Einfach leben - nicht erlaubt

GeschichteAbenteuer, Drama / P18
Ginevra Molly "Ginny" Weasley Harry Potter Hermine Granger Ronald "Ron" Weasley Severus Snape
13.01.2020
23.01.2020
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Irgendwann war er wohl doch bewusstlos geworden oder eingeschlafen, denn erneut riss ihn Lestranges laute Stimme in die Realität. "Potter, aufstehen!" Harry versuchte, sich aufzusetzen, was ihm wegen der zum Teil gebrochenen Knochen nicht wirklich gelang.
Lestrange zog ihn grob an den Haaren nach oben. "Scheint, als müsste ich ein paar deiner Knochen richten. So bist du ja zu nichts zu gebrauchen." Er richtete den Zauberstab auf Harry und mit einem unschönen Knirschen rutschten  die Knochen wieder an ihren Platz. Harry wurde fast ohnmächtig vor Schmerz. Diese Prozedur wurde in so einem Fall normalerweise unter Schmerztränken durchgeführt.
"Hey, hey! Bursche! Es wird jetzt nicht geschlafen, bleib schön bei mir!" Lestrange schlug Harry mit der flachen Hand ins Gesicht. "Du bist ein Schwein, Potter. Hast du mal gesehen, wie du aussiehst? Blutig und dreckig und du stinkst zum Himmel! Wird Zeit, dich mal richtig zu waschen! Außerdem sind deine Kleider nicht mehr zu ertragen. Die müssen weg." Mit einem Schwenk seines Zauberstabs stand Harry nackt vor ihm. Das entsetzte Harry fast mehr, als alles, was er bisher erdulden musste. "Nein! Geben Sie mir Kleider!" sagte er verunsichert. "Du brauchst keine Kleider, Bursche. Jetzt wird gebadet."
Mit auf dem Rücken gebundenen Händen wurde Harry in ein Badezimmer geführt, in dem eine Badewanne stand. Sie war voll mit Wasser. "So, mein Kleiner, jetzt werden wir dich mal sauber machen. Steig in die Wanne." Die Worte waren so grotesk - als hätte ein liebender Vater sie zu seinem Sohn gesagt. Harry schauderte und machte keine Anstalten, der Anweisung Folge zu leisten.
Lestrange trat ihm in den Rücken, so dass Harry vornüber kippte und sich den Kopf am Wannenrand anschlug.
Ihm wurde schwarz vor Augen und aus einer Platzwunde schoss Blut.
Lestrange zog ihn grob an den Haaren nach oben und dirigierte ihn in die Wanne. Harry stolperte hinein und merkte erschrocken, dass das Wasser eiskalt war. "Nein, ich ...." begann er. "Knie dich hin!" befahl Lestrange. Harry zitterte jetzt schon vor Kälte, kniete sich aber dennoch hin. "Und jetzt werde ich dir helfen, mein Kleiner. Mit gefesselten Händen ist das ja ein bisschen schwierig, nicht wahr? Schön einatmen."  Und ehe Harry wusste, wie ihm geschah, hatte Lestrange  ihn unter Wasser gedrückt. Er zappelte, bekam Panik. Er wollte nicht ertrinken! Lestrange würde ihn doch nicht ertrinken lassen?  Die Panik wuchs ins Unermessliche, er zerrte an den Fesseln, versuchte , sich aus Lestranges Griff zu winden und merkte, wie die Luft immer weiter aus seinem Körper strömte. Bald würde der Moment kommen, da sein Körper nach neuer Luft verlangte. Er hatte das Gefühl, die Blutgefäße in seinem Kopf würden platzen. Sein Brustkorb schmerzte - brannte in dem eiskalten Wasser und in dem Moment, als er glaubte, er würde das Bewusstsein verlieren, zog Lestrange ihn wieder an den Haaren aus dem Wasser.
Harry schnappte nach Luft, hustete und würgte. "Na, da ist aber noch einiges an Dreck vorhanden, das machen wir doch gleich nochmal!" "Nein, bitte n...."  Aber Harrys Worte waren schon nicht mehr zu verstehen, da Lestrange ihn erneut erbarmungslos unter Wasser gedrückt hatte. Harry versuchte, der Hand, die ihn hielt, zu entkommen. Er hatte Todesangst, er war sicher, er würde sterben. So wollte er nicht sterben. Was war das nur für eine bescheuerte Idee gewesen, sich diesem Monster auszuliefern? Vielleicht war es doch besser, gleich zu sterben? Aber sein Körper wollte Luft und zwar sofort! Er versuchte, sich zu entspannen, es gelang nicht. Als er sicher war, dass er jeden Moment den Mund aufmachen müsste, um nur das eiskalte Wasser in seine Lungen zu lassen, zog Lestrange ihn wieder aus dem Wasser.
"So, das sieht doch schon besser aus. Für heute wollen wir es mal dabei belassen." Harry atmete erleichtert aus, er war so froh, dass er das nicht nochmal erleben musste.
