Vögel und Monster

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18
Albus Dumbledore Daphne Greengrass Dobby Fawkes Harry Potter
17.01.2020
26.10.2020
29
230.852
57
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Dieses Kapitel
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17.01.2020 2.134
 
AN:

Ausgehend von meinem Oneshot „Begehren“ habe ich mich entschieden, diese Geschichte zu schreiben. Einige Prämissen in dieser Geschichte sind ganz klar ähnlich zu dem Oneshot, aber es wird auch einige Veränderungen geben. Diese Geschichte beginnt kurz vor Harrys erstem Schuljahr und ich habe einen Plan über alle sieben Schuljahre und darüber hinaus. Ich weiß, wo ich mit dieser Geschichte hinmöchte. Der Fokus der Geschichte wird ganz klar auf Harry und Daphne liegen. Über Ereignisse, die nicht so stark vom Kanon abweichen, werde ich gegebenenfalls schneller drüber hinweggehen. Dies ist meine erste lange Geschichte.

In diesem Sinne viel Spaß beim ersten Kapitel!





"The Jian, also known as “the bird that shares wings”, only possesses one wing. Unless a male and female pair lean on each other and act as one, they’re incapable of flight. They’re imperfect, incomplete creatures. But, for some reason, their way of life struck me as profoundly beautiful. It was beautiful, I felt."

Zero Two (Darling in the Franxx)



Dies ist die Geschichte von der Schönen und dem Biest. In dieser Geschichte ist es jedoch das Biest, das der Schönen beibringt zu lieben, und es ist die Schöne, die den Prinzen zum Biest macht.




Kapitel 1 – Schicksalhaftes Aufeinandertreffen

Winkelgasse, 31.07.1991

Hagrid lachte laut auf, als sie Gringotts verließen, aber Harry war immer noch sprachlos von den Goldhäufen in seinem Verlies; von der allgemeinen sonstigen Pracht der Bank und der Wuselei sowie den zahlreichen Wundern in der Winkelgasse ganz zu schweigen. Diese gesamte Welt war einfach nur … unglaublich! Er wollte alles sehen! Was, fragte sich Harry, könnte dieser Tag nur sonst noch bieten?

„Kümmern wir uns jetzt am besten um deine Einkäufe“, sprach Hagrid weiter. „Hast du deine Liste noch?“

Harry nickte und in den folgenden Stunden besuchten die beiden so ungleichen Gestalten viele verschiedene Geschäfte und kauften fast alles, was Harry für sein erstes Jahr in Hogwarts brauchen würde: Schulbücher (Hagrid wollte leider keine weiteren Bücher kaufen, die Harry interessant erschienen; „Die Professoren wissen schon, was du brauchst, Harry“), Schreibfedern, Stapel von Pergament, Tinte, einen Zaubertrankkessel aus Zinn sowie einen Grundvorrat an Zaubertrankzutaten. Auch seinen Zauberstab bekam Harry. Stechpalme und Phönixfeder, elf Zoll. Am liebsten hätte Harry ihn sofort ausprobiert mit all den Zaubersprüchen in den Schulbüchern, aber Hagrid ermahnte ihn, damit bis Hogwarts zu warten.

„Könnten jetzt eigentlich mal deine Umhänge kaufen“, sagte der Wildhüter schließlich und zeigte zu Madam Malkins Anzüge für alle Gelegenheiten hinüber.

„Hör mal, Harry, ich würde noch mal was anderes besorgen. Magst du dich allein um deine Umhänge kümmern? Ich hole dich dann gleich wieder hier ab.“, sagte Hagrid und war schon kurz darauf verschwunden. So ging Harry allein und ein wenig nervös hin zur Ladentür.

Um seine Nervosität zu überspielen, stieß er kraftvoll die Tür auf. „Arrgh!“, hörte Harry laut einen Schmerzenzruf. Dann bemerkte er, dass er die Tür vielleicht etwas zu kraftvoll aufgestoßen hatte. Denn vor ihm stand ein großgewachsener Mann mit schmutzigem blondem Haar, der ihn wutverzerrt anstarrte. Dabei hielt er sich an der Wange und Nase. Anscheinend hatte Harry beim Aufstoßen der Tür diese genau ins Gesicht des Mannes geschlagen, der vermutlich gerade das Kleidergeschäft verlassen wollte.

