Verloren in der Dunkelheit

GeschichteDrama / P12
14.01.2020
19.01.2020
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Montag 15. April 1912 00:20
Das britische Passagierschiff Carpathia ist auf dem Weg von New York ins Mittelmeer, Eiswarnungen sind dem Captain Arthur Henry Rastron durch aus bekannt und gab Anweisung ihn zu wecken, sollten sie sich in ein Eisfeld begeben. Die Carpathia ist ein 1903 in Dienst gestelltes, 165 Meter langes Passagierschiff der Cunard Line und fährt in jener Nacht auf ihrer angestammten Route.

Auf der Brücke stand einer der Offiziere der Carpathia Mr. Horace Dean, er unterhielt sich mit dem Funker des Schiffes Harold Cottam. "Und? Wie lange es wohl dauert bis wir das Eisfeld erreicht haben?" Fragte der Funker den Offizier. Dieser griff sich sein Fernglas und schaute auf den Horizont. "Ein paar Stunden wird es wohl noch dauern mein Freund... wolltest du dich nicht schon längst hingelegt haben?" Der Funker lachte kurz und streckte sich. "Naja... das war der Plan, wollte aber nicht ins Bett, bevor ich nicht gute Nacht gewünscht habe." Er ging zur Treppe, welche ihn aufs Bootsdeck führte. Cottam schaute in den Himmel, er war Sternenklar, man konnte sogar die Milchstraße erkennen, sowie verschiedene Sternenbilder. "Gute Nacht." Wünscht er noch dem Offizier, bevor er wieder in seine warme Funkkabine ging.

Dort angekommen zog er sich seine Kopfhörer wieder auf und streckte sich, langsam knöpfte er seine Jacke auf. "Hm.. seit wann antworten die denn da nicht mehr drauf?" Fragte er sich und begann zu funken:

MPA (Carpathia) an MGY (Titanic)
Wisst ihr, dass Cape Cod eine ganze menge Nachrichten für euch sendet?


Die Antwort der Titanic kam sofort
MGY an MPA
Komm sofort, wir haben einen Eisberg gerammt, es ist ein CQD alter Mann! Position ist 41.46N 50.14W

MPA and MGY
Soll ich es meinem Captain sagen?
Braucht ihr Unterstützung?

MGY an MPA
Ja, komm schnell!

MGY
CQD brauchen Unterstützung
Korrigierte Position 41.46N 50.14W.
Haben Eisberg gerammt
CQD

Achtung an alle Schiffe, hier ist CAPE RACE
Titanic gibt korrigierte Position 41.46N 50.14W.


Schnell notierte sich Cottam diese Daten und sprang aus seiner Kabine, direkt auf die Brücke. "Mr. Dean!" Rief er aufgewühlt. "Was ist denn?!" Fragte dieser Erschrocken. "Ein Notruf!" Dean wurde bleich, "Was? Von wem?" "Die Titanic! Sie ist auf einen Eisberg gelaufen! Ich gehe zum Captain!" Bevor Dean antworten konnte, rannte Cottam davon und Dean eilte hinterher.
Ohne zu klopfen stürmte er in die Kabine des Captains. "Captain! Sir!" Rief dieser und Rastron wurde aus seinem Schlaf gerissen: "Verdammt nochmal! Können Sie nicht anklopfen?!" "Sir, wir haben ein CQD! Die Titanic...!" Rastron sprang aus seinem Bett und griff sich seinen Mantel. "CQ- sind sie sicher?" "Ja Sir!" Erwiderte Cottam. "Es ist ganz sicher die Titanic?" Erneut erwiderte Cottam mit einem : "Ja Sir!" Rastron blickte Mr. Dean an. "Funken Sie die Titanic an, dass wir kommen... Mr. Dean, alle Offiziere wecken, bringen Sie mir den Chefsteward und Arzt sofort auf die Brücke!" Beide erwiderten mit einem "Aye aye Sir!" Und machten sich sofort auf den Weg.

Schnell versammelten sich alle wieder auf der Brücke, der Captain trägt den Kurs auf einer Karte ein. "Wir sind... 58 Meilen entfernt.. teilen Sie der Titanic mit, dass wir so schnell wie möglich kommen..." Cottam starrte auf die Karte: "Wie lange bis wir da sind?" Rastron blickte auf die Uhr, welche über der Tür hing. "3 bis 4 Stunden... 4 Stunden eher."

