Unersetzlich.

von schnaf
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
1. FC Nürnberg
17.01.2020
17.08.2020
8
11.965
8
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28 Reviews
Dieses Kapitel
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17.01.2020 1.303
 
Titel: Unersetzlich.
Pairing: Hanno Behrens x Enrico Valentini
Wortzahl: 11.095
Rating: P18 Slash
Genre: Drama?, Romanze, Freundschaft
Zusammenfassung: Dieses verdammte Torwarttrikot. Bis heute Nachmittag war alles okay, war alles gut, war alles normal. Aber dann kam dieses verdammte Pokalspiel und... ja, das verdammte Torwarttrikot.
Anmerkung: Ende letzten Jahres beschloss ich, eine Art Wichtelprojekt ins Leben zu rufen. Ich habe (in einem anderen Fandom) bei einem solchen Projekt mitgemacht und das hat mich daran erinnert, dass ich diese Projekte doch sehr vermisse. Mein Projekt sollte auf Englisch ablaufen, allerdings habe ich nicht bedacht, dass meine Reichweite sich eher auf den deutschsprachigen Raum beschränkt... :D Wie dem auch sei: Letztendlich waren alle Teilnehmer deutschsprachig, ich ließ alle entscheiden, in welcher Sprache sie schreiben wollen - und ich selbst habe die Gelegenheit genutzt, um ebenfalls auf Deutsch zu schreiben. Das ist das Ergebnis - zumindest das erste Kapitel davon. Denn - surprise: Nicht einmal bei einem solchen Projekt kann ich mich kurz fassen. :D
(Wenn ich noch mal so ein Projekt machen würde, würde ich es von Anfang an auf Deutsch halten. Und wer weiß - vielleicht rufe ich demnächst etwas Neues ins Leben... :D Augen offen halten!)

~*~*~

Dieses verdammte Torwarttrikot.

Hannos Finger trommeln auf das Lenkrad, intuitiv zum Takt der leise gedrehten Musik. Er hört eigentlich gar nicht richtig hin, hat eigentlich keinen Bock auf Musik, aber er wollte auch nicht, dass es so still ist, also... Musik.
(Welche Art von Musik wählt man schon in einer solchen Nacht aus? Es passt einfach nichts.)

Dieses verdammte Torwarttrikot. Bis heute Nachmittag war alles okay, war alles gut, war alles normal. Aber dann kam dieses verdammte Pokalspiel und... ja, das verdammte Torwarttrikot.

Das rote Licht der Ampel taucht die Umgebung in ein ganz merkwürdiges Licht. Es ist so dunkel hier draußen, es gibt nur vereinzelte Lichtpunkte... Und dann ist da dieser rote Schimmer.
Er ist alleine hier. Als er sich auf den Nachhauseweg gemacht hat... Er wollte nicht ankommen. Wollte lieber weiterfahren. Und so hat er eine Abzweigung nach der anderen Richtung Zuhause verpasst. So lange, bis er hier gelandet ist. Hanno weiß noch nicht einmal, wo genau er nun ist, er hat nur eine vage Ahnung, in welche Richtung er fahren muss, um nach Hause zu kommen, aber...
Im Augenblick ist das auch noch nicht wichtig. Im Augenblick brummt sein Kopf noch so sehr, dass er sich nicht vorstellen kann, sich in absehbarer Zeit ins Bett zu legen und einfach schlafen zu können.

Dann lieber hier draußen herumgurken.

Es war eine Extremsituation, dieser Augenblick zwischen Verlängerung und Elfmeterschießen. Eigentlich war Hanno außen vor, immerhin wurde er noch in der regulären Spielzeit ausgewechselt, aber... Genau deshalb war er so verdammt aufgeregt. Weil es um so viel ging, weil es Spitz auf Knopf stand und er einfach nichts tun konnte, weil er nur noch unnütz an der Seitenlinie stand, weil er – je nachdem, wie man seine Situation betrachtete – entweder im Weg umging oder nur noch mentale Unterstützung war.
Und dann war da Valle. Valle, der den Schock darüber, dass sie ohne Torhüter da standen, am schnellsten überwunden hat, Valle, der einfach so sagte „Okay, ich mach's, ich geh' ins Tor.“. Und als er sich das Torwarttrikot überstreifte...

Dieses verdammte Torwarttrikot.

Die Ampel springt um auf grün, Hanno reagiert nur etwas verzögert. Ist nicht wild, immerhin ist es nicht gerade so, dass er eine endlos lange Schlange an Autos hinter sich hat. Wenn er wollte, könnte er noch ein paar Rotphasen stehen bleiben, wenn er wollte, hätte er wahrscheinlich auch ohne Konsequenzen über die rote Ampel fahren können.
In Bewegung bleiben. Vorwärts kommen. Wenn sich schon die Gedanken in seinem Kopf im Kreis drehen...

Mann, es sollte doch vorbei sein. Es war doch vorbei.

