Fliegende Experimente

von Jaygiem
OneshotRomanze, Fantasy / P12
Katie Gardner Travis Stoll
14.01.2020
14.01.2020
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Es war ein ganz gewöhnlicher Tag im Camp. Die Areshütte legte neue Fallen und Stacheldraht um ihre Hütte aus, die Aphroditekids entwickelten Theorien und Pläne für alle möglichen Camper und die Hypnoshütte schnarchte vor sich hin. Die Demeterkinder waren im Gewächshaus oder auf den Feldern beschäftigt und aus der Hephaistoswerkstatt erklang eifriges Hämmern. Nur die Hekatehütte störte dieses idyllische Bild, als Lou Ellen hastig das Fenster öffnete und einen kleinen Kessel mit bedrohlich blubberndem Inhalt hinauswarf. Dieser gab im nächsten Moment ein Zischen von sich, knallte wie bei einer Explosion und löste sich dann gänzlich in Rauch auf, welcher sich schnell verflüchtigte. Keiner der anderen Camper schenkte dem große Beachtung, da bunte Lichtspektakel und laute Explosionen bei den Kindern der Hekate an der Tagesordnung waren. Nur Lou meinte einen Schrei vernommen zu haben und rannte durch die Tür nach draußen. Als sie dort ankam hatte sich der Rauch bereits komplett verzogen und sie sah... nichts. Es war niemand in der Nähe zu sehen. Sicherheitshalber gab sie ein fragendes “Hallo?” von sich. Doch als niemand antwortete beschloss sie, sich den Schrei wohl eingebildet zu haben.


Travis


Ich ging etwas planlos an den Hütten vorbei, als ich neben mir eine Bewegung wahrnahm und etwas schwarzes direkt auf mich zu flog. Reflexartig hob ich meine Arme zur Abwehr und stieß einen, zugegeben etwas unmännlichen, Schrei aus. Bevor es mich traf, explodierte das Wurfgeschoss jedoch vor meiner Nase. Noch etwas benommen sah ich Lou ellen aus der Tür stürmen und sich hektisch umsehen. Dabei beachtete sie mich gar nicht, ihr Blick glitt einfach über mich drüber. Sie fragte: “Hallo?” an niemand bestimmten und ich antwortete ihr: “Falls du dein komisches Experiment suchst. das hat sich in Luft aufgelöst.” Sie reagierte gar nicht, runzelte nur die Stirn und ging dann zurück in ihre Hütte. Warum tat sie denn so, als wäre ich gar nicht da? Ich hatte ihr doch gar nichts getan und der letzte Streich an ihre Hütte war jetzt auch schon zwei Wochen her. Als ich jedoch an mir herunterblickte wusste ich die Antwort. Mein Körper war weg. Ich hielt mir probehalber die Händer vor mein Gesicht, das Resultat war aber das gleiche. Im ersten Moment war ich geschockt. Da Lou mich weder hören, noch sehen konnte, ging ich an ein paar anderen Campern vorbei und sprach sie an. Das Ergebnis war überall das selbe. Dank diesem komischen, eindeutig nicht so geplanten Gebräu von Lou existierte ich praktisch für die Welt nicht mehr. Ein Grinsen schlich sich auf mein Gesicht als mir klar wurde, dass das die idealen Vorraussetzungen für jeden Streich waren. Voller Vorfreude machte ich mich auf zur Hermeshütte und schlüpfte mit einem meiner Brüder durch die Tür. In meinem Zimmer angekommen wollte ich nach der Schranktür greifen, indem alle möglichen Streichutensilien versteckt waren. Meine Finger glitten allerdings einfach durch den Griff durch. Ich probierte es noch ein paar mal, bekam aber nichts zu fassen. Enttäuscht ließ ich mich zu Boden gleiten. Ich war komplett körperlos. Dieser Satz sickerte langsam in mein Bewusstsein. Mir kam ein Gedanke und ich setzte mich probehalber auf mein Bett. Diesmal konnte ich meine Sachen berühren, aber als ich meine Bettdecke ein Stück anheben wollte glitt meine Hand erneut einfach durch. Offenbar konnte ich zwar auf irgendwelchen Sachen existieren, sie jedoch nicht bewegen oder sonstigen Einfluss darauf nehmen. Langsam kam ich wieder aus meinem Zimmer und lief prompt in einen meiner Brüder rein. Und das sogar wortwörtlich, da er ohne eine Regung zu zeigen einfach durch meinen Körper gegangen war. Das war wirklich seltsam. Noch so in Gedanken versunken war ich zur Tür gegangen und hatte aus Gewohnheit nach der Klinke gegriffen. Natürlich fasste meine Hand wieder ins Leere und ich stolperte durch den Schwung nach draußen. Ich blickte verdutzt auf die Tür zurück, durch die mein Körper eben ohne Probleme gegangen war. Daran sollte ich mich wirklich gewöhnen.
Da ich nicht wusste wie lange dieser Zauber anhalten würde und ich sonst nichts tun konnte, beschloss ich Katie zu besuchen. Schon der Gedanke an sie ließ mein Herz höher schlagen und zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht. Ich wusste schon länger dass ich sie vielleicht etwas mehr als normal mochte und daher war sie auch nicht zufällig mein Lieblingsstreicheopfer. Ich genoss die Aufmerksamkeit, die ich dadurch bekam und ich liebte ihre Augen, die jedes mal Funken zu sprühen schienen, wenn sie mich wieder mal durch das ganze Camp jagte. Wenn sie mich dann erwischte, verprügelte sie mich oder fesselte mich mit ihren Demeterkräften an einen Baum. Doch obwohl sie mir jedesmal irgendwelche schlimmen Dinge androhte, hatte sie noch keine davon wahr gemacht. Das führte dazu, dass irgendwo tief in mir drin die Hoffnung keimte, sie würde mich auch mehr mögen als sie zugab. Nur Connor durchschaute mich und wusste von meinen Gefühlen für sie, der Rest dachte sich wahrscheinlich nicht wirklich was dabei. Lächelnd dachte ich an den letzten Streich, den ich ihr gespielt hatte.