00:34
MPA an MGY
Alter Mann, wir sind 58 Meilen entfernt.

MGY and MPA
Alles klar, alter Mann.

MPA an MGY
Hört ihr die Olympic nicht? Sie funken euch an.

MGY an MPA
Nein alter Mann, ich kann sie nicht hören, zu viel Larm und Dampf Geräusche..

MPA an MGY
Wir drehen bei und kommen, wie sind in etwa 4 Stunden da.


Und so eilte die Carpthia mit über 17 Knoten durch die Eiskalte Nacht. Niemals zuvor und niemals danach fuhr sie so schnell wie in jener Nacht. Der Captain ordnete an, dass alle nicht Wichtigen Elektronischen Gegenstände abgeschaltet werden sollten, sogar die Ventilatoren im Maschinenraum.

Die Offiziere versammelten sich erneut auf der Brücke, sie standen um den Captain, dieser verteilte Anweisungen:
"Alle Rettungsboote ausschwenken, alle Gangwaypforten öffnen, die Stewards behalten die Passagiere in ihren Kabinen, Decken sollen bereitgestellt werden... Alle Räume, Leerstehende Kabinen, die Salons, egal was... alles soll vorbereitet werden für die Ankunft der Überlebenden. Die Küche soll Tee und Suppen bereitstellen... Leitern an den Gangwaypforten auswerfen. Alle drei Speisesäle werden zu Hospitälern... soweit verstanden?" Alle Anwesenden erwiderten mit einem "Aye Sir!" und begannen sofort damit die Befehle auszuführen. Später wird Rastron aufgrund seines schnellen Handelns den Spitznamen "Elektrischer Funke" erhalten.

Für den Rest der Nacht rannte Cottam vom Funkraum zur Brücke und wieder zurück und erteilte bericht von der sterbenden Titanic. Um 01:27 teilte er mit, dass die Titanic "Frauen und Kinder in die Boote bringen" außerdem, dass sie "An Energie verlieren." Um 01:35 teilte Cottam der Brücke mit, dass der Maschinenraum der Titanic vollläuft.

01:40
MPA an MGY
Baltic kommt zur Unterstützung

MGY an MPA
Kommt so schnell wie ihr könnt alter Mann!
Der Maschinenraum ist voll bis zu den Kesseln!

MPA an MGY
All unsere Boote sind fertig, wir kommen so schnell wie wir können, alter Mann! Dopple Schicht im Maschinenraum, habt eure Boote bereit wenn wir eintreffen!

MGY an MPA
Kommt so schnell wie möglich, Alter Mann!
CQD SOS SOS SOS CQD


Um 02:10 eilte Cottam erneut auf die Brücke und teilte mit: "Sie funken... sinken schnell... Passagiere werden in Boote gesetzt... Ihr Signal wird schwächer..." Um 02:17 kam Cottam erneut auf die Brücke, er war ganz bleich und sah die Männer an. "Titanic hat gefunkt... CQD Hier ist... und dann brach die Nachricht ab... Sie haben jetzt wahrscheinlich kein Strom mehr..." Rastron seufzte und starrte aus dem Fenster. "Und noch immer sind wir nicht nah genug... Zwei Stunden sind es noch..."

Die Männer auf der Carpathia konnten nichts anderes tun als warten und hoffen, dass die Titanic noch schwimmt.

Endlich, gegen 03:50 wurde das Schiff langsamer und Leuchtraketen wurde abgeschossen. "Wir sind hier..." Sprach einer der Offiziere und deutet auf eine Karte. "Das ist genau die Stelle Sir..." "Feuert weiter Leuchtraketen... schaltet das Nebelhorn ein!" Durch die Eiskalte Nacht, ertönte plötzlich das Nebelhorn des Rettungsschiffes. Die Lichter der Carpathia spiegelten sich im im Spiegelglatten Wasser und auf den nahen Eisbergen. Angestrengt blickte der Captain aus einem der Brückenfenster... langsam schob sich ein Rettungsboot hinter einem Eisberg hervor. "Da kommt eins!" Rief Mr. Dean und der Captain eilte auf eine der Brückenflügel und erblickte durch das Fernglas ein Rettungsboot der Titanic auf sie zurudern. Das Nebelhorn des Schiffes ertönte erneut und es erschienen immer mehr Rettungsboote.

