, Hanno konnte nicht verantworten, ihn so zu sehen.
Vor allem, weil es nicht nur Valle war. Vor allem, weil Hanno das Gefühl hatte, in einen Spiegel zu sehen, wenn er Valle ansah.

Es hat sie kaputt gemacht. Es war -

Eigentlich war es schon vorbei, als da dieses Knallen war, dieses Krachen. Als sie nebeneinander im Bett lagen und Hanno das Gefühl hatte, jeden Augenblick heulen zu müssen, weil er so verdammt viel Schiss hatte.
Der Fast-Einbruch. Ein paar Betrunkene, die sich ausgerechnet Valles Haus ausgesucht hatten, ausgerechnet in einer Nacht, als Hanno bei Valle übernachtete, um gegen die Türen und gegen die Fenster zu schlagen.

Vor vielem konnten sie die Augen verschließen. Davor, dass sie vermutlich in ihrer Laufbahn niemals zueinander stehen konnten. Davor, dass sich das auch auf die Zeit nach der Karriere als aktiver Fußballer erstrecken könnte, je nachdem, welchen Weg sie einschlagen würden. Davor, dass sie noch nicht einmal Fußballer sein mussten, um als schwules Pärchen in der Öffentlichkeit schräg angeschaut zu werden.
Aber nicht davor, dass sie in dieser verdammten Nacht als erstes daran dachten, aufgeflogen zu sein. Dass die Angst davor, dass ihre Beziehung aufgeflogen war, größer war als die Angst vor Einbrechern.

Sie haben nicht darüber gesprochen, zumindest nicht an jenem Abend. Erst ein paar Tage später, als Valle so unglaublich müde und erschöpft aussah und Hanno sich so unglaublich müde und erschöpft fühlte.

'Es geht nicht mehr.'
'Es klappt nicht mehr.'

Und dann - einfach so - aus - vorbei. Noch nicht einmal, weil die Worte ausgesprochen waren und man sie kaum zurücknehmen konnten, sondern...
Weil sie richtig waren. Weil es einfach nicht mehr ging. Weil es einfach nicht mehr klappte.

Verdammt, sollte Liebe nicht anders sein? Sollte Liebe nicht stärker sein als alles andere? Und Mann, sie waren sich so sicher, dass das Liebe war - sie haben sich wirklich geliebt.
Es hat nicht gereicht. Es konnte nicht reichen. Nicht, weil ihre Liebe zu schwach war, sondern weil ihr Umfeld zu stark war.

~*~*~

"Weißt du, was wir mal wieder machen sollten? 'nen Kaffee trinken. Das Café geht sonst noch pleite."

Es war nicht schlimm, dass Valle das gesagt hat, auch nicht sonderlich schockierend oder so. (Ein bisschen hat es gestochen. Weil - ja, Kaffee trinken gehen ist ihr Ding. Nichts Ungewöhnliches, nichts, was man nicht mit jedem anderen Kumpel auch machen könnte, aber... Sie waren so oft im Café - Valle hat nicht umsonst darauf hingewiesen, dass der Laden Insolvenz anmelden müsste, wenn sie als die zwei Stammgäste nicht mehr kommen würden.)
Es ist auch nicht schlimm, mit Valle wieder hier zu sein. Das ist es schon lange nicht mehr.

Anfangs schon, das auf jeden Fall. Kurz nach ihrer Trennung, da hat es sich so merkwürdig angefühlt. So - der gleiche Ort, die gleichen Umstände, nur bei ihnen war alles ganz anders. Auf der anderen Seite war da die Tatsache, dass ihr Lieblingscafé ja nicht etwa ein Pärchenort war. Sie waren hier schon, da hat Hanno sich noch den Kopf darüber zerbrochen, ob das sein kann, dass er sich wirklich Hals über Kopf in seinen neuen Mitspieler verliebt hat - sie waren hier schon, da waren sie noch nur Freunde.

Es ist auch schön, wieder Zeit mit Valle zu verbringen. Einfach über irgendeinen Unsinn zu reden, ihm dabei zuzuhören, wie er Unsinn redet... Ebenfalls nichts Ungewöhnliches - sie haben zwar durchaus schon länger keinen Abstecher mehr ins Café gemacht, das heißt aber nicht, dass sie sich in letzter Zeit selten gesehen haben.
Eigentlich ist das ein ganz normales Treffen. Aber verdammt, die Gedanken gehen ihm nicht aus dem Kopf. Und das komische Gefühl in der Magengrube hält sich ebenfalls wacker.

Wie wäre es, wenn er noch mit Valle zusammen wäre?

Würde die Welt tatsächlich so anders aussehen? Okay, blöde Frage - die Welt vielleicht schon. Sie haben sich ja nicht einfach so getrennt, irgendetwas hätte sich damals ändern müssen, damit es mit ihnen weitergehen konnte.
Würde das mit ihnen tatsächlich so anders aussehen? Also - anders als heute?

Das, was er an Valle so geschätzt hat, was an Valle so besonders war, war, dass er nicht nur attraktiv war, dass er nicht nur körperlich anziehend war. Er war gleichzeitig auch noch ein verdammt guter Freund.
Und das ist er heute auch noch. Was wäre also anders zwischen ihnen, wenn sich die Welt auf den Kopf gestellt hätte?

Ist es nur das Körperliche, was ihm fehlt? War es das Körperliche, das ihn beim Pokalspiel so beeindruckt hat? Irgendwie doch schon, oder? Es war - klar, schon eben auch, wie Valle im Torwarttrikot aussah. Ist jetzt nicht so, dass er ein Faible für Torhüterklamotten hat und er hat erst recht keinen Torwarthandschuhfetisch, aber das Outfit stand Valle. Dazu der entschlossene Blick...
Und seine Ausstrahlung. Dieser Wille, diese Aufopferungsbereitschaft...
Es war verdammt noch mal attraktiv.

Und scheiße, gleichzeitig fühlt er sich für diese Gedanken so mies. Weil er nur noch mit einem halben Ohr Valle zuhört, weil er so sehr damit beschäftigt ist, den Sex mit ihm zu vermissen.
Er ist so erbärmlich.

~*~*~
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