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Ein Tag in Mahoutokoro

KurzgeschichteAllgemein / P12
OC (Own Character)
15.01.2020
30.09.2020
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30.04.2020 2.006
 
Bückeburg. «Dein Schüleraustausch sieht sehr interessant aus, aber welche Fächer hast du eigentlich dort? Religionslehre und Japanisch weiß ich, aber welche gibt es noch?», fragte mich einer meiner Leser. Tatsächlich gibt es viele Fächer, die entweder Pflicht sind und damit durchgängig bis zum Ende der Schulzeit auf dem Stundenplan stehen oder Wahlfächer, die erst ab einem bestimmten Jahr dazukommen. Der heutige Artikel soll die Fächer beleuchten und erklären, was man in ihnen genau macht und welchen Nutzen dieses Fach für die spätere berufliche Zukunft hat.

Japanisch: Das wohl wichtigste Fach der Schule ist Japanisch, in dem wir – wie der Name es schon vermuten lässt – Japanisch lernen. Hier werden die verschiedensten Texte gelesen, analysiert und anhand dessen die jeweilige Grammatik und ihre Regeln hergeleitet. Dabei kann es sich bei den Texten um politische Reden von Kaisern halten oder um einfache Sachtexte wie der richtige Gebrauch eines Zauberstabes. Interessant ist, dass wir hier auch Muggelkunde haben und ihre Lebensweise anhand von Texten oder gar Comics lernen. Ja, ihr habt richtig gelesen! Wir haben im Japanischunterricht einen Manga gelesen! Allerdings war dies nur eine absolute Ausnahme, da Mangas und Animes in Mahoutokoro verboten sind (auf dieses Verbot gehe ich am Ende des Artikels genauer ein). Interessant ist auf jeden Fall die Einbeziehung der Geschichte der Muggel, also das Zeitalter der Samurai bis hin zum den komplexen politischen Themen des Zweiten Weltkrieges.

In der Oberstufe (wenn man den so genannten Zweiten Grad erwerben möchte) wird der Unterricht schon anspruchsvoller. Einfache Grammatikübungen und Arbeitsblätter gehören hier der Vergangenheit an, stattdessen werden Texte auf Herz und Niere durchanalysiert und interpretiert. Eine große Herausforderung stellen Gedichte dar, weil sie sehr metapherlastig sind und der Inhalt bzw. die Kernbotschaft schwer zu erfassen sind. Aus diesem Grund müssen Bewerber, die an einem Schüleraustausch in der Oberstufe teilnehmen wollen, auch die Japanische Sprache auf dem Niveau B2 beherrschen.

Japanisch ist in nahezu allen Berufen wichtig, die man ergreifen möchte. Vom einfachen Zaubertrankhändler bis hin zum Auror beim Ministerium sind Kenntnisse der Sprache essenziell, weswegen dieses Fach auch nicht abgewählt werden kann.

Religionslehre: Wie wurden die Menschen erschaffen? Warum glauben japanische Zauberer, dass ihre magischen Kräfte von den Göttern kommen? Was steht in den Lehren aus Kyoto? Sind die alten Überlieferungen richtig oder haben sich im Laufe der Zeit einige Fehler eingeschlichen? Was ist das Besondere an Religionen und warum spielen sie in vielen Kulturen eine so wichtige Rolle? Wie wird die Welt enden und was kommt danach?

