Feind aus der Vergangenheit

von ElliHill
GeschichteAllgemein / P16
Andrea Schäfer Ben Jäger Dieter Bonrath Horst Herzberger Kim Krüger Semir Gerkhan
14.01.2020
22.01.2020
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Jungeninternat Friedenshöhe 1996

Tobias Herder band sich den Arm ab. Er musste schnell machen. Fertig sein bis sein Stubennachbar ins Zimmer kam. Gekonnt hielt er den Gürtel mit seinen Zähnen fest und nahm die kleine Spritze. Darin seine Tagesdosis Heroin. Er war jetzt 18 und ohne dieses Zeug würde er sein Abi sicher nicht schaffen. Dieser Prüfungsstress macht ihn fertig! Ohne dieses Heroin würde er es nicht überstehen und er wollte die Prüfung bestehen. Er wollte Arzt werden. Er wollte studieren. Er musste es! Er brauchte es! Die Tür ging auf. „Tobi komm! Der Pauker kommt! Er…“ kam von Ben Jäger der nun erschrocken registrierte, was sein Stubennachbar machte. Schnell sprang er auf ihn zu und schlug ihm die Spritze aus der Hand. „Was soll das denn? Spinnst du?“ faucht er ihn wütend an. „Ben, ich …ich brauche das …bitte sag nichts!  Du weißt doch, ich will Arzt werden! Bitte es ist nur bis zur Prüfung.“ stammelte Tobias. Ben schüttelte den Kopf. „Oh nein! Das wirst du nicht! Du machst dich kaputt und mit dem Zeug wirst du nie Arzt!“ schrie Ben ihn an. Wütend verließ er den Raum und nur wenig später kam der Lehrer Ralf Hutschenräuter in den Raum. Auch dieser sah, was hier ablief. Das Urteil war für Tobias Herder hart. Er musste das Internat verlassen. Aus der Traum Arzt zu werden. Aus dem Traum, einen angesehenen Beruf zu erlangen.

Als Tobias ging, sah er noch einmal zu Ben Jäger, der sich etwas abseits aufhielt. Er ging zu ihm hin und sah ihn fest an. Seine Lippen waren nur noch ein schmaler Strich in seinem Gesicht und man sah ihm an, dass er wütend war. „Du wirst noch daran denken, du Verräter! Eines Tages wirst du für deinen Verrat bezahlen, das verspreche ich dir. Wir sehen uns wieder!“ drohte Tobias. Doch Ben Jäger schien unbeeindruckt. „Tobi, du wärst als Drogensüchtiger kein guter Arzt. Lass dir helfen und mach eine Therapie, denn allein wirst du nie wieder von diesem Zeug loskommen.“ kam bittend von Ben. Doch Tobias wollte davon nichts hören. „Was für ein Quatsch! Ich kann jederzeit damit aufhören! Ich werde nicht süchtig! Ich hatte es nur für die Prüfung gebraucht aber du scheinst mir den Erfolg nicht zu gönnen. Danke Ben…vielen Dank!“ fauchte Tobias und wandte sich zum Gehen. Er begriff zu diesem Zeitpunkt nicht, dass von diesem Augenblick an, sein Leben nur noch abwärts ging. Dies geschah erst vier Monate später. Tobias war in den Strudel des Drogensumpfes geraten und prostituierte sich. Eines Tages sprach ein Mann ihn an und sagte, er könnte ihm helfen. Ganz umsonst und für nur eine kleine Gegenleistung würde er auch die tägliche Ration an Heroin bekommen. Dieses verlockende Angebot ließ Tobias sich nicht entgehen.

12 Jahre später:

Robert Esslinger war mit seiner Harley auf der A 4 unterwegs. Er liebte es in den letzten Sommertagen eine Runde zu drehen. Die Maschine lief rund und alles war in bester Ordnung. Er fuhr bis zur Autobahnpolizei an der sein alter Schulfreund Ben Jäger seinen Dienst versah. Die Wiedersehensfreude wird sicher groß werden, zumal sich die Beiden sei Ende der Schulzeit nicht mehr gesehen hatten. Obwohl er in Gedanken an die Schulzeit dachte, achtete er konzentriert auf den Straßenverkehr. Ben und er kannten sich vom Kindergarten an. Roberts Vater war ein erfolgreicher Banker und er ist nach der Schule in die Fußstapfen des Vaters getreten, während Ben als Rebell sich für eine polizeiliche Laufbahn entschieden hatte. Sein Wunsch Polizist zu werden, hatte Ben schon ab der siebten Klasse und er ließ sich von niemanden von diesem Entschluss abbringen. Sein Vater der damals schon sehr erfolgreiche Conrad Jäger hatte alles versucht, um ihn davon weg zu bekommen, doch Ben machte sein Ding und dafür bewunderte Robert ihn auch. Er erreichte sein Ziel und stellte die Maschine auf dem Parkplatz um. Er war recht leer. Hier schien nicht wirklich viel los zu sein, dachte er und betrat das große Büro.

„Guten Tag. Ich suche Herrn Ben Jäger? Ist er gerade zu sprechen?“ gab er seinen Besuchsgrund an einen baumlangen dürren Polizisten weiter. „Einen Augenblick. Wie ist denn Ihr Name?“ kam die Gegenfrage. Robert grinste leicht. „Sagen Sie ihm einfach der Eisbär wäre da.“ schlug er vor. „Der Eisbär?“ kam etwas abwerten von dem Polizisten die nächste Frage. „Ja genau. Der Eisbär.“ wiederholte Robert grinsend. Der Polizist ging in eines der angrenzenden Büros. Robert sah, wie sich ein junger Mann erhob und durch die Scheibe schaute. Das Gesicht war recht überrascht, doch schnell kam ein breites jungenhaftes Grinsen hervor. Robert hob die Hand und winkte gespielt schüchtern und schon wurde die Tür aufgerissen. Ben Jäger rannte regelrecht auf ihn zu. „Mensch Robert!!“ lachte er freudig. Die Männer fielen sich um den Hals. „Hey, Benni!! Alter Schwede!“ gab Robert zurück. „Was machst du denn hier? Hast du einen Unfall gehabt oder was?“ wollte Ben Jäger wissen. Robert schüttelte den Kopf. „Nein. Ich wollte dich einfach mal wiedersehen. Und meine Sehnsucht war so groß, dass ich deinen Alten angerufen und nach dir gefragt hab. Er scheint jetzt ja doch sehr stolz auf dich zu sein.“ meinte Robert nur. „Ja, wir haben unser Kriegsbeil begraben. Komm! Wir gehen in mein Büro.“ lud Ben Robert ein. Gemeinsam gingen sie in das kleine gemütliche Büro. Dort saß an einem recht aufgeräumten und sauberen Schreibtisch ein weiterer Mann, der sich erhob, als die Beiden eintraten.
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