Wenig später kletterte Mr. Dean von der Strickleiter hinunter in das Rettungsboot... dort fand er traumatisiert Frauen vor, welche in Dicke Pelze eingepackt waren, Rettungswesten trugen und einfach nur geistesabwesend starrten. Einer nach der anderen half der Offizier der Carpathia auf die Strickleiter, wo sie vom Arzt des Schiffes und Stewards empfangen werden. Mehrere Passagiere sind durch den Lärm aufgestanden und blickten nun durch ihre Bullaugen oder standen oben auf der Promenade.
Zu einem Passagier sagte der Captain: "Jetzt ist eine gute Gelegenheit Bilder zu machen." Und so entstanden die berühmten Bilder von der Rettungsaktion der Carpathia.

Der Kommandierende Mann in diesem ersten Rettungsboot war der vierte Offizier der Titanic Joseph Boxhall, er wurde auf die Brücke geführt, wo er dem Captain der Carpathia bericht erstattete. "Sie ist um etwa 02:20 gesunken... wir müssen mit vielen Toten rechnen..." Rastron nahm seine Schirmmütze ab und strich sich den Schweiß von der Stirn. "Boote voraus!" Rief ein Matrose. Boxhall und Rastron gingen auf den Brückenflügel und sahen zwei Boote, eines hatte sogar ein Segel gespannt. "Da kommen gleich zwei Boote!" Ein Blick über die Bordwand zeigte, dass beriets drei Boote darauf warteten die Passagiere an Bord zu bringen.

Erst jetzt wurde klar, was geschehen ist. Frauen fragten nach dem Verbleib ihrer Ehemänner, Kinder nach ihren Eltern, geliebte fanden sich wieder, Familien wurden wiedervereint und mit jedem Boot, schwand ein Stück Hoffnung und die Gewissheit, dass ein Verwandter unter den Toten ist wurde immer wahrscheinlicher.

Ein Mann kletterte die Strickleiter hoch, er trug einen Smoking, ohne Jacke, sein Hemd halb aufgerissen, seine Hose hatte viele Risse. Endlich oben angekommen, ergriff er die Hände eines Matrosen und wurde an Bord gezogen, er war so schwach, dass er direkt kollabierte und auf dem Boden liegen blieb. Jener Matrose stützte ihn und deckte ihn schnell zu. Nach einigen Augenblicken kam ein Steward mit einer Liste: "Darf ich Sie um Ihren Namen bitten?" Der Mann sah ihn an: "Davis... Lucas Davis..." Der Steward lächelte und nickte. "Vielen Dank.." schon verschwand er wieder. Wenige Minuten vergingen, da stützten zwei Matrosen Davis und brachten ihn so zu den Unterkünften, die für die Erste Klasse vorbehalten waren. Doch dort hielt er sich nicht lange auf. Er ging schnell wieder aufs Bootsdeck und starrte auf den Atlantik, auf die Eisberge... und auf Schiffe, welche gerade um die Stelle kreisten.

Es dauerte noch ein paar Stunden, bis die Carpathia ihre traurige Rückfahrt nach New York antrat, sie ließ einige Rettungsboote zurück. Der Matrose, welcher ihn stützt gab ihm einen dicken, blauen Pullover mit dem Cunard Reederei Pullover, welcher diesen sofort anzog. Die beiden schwiegen sich an. "Gibt es... keine Überlebenden mehr...?" Der Matrose lehnte sich an die Reling und seufzte. "Nein... alles was Menschenmöglich war... ist getan."

Langsam fuhr die Carpathia durch ein kleines Trümmerfeld, nur noch Deckstühle, Holzbretter und leere Schwimmwesten waren übrig. Davis blickte auf all das und schloss für einen Moment die Augen. "War es die Rache Gottes...?" Fragte sich Davis selbst, der Matrose blickte ihn an und runzelte die Stirn: "Wie bitte..?" Davis brachte ein kleines lächeln auf seine Lippen und sah zu ihm. "Wir dachten es sei unsinkbar, Gott selbst könnte es nicht versenken.. ist dies nun die Rache dafür...?" Der Matrose seufzte ebenfalls, blickte ihn an und lächelte leicht. "Hatten Sie Familie an Bord?" Davis schüttelte den Kopf: "Nein, Gott sei Dank nicht... Sie wollen wissen, was passiert ist... oder?"
Der Matrose sah zur See: "Ich... wollte nicht direkt danach fragen, ich dachte..." "Nein, schon gut. Es wird sowieso bald jeder wissen... Sie sollten es aus erster Hand hören..."