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Das tragische Leben des Sir Pentious

von -TeaTime-
GeschichteTragödie / P16 / MaleSlash
Sir Pentious
16.01.2020
23.01.2020
3
4.493
 
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16.01.2020 1.748
 
Vorab möchte Ich mich schon mal für alle Fehler bezüglich Komma-Setzung entschuldigen. Irgendwie war das schon immer eine meiner Schwächen.
Des Weiteren werde Ich im weiteren Verlauf der Geschichte einige zeitliche und wissenschaftliche Aspekte mit einbeziehen. Dabei gehe ich allein mit meinem Wissensstand vor. Sollten sich also zufälligerweise Experten in den entsprechenden Gebieten unter den Lesern befinden, die mit den Informationen, die ich bereithalte unzufrieden sind, korrigiert mich bitte FREUNDLICH in den Reviews.

Viel Spaß beim Lesen~
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1885. Der Nebel stand so tief an diesem Morgen über der Londoner Innenstadt, das kein einziger, sich noch so bemühender Sonnenstrahl es vermochte diese düstere Decke zu durchbrechen. Selbst das fahle Licht der Laternen hinterließ nur einen schwachen Schein auf den gepflasterten Wegen. Dennoch schienen die Straßen lebhafter wie nie zuvor. Von Weitem hörte man das Klappern von Hufen und das Rattern der Räder, die sie zogen, dazwischen die Rufe von Angehörigen verschiedenster Stände, die sich lauthals über die Straßen hinweg unterhielten. Es war schwer zu differenzieren was davon lediglich als belangloses Gerede nicht mehr hergab als Banalitäten oder was bisweilen auch als der verzweifelte Versuch nach Aufmerksamkeit galt. Herauszufiltern was sich tatsächlich um geistreichen Genialismus handelte, Ideen, Utopien die die Gesellschaft weiterzubringen vermochte galt einer Meisterleistung. Eine, wie der berüchtigten Suche nach der obligatorischen Nadel im Heuhaufen. Dabei war es doch gerade dies, was diese Ära so erfolgreich machte. Dass ständige Aufkommen neuer Ideen, Vorstellungen, Modelle, gar menschliche Impulse, die das Leben um so vielen bereichern, verbessern und erleichtern konnten. Gleichwohl galt es diese eine, so weltveränderte Erkenntnis in einem Haufen voller Erkenntnisse zu finden und zu verwirklichen. Etwas, dass die Gesellschaft in sich und ihrem Leben vereinnahmen wollten, sie dazu brachte alles was ihnen angeblich so vertraut war zu überdenken, beileibe anzuzweifeln und schlussendlich zu verstehen zu welchen Wundern der Mensch doch im Stande war. Doch nicht ein jeder war überzeugt von dem Intellekt, zweifelte nicht an sich, sondern dem Größenwahn. Einem Produkt der Angst, ein Zustand vor, in dessen zu verfallen, sich jeder fürchtete. Herauszustechen aus dieser Masse, einen revolutionären Durchbruch zu erlangen glich einen deprimierenden, nie endenden Todeskampf mit Hoffnung kleiner als ein aus dem Heu schwirrendem Staubkorn.