Über Nacht hatte ich in ihrem ganzen Zimmer überall kleine Zettel verteilt die alle verkündeten: Katie liebt Travis. Der Kleber den ich benutzt hatte war eine unserer Spezialmischungen und hielt mindestens drei Tage, bis er sich langsam lösen ließ. Katies Schrei hatte uns gestern Morgen alle zuverlässig geweckt und sie hatte mich, meinen Namen in Kombination mit allen möglichen Flüchen und Beleidigungen brüllend, bis zum Waldrand gejagt. Dort hatte sie mich dummerweise erwischt und ihre Ranken hatten mich an einen Baum gefesselt ziemlich bewegungsunfähig gemacht. Mit geröteten Wangen war sie vor mir stehen geblieben und ihre Augen hatten drohend geblitzt. Dennoch registrierte ich, dass sie selbst in ihren kurzen Schlafsachen und mit noch verwuschelten Haaren wunderschön aussah. Sie hatte mich angefaucht dass ich ja so ein Trottel sei und was mir denn einfiele, so etwas zu tun. “Ich habe dir lediglich schonmal geholfen die Liebesbriefe an mich vorzuschreiben, damit du nachher weniger Arbeit hast”, hatte ich grinsend erwidert. Für einen kurzen Moment schien sie zu perplex um etwas zu sagen, dann aber gab sie mir eine kräftige Ohrfeige und stolzierte davon. Da war ich diesmal noch ziemlich glimpflich davongekommen. Allerdings musste sie mich dann vergessen haben denn es war schon weit nach dem Abendessen als sie eilig zu mir zurückkam. Mein magen knurrte ganz schön laut und ich war echt froh sie zu sehen, da jeder meiner Fluchtversuche gescheitert war. Sie löste meine Fesseln und stotterte ein wenig, dass sie mich gar nicht so lange da hängen lassen wollte. “Connor hat mich eben gefragt ob ich wüsste wo du bist und da ist es mir wieder eingefallen und naja, hier bin ich”, hatte sie leicht rot im Gesicht erklärt. Ich grinste breit. “Ach Katieschatz, ich habe da schon weitaus schlimmeres erlebt” Sie funkelte mich an und fauchte :”Nenn mich nicht so”. Dann drehte sie sich um und ging mit wehenden Haaren zügig zurück. Ich machte noch einen Abstecher zu der Vorratskammer, -ich hatte echt Hunger- bevor ich schließlich auch in meine Hütte ging

Lächelnd kehrte ich aus meinen Erinnerungen in die Realität zurück. Da Katie nicht im Gewächshaus war, ging ich zu den Erdbeerfeldern. Dort hockte sie mit ihrer Schwester Miranda und erzählte während der Arbeit munter. Auf einem Baum in der Nähe entdeckte ich Connor, der Miranda nicht aus den Augen ließ. Das war ja wirklich interessant, ich hatte ja schon länger das Gefühl, dass da was lief. Im Gegensatz zu ihm hatte ich allerdings diesmal den Luxus, mich unbemerkt direkt neben den beiden zu platzieren. Sie tauschten irgendwelche Fakten über alle möglichen Pflanzen aus, wovon ich allerdings nur die Hälfte verstand. Ich nutze die Zeit, um Katie in Ruhe von Nahem zu betrachten. Ihre braunen Haare hatte sie zu einem hohen Zopf gebändigt. Die grünen Augen leuchteten auf als sie von ihrer Lieblingsblume, blauen Galmeiveilchen oder auch Stiefmütterchen genannt, erzählte. Mein Blick wanderte weiter über ihre vollen Lippen zu ihrem Ausschnitt, wobei sie mir dank ihrer gebückten Haltung einen ausgezeichneten Ausblick gab. Schnell wanderte ich weiter zu ihrem restlichen Körper, wobei ihre Figur vermutlich im guten Normalbereich lag, in meinen Augen allerdings wunderschön war. Um von meinen kitschigen Gedanken wegzukommen betrachtete ich den Dreck, der überall an ihren Händen und der Kleidung verteilt war. Auch im Gesicht war etwas Erde gelandet, da sie sich mit der Hand über die Wange gewischt hatte. Ich ertappte mich bei der Vorstellung, wie ich ihr den Dreck aus dem Gesicht wischte und sie dann küsste. Leider würde das vermutlich immer nur Wunschdenken bleiben.

Als das Muschelhorn zum Abendessen ertönte schreckte ich auf. War wirklich schon so viel Zeit vergangen? Katie machte sich mit Miranda auf in ihre Hütte um sich umzuziehen. Ich folgte allerdings Connor zu den Tischen, schließlich war ich ein anständiger Junge. Meistens zumindest.
Als ich auch gegen Ende logischerweise nicht beim Essen aufgetaucht war fing Connor offensichtlich an sich Sorgen zu machen. Es kam eigentlich eher selten vor, dass ich eine Mahlzeit verpasste. Meist war eine Verfolgungsjagd mit Katie der Grund, aber die saß fröhlich redend am Demetertisch und ich hatte ihr ja heute auch gar keinen Streich gespielt. Connor hatte sich über den Tisch gebeugt und fragte laut in die Runde: “Weiß einer von euch wo Travis ist?” Meine jüngere Schwester Marlene sah nur kurz von ihrem Nachtisch auf und meinte: “ der hat wahrscheinlich über einem Streich die Zeit vergessen, der taucht schon wieder auf.” Dann widmete sie sich wieder ihrem Essen und auch die anderen murmelten zustimmende Worte. Connor lehnte sich wieder zurück und meinte mehr zu sich selbst: “ja stimmt wahrscheinlich”.

