Geschichte: Freie Arbeiten / Prosa / Erotik / Kontext

Kontext

von Unnamed
OneshotRomanze / P16 Slash
15.01.2020
15.01.2020
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Es war längst dunkel geworden. Schnee fiel lautlos vom Himmel und deckte die Wiesen und Felder um das Anwesen herum ein. Schon seit einiger Zeit sah Ethan dem stummen Tanz der weißen Flocken zu. Den Fernseher, welcher sein flimmerndes Licht durch das holzvertäfelte Zimmer schickte, beachtete er kaum noch. Anfangs hatte er noch einen Film auf dem alten schwarz-weiß Fernseher,
verfolgt, doch lange konnte er sein Interesse nicht halten und er begann, abzuschweifen.
Sein Zimmer fühlte sich so groß an, sein Bett so leer. Er hatte doch schon vor einer Stunde hier sein wollen. Kurz lösten sich seine Augen von der kalten Finsternis und fanden die kleine, verschnörkelte Uhr auf dem Nachttisch. Alles war verschnörkelt hier, alles schien irgendwie verziert zu sein. Obwohl sie schon seit zwei Jahren zusammen waren, hätte er nie gedacht, dass sein Freund einen solchen Hang zur Extravaganz hatte, so war seine Wohnung in Amerika doch eher schlicht, geradlinig und fast schon zu sauber. Doch hier war alles irgendwie anders. Es war ein altes Anwesen, so alt und groß, dass manche Räume bis heute mit Feuern geheizt wurden und nicht mit Heizungen. Er hatte es wohl von seinem Onkel geerbt und zog sich immer hier her zurück, wenn er seine Schreibblockade hatte, bisher hatte er Ethan jedoch nie mitgenommen. Erst war er aufgeregt gewesen, fast schon euphorisch, Owen würde ihn hier her mitnehmen! Dort hin, wo er seine besten Bücher geschrieben hatten, wo er all seine Inspiration hernahm, er würde helfen dürfen, fragen stellen, sich Tipps und Tricks abgucken und viel Zeit mit ihm verbringen, Zweisamkeit genießen, welche sie beide in der dicht besiedelten Stadt nicht hatten. Doch irgendwie war alles als er gedacht hatte.

Er sah Owen nur noch beim Essen, er verschwand sofort wieder in seinem Büro und kam dann spät ins Bett, wenn Ethan bereits schlief. So war es bereits nach dem Zweiten Abend gewesen. Den ersten hatten sie noch zusammen verbracht, einen Film gesehen, gekuschelt und er war an der Brust seines Partners eingeschlafen und hatte gehofft, dass es jeden Abend so sein würde, jedoch hatte er sich da gehörig getäuscht. Er wusste, dass Owen viel Ruhe brauchte, Ruhe, die nur von seiner Musik unterbrochen werden durfte. Owen war ein Künstler und Ethan war nie müde geworden, damit anzugeben. Damit, dass so viele Menschen seine Schriften in ihren Regalen stehen hatten, damit, dass angesehene Kunstgalerien seine Bilder kauften. Er war so begabt, so talentiert, er war ein Meister so vieler Künste und Ethan betete ihn an, wie niemand anderen, doch er fehlte ihm. Wenn Owen sonst verschwand, war er wenigstens Zuhause und konnte gehen wohin er wollte, reden mit wem er wollte, seine Freunde besuchen, einen Trinken gehen, oder wenigstens sein letztes Semester an der Uni beenden, aber nicht dieses Mal. Owen hatte darauf bestanden, dass er mit komme und nun ließ er ihn hier allein.

Vielleicht sollte er schlafen. Wenn er morgens von der Sonne geweckt wurde, würde Owen neben ihm liegen und er würde sich an ihn kuscheln können und für einen Moment seine warme Nähe genießen, bevor sie ohne Vorwarnung erneut entschwand. Er knipste den Fernseher aus und sah im schwarzen Bildschirm seine eigene, verschwommene Gestalt. Eilig wandte er die Augen ab und löschte das Licht, bevor er sich hinlegte. Er zog die Decke bis hoch ans Kinn und vergrub sein Gesicht in dem Daunenkissen. Er schloss die Augen und versuchte sich vorzustellen, dass Owen längst bei ihm war, wie er seine Arme um ihn schlang, ihm zu wisperte wie sehr er ihn liebte und dann neben ihm einschlief. Wie ihn seine Wärme umgeben würde, Ethan würde seinen Herzschlag hören können, wenn er sich umdrehte und ein Ohr an Owens Burst legte und dann wäre da ja noch sein Duft. Sein Duft, Ethan liebte ihn so sehr. Es war als könne er ihn jetzt gerade wahrnehmen, wie er sein Gesicht in die Laken drückte und tief einatmete. Ein Schauer ging durch seinen Körper, als er ihn so deutlich wahrnahm, nach den Feuer, welches in seinem Büro brannte, nach seinem dezenten Aftershave und seinem göttlichen Eigengeruch, welcher ihn mit den Gedanken irgendwie weit in den Wald trieb, zu Moos und Nadeln, klarem, kaltem Wasser eines kleinen Baches und dem frischen Wind, welcher diesen nicht existenten Ort immer begleitete.

