Caducity – Vergänglichkeit

von LeaW
OneshotDrama, Romanze / P12 Slash
Jesper Llewellyn Fahey Wylan Van Eck
15.01.2020
15.01.2020
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Wylan humpelte die Straße entlang und hielt auf den Daumen der Tauschkirche zu. Er würde versuchen sich von hinten zu nähern, um den Überraschungseffekt seines Auftauchens zu erhalten. Wobei, wenn man bedachte, dass er ja eigentlich entführt wurde und nun mitten in einer Auktion, blutig und erschöpft auftauchen wird, sollte das „Überraschung“ genug sein. Aber Kaz hatte darauf bestanden. Naja man musste ja auch nicht alles verstehen – und Kaz und seine Pläne schon gar nicht.
Endlich erreichte er die eichenhölzerne Tür der Tauschkirche. Er war nicht davon überrascht keine Wachen vorzufinden, schließlich gehörte es zum Plan, dass Jesper ihm den Weg frei machte und da niemand zu sehen war schien zumindest der Teil des Plans erfolgreich gewesen sein. Vorsichtig drückte er gegen das Holz und spähte hinein.

„Jes“, ein Hauch einer Stimme hallte leise von den Wänden der Kirche wider, „bist du hier irgendwo…?“. Keine Antwort. Vorsichtig machte er seinen Weg weiter durch den Daumen Ghezens. „Bestimmt hatte Kaz nur eine kleine Planänderung vorgesehen und Jesper ist unterwegs um seine Aufgabe auszuführen! Stell dich nicht so an Wylan. Du hast dich gerade für Kaz‘ Plan zusammenschlagen lassen und jetzt hast du Angst, weil wegen einer kleinen Planänderung dein Freund nicht da ist? Macht das Sinn? Nein. Also beweg dich jetzt endlich, damit der Zeitplan nicht durcheinanderkommt.“, machte er sich in Gedanken selbst Mut. Doch schon ein paar Schritte weiter sah er Jesper zusammengesunken und blutverschmiert an der Wand der Kirche lehnen.

„Jesper? Jesper!“, jetzt achtete Wylan schon gar nicht mehr auf seine Lautstärke, rannte auf Jesper zu und ließ sich neben ihm auf die Knie fallen. „Hey… Krämerlein…“, begrüßte Jesper ihn mit leiser und rauer Stimme, die sogar Kaz‘ Konkurrenz machte, „ich habe mir das hier irgendwie anders… vorgestellt. Pass auf dich auf… okay?“. „Hey, hey Jes. Nein. Ich…ich rufe einfach Nina… und… und…“, flüsterte Wylan atemlos und wollte gerade wieder auf die Füße springen, als er von Jesper mit ungeahnter Kraft wieder zurück auf den Boden gezogen wurde. „Das brauchst du nicht mehr“, lächelte Jesper, schüttelte leicht den Kopf und blickte genau in Wylans hellblaue Augen, dabei zeigten Jespers Augen keine Trauer, eher… Dankbarkeit und Liebe. In dem Moment verstand Wylan, dass Jesper wusste, dass er nicht mehr zu retten war, dass es keinen Ausweg gab.

„Wylan… weißt du bei unserem ersten richtigen Kuss, als ich gesagt habe, dass ich wirklich hoffe, dass wir nicht sterben, da habe ich eigentlich gemeint, dass du nicht… dass du leben sollst. Du darfst einfach nicht… und wenn ich… also was ich eigentlich sagen will, egal was ist, was sein wird… lebe weiter, okay?“
„Jes… Jes… ich…“
„Shh, du bist stark. Du schaffst das!“
Wylans Sicht verschwamm und Tränen begannen seinen Wangen hinab zu laufen und trotzdem versuchte er sich an einem Lächeln. Einem kleinen nur. Doch es strahlte seine ganze Liebe zu Jesper aus.
„A-aber nicht so wie du… nicht ohne dich!“
Jesper lächelte zurück, müder und doch genauso voller Liebe und Wärme und voller Sicherheit.
„Doch Krämerlein! Du hast dich mit deinem Vater angelegt, deinen eigenen Weg gesucht und gewählt und bist aus… deinem goldenen Käfig ausg…ebrochen. Du warst schon immer so… mutig und stark und du wirst es auch immer sein. Aber du hast Recht…“
Jetzt grinste Jesper sogar kurz sein typisches schelmisches Grinsen.
„…niemand wird je so mutig, tapfer und fantastisch sein, wie der unerschütterliche Jesper Fahey“
Wylan brachte jetzt doch ein richtiges Lächeln zustande und schaute Jesper kopfschüttelnd und mit Tränen in den Augen an.
„Du bist wirklich unverbesserlich!“
„Weiß ich doch Krämerlein!“
Doch der fast schon friedvolle Moment, in dem Beide fest vergessen hatten was ihnen bevorsteht wurde davon unterbrochen, dass Jesper sich hustend und vor Schmerzen zusammenkrümmte.
„Hey… es… wird Zeit…“, hauchte Jesper mit leiser Stimme.