Nach dem Essen ging ich mit meiner Hütte mit und legte mich in meinem Zimmer auf das Bett. Ich versuchte einzuschlafen, aber es ging nicht. Offenbar brauchte ich ohne Körper nicht nur kein Essen, da ich keinerlei Hungergefühl verspürte, sondern auch keinen Schlaf. Die Nacht verbrachte ich in Gedanken mit der Frage, wie ich diesen verdammten Zauber wieder rückgängig machen konnte. Am nächsten Morgen hatte ich immer noch keine Idee und mir blieb wohl nichts anderes übrig als zu warten, bis er von alleine seine Wirkung verlor. Dass ich vielleicht für immer so bleiben würde, daran wollte ich gar nicht denken.


Den Tag verbrachte ich damit, verschiedenen Campern, natürlich auch wieder Katie, hinterher zu schleichen und sie bei ihren Tätigkeiten zu beobachten. Das war für spätere Streichaktionen ganz praktisch da ich herausfand, wo zum Beispiel die Areshütte ihre Pläne für die Fallen hatten, die Apollohütte ihre Süßigkeiten lagerte und in welchem Regal der Hekatehütte die Phiolen mit Rauchgas standen, was für einen fluchtartigen Abgang vor eventuellen Verfolgern ziemlich nützlich sein konnte.

Gegen Abend machte Connor sich allerdings wirklich Sorgen. ich hatte mitbekommen wie er mich überall gesucht hatte. Er war durch das ganze Camp gegangen, hatte fast jeden nach mir gefragt und auch in allen unseren Geheimverstecken nachgesehen. Als ich ihn so sah wurde mir etwas flau im Magen und ich wünschte wirklich, ich könnte mich irgendwie bemerkbar machen. Da er mich nicht gefunden hatte war er schließlich zu Chiron gegangen und hatte ihm von meinem Verschwinden berichtet. Der versuchte ihn zu beruhigen, fragte beim Abendessen nochmal alle ob mich wirklich keiner gesehen habe und meinte dann: “Wenn er morgen immer noch nicht aufgetaucht ist, bilden wir Suchtrupps und suchen das ganze Gelände nach ihm ab. Irgendwo muss er ja sein, er kann sich ja schließlich nicht in Luft auflösen”. Bei diesen Worten lachte ich trocken auf, aber natürlich hörte das keiner. Connor kehrte zu unseren Geschwistern zurück und brachte sie auf den neuesten Stand. Irgendwie rührte es mich, wie besorgt sie alle um mich waren. Sogar die anderen Tische wirkten nicht so fröhlich und als ich zu Katie blickte sah ich, wie sie stumm in ihr Essen starrte. Ich wollte nicht dass sie so aussah und hoffte, betete sogar zu den Göttern, ich wäre endlich wieder ich in Fleisch und Blut. Da nichts passierte blieb mir nichts anderes übrig als hilflos zuzusehen, wie sich alle auf den Weg zurück zu ihren Hütten machten.

Da ich eh nicht schlafen konnte und für die Harpyien genauso unsichtbar war wie für den Rest, verbrachte ich die Nacht draußen auf Zeus Faust. Ich sah hoch in die Sterne und dachte über meinen Zustand nach. Was, wenn ich für immer so bleiben würde? was würden die anderen denken? Und Katie. Würde sie traurig sein und mich vermissen? Oder einfach nur froh, dass ich ihr keine Streiche mehr spielte. Stundenlang saß ich so da, während sich meine Gedanken im kreis drehten und ich zu keinem Schluss kam. Als der Morgen schließlich graute machte ich mich auf den Weg zurück ins Camp. Dort begegnete ich Connor, der auf dem Weg zu Chiron war. Der sah ihm mit hoffnungsvollem Gesicht entgegen, welches sich aber verdüsterte, als Connor auf seine unausgesprochene Frage den Kopf schüttelte. Als alle sich zum Frühstück versammelt hatten trat Chiron nach vorn. Alle sahen ihn aufmerksam an, nur Mr. D hörte gelangweilt zu. “Travis ist nun schon seit vorgestern verschwunden und seitdem nicht mehr aufgetaucht.”, fing er an. “Wie werden das Camp und die Umgebung in Gruppen nach ihm durchsuchen. Ihr bildet Teams und ich teile euch in eure Gebiete ein. Nach dem Frühstück geht es los. Viel Glück euch allen”

Nach dieser Ansage waren alle zunächst still, dann kamen nach und nach leise Unterhaltungen in Gang. Ich hörte die wildesten Spekulationen darüber, was mit mir passiert sein könnte, aber keine kam der Wahrheit auch nur ansatzweise näher.

