Marks besondere Frage

GeschichteAngst, Tragödie / P12
17.01.2020
17.01.2020
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Das Flugzeug wackelte. Alles bebte. Die Menschen schrien.

Lina wusste nicht, wie ihr geschah, als sie plötzlich aus ihrem Schlaf gerissen wurde. Im Flugzeug ging eine rote Lampe an, das Flugzeug wackelte und bebte. Ein Alarm-Geräusch ertönte und die Sauerstoff-Masken fielen herunter.
"Was zu Hölle", murmelte Lina. Sie war noch immer nicht ganz wach. "Was geht denn hier ab?", brachte sie krächzend hervor. Vom Schlafen war ihr Mund ausgetrocknet.
"Schatz, gibst du mal mein Wasser?", sagte sie zu der Person neben ihr. Doch Mark starrte nur voller Angst nach vorne. Er klammerte sich an die Armlehnen seines Sitzes. Schweiß rann seinen Rücken hinunter. Er hatte es doch gewusst. Oh hätte er doch nur auf sein Gefühl gehört...
"Hey, ganz ruhig, Mark", flüsterte Lina ihm zu und strich seinen Arm sanft, als sie verstand, was mit ihr los zu sein schien. Sie selbst schien jedoch noch nicht begriffen zu haben, was sich in ihrem Flugzeug abspielte, was genau es war, dass Mark noch vor dem Abflug geahnt hatte und weshalb er ihr seine Frage gestellt hatte.
"Madam, Sir, bitte ziehen sie die Sauerstoff-Masken auf. Wir haben Turbulenzen", sagte eine der Stewardessen freundlich. Das beunruhigte Mark nur noch mehr. "Tu- Turbu- lenz- zen", stotterte er schockiert. Er wusste, "Turbulenzen" war das Codewort für "Sie werden alle sterben". Zumindest in Filmen war das doch immer so.
Ja und genau deshalb hasste Mark das Fliegen so sehr. Er hatte es Lina doch gesagt. Ach verdammt!
"Mark, Schatz", Lina strich wieder über seinen Arm, doch Mark zog ihn nur hinweg.
Es gab einen Schlag. Das Flugzeug fiel um einige Meter ab. Zumindest wirkte es auf die Passagiere so.
Sie schrien lauter. Als ob das irgendetwas bringen würde, dachte Lina, sie machen Menschen wie Mark damit doch nur noch mehr verrückt. "Mein armer Schatz", flüsterte sie und küsste seine Schläfe. Doch Mark reagierte gar nicht mehr. Er war gefangen in einer Trance. Bloß nicht daran denken, dass er gleich sterben wird. Dass er Lina niemals wird heiraten können. Er wusste nicht welches von beidem ihm mehr zusetzte. Hätte man ihn vor ein paar Monaten in solch ein Flugzeug gesteckt wäre es ihm wohl gleich gewesen. Er hatte damals keine großen Hoffnungen mehr auf Glück gehabt. Für ihn war das Leben ohnehin nicht lebenswert. Doch nun. Nun hatte er Lina und seit er sie kannte war sein Leben endlich wieder von Sinn erfüllt.
Da fand er endlich seine große Liebe und sein Glück und dann sollte er sterben? Das war doch nun wirklich nicht fair.
Er atmete schwer, aber trotzdem schnell. Lina machte sich große Sorgen.
Die Sauerstoff-Maske konnte ihn kaum beruhigen und auch Lina erleichterten sie nicht das atmen. Sie wollte sie am liebsten wieder abziehen. Doch sie tat es nicht. Sie musste zugeben, dass auch sie mittlerweile Angst bekam.  
Es gab einen weiteren Schlag. Wieder fiel das Flugzeug um einige Meter ab. Diesmal war Lina sich da sicher.
Sie sah den beunruhigten Blick auf den Gesichtern der Stewardessen. Etwas stimmte nicht. Hier war etwas gewaltig falsch.
Linas Atem wurde schneller. Unter großer Anstrengung, nicht auch noch durchzudrehen, beobachtete sie die Bediensteten. Sie liefen im Flugzeug umher. Man konnte ihnen ihre Nervosität und Angst klar ansehen. Doch das war nicht das, was Lina beunruhigte. Was sie beunruhigte war, dass sie nicht einmal zum Cockpit gingen. Warum nicht?
Und warum gab es keine Durchsage der Piloten? Linas Stirn legte sich in Falten.
"Der Pilot. Es ist der Pilot", flüsterte Mark neben ihr, als habe er gehört worüber sie nachdachte, "er wird uns töten." Seine Stimme zitterte, doch in seinen Augen lag eine felsenfeste Überzeugung, als er diese Worte hervorbrachte, die Lina zuvor nur sehr selten gesehen hatte.
So sah Mark nur aus, wenn er sich etwas sehr sehr sicher war.
Doch all dies machte keinen Sinn für Lina. Warum sollte der Pilot so etwas tun? Warum sollte er denn auch sich selbst töten? Schließlich würden nicht nur seine Passagiere sterben, sondern doch auch er.
Und während Lina in ihren letzten Minuten angestrengt darüber nachdachte, erinnerte sie sich an die Frage, die Mark ihr am Flughafen gestellt hatte. Kurz vor ihrem Abflug. Die Frage, die alles verändert hätte, wenn sie nur anders reagiert hätte.


Sie dachte an den Moment, in dem Mark sie gefragt hatte: "Dein Ex, der ist doch nicht etwa Pilot, oder?"
Und schließlich krachte das Flugzeug mit all seiner Wucht auf den Boden.
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