Der Schauer breitete sich mehr aus und Ethan spürte, wie sein Blut begann zwischen seine Beine zu fließen. Eilig versuchte er, sich zu beruhigen. Nein, Owen hatte es verboten. Owen hatte es untersag. Er durfte nicht, nicht hier, nicht jetzt, wenn er allein war. Er konnte seine Worte noch deutlich hören, wie er seinen Kopf grob in den Nacken zog, seine Zähne in seiner Schulter versenkte und dann sein Verbot raunte. Er sollt sich nie wieder selbst berühren. All seine Lust, all seine Sehnsüchte, all seine Wünsche, würde er, Owen, persönlich erfüllen, selbst befriedigen, dann wenn er es für richtig hielt.

Ein Stöhnen verließ Ethans Lippen bei der Erinnerung. Seine Stimme war wie ein raues, dunkles Knurren gewesen, wie ein Raubtier, das zu seiner Beute flüsterte, keine Angst zu haben. Es hatte sich angefühlt, wie ein himmlisches Versprechen und er hatte, naiv wie er war, sofort unter Wimmern und Beben angenommen. Jedoch hatte er da nicht gewusst, wie hart es sein würde, dieses Versprechen einhalten, besonders in Momenten wie diesen. Er drehte sich um, versuchte dem geliebten Duft zu entkommen, doch er hatte das Gefühl, dass er wie ein Fluch auf dem Raum lag, schwer, erdrückend und berauschend zu gleich.
Er konnte dem nicht standhalten, nicht so, nicht hier, nicht jetzt. Bebend schlug er die Decke zurück und stand auf. Er blieb kurz vor der Tür stehen und atmete nochmal tief ein. Owen hatte ihm klare Anweisungen gegeben.

„Geh duschen, Liebster. Geh duschen, zieh deinen Schlafanzug an und warte im Bett auf mich. Ich bin um 11:00 Uhr bei dir, hast du verstanden.“
Das hatte er gesagt. Das waren seine Worte gewesen.
„Ich habe verstanden, Herr. Ich werde warten.“
Das hatte er als Antwort gegeben. Und er hatte gewartet und nun war es nach Mitternacht und Owen hatte seine eigene Anweisung nicht eingehalten.

Dennoch, Ethan hatte sich nie einer Anweisung wiedersetzt, es sei denn er wollte die Konsequenzen spüren. Noch für einige weitere Augenblicke starrte er die geschwungene Tür an, bevor er entschied, dass es die Strafe wert war und sie öffnete. Leise schloss er die Tür hinter sich und eilte den dunklen Flur hinunter. Seine nackten Füße machten auf dem dunkelgrünen Teppich kaum einen Laut. Schnell fröstelte es ihm etwas, die Flure waren noch immer nicht ausgebaut und nicht geheizt. Er spürte, wie die Kälte in seine Fingerspitzen und Fußzehen kroch, jedoch drang sie nicht bis in seine Brust vor, wo sein Herz noch immer bis in seine Kehle schlug, so wie immer, wenn er einen Befehl missachtete.

Endlich erreichte er die große dunkle Holztür. Es war ihm wie eine Ewigkeit vorgekommen, als er endlich die schöne Tür sah, unter welcher flackerndes Licht hervorkroch. Tief atmete er ein und aus, bevor er sich überwand und an das kalte Holz klopfte. Er bekam keine Antwort. Noch einmal berührten seine Fingerknöchel die Tür, doch als er wiederholt  keine Antwort bekam, öffnete er sie langsam. Weiches Licht aus dem Kamin flutete den Flur, gefolgt von einem Schwall warmer Luft und einem göttlichen Duft, welcher Ethans Herz erneut höher schlagen ließ.