Ich beobachtete Connor wie er aufstand und mit Miranda zusammenstieß. Diese betrachtete ihn besorgt und fragte: “Alles okay bei dir?” Der schaute sie an und seufzte. “Mein Bruder wird vermisst und ich habe keine Ahnung wo er ist, wie soll es mir da gehen?” Miranda sah ihn etwas zerknirscht an und meinte: “Ja natürlich, war eine blöde Frage. Tut mir leid.” Das brachte Connor sogar leicht zum Lächeln und er erwiderte nur: “Schon okay” Sie zögerte kurz, dann überbrückte sie den Abstand zwischen ihnen und umarmte ihn. Nicht nur Connor und ich waren davon überrascht, auch Katie, die hinter Miranda stand, sah sie verblüfft an. Mein Bruder löste sich aus seiner Starre und erwiderte die Umarmung. Miranda flüsterte ihm ins Ohr, sodass ich es gerade noch hören konnte: “Mach dir keine Sorgen, wir finden ihn schon.” Connor nickte zustimmend und löste sich von ihr “Wenn du magst, kannst du ja mit uns ein Team bilden”, redete sie auch schon weiter. Eilig drehte sie sich zu Katie um. “Wenn du einverstanden bist, natürlich.” Diese sah sie kurz lächelnd an und erwiderte: “Klar, warum nicht. Also bist du dabei?” Den letzten Teil hatte sie zu Connor gewandt gesagt, welcher wieder nur mit einem kleinen Lächeln nickte. Gemeinsam gingen sie zu Chiron und ich tappte ihnen in Ermangelung großer Alternativen hinterher. Dieser teilte sie für ein Waldstück ein und zusammen machten wir uns auf den Weg. Aus der Hälfte der Strecke zum Waldrand drehte Katie den Kopf zu Connor und fragte ihn: “Sag mal, hast du es denn schon mit einer IM versucht?” Der sah sie kurz an und schüttelte dann den Kopf. “Nein, auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen. Wie blöd kann man eigentlich sein?”, schimpfte er mit sich selbst. Katie zog ihn und Miranda ohne ein weiteres Wort zu einem Springbrunnen neben der Poseidonhütte und fischte eine Drachme aus ihrer Jackentasche. Sie warf sie in den Regenbogen und sprach laut und deutlich: “Oh Iris, nimm meine Opfergabe an und zeig mir Travis Stoll.” Ich sah aufgeregt zu, aber nichts passierte. Offenbar konnte mich nichtmal Iris in meinem jetzigen Zustand aufspüren. “Das ist doch gar nicht möglich”, murmelte Connor vor sich hin. Katie war offenbar seiner Meinung, denn sie versuchte es noch drei mal. Erst als Miranda sie am Arm weg vom Springbrunnen zog und sagte: “Lass es, es hat doch keinen Zweck”, hörte sie auf. Connor setzte sich neben die beiden auf die Treppenstufen zur Poseidonhütte und vergrub das Gesicht in den Händen. Miranda legte ihm tröstend einen Arm um die Schultern. Unter anderen Umständen hätte es mich gefreut die beiden so zu sehen, aber beim Anblick von Connors und Katies sorgenvollen Gesichtern zog sich mir das Herz zusammen. “Wir sollten zurück und es Chiron berichten, ihn weiter zu suchen macht wahrscheinlich kaum einen Sinn”, brach katie schließlich das minutenlange Schweigen.

Als sie ihm die Nachricht überbrachten, runzelte Chiron sorgenvoll die Stirn. Connor sah ihn verzweifelt an und fragte ihn: “Was genau bedeutet das?” Der Zentaur zögerte. “Wenn Travis nicht zu erreichen ist dann kann das nur sein, wenn sein Körper nicht mehr auf dieser Welt existiert oder er an einem Ort ist, an dem IM nicht möglich sind.” “Was wollen sie damit sagen?”, fragte Connor verwirrt. In Katies Gesicht erkannte ich jedoch, dass sie die Bedeutung von Chirons Worten genau verstanden hatte. “Sie meinen, dass Travis tot ist”, hauchte sie mit zitternder Stimme. Connor wirbelte zu ihr herum, das blanke Entsetzen stand ihm ins Gesicht geschrieben. Als er sich wieder zu Chiron wandte bebte seine Stimme leicht als er sagte: Das ist nicht wahr oder? Sagen sie mir dass das nicht wahr ist!” Gegen Ende war er immer lauter geworden. Chiron aber schloss resigniert die Augen. “Ich wünschte wirklich es wäre anders, aber mir fällt keine andere plausible Erklärung ein.

Ich stand wie erstarrt da, wollte sie rufen, sie anschreien dass ich lebe und hier vor ihnen stehe. Aber ich konnte es nicht. Sie würden nichts davon mitbekommen. Ich musste hilflos dabei zusehen, wie Connor zusammenbrach. Wie er schluchzte und immer wieder erneut sagte: “Er kann nicht tot sein. Aber er ist es. Mein Bruder ist tot” Diese Worte zerrissen mir das Herz aber ich konnte nichts tun. Machtlos sah ich, wie Miranda versuchte meinen Bruder zu trösten und wie Katie stumm die Tränen über das Gesicht liefen, bis sie sich umdrehte und in Richtung ihrer Hütte rannte. Ich überlegte kurz ihr zu folgen, kam mir dann aber wie ein Eindringling vor, da sie ja offenkundig allein sein wollte. Ich war so verzweifelt dass ich sogar versuchte, Connor irgendwie durch unsere Bruderverbindung zu erreichen. Natürlich klappte das nicht. Chiron blickte noch einmal traurig auf Connor und betätigte dann das Muschelhorn, um die anderen Camper zurückzuholen. Es war grauenvoll für mich mit ansehen zu müssen, wie sie alle mit hoffnungsvollen Gesichtern zurückkehrten in der Annahme, ich sei wahrscheinlich gefunden worden, nur um dann die Nachricht von meinem  Tod übermittelt zu bekommen.

Wie sie sich alle gegenseitig trösteten und Geschichten von und mit mir erzählten rührte mich. Wer hätte gedacht dass ich ihnen so viel bedeutete. Connor hatte sich mittlerweile unter die anderen Camper gemischt und redete hier und da mit ihnen. Ich hatte den starken Drang zu heulen aber nichtmal das konnte ich ohne Körper. Es war echt frustrierend.