„Was fällt dir ein, du Bengel? Du Miststück!“, geiferte der Mann.

„Tschuldigung…“, stammelte Harry, „das war keine Absicht. Das war ein Versehen, wirklich…“ Harry war das ganze wirklich ausgenommen unangenehm. Onkel Vernon hätte ihn dafür jetzt vermutlich für mehrere Tage in die Besenkammer unter der Treppe gesperrt. Wenn nicht gar schlimmeres.

„Aus dem Weg, Bursche! Züchtigen sollte man dich, ja wirklich“, schimpfte der Mann weiter, aber da Harry schnell zur Seite getreten war, stürmte er nur einfach aus dem Laden hinaus, ohne seinen Worten Taten folgen zu lassen oder sich noch einmal umzudrehen.

Noch mal Glück gehabt. Harry atmete durch und richtete seinen Blick in den Innenraum des Geschäfts. Dort sah er ein Mädchen, ungefähr so groß wie er, mit schulterlangen honigblonden Haaren und in einen marineblauen Umhang gehüllt, in seine Richtung schauen.

Doch was ihn wirklich in den Bann zog, war ihr Lächeln! Es war unscheinbar, kaum zu sehen, wenn man nicht genau wusste, worauf man zu achten hatte. Die Mundwinkel waren nur ganz leicht angezogen und die Zähne kaum sichtbar. Das war das Lächeln von jemandem, der es sich normalerweise abgewohnt hatte, zu lächeln oder gar zu lachen. Harry kannte dieses Lächeln nur zu gut, denn er hatte sich in den letzten Jahren genau das gleiche angeeignet. Die Dursleys hatten es nämlich nicht gemocht, wenn er gelacht hatte. Nicht dass er viel zu lachen gehabt hätte. Ganz im Gegenteil…

Nein, Harry war dieses Lächeln nur allzu vertraut. Und er fand es wunderschön! Ebenso wie die eisblauen Augen des Mädchens, die die unterdrückte Freude dieses seltenen Lächelns offenbarten und vor Wahrhaftigkeit strahlten. Harry war wie gefesselt.

Doch noch ehe er wieder einen klaren Gedanken fassen und sich fragen konnte, warum das Mädchen überhaupt lächelte, verhärteten sich die Gesichtszüge des Mädchens und ihre Augen wurden trüb. Ihr Lächeln erlosch dabei gänzlich. Sie wendete ihren Kopf von ihm ab und blickte zu einer entgegenkommenden stämmigen Frau in malvenfarbenen Kleidern, die wohl Madam Malkin sein musste.

„Also“, sagte diese, „Hogwarts, meine Lieben?“

„Genau“, entgegnete Harry freudig.

„Ja“, antwortete auch das blonde Mädchen, jedoch im Gegensatz zu Harry in einem völlig neutralen, emotionslosen Tonfall. Aber ihre Stimme klang angenehm, dachte Harry.

Daraufhin führte Madam Malkin sie beide in den hinteren Teil des Geschäfts, wo auch schon eine weitere Assistentin wartete. Sie wurden jeweils auf einen Schemel gestellt und bekamen lange schwarze Umhänge übergestreift. Madam Malkin und die Assistentin begannen daraufhin mit Nadeln die richtige Länge für ihre Hogwartsumhänge abzustecken.

„Das wars, meine Lieben, wir machen eure Umhänge jetzt fertig, damit ihr sie gleich mitnehmen könnt. Wartet doch einfach solange hier.“, sprach Madam Malkin schließlich und ging mit ihrer Assistentin in ein Nebenzimmer.

Die Minuten vergingen und weder Harry noch das fremde Mädchen sagten ein Wort. Letztlich fasste sich Harry ein Herz und beendete das unangenehme Schweigen.

„Also gehst du auch dieses Jahr nach Hogwarts?“, fragte er das Mädchen, das die ganze Zeit neben ihm gestanden hatte, ohne ihn jedoch auch nur ein einziges Mal angeschaut zu haben.

„Ja“, entgegnete das Mädchen wortkarg. Aber immerhin hatte sie sich jetzt Harry zugewandt und schaute ihm ins Gesicht. Aber ihre Augen wirkten auf Harry immer noch völlig stumpf und leer, das glitzernde Blau von vorhin, als er sie zum ersten Mal gesehen hatte, völlig erloschen, so als wäre es nie da gewesen. Das fand er ausgesprochen schade.

