Großes Drama kleiner Tiere

GeschichteAbenteuer, Drama / P6
17.01.2020
17.01.2020
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Es war ein schöner Tag! Die Sonne stand hoch am Himmel, der Wind war nicht zu stark und endlich durfte auch Rudi seinen ersten Ausflug in die große Welt machen.
Oh wie war er aufgeregt! Bisher hatte er immer zusehen müssen, wie seine großen Brüder mit Nektar zurück in den Palast kamen, doch heute durfte er tatsächlich endlich helfen. Da hatte er sich sein ganzes Leben lang drauf gefreut gehabt!
Vor Freude brummend krabbelte er zum Ausgang der Wabe.
"Dass du auch bloß auf dich aufpasst!", rief ihm sein Vater noch von hinten zu, bevor sich die kleine Biene endlich das erste Mal abstieß und in die Lüfte erhob.

Oh, was war fliegen für ein schönes Gefühl!
Der leichte Wind umschmeichelte seine Flügel sanft, trug ihn immer weiter in das mystische Land das vor ihm lag, voll mit lauter bunten, leckeren Farben. Das Gefühl seine Flügel ausstrecken und bewegen zu können bereitete ihm Wohlgefallen an seinen Muskeln und er konnte spüren, wie ein Instinkt in ihm ihm den Weg wies. Hin zu den schönsten Blumen der Stadt.

Ganz erfreut landete er auf seiner ersten Blume. Sie war rot. Ihre Blütenblätter waren ganz sanft, sie hielte nicht mal sein leichtes Gewicht aus und fielen ab, wenn er auf sie trat.
Als das erste Blatt unter seinen hinteren Füßen herabfiel erschrack Rudi etwas, doch schnell entdeckte er auf welch gelbem Gold er nun endlich stand. Nektar.
Etwas in ihm riet ihm seinen Rüssel auszufahren und in das gelbe der Pflanze zu stecken, wie einen Strohhalm. Das Gefühl war sehr witzig. Die feinen Zellen der Pflanze kitzelten ihn.
Der erste Tropfen Nektar erreichte seine Zunge. Er war köstlich. Rudi brummte erneut vor Freude und gab sich nun noch mehr Mühe noch mehr Nektar aus der Pflanze zu ziehen. Sein ganzer kleiner Körper zitterte vor Anstrengung. Er stemte seine Füße ganz fest in die Pflanze und saugte mit aller Kraft die er hatte. Und tatsächlich: Immer mehr Nektar kam aus den Zellen. Seine Familie würde sich freuen. Rudi freute sich bereits darauf, wie stolz sein Vater sein würde, dass er von seinem ersten Flug bereits so erfolgreich zurückkam. Um der Rest des Volkes erst.

Geblendet von seinem Goldrausch flog Rudi zur nächsten Blume und zur nächsten und zur nächsten. Bei jeder wiederholte er das Spiel. Doch vor lauter Konzentration, Freude und Anstrengung merkte er nicht, dass ganz viel Blütenstaub an ihm klebte und ihn immer schwerer machte. Bis er schließlich gegen eine unsichtbare Barriere flog.

Autsch. Sein Kopf schmerzte etwas. Was war das gewesen? Dahinten sah er doch ganz klar eine weitere Blume. Es war zwar etwas dunkler um sie herum, als um die anderen Blumen und auch auf dem Boden war nichts grünes weiches, aber das, was er da sah, war ganz klar eine weitere Blume und deren Nektar wollte er haben!
Die kleine Biene rappelte sich auf und versuchte erneut zur Blume zu fliegen. Doch wieder stieß er gegen eine unsichtbare Barriere und fiel auf den Boden.

Frustriert von der Situation beschloss er in eine andere Richtung zu fliegen. Wahrscheinlich wäre es sogar besser er würde zurück zu seinem Stock fliegen und die Ausbeute präsentieren. Er war doch etwas schwerer als noch zu Beginn des Tages und die Sonne war langsam auch wieder am untergehen. Die Kälte missfiel ihm und ohne die warmen Strahlen auf seinem Pelz fehlte es ihm auch etwas an Energie.

Also nahm das kleine Insekt nochmal seine ganze Energie zusammen, stieß sich in die Luft und flog Richtung Heimat.
Doch plötzlich kam die kleine Biene nicht mehr voran. Sie verstand nicht woran das lag. Ihre Flügel vibrierten und mit aller Kraft versuchte sie zu fliegen, doch wieder blockierte etwas unsichtbares ihren Weg. Diesmal jedoch war diese Kraft nicht vor ihr, sondern hielt sie an ihrem ganzen Körper fest.



Endlich! Endlich ist es so weit!
Eine ganz große Freude, viel größer als das Tier selbst, erfüllte die kleine Spinne, als endlich das Netz an ihrem Fuß Alarm schlug. Endlich hatte sie Beute gemacht. Sie konnte es gar nicht erwarten sie einzuwickeln und essen zu können.
Voll Vorfreude bebend rannte das kleine Wesen auf das Insekt zu und mischte bereits die Fäden in ihrem Mund an, um sofort zur Arbeit schreiten zu können.
Doch bevor sie sich versah versperrte ihr etwas grünes das Sichtfeld.

Ihr Netz vibrierte bedrohlich, doch viel stärker, als es eine normale Biene erzeugen könnte. Jamie spürte an seinen Füßen, dass manche seiner Fäden gerissen waren. Er bekam große Panik, Tränen stiegen in seine Augen. Er bangte um sein Leben. Was wenn dieses große grüne etwas ihn töten wollte? Er hatte schon von seinen Eltern gehört gehabt, dass es Monster da draußen gab. "Menschen" hatten seine Eltern die genannt. Jamie erinnerte sich an Horrorgeschichten in denen diese "Menschen" Spinnen getötet hatten. Auch sein Onkel Gustav sei wohl diesem Schicksal erlitten.
War dieses grüne etwas wohl ein solcher "Mensch"?