Diesen und vielen weiteren Fragen gehen wir in dem Fach Religionslehre nach. Dabei fangen die Erstklässler Mahoutokoros ganz klein mit der Schöpfungsgeschichte an, also wie die Welt von den Göttern geformt und mit Leben gefüllt wurde. Weiterhin beschäftigen wir uns mit den Gelehrten, welche mit mühevoller Arbeit die Heilige Schrift des Maho-Shinto verfassten und auslegten. Wir beschäftigen uns mit namenhaften Joshukus (die Oberhäupter aller Tempel, mit dem Papst der römisch-katholischen Kirche vergleichbar) und ihren Taten. Gleichzeitig werden wir über die Besonderheiten der Feiertage und ihren Sitten unterrichtet, was mich ziemlich fasziniert, obwohl ich Atheist bin!
Allerdings werden die zu lesenden Texte aus der Heiligen Schrift von Jahr zu Jahr schwerer. Galt in den ersten Jahren noch die Schöpfungsgeschichte als fundamentales Prüfungselement, geht es in der Oberstufe um die komplexe Geschichte des Landes und der Religion. Auch die Religionskritik kommt nicht zu kurz, denn die Schüler in der Oberstufe beschäftigen sich mit Theorien über Fehleranfälligkeit in Heiligen Schriften, die sich über Jahrhunderte hinweg wie ein kleiner gemeiner roter Faden durch das Werk ziehen kann.

Die Klausuren in Religionslehre sind eigentlich immer nach einem festen Muster aufgebaut: Wir bekommen einen Text vorgelegt, der zunächst zusammengefasst, danach übersetzt und schließlich interpretiert werden soll. Der Schwierigkeitsgrad des Textes hängt, wie ich bereits erwähnte, von der jeweiligen Klassenstufe ab.

Wer eines Tages in einem Tempel oder Kloster arbeiten möchte, muss sich selbstverständlich mit seiner Religion auskennen. Es ist nicht unüblich, dass einige Schüler bereits einen Nebenjob als Gebetshelfer in einem Tempel ihrer Heimat haben und so Vorwissen sammeln konnten. Auch Angestellte des Zaubereiministeriums kennen sich mit der Religion bestens aus, denn viele Entscheidungen beruhen auf Geschichten und Lehren aus den Lehren aus Kyoto. Weil in diesem Fach auch soziale Kompetenzen wie das richtige Miteinander gelehrt werden, ist dieses Fach bis zum Zweiten Grad wie Japanisch nicht abwählbar.

Geschichte: In diesem Fach werden die geschichtlichen Hintergründe der magischen Welt behandelt und erläutert. Harry Potter spielt in diesem Fach genauso eine wichtige Rolle wie Grindelwald. Auch namenhafte Ereignisse in der Muggelwelt werden hier behandelt, wie die beiden Weltkriege oder die Ären namhafter Kaiser.

Mythologie: Hier werden die unterschiedlichsten Mythen aus verschiedenen Kulturen im Unterricht behandelt. Der Stoff reicht dabei von der europäischen Mythologie bis hin zur chinesischen Mythologie, wobei der Schwerpunkt natürlich auf Japan gesetzt wurde. Auch hier werden die unterschiedlichsten Texte behandelt und analysiert, die Klausuren sind im Grunde genommen nur Wissensabfragen über den Stoff, der zuvor durchgenommen wurde.

Verteidigungslehre: Hier lernen wir wie in jeder anderen Zauberschule auch Verteidigungszauber, die für Gefahren sehr nützlich sind. Auffällig ist, dass komplexe und schwierige Zauber wie etwa der Patronus schon früh gelehrt werden. In Hogwarts und Bückeburg lernt man ihn dagegen erst mit 15, während er schon von zwölfjährigen in Mahoutokoro beherrscht wird. Klausuren können hier theoretisch als auch praktisch sein.

Für eine Ausbildung als Auror ist eine gute Note in diesem Fach von obligatorischer Bedeutung. Das ist jedoch auch in Deutschland so.

Astronomie: Auch hier unterscheidet sich der Unterricht kaum von den anderen Zauberschulen. Sternenkarten lesen und die entsprechenden Positionen der Gestirne Eintragen gehört hier genauso zum Unterricht wie das Studium der Planetenlaufbahnen. Für die Klausuren gilt selbiges wie in Verteidigungslehre.

Zaubertränke: Die unterschiedlichsten Zaubertränke und ihre Wirkung werden hier gelehrt und gebraut. Dabei steigt der Schwierigkeitsgrad im Laufe der Schuljahre erheblich an; in der Oberstufe müssen beispielsweise die 112 wichtigsten Zutaten beherrscht werden, ehe man an die Kessel darf. Zusätzlich zu dem ohnehin anspruchsvollem Fachvokabular müssen als Klausur Tränke vor dem Lehrer gebraut und erläutert werden. Einige (u.a. auch ich und Sakura) kamen hier ganz schön ins Schwitzen, aber das Fach ist dennoch machbar, wenn man den Stoff aufmerksam nachbereitet.

