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Estherfein

von Lyzian
OneshotAbenteuer, Fantasy / P12
Esterfein OC (Own Character)
16.01.2020
16.01.2020
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825
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Ester rannte. Ihre nackten Füße trommelten über das nasse Kopfsteinpflaster. Hinter sich hörte sie das Gejohle der Massen. Ihre klappernden Schritte. Die Erwachsenen hatten längere Beine als das achtjährige Mädchen. Nur dem Überraschungsmoment hatte sie es zu verdanken, dass sie nicht schon längst gefasst worden war.
Esters Atem ging stoßweise. Lange würde sie dies Tempo nicht mehr durchhalten. Sie musste hier weg. Nicht langsamer werden.   Es musste doch irgendeinen Ausweg geben.
Da! Links von ihr ein schmaler Durchgang zwischen zwei Häusern. Sie warf sich nach links. Schlitterte über das nasse Kopfsteinpflaster, stützte sich an den Hauswänden ab um nicht zu Stolpern und rannte weiter bis sie auf einmal Erde unter ihren Füßen spürte. Sie hob den Blick und  sah Bäume,  Gebüsch, Gras….  
Ester schlug sich in das dichteste Dickicht und versteckte sich schließlich unter einem Strauch mit riesigen Blättern. Sie lauschte angestrengt aber es war nichts zuhören. Wo waren ihre Verfolger?  Hexe hatten sie gerufen und Hexenbalg. Wie war nur alles so schief gelaufen? Früher als Esters Vati noch gesund war waren alle nett gewesen. Aber dann ist er an so einer doofen komischen Krankheit gestorben. Eine Hexenkrankheit hatten die Leute gesagt. Esters Onkel Theo hatte gesagt, dass das die Schuld von Estes Mutti sei, dass sie eine Hexe wäre. Dann waren komische Leute gekommen und haben sie mitgenommen. Ester wollten sie auch mitnehmen, aber Ester war entkommen. Ist um ihr Leben gerannt und schließlich hier gelandet. Aber wo war hier?
Erst jetzt nahm sie ihre Umgebung richtig wahr.  Keine der Pflanzen in ihrer näheren Umgebung kam ihr bekannt vor. War das der Exotische Garten eines reichen Adligen? Es war wärmer geworden und der Regen hatte aufgehört. Oder hatte es hier gar nicht geregnet?  Der Boden war trocken und auch an den Blättern hingegen keine Tropfen. Dabei hatte es doch die letzten Tage praktisch durchgängig geregnet.  Wie konnte es da hier so trocken sein und warum hörte sie immer noch nichts von ihren Verfolgern? Esters Atem hatte sich inzwischen beruhigt und ihr Herz klopfte nicht mehr ganz so schnell. Sie beschloss sich langsam weiter von dem Eingang dieses Gartens zu entfernen und kroch vorsichtig durch das Gebüsch, immer darauf bedacht in Deckung zu bleiben und möglichst keine Geräusche zu machen. Trotz ihrer Vorsicht brach sie mehrmals einen Zweig ab. Jedesmal verharrte sie angstvoll und lauschte. Aber es war immer noch nichts zu hören. Nichts außer dem Zwitschern der Vögel, dem Rauschen der Blätter im Wind  und einem fernen Plätschern. Langsam bekam sie Zweifel an ihrer Garten -Theorie sie müßte doch zumindest irgendetwas von der Stadt hören, wie könnte dieser Ort sämtliche Geräusche vollständig abschirmen? Bevor sie sich dazu Gedanken machen konnte erreichte sie das Ende des Dickichts und sah eine weite Landschaft. Grüne Wiesen und Felder durchzogen von Hecken und einzelnen Sträuchern die teilweise weiße Blüten trugen. Hier war Frühling oder Frühsommer und der Himmel war strahlend blau, keine Wolke weit und breit zusehen. Dabei war sie doch gerade noch an einem regnerischen Herbsttag mitten in ihrer Heimatstadt gewesen. Sie blickte zurück in die Richtung aus der sie gekommen war. Dort war ein dichter Wald, es waren keine Anzeichen einer Stadt weit und breit zu sehen.
Wie war das möglich?
Wo auch immer sie war, ihre Verfolger schienen ihr hierher nicht folgen zu können. ,,Etwas besseres als den Tod finde ich überall" dachte sie in Erinnerung an ihr Lieblingsmärchen.
Sie lief über die Wiese, die direkt an das Gestrüpp grenzte, aus dem sie gekrochen war. Das Gras fühlte sich weich unter ihren Füßen an. Es war ungewohnt barfuß zu laufen aber ihre Holzschuhe hatte sie bei ihrer überstürzten Flucht zurückgelassen.
In einiger Entfernung entdeckte sie ein Dorf auf das sie zu hielt. Bald erreichte sie einen schmalen Pfad der zum Dorf zu führen schien.
Auf diesem Pfad sah sie auch schon den ersten Menschen, eine Frau mit weißen krausen Haar und einem bodenlangen braunen Kleid.  Sie schnitt Äste von einem Strauch und schien sie nicht zu bemerken.  Ester näherte sind vorsichtig.  Plötzlich drehte sich die Frau zu ihr um. Ester wich erschrocken zurück, denn der Kopf der Frau sah so aus wie der eines Schafes. Wie ein richtiges Schaf, aber irgendwie intelligenter. Freundliche braune Augen musterten sie. Besänftigend hob die Frau ihre Hände und redete in einer fremden Sprache beruhigend auf sie ein. Dann stellte sie eine Frage. Ester wusste nicht woher sie das wusste, aber von dieser Person ging keine Gefahr aus. Vielleicht konnte sie ihr helfen?
,, Ich verstehe dich nicht" antworte Ester. Der Gesichtsausdruck der Frau mit dem Schafskopf veränderte sich aber Ester konnte nicht sagen welche Gefühle sich in deren Gesicht abspielten. Die Schaffrau klopfte sich mit der Hand auf die Brust und sagte Thea-de-lin-de. Ob das ihr Name war? Vermutlich, Ester ahmte die Geste nach und sagte E-ster Fein.  
Der Wind frischte auf und Ester meinte ihn Esterfein wispern zu hören.
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