Rudi zappelte mit aller Kraft. Sein kleiner Körper wand sich in alle Richtungen, seine Flügel versuchten zu vibrieren, doch er klebte fest.
Was mache ich nun? Sein kleines Herz schlug schneller. Er musste doch zurück zu seinem Volk! Er durfte nicht sterben. Noch nicht. Das war doch erst sein erster Ausflug und sein Vater würde sich doch Sorgen um ihn machen, wenn er nicht zurück zum Stock käme. Außerdem hatte er so viel Energie aufgewand, um diesen ganzen Nektar zu sammeln. Der musste zu seinem Volk kommen!

Etwas grünes bewegte sich auf Rudi zu. Oh nein! Was war das? Was wollte es? War das wohl eine dieser "Spinnen", vor denen er sich hatte in Acht nehmen sollen?
Noch mehr Panik erfüllte das kleine Insekt. Er zappelte wilder, versuchte irgendwie diesem klebrigen Etwas zu entkommen. Doch aus eigenem Antrieb konnte er das nicht schaffen...
Das Grüne kam näher und näher. Rudi bereitete sich bereits darauf vor gleich nicht mehr zu leben. Er dachte seine letzten Gedanken und wollte grade noch ein trauriges "Leb wohl Papa", brummen, da merkte er, dass das Grüne direkt bei seinen Füßen stehengeblieben war.
Wenn er weiter zappelte, konnte er es vielleicht zu fassen bekommen! War es vielleicht gar keine "Spinne", sondern versuchte das Grüne ihm zur Flucht zu verhelfen?
Hinter dem Grünen konnte die kleine Biene etwas riesiges leicht rosafarbenes sehen. Doch was das war und ob es ihm vielleicht doch etwas böses wollte war Rudi in diesem Moment egal. Hauptsache er könnte sich von diesem Kleben befreien.

Die kleine Biene versuchte sich an dem Blatt festzuhalten, dass dieses große Wesen ihr hinhielt, und hatte das Blatt auch schon fast gefasst, ja sie wollte sich grade schon freuen frei zu sein, doch dann, in dem Moment, in dem man sie aus den Fängen des Netzes befreite, rutschte sie ab und fiel.

Ihr Fall war kurz, aber hart und mit einem leisen Plopp schlug die kleine Biene auf dem Boden auf.




Die Spinne krabbelte zurück an den Rand ihres Netzes. Trauer erfüllte das kleine Tierchen. Sie hatte sich bereits so sehr darauf gefreut endlich mal selbst jemanden einweben zu können. Und Hunger hatte sie auch. Das letzte mal, dass sie etwas gegessen hatte, war bei ihren Eltern gewesen, bevor sie hatte ausziehen müssen. Sie hatte sich auf den Auszug ja sogar gefreut gehabt. Endlich dürfte sie ihre eigenen Netze spinnen.
Aber kaum hatte sie ihr erstes Netz fertig und es flog sogar ihre allererste Beute hinein, kam jemand und machte es ihr kaputt! Die Welt war tatsächlich äußerst gemein! Wäre er doch nur im Ei geblieben...
Jamie schmollte noch etwas weiter, bevor er sein Netz schließlich reparierte und mit etwas Zuversicht wieder in seiner Ecke auf den nächsten Fang wartete. "Niemals aufgeben. Immer weiterspinnen", hatte seine Mutter ihm mal gesagt gehabt.



Regungslos lag Rudi auf dem Steinboden unter dem Balkon. "Oh nein!", vernahm man von oben, auch wenn weder Rudi noch Jamie verstanden, wer das war und was diese Laute bedeuteten.
Es war die Frau, die versucht hatte die kleine Biene vor der Spinne zu retten. Sie hatte ihn mit dem Blatt auffangen und in ihre Pflanzen setzen wollen, doch ganz unverhofft hatte das Insekt den Halt verloren und war vom Balkon gefallen... Was ein tragisches Schicksal. Dabei hatte der kleine Rudi bereits so viel überstanden gehabt. Zweimal war er gegen ihre Fensterscheibe geflogen, bevor sie ihn vor dem Hunger der Spinne gerettet hatte.
Die Frau lehnte sich über den Rand ihres Balkons und sah mit traurigem Blick zu, wie das Insekt sich noch immer nicht bewegte.

War das nun besser, als von der Spinne gefressen zu werden?


Einige traurige Minuten vergingen, in denen die Frau um die kleine Biene trauerte.
Bis sich die Sonne wieder etwas zeigte. Ihre Strahlen fielen direkt auf den kleinen Rudi. Sie gaben ihm Kraft und so krabbelte er ganz unerwartet, aber zur Freude des Menschen, einige Centimeter weiter bis er sich schließlich wieder in die Lüfte erhob – diesmal um einiges leichter, denn viel seines Blütenstaubs war im Netz der Spinne hängen geblieben – und endlich nach Hause flog, ohne weitere Zwischenfälle zu erleben, und dort seinem Stamm von seinem wirklich aufregenden ersten Ausflug erzählen konnte.

Die Frau lächelte erfreut, als sie sah, dass ihr Rettungsversuch doch geglückt war und auch Jamie kam auf seine Kosten, als sich eine Mücke im heilen Rest seines Netzes verfing, als sie auf dem Weg war die Frau zu stechen und ihr Blut zu klauen.
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