Das waren nicht die Augen eines Kindes, ging es Harry durch den Kopf.

Da das Mädchen keine Anstalten machte, das Gespräch - wenn man ihren kurzen Austausch überhaupt als solches bezeichnen konnte – fortzuführen, redete Harry weiter.

„Dann werden wir ja Mitschüler! Ich freue mich so sehr auf Hogwarts! Ich habe so viel tolles darüber gehört.“ Harry bebte vor Enthusiasmus. „Mein Name ist übrigens Harry, Harry Potter. Und wie heißt du?“

Das schien das Mädchen jetzt tatsächlich zu überraschen, wenn Harry ihren Gesichtsausdruck richtig zu deuten wusste. Aber schon kurz darauf bildete sich eine Spalte auf ihrer Stirn und für Harry sah es so aus, als wäre sie verärgert.

„Und das sagst du jetzt, um mich zu beeindrucken, oder was?“, entgegnete das Mädchen in einem giftigen Tonfall.

Das verwirrte Harry.

„Nein…ich wollte mich dir doch nur vorstellen. Immerhin werden wir jetzt beide nach Hogwarts gehen…“, stammelte er.  Er wusste nicht, was er sonst noch sagen sollte.

Das Mädchen betrachtete ihn jetzt abschätzend. Harry kam sich vor, als läge er auf einem Seziertisch. Die Augen des Mädchens schienen direkt in ihn hineinzuschneiden. Schließlich jedoch entspannten sich die Gesichtszüge des Mädchens wieder, so als wäre sie zu einem Urteil ihm bezüglich gelangt.

„Mein Name ist Daphne Greengrass“, sagte das Mädchen.

Daphne also, dachte Harry. Er mochte den Namen. Er hatte etwas Sanftes, Anmutiges.

„Freut mich dich kennenzulernen, Daphne“, antwortete Harry und streckte seine Hand aus. Daphne starrte auf seine ausgestreckte Hand, zögerte kurz, streckte dann aber auch ihre Hand aus und vollendete so ihren Handschlag.

Später würde Harry noch häufig an diesen Moment zurückdenken, als er zum ersten Mal die Hand von Daphne Greengrass umfasste. Aber jetzt war es für ihn nichts Weiteres als das Händeschütteln zweier elfjähriger Kinder, die sich gerade kennengelernt hatten.

„Und freust du dich auch auf Hogwarts?“, fragte er sie.

„Gewissermaßen“, antwortete Daphne nach kurzem Nachdenken. „Es wird bestimmt eine sehr lehrreiche Zeit. Und wir werden dort die größte Zeit des Jahres verbringen.“ Dann hob Daphne ihren Arm und zeigte zum Schaufenster. „Ich glaube, der Mann dort winkt dir zu.“

Harry drehte seinen Kopf. Draußen stand Hagrid und grinste Harry zu. Er hielt zwei große Waffeln mit Eiscreme hoch, um zu zeigen, dass er nicht hereinkommen konnte.

„Das ist Hagrid“, sagte Harry froh. „Er arbeitet in Hogwarts.“

Zu diesem Zeitpunkt kam auch Madam Malkin zurück, zwei große Tüten in den Händen, von denen sie jeweils eine Harry und Daphne gab.

„So, das wär’s, meine Lieben. Eure fertigen Umhänge.“

Harry fummelte an seinem Geldbeutel herum, um seine Umhänge zu bezahlen, als die Ladentür aufging und eine weitere Person eintrat. Es war eine zierliche Frau mittleren Alters. Sie hatte ähnliche honigblonde Haare wie Daphne und war in ein teuer anmutendes, smaragdgrünes Gewand gekleidet. Sie mochte als schön gelten, wenn sie nicht so missbillig dreinblicken würde, als hätte sie Mist unter der Nase kleben.

„Tochter“, rief sie energisch, „bist du fertig hier?“ Ihre Stimme ließ jegliche Zuneigung und Liebe vermissen. Harry fühlte sich sofort an Tante Petunia erinnert.