Als ich sah, wie Miranda in Richtung ihrer Hütte und damit zu Katie ging folgte ich ihr. Dort angekommen ließ sie die Hüttentür genau durch mich durchfallen als sie sie schloss, was mir einen gewaltigen Schreck verpasste. Vor Katies Zimmer klopfte sie vorsichtig und trat dann mit mir im Schlepptau ein. Die sonst so stolze, hitzköpfige und unbezwingbar scheinende Hüttenälteste der Demeterhütte lag jetzt wie ein Häufchen Elend eingerollt auf ihrem Bett, ihr Kopfkissen zwischen den Armen. Ihr Gesicht hatte sie im Kissen vergraben gehabt aber bei Mirandas eintreten hob sie den Kopf. Sie hatte eindeutig geweint und als sich ihre Schwester neben sie auf die Bettkante setzte und ihr zärtlich über den Kopf strich kullerten erneut Tränen aus ihren wunderschönen Augen. Ihr Anblick wärmte mir das Herz und gleichzeitig fühlte ich mich schlecht deswegen. Immerhin weinte sie wegen mir, aber trotzdem zeigte das eindeutig, dass ich ihr nicht egal war und sie mich auch nicht hasste. Ich konnte nicht verhindern, dass mein Herz bei diesem Gedanken einen kleinen Hüpfer machte. Miranda nahm die schluchzende Katie in den Arm und redete beruhigend auf sie ein. Ich wollte so gerne etwas tun und auch wenn sie mich nicht bemerken konnten setzte ich mich dazu und betrachtete, wie Katie langsam wieder ruhiger wurde. Sie löste sich etwas aus der Umarmung und setzte sich aufrecht hin. “Danke”, wisperte sie leise. Miranda seufzte leicht. “Du mochtest ihn wirklich gern oder?”, fragte sie ruhig. “Red nicht so in der Vergangenheit von ihm!”, antwortete ihr Katie aufgebracht und drehte den Kopf zur Seite. “Ich will es einfach nicht wahrhaben, dass er wirklich weg ist”, fuhr sie mit brüchiger Stimme fort. “Aber ja ich mochte und ich mag ihn. Trotz seiner endlosen Streiche und den anzüglichen Kommentaren. Keine Ahnung wieso, vermutlich ist es auch einfach nur dämlich weil er mich immer nur als sein Streicheopfer gesehen hat, aber ich vermisse ihn.”

Ich hatte ihr mit angehaltenem Atem zugehört. Hatte sie das alles gerade wirklich gesagt? Über mich!? Wäre die Situation nicht so schrecklich, wäre das vermutlich einer der schönsten Momente in meinem Leben. Es stimmte, das meiste was ich zu ihr gesagt hatte waren irgendwelche spöttischen oder anzüglichen Kommentare, weil ich in ihrer Nähe ansonsten kaum ein vernünftiges Wort herausbrachte. Und jetzt, wo ich endlich die Wahrheit sagen wollte, wo ich vielleicht sogar den Mut hätte ihr meine Gefühle zu gestehen, da konnte ich es nicht. Was für eine Ironie.

Ich blieb fast die ganze Zeit bei Katie. Zwischendurch ging ich raus zu meinem Bruder und erfuhr dabei, dass morgen Abend mein Leichenhemd verbrannt werden sollte. Als ich das hörte fuhr mir ein kalter Schauer über den Rücken. Natürlich, ich hätte damit rechnen müssen, aber irgendwie ließ es das ganze nurnoch ein bisschen realer und schrecklicher erscheinen. Ich folgte meinem Bruder noch bis zu seinem Zimmer und wartete, bis er eingeschlafen war. “Ich wünschte wirklich, dieser Zauber würde endlich verschwinden”, murmelte ich vor mich hin, als ich in sein trauriges Gesicht sah. Als er schließlich friedlich schlief kehrte ich zu Katie zurück. Miranda war inzwischen ebenfalls zu Bett gegangen und Katie allein in ihrem Zimmer. Sie starrte stumm auf die Decke und bemerkte mich natürlich nicht, als ich mich wieder zu ihr aufs Bett setzte. Ich betrachtete sie eine Weile und mir ging durch den Kopf, dass sie selbst jetzt wunderschön aussah. “Ach Travis”, seufzte sie auf und ich viel vor Schreck beinah vom Bett. Für einen kurzen Moment dachte ich, sie hätte mich gesehen und es wäre alle wieder gut. “Was hast du nur angestellt. Wieso hast du uns alle allein gelassen? Wieso hast du mich allein gelassen?”, sprach sie weiter zu sich selbst und meine Hoffnung verschwand wieder so schnell, wie sie gekommen war. “Das hab ich nicht”, rief ich verzweifelt, in dem Wissen dass sie es nicht hören konnte. “Ich bin hier Katie. Ich war nie weg. Wenn es doch nur einen Weg gäbe dass du mich wahrnimmst”, rief ich verzweifelt. Hilflos musste ich zusehen, wie Katies Augen wieder zu tränen begannen und sie sich auf die Seite drehte. Ihr Oberkörper bebte immer wieder, bis ihre Atemzüge schließlich ruhiger wurden und sie einschlief.
Ich saß bis zum Morgengrauen an Katies Bett und betrachtete sie. Als sie aufwachte und aufstand, um sich umzuziehen,ging ich wieder nach draußen. Meine Füße trugen mich wie von allein zum Lagerfeuerplatz, an dem heute mein Hemd verbrannt werden sollte. Ich setzte mich im Schneidersitz auf eine der Bänke und versuchte erneut zu allen möglichen Göttern zu beten. Zu meinem Dad, zu Hekate wegen dem Zauber, zu Aphrodite wegen Katie und sogar zu Zeus als allmächtigen Göttervater. Irgendwann gab ich auf und beobachtete die Camper. Die meisten versuchten, auch auf Chirons Anweisung, möglichst normal ihren Campalltag hinter sich zu bringen. Dennoch herrschte die ganze Zeit eine ziemlich gedrückte Stimmung, die auch mich erfasste. Ich hatte akzeptiert, dass ich es nicht ändern konnte. hatte akzeptiert dass das jetzt mein zustand auf unbestimmte Zeit war. Aber nur weil ich es akzeptiert hatte hieß das nicht, dass es weniger wehtat.