Valle im Torwarttrikot... Hanno kann nicht einmal genau sagen, was es nun war. Es stand ihm, irgendwie, und ja, es fühlte sich so unfassbar unangemessen an, so etwas in einer solchen Situation zu denken.
Aber es war noch mehr, mehr als nur das Optische. Es war... Dieser Mut. Sich in einer solchen Situation hinzustellen und zu sagen „Okay, ich übernehme die Verantwortung, ich habe zwar keine Erfahrung und so weiter, aber ich mache es“...
War es Selbstbewusstsein? Nicht nur, nicht ausschließlich, nicht überwiegend, denkt Hanno. Natürlich sah sich Valle in der Lage, akzeptable Leistungen aufzurufen – doch das war kein Grund, sich dieser Aufgabe zu stellen, das war nur ganz nützlich. Der wahre Grund war, dass er seiner Mannschaft helfen wollte. Und wenn das bedeutete, die Mannschaft gewissermaßen auf seinen Schultern zu tragen, dann... Dann würde er das eben tun.

Und verdammt, in diesem Moment, als Valle sich das Torwarttrikot überstreifte, da hat Hanno ihn wieder geliebt.

Übersprungshandlung. Es war eine Übersprungshandlung. Dieser Abend war etwas zu viel für seine Nerven und als er an dem Punkt ankam, an dem so viel Druck auf sie alle, auf seine Mannschaft, ausgeübt wurde und er nichts tun konnte, wurde ihm alles zu viel, sein Kopf war überfordert und -
Übersprungshandlung. Sein Kopf hat sich von dieser Situation, von diesem Dilemma abgelenkt, indem
(er ihm ein anderes Dilemma geliefert hat.)
er sich mit etwas völlig anderem beschäftigte. So wie Katzen in einer Stresssituation plötzlich anfangen, sich zu putzen, weil ihr Kopf erst einmal verarbeiten muss, was los ist.

Immerhin hat er sich nicht abgeschleckt. Plötzlich unangemessene Gedanken an Valle zu haben war dann doch die passendere Option.

Wenn es doch nur endlich vorbei wäre...

So wie das Spiel ihm noch in den Knochen steckt, so stecken auch noch die Gedanken an Valle, das geistige Bild von ihm im Torwarttrikot, in seinem Kopf. Diese Taubheit, diese Gewissheit, das Spiel verloren zu haben, in der allerletzten Minute aus dem DFB-Pokal ausgeschieden zu sein, die Entschlossenheit in Valles Blick, die Spannung des Elfmeterschießens, das überwältigende Gefühl, Valle küssen zu wollen... All das verwandelt sich in einen Strudel und er kommt einfach nicht heraus.

Schlafen. Das ist seine höchste Priorität. Seine Gedanken so weit zum Schweigen bringen, dass er endlich schlafen kann. Morgen sieht die Welt dann schon wieder ganz anders aus. Dann, wenn sich der Strudel gelegt hat.

~*~*~

Es vergeht nicht.

Das miese Gefühl nach dem Spiel? Es steckt ihm noch ein paar Tage in den Knochen - auch noch ein paar Tage nach diesem Spiel fühlt er sich schlecht, das knappe Ausscheiden und die damit verbundenen Emotionen hängen noch nach. Mag zwar sein, dass er Profi ist und sich daran gewöhnt hat, Spiele abzuhaken und nach vorne zu schauen, mag zwar sein, dass schon die nächsten Spiele vor der Türe stehen, aber ein Pokalspiel ist eben doch etwas anderes und da lenkt der Ligaalltag nicht so sehr ab wie sonst bei Spielen mit schlechtem Ausgang.
Ein paar Tage. Dann hat er es endlich geschafft, das Spiel abzuhaken. Wenn er auf diesen Tag zurückblickt, wenn er auf die Pokalsaison 19/20 zurückblickt, wird ihm diese Partie zwar jedes Mal einen kleinen Dämpfer verpassen, doch er kann seine Gedanken, seine Konzentration endlich auf etwas anderes richten.

Die Gedanken an Valle bleiben jedoch. Tagein, tagaus und dass er ihm fast täglich begegnet, macht die Sache nicht besser.
Mann, er hat gedacht, es hilft, Valle wiederzusehen. Damit der Hirngespinst-Valle verschwindet und durch den echten Valle ersetzt wird. Aber scheinbar gibt es keine zwei separaten Valles...

Mann, es sollte doch vorbei sein, es sollte doch längst abgehakt sein. War ja immerhin eine glasklare Sache damals, eine absolut vernünftige, sinnvolle Entscheidung.
Warum fühlt es sich dann jetzt an, als hätte er etwas verpasst? Als hätte er einen Fehler gemacht?

Weil es weh tut, Valle zu sehen. Weil er plötzlich wieder vor Augen hat, wie ihr Weg aussehen hätte können, wenn sie sich anders entschieden hätten. Und... Vernunft schön und gut, aber -
Er vermisst Valle.

Und plötzlich reicht es nicht mehr, dass sie noch so gut befreundet sind.

~*~*~
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