An einem Schreibtisch aus nahezu schwarzem Holz saß er. Er, Owen Jacob Weavers, der schönste und einzige Mann in Ethans Welt. Langsam hob er den Kopf, als er das Quietschen der Tür hörte, das Licht einiger Kerzen spiegelte sich in seinen stahlgrauen Tiefen, welche Ethan lange musterten. Die deckenhohen, dunklen Bücherregale nahm Ethan kaum wahr, kaum das Regal mit den Jagdtrophäen des verstorbenen Onkels, auch ließ er die großen Ohrensessel außer Acht, all seine Aufmerksamkeit galt dem Bild von einem Mann vor ihm. Langsam, fast schon bedächtig, löste dieser seine Finger von der Tastatur der Schreibmaschine, faltete sie sanft auf der nadelgrünen Schreibunterlage und legte den Kopf schief, während er seine Schultern straffte. Ein Prickeln ging durch Ethans schlanken Körper, er kannte diesen wertenden Blick, diese abwartende Haltung, als würde er noch überlegen, ob er ihn zum Schmusen einladen oder seine Krallen in seiner Haut versenken sollte. Ethan schluckte schwer und versuchte, seine Stimme wieder zu finden, bevor er eintrat, doch er wusste nicht mal so recht, was er sagen sollte, ob er überhaupt eintreten durfte, ob er damit den Bogen überspannen würde.

„Liebster, tritt ein.“, lud Owen ihn ein. Trotz der Erlaubnis waren seine Augen noch immer von einer eigenartigen Kälte ergriffen, welche die Worte mehr wie eine Drohung klingen ließen, als alles andere. Fast hatte Ethan Angst, doch sein Kosename gab ihm eine eigenartige Sicherheit und die knisternde Anspannung ließ ihn fast erwartungsvoll werden. Er trat langsam ein und schloss die Tür hinter sich. Er hatte kaum die Hälfte des Weges zum Schreibtisch hinter sich gebracht, als Owen eine Hand hob und ihm bedeutete, stehen zu bleiben, bevor er sich eine rote Strähne aus dem Gesicht strich und seine Hand wieder an ihre alte Stelle zurückbrachte. Ethan war wie versprochen stehen geblieben, genau auf der Höhe des Feuers, doch seine Hitze vermochte es nicht, das aufkommende Zittern zu unterdrücken.

„Sag, warum bist du hier. Albtraum?“
„Nein, Herr.“, murmelte Ethan, jetzt schon nicht mehr in der Lage, ihn anzusehen.
„Nein? Ist die Heizung ausgefallen?“, fragte sein Herr und Meister unerschüttert weiter.
„Nein, Herr.“
„Hunger?“
„Gewissermaßen, Herr.“

Er hörte ein ungehaltenes Schnauben vom Schreibtisch. Erst als er sich sicher war, dass Owen nicht weiter Fragen würde, wagte er es wieder aufzusehen. Owen hatte sich zurückgelehnt und die Arme vor seiner Brust verschränkt. Er schüttelte abschätzig den Kopf und musterte Ethan erneut. Ihre Augen trafen sich kurz, doch Ethans blauer Blick hielt dem seines Geliebten keine Sekunde stand und so betrachtete lieber den ersehnten Körper und seine nahe Umgebung. So wie er da saß, fühlte sich Ethan in der Zeit zurück versetz, in eine Zeit ohne Computer, ohne Telefon, ohne Heizung; eine Zeit der Schreibmaschinen, Kerzen und Kaminfeuer. Langsam öffnete Owen eine der Schubladen und zog ein langes, hölzernes Lineal hervor. Die Stuhlbeine gaben ein gedämpftes, kratzendes Geräusch von sich, als Owen langsam aufstand und den Schreibtisch hinter sich ließ. Ethans Fluchtinstinkt setzte ein und seine Muskeln zucken, als glaubten sie, Owen jetzt noch entkommen zu können. Mit jedem Schritt sank Ethan mehr in sich zusammen und sein Blick blieb an dem Lineal hängen, welches Owen mit sich führte.

Er blieb kurz am Kamin stehen und nahm eine rote Kerze vom Sims, welche er an den Flammen entzündete und auf dem Sims wieder abstellte. Langsam wandte er sich nun wieder zu Ethan um und bedeutete ihm, sich zu ihm umzudrehen. Gehorsam drehte er sich zu ihm um und wartete auf weitere Anweisungen.

„Ist es so schlimm, dass du dich nicht an einfache Anweisungen halten kannst?“, knurrte sein Herr, dessen Silhouette vom orangenen Licht des Feuers eingerammt wurde. Er lockerte mit einer Hand seine Krawatte und öffnete seine Anzugsweste, welche er in den großen Ohrensessel neben sich fallen ließ.