„Ich werde nie jemanden finden wie dich und… ich werde dich nie vergessen… und die Anderen auch nicht…“
Dann beugte sich Wylan zu Jesper vor und küsste ihn. ***Jespers Geist wurde leer. Er dachte nicht mehr an den Ort an dem er sich befand, an Kaz, Matthias, Inej, Nina und auch nicht an seinen Vater. Er hatte sich zuvor schon pausenlos in Gedanken bei ihnen entschuldigt – es tat ihm wirklich leid, dass er sterben würde und sie alle verlassen würde ohne sich wirklich zu verabschieden. Ja, sogar, dass er sich nicht von Kaz und Matthias verabschieden hatte können. Doch für all diese Gedanken war kein Platz mehr, nicht einmal für die Schmerzen, die sich zuvor durch seinen Körper hindurch gefressen hatten, denn da war nur noch die Wirklichkeit: Das Gefühl von Wylans Mund, der Druck seiner Lippen, dann die zarten Knochen seines Nackens, das seidige Gefühl seiner Locken, als Jesper seinen Hinterkopf mit seiner Hand umschloss und ihn näher zu sich heranzog. Es war wie der erste Kuss und doch vollkommen anders – liebevoller, emotionaler, trauriger, stürmischer und doch gleichzeitig unendlich sanft. Es war kein endlicher Kuss, die Gefühle die mit ihm verbunden waren, waren unendlich. Es war kein Gewehrschuss und doch weckte er Jesper auf. *Er wollte nicht sterben. Warum begriff er das erst so spät?* Er war Präriefeuer. Die Gefühle, die dieser Kuss in ihm auslöste breiteten sich unheimlich schnell aus, genauso wie die Gedanken, die er auslöste. *Plötzlich war sein Lebenswille so viel stärker als zuvor. Warum hatte er sein Ableben so einfach hingenommen? Vielleicht hätte Nina ihn doch noch retten können, wenn er Wylan sie doch nur holen gelassen hätte…?* Er war der Schwung vom Makkers Rad und doch auch wieder nicht. Er war so viel mächtiger, so viel stärker. Sein Verlangen danach so viel stärker. *Warum musste er nur jetzt schon gehen? Plötzlich konnte er doch nicht so einfach mit seinem Leben abschließen, wie er zuvor gedacht hatte. Jesper spürte das Hämmern seines Herzens, als wolle es, bevor es am Ende stehen bleibt, noch die Schläge eines ganzen Lebens vollbringen. Warum musste Sterben so… schwer sein?* Langsam lösten sie sich voneinander.
„Wylan…? Vielleicht hätte ich doch hoffen sollen, dass niemand von uns stirbt. Es… es tut mir leid Wylan.“

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Nach dem *** folgt ein Text, der zum größten Teil exakt aus der Feder von Leigh Bardugo stammt und in der deutschen Übersetzung im Taschenbuch auf S.431 zu finden ist.

Danke, dass ihr bis hierhin gelesen habt. Ich hoffe euch hat mein Oneshot gefallen und ich konnte diesen wunderbaren Büchern wenigstens ein bisschen gerecht werden!
Lasst gerne ein Review mit Kritik, Grüßen oder sogar Lob zurück, wenn es eure Zeit zulässt. Es ist meine erste (veröffentlichte) Fanfiction und ich glaube, dass ich noch einiges an meinem Schreibstil und der Darstellung von Charakteren verbessern kann, doch ohne Reviews und Kritik weiß ich leider nicht was. ^^‘
Danke noch einmal und liebe Grüße
Lea
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