"Komm raus, genug geplantscht!" Lestrange zog ihn aus der Wanne  und führte ihn in das Wohnzimmer. "Bekomme ich keine Kleidung?" fragte Harry, dem seine Nacktheit unangenehm war. "Du brauchst keine Kleidung." Harry schwante Übles. Triefend und zitternd vor Kälte stand er nun vor dem Tisch, an dem fünf Todesser saßen. Mit Lestrange waren sie zu sechst. "Schaut euch den Goldjungen an. Er hat sich für uns schön sauber gemacht." Harry wurde noch kälter, er zitterte. Das durfte nicht ihr Ernst sein. Sollten Sie ihn doch wieder schlagen oder ihm Flüche auf den Hals hetzen, aber nicht das.
Die fünf Männer standen auf und gingen gleichzeitig auf ihn zu, zu sechst umkreisten sie ihn. Die Fesseln wurden gelöst und Harry beeilte sich, die Hände vor seine Scham zu halten. "Aber, aber. Wer wird denn so schüchtern sein." Zwei Todesser nahmen seine Hände und hielten ihn an den Handgelenken fest. Er versuchte, sich ihnen zu entwinden, aber sie waren zu viele. Ihre Hände waren überall. Sie zerrten ihn die Treppe hinauf in ein Schlafzimmer und dort begann Harrys wahrer Alptraum.



Snape lief in Kingsleys Büro auf und ab. "Und du bist dir sicher, dass es eine Fußballmannschaft aus Nottingham war?" fragte Kingsley gerade. "Du kannst dir die Erinnerung gerne selbst ansehen, aber ich bin mir sicher!" sagte Snape ernst. "Es war die Mannschaft von Nottingham Forest. Es ist unser einziger Anhaltspunkt. Wir müssen dort in der Gegend nach weiteren Hinweisen suchen, nach in Frage kommenden Gebäuden, nach magischen Signaturen. Vielleicht ist es nicht direkt in Nottingham. Es kann auch in der Umgebung sein. Sie haben auf jeden Fall ein Muggelhaus in Besitz genommen. Und dort halten sie Harry fest. Ich bin mir sicher, dass der dort lebende Muggel von ihnen getötet wurde." "Ja, davon ist wohl auszugehen," sagte Kingsley traurig. "Wie geht es Harry?" Snape schnaubte. "Wie soll es ihm gehen? Er lebt. Das ist aber auch schon alles Und je länger wir ihn dort lassen, desto größer wird der Schaden sein, den Lestrange und seine Todschläger anrichten. Ich wage nicht, mir auszumalen, was sie noch alles mit ihm anstellen. Das, was ich gesehen habe, würde schon manchen erwachsenen Mann brechen. Harry hat im Krieg schon viel zu viel mit gemacht. Wir müssen ihn da raus holen, Kingsley, so schnell wie möglich!" "Seit wann bist du eigentlich so sehr am Wohlergehen von Harry interessiert?" fragte Kingsley fast schon ein bisschen spöttisch. "Das verbitte ich mir! Ich war schon immer an Harrys Wohlergehen interessiert. Das dürftest  du ganz genau wissen." fuhr Snape ihn an. "Ja, entschuldige, du hast Recht. Ich wusste nur nicht, dass er dir tatsächlich persönlich so sehr am Herzen liegt. Bisher dachte ich, es sei eher wegen der Sache an sich , um Voldemort zu stürzen." "Ach, und da denkst du, jetzt wo Voldemort tot ist, da ist mir Harry plötzlich egal? Jetzt ist die Zeit gekommen, in der wir alle einmal an ihn und zwar nur an ihn als Person denken müssen! Nicht an den Jungen-der-lebt, an den Auserwählten, den Retter und Erlöser! Wir müssen an den Jungen denken - er ist 18 Jahre alt und hatte, bis er 11 war, keine Ahnung, wer er überhaupt ist. Seine Verwandten haben ihm seine Identität und seine Würde geraubt und dann wurde er in der Zauberergemeinschaft aufgenommen und wurde von einem Tag auf den anderen in eine Rolle gedrängt, die er nie wollte. Ich selbst bin an dem Jungen schuldig geworden, habe lange nur seinen Vater in ihm gesehen. Erst im letzten Jahr ist mir vieles klar geworden. Darum müssen wir ihn unbedingt retten! Ich kenne die Lestranges und ihre Neigungen - das übersteigt unsere Vorstellungskraft bei Weitem." Kingsley sah ihn kritisch an. "Du meinst....." "Ja, ich befürchte, dass er auch davor nicht zurück schreckt." "Bei Merlin. Du hast Recht, wir müssen los legen. Okay, Nottingham - ich werde ein Team zusammen stellen aus Auroren und früheren Ordensmitgliedern. Ich denke, dass Miss Granger,  Mister und Miss Weasley auch dabei sein wollen. Kümmerst du dich darum? Dann treffen wir uns in einer Stunde wieder hier."
Snape nickte und disapparierte zum Fuchsbau.Er wusste selbst, dass seine kleine Rede bezüglich Harry aus seinem Mund seltsam klang. Aber es war sein innerstes Bedürfnis und er hatte so viele Jahre entgegen seiner Bedürfnisse gelebt. Er konnte und wollte sich nicht mehr verstellen.