Als die ersten Camper sich um das Lagerfeuer versammelten schreckte ich wieder aus meinen Gedanken auf. Ich hatte gar nicht gémerkt, wie schnell die Zeit vergangen war aber als ich zum Horizont blickte sah ich, wie die Sonne gerade unterging. Langsam füllten sich die Bänke. Für so viele Halbgötter auf einem Haufen war es gespenstisch still und selbst die letzten einzelnen Lacher, die doch über den Tag verteilt erklungen waren, waren verstummt. Das Feuer gab die allgemeine Stimmung wieder und brannte sehr niedrig in einem dunklen blau. In der Menge entdeckte ich auch wieder Miranda, die Katie an der einen und Connor an der anderen Hand hielt. Bei ihren leidvollen Mienen blickte ich schuldbewusst auf meine unsichtbaren Hände, auch wenn ich ja eigentlich gar nichts dafür konnte.

Ich stutzte kurz. Für eine Sekunde war ich der Meinung gewesen, meine Finger sehen zu können. Ich bewegte sie und sah sie erneut kurz aufschimmern, diesmal etwas länger als zuvor. Ein kleiner Glücksball begann in meiner Brust anzuschwellen und ich versuchte, auch den Rest meines Körpers zu sehen. Hier und da konnte ich tatsächlich immer wieder etwas erkennen,aber sichtbar blieben diese Stellen nicht.

Ich war so abgelenkt gewesen das ich gar nicht bemerkt hatte, wie zwei meiner Geschwister mein Leichenhemd zum Feuer und dem daneben wartenden Connor gebracht hatten. Erst als alles komplett still wurde, sah ich wieder nach vorn. Das ging zu schnell. Der Zauber hatte sich noch nicht gelöst. Verzweifelt versuchte ich, meinen nachbarn auf die Schulter zu fassen. Meine Hand glitt aber erneut einfach durch. Das durfte doch nicht wahr sein! ich war so nah dran und konnte trotzdem nichts unternehmen, als Connor zu sprechen begann. Seine Stimme klang tonlos und sein Blick war verzweifelt ins Leere gerichtet. Er erzählte von mir, von unseren Erlebnissen. Er gab auch weiter was meine Freunde ihm gesagt hatten. Zwischendurch brach seine Stimme kurz und er räusperte sich. “Für jeden hier, war Travis mit seinen Streichen manchmal nervig. Und natürlich war er auch für mich als Bruder immer wieder nervig”; fuhr er schließlich fort. “Aber er hat uns trotzdem immer damit zum Lachen gebracht. Ohne Travis wird hier im Camp viel weniger gelacht. Schon als er eine Woche weg auf einem Auftrag war, hat hier etwas gefehlt. Selbst die besten unserer Streiche, wie ich leider zugeben muss, waren seine Idee” Bei diesen Worten huschte ein kleines Lächeln über sein Gesicht und ich kannte ihn gut genug um zu wissen, dass er gerade an die Heißluftballons dachte, die Mr. Ds Sachen einzeln in den Himmel getragen hatten und wie er verzweifelt hüpfte um sie wieder zu fassen zu bekommen. Das hatte uns drei Monate Spüldienst eingebracht, war es aber eindeutig wert gewesen. In meinem Geheimfach hatte ich immer noch ein Foto davon, welches ein Apollosohn heimlich aufgenommen hatte.

“Ohne Travis wird das Camp nie wieder sein wie es war. Und auch mein Leben wird nie wieder so sein wie mit ihm.”, schloss Connor jetzt doch mit leicht bebender Stimme seine Rede und machte Anstalten, das Hemd ins Feuer zu halten. Aus einem Drang purer Verzweiflung schrie ich ein lautes “Nein!” und alle Köpfe drehten sich zu mir um.

Ich konnte nicht fassen was geschehen war. Mein Körper war immer noch nicht zu sehen aber meinen Schrei hatten alle gehört. Connor hatte vor Schreck das Hemd fallen lassen und stammelte: ”Das… das war Travis!” Auf seine Worte hin brach lautes getuschel aus und alle versuchten, den Ursprung meiner Stimme auszumachen. Annabeth ließ ihren Blick zu mir gleiten und riss die Augen auf, deutete mit dem Finger auf mich und rief laut: “Seht doch! Da ist er.” Als ich an mir herabblickte sah ich, wie sich mein Körper langsam scheinbar aus dem nichts wieder zu materialisieren begann. Als ich wieder komplett da war sah ich auf und blickte in hunderte Augen, die mich entgeistert anstarrten. Es war totenstill geworden. Leicht verlegen grinsend hob ich die Hand. “Hi Leute. Ich bin wieder da”

Als wäre das ihr Signal gewesen stürmten alle die mir irgendwie nahe standen auf mich zu und umarmten mich. Es entstand ein heilloses Durcheinander und ich sah, wie sich mein Bruder rücksichtslos durch die Menge zwängte, nur um mich in seiner Umarmung fast zu Tode zu quetschen. Trotz schmerzenden Rippen konnte ich nicht anders, als vor Glück zu strahlen und zu lachen und alle anderen stimmten mit ein. Tausende Fragen stürmten auf mich ein, sodass ich keine einzige beantworten konnte. Die meisten waren was passiert war oder wo ich gewesen war, ob es mir gut ginge und wieso die IM nicht zu mir durchgedrungen war. Das alles wurde jedoch nebensächlich als ich Katie erblickte, die etwas abseits stand. sie sah mir direkt in die Augen und schaffte es, mich gleichzeitig wütend und glücklich anzusehen. Dann stürmte sie mit einem lauten “Stoll!!” auf mich zu und die Menge machte ihr reflexartig platz. Sie kam vor mir zum stehen und für einen kurzen Moment versank ich in ihren Augen. “Hey Katieschatz”, sagte ich mir einem vorsichtigen Lächeln. Sie holte mit der Hand aus und knallte mir ein. Dann, noch bevor ich mich von dem Schock erholt hatte, umarmte sie mich. Intuitiv zog ich sie an mich und wollte sie am liebsten nie wieder loslassen. “Du bist so ein Idiot Travis Stoll”, schluchzte sie in meine Schulter. Dann löste sie sich und drängte sich durch die Menge nach draußen in die Schatten. Weg von mir.