Für die meisten Berufe (und darunter zählen auch die mit dem höchsten Gehalt) wird ein zweiter Grad in Zaubertränke verlangt, der eine bestandene Oberstufe voraussetzt.

Alt-Japanisch: Dieses exotische Fach ist für diejenigen interessant, welche eines Tages in einem Tempel als Priester oder Gelehrter arbeiten wollen. Für das Verständnis der alten Schriften sind Kenntnisse in der Alt-Japanischen Sprache absolute Pflicht, weil es kaum Übersetzungen gibt. Ich setzte mich einmal in einer Freistunde zusammen mit Sakura in den Unterricht und muss leider gestehen, dass ich trotz meiner guten Sprachkenntnisse absolut gar nichts verstand. Hätte ich eine Klausur in diesem Fach schreiben müssen, sähe ich alt aus und meine Noten würden ins Bodenlose fallen. Selbst Muttersprachler sind mit den Herausforderungen dieses Faches überfordert und die Abschlussprüfungen sind alles andere als einfach. Sakura erzählte mir, dass sie für eine Klausur bereits mehrere Wochen opferte, um eine möglichst gute Note zu erzielen (Ende vom Lied: Sie erhielt eine knappe 1-, aber der Arbeitsaufwand war so groß, dass sie gelegentlich sogar über ihren Unterlagen einschlief!). Glücklicherweise müssen Austauschschüler dieses Fach nicht belegen, können dies aber tun. Ich rate euch jedoch davon ausdrücklich ab, wenn ihr kein Sprachtalent seid, denn nirgendwo ist das Verhältnis zwischen Lernaufwand und Ertrag so gering wie hier in diesem Fach. Ein großer Teil der Texte ist dabei staubtrocken und sehr zäh zu übersetzen, weswegen ihr euch gut überlegen solltet, dieses Fach mit in die Jahresabschlussprüfung zu nehmen.

Verwandlung: Auch hier gibt es keine nennenswerten Unterschiede zwischen Bückeburg, Hogwarts oder Mahoutokoro. Wir lernen, wie wir Objekte in die unterschiedlichsten Dinge verwandeln können. Klausuren werden praktisch durchgeführt.

Für viele Berufe ist ein zweiter Grad in Verwandlung wichtig, weswegen man das Fach nicht unbedingt abwählen sollte, auch wenn die Versuchung später groß ist, dies zu tun.

Alte Runen: Dieses Fach wird häufig mit Mythologie gewählt, weil die Themen sich häufig überschneiden. Mithilfe von Runen werden alte Zaubersprüche gelehrt, die jedoch kaum von Bedeutung sind, da sie bereits von ‹moderneren› Sprüchen verdrängt wurden. Dennoch kann das Übersetzen von alten Runenschriften Spaß machen; ich jedoch habe mich nicht für dieses Fach entschieden.

Für die berufliche Zukunft spielt dieses Fach keine wirklich große Rolle (außer man möchte dieses Fach später einmal selbst lehren oder auf dem Gebiet forschen), weswegen es nicht selten im Zweiten Grad abgewählt wird.

Chinesisch: Schon mal mit dem Gedanken gespielt, Chinesisch bzw. Mandarin zu lernen? In Mahoutokoro geht dies durchaus und kann als Wahlfach belegt werden. Da ich mich sehr für ihre Sprache und ihre Kultur interessierte, probierte ich es aus und muss sagen, dass das Fach wirklich Spaß macht und man schon früh kleine Erfolge verbuchen kann. Natürlich wird es im Laufe der Zeit immer anspruchsvoller, aber ich hätte nie gedacht, dass ich während meiner Zeit in Japan in der Lage wäre, chinesische Texte zu lesen und zu verstehen. Samara (Sakuras Cousine) machte es sich natürlich noch einfacher und wählte dieses Fach als gebürtige Halb-Chinesin, aber ihre Tipps und Ratschläge brachten mich sehr weiter. Wer also später eines Tages in einem Beruf mit Chinabezug arbeiten möchte, macht mit der Wahl überhaupt nichts falsch. Man fängt ganz klein an und erklimmt Stück für Stück den Berggipfel.