„Sir Prentiss?“, der verwunderte Ausruf des Mannes kam schneller über seine Lippen, als er zu atmen vermochte, sodass ihm sogleich ein Husten entglitt kurz nachdem er die Worte gesprochen hatte. „Welch äußerst ungewöhnliche Zeit Sie hier auf den Straßen anzutreffen. Zudem noch bei einem Wetter wie diesem. Was bringt mich zu dieser Ehre?“, er stopfte sich das ein beflecktes Taschentuch zurück in die Brusttasche seines Hemdes und schien seine Worte wieder besser fassen zu können. „Nichts von höherer Wichtigkeit, mein lieber Albeit“, eine Art Zischen zierte den Ton seiner Stimme, was seine Art zu Sprechen faszinierend eigenartig machte. „Ich bin nur hier um zu reden“, ergänzte er und sah dem etwas dicklichem Mann über die Schulter vorbei in die eine bescheidene Stube, die stets nach Cognac und modrigen alten Büchern roch. Das freundliche Lächeln auf seinen Lippen, denen immer ein wenig Raffinesse mitschwang versetzte Albeit auch nach jahrelanger Freundschaft noch immer einen Schauer. „Bitte tretet ein“, der Pummelige trat zwei Schritte zurück, wandte seinen Rücken zur Tür, öffnete diese noch in derselben Bewegung soweit wie die Angeln es zuließen und zog den Bauch ein.
„Bitte entschuldigt die Unordnung. Ich hatte nicht mit Besuch gerechnet und schon gar nicht mit Ihnen“, die Tür fiel zurück ins Schloss und es schien fast so als hätte sich ein Teil des Nebels in das Haus verirrt. „Was nicht bedeutet, dass Ich eure Anwesenheit nicht in vollen Zügen genieße, guter Freund“, unterhalb Albeits krausem, grauen Schnurrbart bildete sich das fürsorgliche Lächeln eines lieben alten, etwas naiven Mannes, der inzwischen einen Stapel loser wirrer Papiere und Zettel von einem kleinen Tisch fegte und eine Flasche Augier und zwei seiner besten Gläser auf den Tisch stellte. Das Zimmer zierte sonst nicht viel mehr was an eine wohnliche Umgebung erinnern könnte, vielmehr besaß es den Charme einer alten Bibliothek, eines Sammelsuriums an Antiquitäten. Daher auch der etwas eigenartige Geruch. „Sie waren außerhalb der Stadt wie mir zu Ohren kam“, der Alte füllte die Gläser und ließ sich auf einen alten Ledersessel, der bereits bessere Tage hinter sich hatte nieder. Sein Gegenüber nickte und betrachtete das schmuckvolle Glas in seiner Hand. „Es handelt sich nicht um eine allzu große Distanz wie Sie vielleicht denken –keineswegs der Rede wert- und bei Weitem nicht so aufreibend wie ich es mir gewünscht hätte“, er schmunzelte und setzte das Glas an seine Lippen, die Augen auf dessen Inhalt gerichtet. „Es war eher…ermüdend, wenn sie so möchten“, das Gefäß in seinen Händen sank zurück auf den Tisch ohne nur einen Tropfen verloren zu haben.
„Es ist nicht mehr dasselbe, Albeit. Es ist ermüdend. Immer dieselben Leute mit ihren selben, monotonen Geschichten, die sich wiederholenden Konkurrenzkämpfe um Nichtigkeiten und Belanglosigkeiten. Sie haben alle ihre Klasse verloren, keinen Stil“
„Wie geht es Frau und Kind, Sir Pentriss?“, wandte Albeit mit gespielter Neugier ein um seinen Gast davor zu bewahren in eine unendliche Spirale aus Melancholie zu geraten. Der Mann hob den Kopf, korrigierte seine Haltung als hätte der Alte soeben einen Schalter in ihm umgelegt und räusperte sich. „Worüber sollte ich mich beschweren? Margareth ist mir eine treue liebevolle Frau und er entwickelt sich prächtig. Der Junge hat Verstand. Talent. Und das in seinem jungen Alter“, er setzte zum zweiten Mal das Glas an seine Lippen. „Das hat er von seinem Vater“, zweifellos war dies nicht was dem Mann fehlte, doch an diesem Morgen schien es ihm an etwas Anderem zu fehlen. Einem gewissen Ansporn, einer Idee, seinem Ehrgeiz. Und das besorgte den alten, pummeligen Mann. „Aber das war es nicht worüber ihr eigentlich mit mir sprechen wolltet“, durchbrach er den Anflug an bedrückender Stille, sich der Situation bewusst, sodass er es nicht wagte gesagtes wie eine Frage klingen zu lassen. Der Alte wischte sich mit dem Handrücken ein paar Tropfen Cognac vom Schnurrbart und rutschte auf dem Sessel etwas hin und her. „Nein, ganz und gar nicht“, der schlanke, drahtige Mann, dessen Mimik manchmal schwerer zu deuten war als man bei einem so exzentrischen Mann annehmen mochte, beugte sich etwas über den Tisch und sah dem Alten in die Augen. „Im Land, in Europa, überall erfreut man sich neuen Erfindungen und Entdeckungen. Die Welt sprudelt förmlich von Erfindungsreichtum und die Genies dahinter ergötzen sich an unermesslichem Reichtum und Ansehen, Albeit!“, seiner Stimme schien wie entbrannt, sie war voll Ekstase, bebte fast. Albeit hingegen konnte nur nicken, wusste dem jedoch nicht zu antworten und begann zu schwitzen. Eine Eigenart, die den Mann ereilte war er sich einer Situation nicht im Klaren oder hatte einfach ein schlechtes Gefühl bei einer Sache. Doch schließlich fand und faste er doch noch ein paar Worte nachdem er seinem gegenüber lange genug in Augen gestarrt hatte.