Perplex sah ich ihr nach, was Connor zum Kichern brachte. “Na los, lauf ihr nach”, sagte er. Ich sah in die anderen Gesichter die mich aufmunternd anlächelten. “Geh schon”, grinste Percy und als ich loslief setzte Leon noch ein “Schnapp sie dir” hinterher. Ich hatte mich durch das Gewühl an den Rand gedrängt und sah ihren Schatten an den Hütten vorbei gehen. Schnell rannte ich ihr nach und erreichte sie, als sie sich gerade in den Sand am Seeufer fallen ließ. Ich verlangsamte mein Tempo und ließ mich dann neben sie fallen.

Kurz war alles still, bis Katie fragte: “Was ist mit dir passiert Travis?” Der Glücksball in meiner Brust hüpfte einmal als sie mich diesmal nicht mit meinem Nachnamen anredete. Ich holte tief Luft und erzählte ihr die komplette Geschichte. Als ich erwähnte, dass ich das Gespräch mit Miranda mitbekommen hatte wurde sie rot und drehte den Kopf weg. Ich verstummte erschrocken und fragte mich, ob ich zu weit gegangen war. Schließlich war dieses Gespräch privat gewesen. Ich beschloss alles auf eine Karte zu legen. Woher ich den Mut dazu nahm wusste ich nicht. “Du Katie?”, fragte ich. Sie schwieg und ich fuhr fort: “Ich mag dich. Also so wirklich. Und dich leiden zu sehen war fast schlimmer als bei Connor und der ist immerhin mein Bruder. Ich weiß, dass unsere Beziehung nicht die normalste ist, schon gar nicht um sich zu verlieben. Aber ich habe es getan. Und die letzten Tage haben mir klar gemacht dass ich es dir sagen muss und du ein Recht darauf hast es zu erfahren. Ich kann natürlich verstehen, wenn du mir sagst, ich soll dich in Zukunft in Ruhe lassen, aber ich musste es wenigstens versuchen. Deshalb wollte ich es dir sagen, beziehungsweise dich fragen.. also eigentlich wollte ich wissen ob du..-”, stotterte ich und brach schließlich ganz ab. Katie hatte sich während meinem Vortrag wieder zu mir umgedreht und der Blick in ihre leuchtenden Augen verschlug mir gänzlich die Sprache. Sie sah mich stumm an bis sie leise fragte: “Du meinst das wirklich ernst? Das ist kein Scherz?”

Kurz verließ mich der Mut und ich überlegte, ob ich einen Rückzieher machen und das ganze als Scherz darstellen sollte, aber dann schüttelte ich den Kopf. “Darüber würde ich niemals Scherze machen”, flüsterte ich und merkte, wie ich unter ihrem intensiven Blick leicht rot wurde. Daraufhin lächelte sie und meinte schüchtern: “Ich mag dich auch du Idiot”

Diese kleinen Worte zauberten auch mir ein Lächeln ins Gesicht und ich legte vorsichtig eine Hand an ihre Wange. Sie schmiegte sich leicht dagegen und das gab mir den Mut, mich langsam vorzubeugen, um ihr die Möglichkeit zum zurückweichen zu geben. Als sie dies nicht tat, sondern mir sogar etwas entgegenkam, überbrückte ich den letzten Abstand und legte meine Lippen sacht auf ihre. Ich hatte mir vorgestellt wie was war sie zu küssen, aber in echt war es noch tausendmal schöner. Viel zu schnell lösten wir den Kuss wieder und sahen uns in die Augen. Sie strahlte mich an und auch ich bekam dieses bescheuerte Grinsen einfach nicht mehr aus dem Gesicht.

Mit einer Ernsthaftigkeit, die mich selbst überraschte, nahm ich ihre Hände in meine und fragte sie: “Katie Gardner, willst du ab heute meine Freundin sein?” Als Antwort umarmte sie mich stürmisch, sodass wir beide nach hinten umfielen. Auf mich gekuschelt flüsterte sie: “Ja natürlich will ich das” und ich hatte das Gefühl, vor lauter Glück gleich zu platzen. Sie richtete sich ein Stück auf meiner Brust auf und sah mir tief in die Augen. Ich konnte nicht mehr wiederstehen, legte ihr die Hände in den Nacken und zog sie zu einem erneuten Kuss nach unten. Katie kam dieser Aufforderung nur zu gerne nach. Dieser Kuss war leidenschaftlicher und intensiver als der erste. Sie vergrub ihre Hände in meinen Haaren und ich zog sie noch näher zu mir. Diesmal dauerte es länger bis wir uns wieder lösten. Als ich mich aufrichtete blieb sie auf meinem Schoß sitzen und lächelte mich so verdammt süß an. Ich hätte sie die ganze Nacht anstarren können, aber Connor störte diesen Plan. er stand neben den Hütten und rief mir zu: “Hey Travis, du kannst nicht einfach von den Toten wieder auferstehen und dann mit Katie für immer verschwinden.” Katie wurde bei seinen Worten wieder rot, aber ich lächelte sie nur breit an und zog sie dann mit mir auf die Füße. Ich hielt ihr meine Hand hin und mit einem Lächeln ergriff Katie sie. Als wir auf unserem Weg bei Connor ankamen grinste er uns breit an, gab aber erstaunlicherweise keinen weiteren Kommentar ab. Beim Laufen legte ich meinen freien Arm um seine Schultern und drückte ihn kurz an mich.