„Herr, ihr sagtet ihr seid um 11:00 Uhr da. Alles dort riecht so sehr nach euch. Ich hatte meinen Körper nicht mehr unter Kontrolle, ich wollte so dringend zu euch, bevor ich ein anderes Verbot breche.“, wisperte er hastig, in der Hoffnung, ihn zu besänftigen und etwas milder zu stimmen. Ein fast schon sanftes Seufzen verließ Owens Lippen und Owens Blick huschte kurz zur Uhr, bevor er die Augen schloss. Langsam trat er auf Ethan zu und streichelte durch seine blonden Locken.

„Ich sehe… ich bin wohl nicht ganz unschuldig an deinem Regelbruch. Dennoch ist dir klar, dass ich dieses Verhalten nicht dulden kann. Nicht, dass du dir diesen Ungehorsam angewöhnst. Das verstehst du doch, oder Liebster?“
Heftig nickte Ethan, er verstand vollkommen. So ein Verhalten gehörte nun einmal bestraft. So war es schon immer in ihrer Beziehung gewesen. Sanft schmiegte er sich an Owens große Hand, welche er nun an seine Wange hielt.

„Zieh dich aus, mein Lieber und knie dich hin. Streck mir deine Hände entgegen, die Handflächen zeigen nach oben, verstanden?“
Das Blut rauschte in Ethans Ohren und er zog sich sein T-Shirt über den Kopf und ließ seine Shorts zu Boden fallen. Er trat aus der Shorts heraus und schob sie mit einem Fuß zurück. Als er vorsichtig auf die Knie sank, thronte sein Herr regelrecht über ihm. Allein dieses unterlegene Gefühl ließ ihn am ganzen Leib beben, er spürte seinen Atem flacher gehen, während er diese gefallene Gottheit ansah und sich in diese gewünschte, betende Haltung begab. Er spürte, wie seine Handgelenke mit dem seidigen Stoff der teuren Krawatte zusammengebunden wurden.

„Deine Finger sind so kalt, Liebster. Frierst du?“, raunte Owen und strich sanft über die kalten Fingerspitzen seines knienden Partners und Ethan konnte die Genugtuung in seinen Augen sehen, als sich eine Gänsehaut auf seinen Armen ausbreitete.
„Nun nicht mehr, Herr.“, hauchte er leise, während Owen sich runterbeugte und sanft seine Fingerspitzen küsste.
„So oder so, ich denke, wir müssen sie aufwärmen. Schließ die Augen und öffne sie erst wieder, wenn ich den Befehl gebe, verstanden?“

Wieder nickte er und schloss die Augen. Weniger als eine Sekunde später, schlug das Holz des Lineals hart gegen seine Handfläche. Ein kurzer, stechender Schmerz jagte durch seine Handflächen und hinterließ ein kurzes, angenehmes Kribbeln, was von einem neuen Schlag wieder in Schmerz verwandelt wurde. Bei jedem Schlag zuckte er zusammen, nach dem dritten Schlag spürte er seine geschlossenen Augen brennen und wie ein leises Wimmern seine Lippen verließ. Eine kurze Pause kehrte ein und sein Wimmern wandelte sich um in ein genießendes Seufzen, während sein Kopf in den Nacken fiel. Wie gut es tat, wie sehr er diesen Schmerz verdiente, wie sehr er ihn wollte. Nur eine Person auf dieser Welt durfte das mit ihm anstellen. Das Kribbeln aus seinen Handflächen verteilte sich in seinem ganzen Körper, der unter einem weiteren Schlag zusammenzuckte. Blut rauschte in seine Lenden, als er kurz auf keuchte. Nach einigen weiteren Schlägen kehrte wieder eine Pause ein und zwei warme, große Hände, begannen die seinen zu massieren.

„Deine Handflächen sind jetzt warm, aber noch nicht deine Finger, dass kann so nicht bleiben.“, wisperte eine dunkle Stimme in sein Ohr, bevor warme Lippen einen Kuss auf seine Wange hauchten.
„Danke, Herr… Danke, dass Ihr euch um mich kümmert.“, keuchte Ethan leise und lehnte sich sehnsüchtig in die Berührung.
Er bekam eine kurze Streicheleinheit und ein Lachen zur Antwort. Er konnte hören, wie Owen zurück zum Kamin ging.