„Ja, Mutter“, antwortete Daphne der Frau, die wohl ihre Mutter war, in einem emotionslosen, etwas unterwürfig anmutenden Tonfall. Und wieder einmal erinnerte das Mädchen Harry an sich selbst. Das war der gleiche Tonfall, den Harry die meiste Zeit gegenüber seiner Tante und Onkel benutzte.

„Dann komm mit“, erwiderte die Frau herrisch und Daphne setzte sich in Bewegung.

„Sehen wir uns auf der Fahrt nach Hogwarts?“, rief Harry ihr hinterher.

Daphne stoppte und drehte sich zu ihm um. „Vielleicht sehen wir uns auf dem Bahnsteig, wenn du früh da bist“, sagte sie zögernd.

„Und du bist?“, sprach Daphnes Mutter jetzt Harry kühl an.

„Harry Potter, Madam. Freut mich, Sie…“, doch Harry brach mitten im Satz ab, als er sah, wie sich die Miene der Frau schlagartig noch weiter verfinsterte und sie ihn jetzt mit kaum unterdrücktem Zorn betrachtete.

Abrupt wandte sich die Frau von Harry ab und verließ das Geschäft. „Komm mit, Tochter!“, rief sie laut hinterher. Und Daphne folgte ihrer Mutter, ohne wenigstens noch einmal zurückzublicken.

Schließlich verließ auch Harry den Laden, wo Hagrid schon auf ihn wartete. Aber Harry blickte die Straße hinunter, wo er Daphne, die ihren Kopf gesenkt hielt, und ihre Mutter zusammen mit einer weiteren Person stehen sah. Und zwar ebendem Mann von vorhin, dem Harry die Tür ins Gesicht geschlagen hatte. War das Daphnes Vater? Natürlich, immerhin war er zusammen mit Daphne im Geschäft gewesen, als Harry hereingekommen war. Liebenswerte Personen, ging es Harry durch den Kopf. Er wollte ihnen lieber kein weiteres Mal begegnen. Bei Daphne sah das hingegen anders auch. Sie würde er gerne noch mal wiedertreffen und dann vielleicht mal ein längeres, richtiges Gespräch mit ihr führen.

Er sah, wie sich die Greengrasses in Bewegung setzten und kurz darauf in der Menschenmenge verloren.

„Was guckst du denn so missmutig drein, Harry?“, fragte Hagrid und hielt ihm eine der Eiswaffeln hin.

Harry nahm ihm diese ab und begann, das Eis (Schokolade und Himbeere mit Nussstückchen) zu schlecken.

„Ach, ich weiß nicht.“, antwortete er recht wortkarg.

„War das Mädchen gerade eine neue Freundin von dir?“, fragte Hagrid.

„Vielleicht…ich weiß es nicht. Wir haben nur kurz miteinander gesprochen.“, erwiderte Harry nachdenklich. „Sie meinte, wir könnten uns vielleicht bei der Fahrt nach Hogwarts auf dem Bahnsteig sehen, wenn ich früh genug da bin. Ich würde sie schon gerne wiedersehen…Ich hatte noch nie richtige Freunde…“ Dafür musste er sich bei Dudley und seinen Kumpanen bedanken, schob Harry in seinen Gedanken hinterher.

„Wir sind doch jetzt Freunde, Harry!“, bemerkte Hagrid breit grinsend. „Und wir sollten dir jetzt noch ein Geburtstagsgeschenk besorgen. Was hältst du von einer Eule? Ist immer gut eine eigene zu haben. Treue Dinger, diese Eulen…ach, du hattest vom Bahnsteig gesprochen, Harry. Erinnere mich daran, dir später dein Zugticket zu geben und dir zu erklären, wie du auf das Gleis kommst. Aber jetzt suchen wir dir erstmal eine Eule aus!“

Stimmt, dachte Harry, Hagrid und er waren jetzt vermutlich Freunde. Aber es wäre schön, auch Freunde in seinem Alter zu haben.

Mit diesem Gedanken im Kopf gingen er und Hagrid weiter die Winkelgasse entlang, um Harry eine Eule zu kaufen.





Nächstes Kapitel: Fahrt in eine neue Zukunft

Vorschau:

Harry schaute zu Daphne. Aber wenn Malfoys Worte sie in irgendeiner Weise berührten, so ließ sie es sich zumindest nicht anmerken. Kerzengerade saß sie auf ihrem Platz, das Gesicht völlig regungslos.
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