Zauberkunst: In nahezu jeder Zauberschule gehört Zauberkunst auf dem Stundenplan. Der Unterricht ist nicht anders als in anderen Zauberschulen und die Klausuren sind selbstverständlich praktisch veranlagt. So müssen beispielsweise einige Zauber vor dem Professor vorgeführt werden, um die jeweilige Prüfung zu bestehen. Die Komplexität nimmt wie in jedem anderen Fach stets zu, je höher das besuchte Schuljahr ist.

Viele Berufe benötigen den zweiten Grad in Zauberkunst, weswegen dieses Fach nicht abgewählt werden sollte. Auch im alltäglichen Leben ist Zauberkunst kaum wegzudenken, wie ihr sicherlich schon öfter bemerkt habt.

Kalligrafie: Wer schon immer einmal die Lehre der schönen Schrift lernen wollte, ist in diesem Wahlfach genau richtig. Hier werden mit Pinseln und Federn Gedichte und weitere poetische Texte fein und säuberlich zu Blatt gebracht. Auch Holz und Bambus kann beschrieben werden. Dabei setzen wir uns mit den unterschiedlichsten Techniken auseinander und präsentieren unsere Meisterwerke dem Professor.

Yu-Gi-Oh!-Club: Diese Schüler-AG möchte ich euch auf keinen Fall vorenthalten! Wer etwas Vorwissen in Sachen Mangas & Animes hat, kann sich schon denken, worum es hier geht. Für diejenigen, die in der Animeszene nicht so aktiv sind: Yu-Gi-Oh! ist ein in den 90er Jahre erschienener Manga, in dem der Protagonist Yugi mithilfe eines Kartenspiels gegen das Böse kämpft. Das Kartenspiel enthält Monster mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten und hat einen kompetitiven Charakter. Bei Muggeln ist dieses Spiel sehr beliebt und unter japanischen Zauberern ebenfalls – der größte Unterschied ist jedoch, dass magische Yu-Gi-Oh-Karten in der Lage sind, die Monster wirklich auf das Spielfeld auftauchen und gegeneinander kämpfen zu lassen. Da ich diesen Anime/Manga selbst gelesen und gesehen habe, konnte ich es kaum erwarten, dem Club beizutreten und mitzuspielen. Neben der ganzen Schule und dem vielen Lernstoff ist dieser Club eine gelungene Abwechselung und führt zu den lustigsten Duellabenden, wo man auch Freundschaften schließen und sogar Teams bilden kann. Am Ende eines jeden Schuljahres findet ein Turnier statt und der Sieger wird mit einer Medaille geehrt.

Leider gelangen wir schon wieder ans Ende des Artikels, doch ich habe euch ja versprochen zu beschreiben, warum Animes und Mangas in Mahoutokoro verboten sind. Das liegt einfach daran, dass der derzeitige Schulleiter sehr konservativ gegenüber den neuen Medien ist und den Yu-Gi-Oh!-Club nur deshalb zuließ, weil das Spiel einen herausfordernden Charakter hat. Mangas mit in die Schule zu nehmen bleibt trotzdem verboten, selbst wenn sie die harmlosesten auf dem Markt sind. Die Schule legt eben sehr großen Wert auf Bildung und ist der Meinung, dass Mangas diesen ‹Weg› stören. Nichts desto trotz sind sie bei japanischen Zauberern genauso beliebt wie bei Muggeln und werden gerne verzaubert, um sie lebensechter zu machen.

Für den nächsten Artikel werde ich die Religion des Maho-Shinto etwas näher beleuchten, denn sie ist wie die Lebensweise sehr interessant.
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