„Aber Sie wollen doch nicht etwa- „
„Gewiss, Albeit! Was sonst? Was hat mein Leben den schon für einen Sinn? Was bin ich den schon? Jeden Tag unter denselben Heuchlern, Narren! Ich brauche etwas, Albeit, etwas, dass meinem Leben wieder einen Sinn gibt. Etwas was mich erfüllt“, er ließ von seinem Gastgeber ab, erhob sich und ließ seine langen dünnen Finger durch das ebenholzfarbenen Haar gleiten.
„Ihre Familie, Sir- „
„Schwachsinn, Albeit! Hört ihr mir denn nicht zu?! Mit meiner Genialität und meinem Sinn fürs Detail bin ich für weitaus Höheres bestimmt als…als- „, die Worte des Mannes begannen sich in dessen eigenen Gedanken zu verlieren. Sie entglitten ihm förmlich ohne das einem der beiden Anwesenden auch nur der Bruchteil einer Sekunde verblieb um über ihre Bedeutung nachzudenken, zu spekulieren. Indes quälte Albeit seine schweren Knochen nun aus dem Sessel, versuchte mit sanfter Stimme seinen Freund zu bekehren:  
„Sir…Alter Freund, ohne euch ins Wort fallen zu wollen, aber handelt ihr nicht etwas überstürzt? Meinen Erfahrungen nach- „
„Was sind schon vergangene Erfahrungen, mein Lieber? Taten! Es geht mir um Taten. Die Zukunft. Nicht um Erfahrungen!“
Ein Seufzen entglitt dem bisweilen so aufmerksamen alten Mann, sich seiner verbalen Niederlage bewusst. Er tupfte sich den Schweiß mit dem befleckten Taschentuch von der Stirn und sank zurück in den Sessel.
„Ihr enttäuscht mich nie mich zu überraschen. Ich muss sogar zugeben für einen Moment habt ihr mich wirklich schockiert. Und doch verstehe ich nicht ganz was für eine Rolle ich in eurem Hirngespinst zu übernehmen vermag, bin ich doch mittlerweile zu einem alten Greis geworden, der in seinen Sammlungen erstickt“
„Nur keine falsche Bescheidenheit, mein Lieber. Ihr seid das Getriebe in meinem Apparat aus Gedanken. Mein Antrieb. Der zentrale Kern. Was ich von euch brauche sind Bücher. Solche, die nicht einem jeden zugänglich sind. Bücher über Maschinen. Bücher über alles was mir von Nutzen sein kann. Glaubt ihr, ihr hättet etwas für mich?“, das Zischen seines Untertons durchdrang das Gehör des Sammlers wie eine Nadel, hinterließ aber keinen Schaden. Erneut kam er ins Schwitzen, doch konnte er seinem langjährigen Freund keine Bitte unterschlagen. Nachdenklich tupfte er sich die Stirn, auf der lange kein Schweiß mehr stand. „Ich denke mir fallen schon die ein oder anderen Bücher ein“, gab er murmelnd zu. In seinen Augen ließ sich noch immer die Unsicherheit und das Unbehagen über das geplante Unterfangen ablesen, aber blieb ihm keine Wahl.
„Kommt morgen wieder, dann habe ich alles zu eurer Zufriedenheit zusammengestellt. Aber bitte überlegt es euch. Und überlegt es euch gut. Das Geschäft, das ihr für euch gewählt habt ist kein Leichtes und es hat in seiner andauernden Blütezeit schon viele gute Menschen geopfert und verschlungen“ Mit dem Fortschritt kam der Vorteil. Und diesem wiederum folgte unweigerlich der Nachteil. Das hatte sich Albeit schon in frühen Jahren zu Gemüte führen und sich bewusst machen müssen. Er dachte und handelte stets rational, tat sich ein Leichtes diese wesentlichen Dinge zu unterscheiden, mit Bedacht zu genießen und zu beachten. Doch nicht ein jeder konnte von derlei Erfahrung profitieren. Schon gar nicht jene, deren Ideologie Erfahrungen nur verlachte. Seine Worte verschwanden im Dunst und Staub, von ihrem einzigen Adressaten unvernommen. Unterdessen hatte der entschlossene junge Mann nach seinem Zylinder und Spazierstock gegriffen und sich auf den Weg zur Eingangstür gemacht.
„Ich wusste ihr würdet mich nicht enttäuschen! Auf bald, Albeit!“, die Tür fiel ins Schloss und die anfängliche erdrückende Stille des Morgens überkam den Alten und schien ihn wie eisige Hände an seinen Sessel zu fesseln.

Mit in Falten gezogene Stirn und skeptischen Blick war seine Aufmerksamkeit auf das noch immer gefüllte Glas seines Gastes gerichtet als wäre es schon immer ein Teil des Interieurs.
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