„Bereit?“, fragte er leise, als seine Schritte näherkamen. Zitternd reckte Ethan ihm seine Hände entgegen, erfüllt von Neugier darüber, was er als Nächstes tun würde. Dass sein eigenes Glied bereits leicht schmerzte, nahm er kaum war. Er spürte wieder Owens Hand in seinen Haaren, bevor etwas glühend Heißes, Flüssiges auf seine Finger tropfte. Ein erschrockener Aufschrei entfuhr ihm und er versuchte, seine Hände weg zu ziehen, jedoch hinderte ihn ein warnendes Ziehen an seinen Haaren daran und er musste seine Hände wieder heben. Er spürte die Flüssigkeit erkalten, sie fühlte sich wie Wachs an. Die Erinnerung an die Kerze auf dem Kaminsims hatte nur kurz Zeit, Form anzunehmen, bevor ein neuer Tropfen auf seiner kalten Haut landete und ihn sich erschrocken winseln und winden ließ.

„Nun? Hast du deine Lektion gelernt?“, fragte Owen leise und streichelte wieder durch seine blonden Locken, bevor er noch ein weiteres Mal einen Tropfen auf die zitternden, geröteten Hände fallen ließ.
„Ja, Herr.“, keuchte er atemlos.
„Ich habe dich nicht verstanden. Lauter, Liebster.“
Ein weiterer Tropfen benetzte seine Haut und ließ ihn laut stöhnen.
„Ja, Herr!“

„Da ist er, mein braver Junge. Du darfst deine Augen öffnen.“, hauchte er und löste die Krawatte von den Handgelenken seines Partners. Langsam öffnete Ethan die Augen und beobachtete wie sein Partner liebevoll seine Finger vom Wachs befreite und Küsse auf der nun empfindlichen Haut verteilte, auf der sich rote Flecken gebildet hatten, wo das Wachs seine Haut benetzt hatte.

„Herr…bitte…bitte, darf ich… Ich will…“, wimmerte er atemlos fasziniert und bezaubert von dem Anblick, welcher ihm zusammen mit dem Rest des Schmerzes Tränen in die Augen trieb. Lächelnd, sah Owen von seiner Tätigkeit auf und strich seinen schlanken Arm entlang, über seine Schulter, bis zu seinem Kinn, welches er sanft zu sich zog und ihn dann innig küsste. Sofort rutschte Ethan an ihn heran, ließ sich auf den Teppich zurückdrängen, auf welchem er bald darauf lag und sich weigerte, den Kuss zu lösen. Er hatte wieder die Augen geschlossen, aber das Geräusch von raschelndem Stoff verriet ihm, dass Owen sein Hemd auszog. Sofort krallte er sich in die breiten, sommersprossigen Schultern. Ein kehliges Knurren entwich Owen und er lösten den Kuss, um auf Ethan nieder zu sehen.

„Nicht gleich wieder frech werden.“
„Verzeiht.“, hauchte Ethan leise, jedoch nicht wirklich bereit, sich weiter zu beherrschen.
Doch plötzlich schien Owen nachdenklich zu sein, denn er streichelte schon fast andächtig die Brust seines Freundes, bevor er zärtlich Küsse auf ihr verteilte.
„Ich bin ein solcher Idiot.“, wisperte er.
„Ich verstehe nicht recht.“, Fassungslos starrte Ethan ihn an, langsam sah Owen wieder zu ihm hoch und lächelte sanft.

„Ich muss dich um Verzeihung bitten. Ich habe dich mitgenommen in der Hoffnung, du könntest mir helfen… dann hatte ich das Gefühl, ich halte deine Nähe nicht aus, es verlangt mich zu sehr nach dir, deiner Stimme, deinem Körper, deinem Duft, dem Gefühl deiner Haut… und dann saß ich hier und habe nur stundenlag auf das leere Papier gestarrt und kein Wort geschrieben und nun… liegst du hier und mein Kopf sprudelt vor Ideen. Ich weiß nicht, woher sie kommen, aber sie kamen mit dir. Mein Ethan… bitte verzeih mir.“
Für wenige Sekunden starrte Ethan ihn an. Noch nie, noch kein einziges Mal, hatte Owen ihn um Verzeihung gebeten. Klar, er hatte sich mal entschuldigt für irgendwas, aber er hatte nie, nicht auch nur einmal, um Verzeihung gebeten und bisher hatte es nie etwas gegeben, was nach so etwas verlangt hatte. In einer fließenden Bewegung richtete er sich auf und nahm das Gesicht seines Herren in die Hände und küsste seine Lippen, ganz vorsichtig.

„Ich verzeihe dir, Owen.“
Ein dankbares Lächeln legte sich auf Owens Lippen, bevor er sie wieder mit Ethans verband und ihn sanft zu Boden drückte.
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