Als wir bei den anderen ankamen wurden Katies und meine verschränkten Hände natürlich sofort registriert. Da es jetzt schon zu spät und kühl war versprachen sie, uns morgen traditionell in den See zu bugsieren. Ich war in dem Moment so glücklich, dass es mir überhaupt nichts ausmachte. Dann setzten wir uns alle zusammen und als einigermaßen wieder Ruhe eingekehrt war, musste ich meine Geschichte erneut erzählen. Diesmal fasste ich mich allerdings etwas gröber und ließ einige Details ganz weg. Lou hatte entsetzt die Hände vor den Mund geschlagen als sie erfuhr, dass sie an meiner ganzen Misere schuld war. Über den Abend entschuldigte sie sich dutzende male bei mir, aber ich war ihr zu keinem Zeitpunkt böse gewesen. Schließlich war es ein Versehen gewesen und wäre das alles nicht passiert, wäre ich vielleicht nie mit Katie zusammen gekommen. Und auch Connor und Miranda standen erstaunlich eng zusammen und erröteten beide, als ich ihnen einen vielsagenden Blick zuwarf.


Über den Abend waren alle wieder ruhiger geworden. Mit einer spontanen Party hatten sie meine Rückkehr gefeiert und Katie war die ganze Zeit an meiner Seite geblieben. Chiron hatte sich nach einiger Zeit zurückgezogen und uns ganz uns selbst überlassen. Nach so einem anstrengendem und ereignisreichen Tag war auch ich irgendwann müde und ich verabschiedete mich von den restlichen Leuten, die noch nicht zu Bett gegangen waren. Katie wollte auch gehen und so begleitete ich sie noch zu ihrer Hütte. Dort angekommen drehte sie sich lächelnd zu mir um und stellte sich auf die Zehenspitzen, um mir einen sanften Kuss zu geben. Als sie sich wieder lösen wollte zog ich sie an mich und vertiefte den Kuss. Katie lächelte in den Kuss hinein und schlang ihre Hände um meinen Nacken. Meine Hände legten sich automatisch auf ihrer Hüfte ab und ich zog sie noch ein Stück näher. Als ich sie so küsste, setzte mein Denken vollständig aus. Immer noch eng umschlungen löste wir unsere Lippen voneinander und sie kuschelte sich an mich, wobei sie ihren Kopf in meiner Halsbeuge vergrub. Ich legte mein Kinn auf ihrem Kopf ab und murmelte ohne nachzudenken: “Ich liebe dich, Katie Gardner”

Ich spürte, wie sie in meinen Armen erstarrte und dann sickerte die Erkenntnis in mein Gehirn, was ich da gerade gesagt hatte. Aber ich wusste, dass es stimmte. Sie löste sich etwas von mir und sah mir in die Augen. Etwas ängstlich starrte ich zurück. Zu meiner Erleichterung fing sie an zu lächeln und erwiderte: “Es klingt vielleicht verrückt, aber ich liebe dich auch, Travis Stoll”

Mit einem erleichterten Seufzen zog ich sie erneut an mich und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn. Sie gab mir noch einen letzten Kuss auf den Mund. “Gute Nacht”, sagte ich leise und fügte ein “Träum von mir”, mit einem zwinkern hinzu. Sie verdrehte die Augen und gab mir lächelnd einen Klapps auf den Arm. Sie erwiderte nur: “Dir auch gute Nacht” Dann kam sie noch einen Schritt näher und wisperte mir ins Ohr: “Wenn du nicht aufpasst, dann träumst du die ganze Nacht von mirt” Bei ihren Worten war mir ein angenehmer Schauer über den Rücken gelaufen. Götter, wusste sie eigentlich, was sie da mit mir machte? Augenscheinlich ja, denn sie drehte sich mit einem Zwinkern um und verschwand in der Hütte. Das letzte was ich hörte war ein fröhliches: “Bis morgen”, dann hatte sie die Tür geschlossen.

Nachdem ich noch ein paar Sekunden auf die Stelle gestarrt hatte, an der sie eben gestanden hatte, drehte ich mich um und machte mich mit einem Grinsen auf dem Gesicht auf den Weg zu meinem Bett.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte galt mein erster Gedanke Katie. Nachdem ich mich umgezogen hatte trat ich aus meinem Zimmer und wurde von allen Seiten fröhlich begrüßt. Sie sahen mich erwartungsvoll an und ich ließ sie einige Sekunden zappeln bis ich rief: “Die ganze Hermeshütte! Aufstellen in einer Reihe und dann Marsch zum Frühstück.” Alle kamen dem ungewöhnlich eifrig und brav nach und es dauerte nicht lange, bis ich unseren chaotischen Haufen gemeinsam mit Connor zum Speisepavillon führen konnte.

Dort angekommen sah ich auch schon Katie. ich stellte mich hinter sie und legte ihr meine Arme um die Hüfte. Dabei raunte ich in ihr Ohr: “Guten Morgen Kleines. Gut geschlafen?” Sie drehte sich mit einem Lächeln zu mir um und küsste mich zur Begrüßung. An so einen Morgen konnte ich mich echt gewöhnen.

Nach dem Frühstück gingen wir händchenhaltend über das Gelände und beobachteten Connor und Miranda, die ineinander umschlungen unter einem Baum saßen und von dem Geschehen um sie herum nichts mehr mitbekamen. Ich seufzte einmal glücklich auf und zog Katie enger an mich ran. Wir waren oberhalb eines Hügels stehen geblieben und ich betrachtete erst das Camp unter uns und dann Katie in meinen Armen. Ihre Augen blitzten übermütig zu mir hoch und ich musste bei ihrem Anblick einfach lächeln. Mein Leben hätte in diesem Moment nicht perfekter sein können. Mit diesem Gedanken beugte ich mich vor und küsste sie.
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