Lucifer: Überrascht und verwirrt

GeschichteMystery, Fantasy / P12
Amenadiel Charlotte Richards Chloe Decker Ella Lopez Linda Martin Lucifer Morningstar
12.01.2020
23.05.2020
22
74.493
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23.05.2020 4.382
 
The Darkest Star

Oh you sad one
Playing the angel
Isn't so easy where you're from

Oh you wild one
Devil
You won't stay satisfied for long

I don't want you to change anything you do
I don't want you to be someone else for me

Oh you dark one
Eternal outsider
Caught in the spider's web you've spun

Oh you blind one
Gentle and kind one
Seeing the world as a loaded gun

I don't want you to change anything you do
I don't want you to be someone else for me

Stay as you are the darkest star
Shining for me
Majestically

Depeche Mode

Captured Angel

Found your heart
And lost your lover
Lick your wounds
And run for cover.

Take your time
There'll be another
And don't make the same mistake twice
Unless you can pay the price.

All the years
You spent in growing
End up one more
Line you're towing
Don't look know
Your age is showing
And its much too late
To turn back
You better pull in the slack.

Captured Angel
Aching to make your break
Your freedom's at stake
You better fly now...
Fly now, fly now
While your wings are still young
Your cage door's been flung
Wide open...
And I'm hoping you see
That there's a place beside me
If you ever need it.

Sold your dreams
For sweet salvation
Left with righteous indignation
Now it seems that you face starvation
And nourishment doesn't come cheap
You better go back to sleep.

Captured Angel
Aching to make your break
Your freedom's at stake
You better fly now...
Fly now, fly now
While your wings are still young
Your cage door's been flung
Wide open...
And I'm hoping you see
That there's a place beside me
If you ever need it.

Dan Fogelberg

The Final Redemption

Now that I've lost you and failed in every way,
And I've given the last of faith to chance
It tears my soul to face my failure
And to know what it finally ended in...

Here I am, lost but so much wiser than I ever was before
Through the pain of the price I paid to open my eyes
I am reminded to keep myself chained to the wall of life

Losing you was to be my final redemption...

All this warmth present in this one place of fear and pain
Makes me think that black and white could easily melt into one
So kind and gentle is the touch of the ones I used to fear
Please grant me strength to face my saviours, take their hands and offer my confession

Here I am, lost but so much wiser than I ever was before
And though I'm lost, led astray by me, I'm on my way back home...
Through the pain of the price I paid to open my eyes
I am reminded to keep myself chained to the wall of life
Everywhere that I look I stare into misery
I am reminded to stay on the road that I left so long ago
Losing you was to be my final redemption ...

Pain Confessor


Maze saß zutiefst frustriert und äußerst wütend an Ketten gelegt auf der Pritsche ihrer Zelle, die mit Lucifers identisch war. Sie machte sich bittere Vorwürfe. Sie war seine erste Leibwächterin überhaupt und hatte noch nie versagt. Jetzt war dieser Fall doch eingetreten. Lucifer mußte ja grenzenlos enttäuscht von ihr sein und vor allem stinksauer. Aber was passiert war, hatte sie nicht vorhersehen können. Daß diese Droge bei ihr wirkungslos war, aber Lucifer langlegte, sprach eindeutig für schwarze Magie. War ein weiterer gefallener Engel etwa ein Verräter oder gab es diesbezüglich noch andere Optionen?
Bisher hatte sie nicht viel von ihren Wärtern zu sehen bekommen. Nur einmal Essen, daß sie kaum angerührt hatte.
Sie hatte es nicht großartig mit Emotionen, hielt dies für einen schädlichen, hemmenden Ausfluß der Mortalen. Sie hatte Lucifer bittere Vorwürfe gemacht, daß der Aufenthalt unter Menschen auf ihn abgefärbt hätte.
Jetzt, zur Untätigkeit verdammt, dachte sie zwangsläufig viel nach und was sie ihm vorgehalten hatte, traf auch auf sie zu. Sie hatte Freundschaften geschlossen, sich Sorgen gemacht, sich gekümmert. Eigentlich unglaublich! Ihre eigene Mutter, Lilith, wäre schockiert.
Nun traten ihr Tränen in die Augen. Wenn Lucifer starb, dann starb sie ebenso und sie besaß keine Seele. Tot für immer. Ausgelöscht. Wenn Lucifer starb, wäre das das ultimative Versagen.
Die Tür ging auf. Maze spannte sich an. Dieser dreckige Abschaum Lethe trat ein, mit einem Wärter und einer dritten Person. Als Maze diese sah, wurden ihre Augen vor Staunen und Entsetzen riesengroß. Sie sprang in die Höhe, wurde aber von den Ketten zurückgezerrt.
"Du?" schrie Maze.
"Ja, ich!" erwiderte die weibliche Stimme.
"Ich dachte, du wärest tot!"
"Aber nein, ich habe mich nur bedeckt gehalten!"
"Du Miststück!" zischte Maze.
"Mazikeen, Mazikeen, Mazikeen! Wie redest du denn mit mir?"
Maze schwieg und sah sie äußerst zornig an.

Chloe schritt ratlos auf und ab.
"Wir müssen etwas tun! Amenadiel! Raphael! Wenn die einen Weg finden, Lucifer umzubringen ... Ich glaube kaum, daß euer Vater DAS dulden würde! Schließlich wollte Er ihn sogar wieder zum Erzengel erheben!"
"Ja, das stimmt! Das will Er nicht. Aber wir können nicht die Hölle betreten, selbst wenn wir dürften!" antwortete Amenadiel. Die Neuigkeiten um Linda mußte er erst einmal beiseite schieben.
Chloe ließ einen Schrei der Frustration entweichen. Raphael meldete sich zu Wort.
"Gabriel war einmal in der Hölle."
"Was sagst du da? Warum weiß ich davon nichts?" empörte sich Amenadiel.
"Er hat es mir im Vertrauen erzählt! Aber diese besondere Situation rechtfertigt diesen Bruch wohl."
"Wann war er dort?"
"Vor zweihundert Jahren! Als du einen anderen wichtigen Auftrag hattest, bekam Gabriel einmalig die Mission, Lucifer aus London zu vertreiben. Vater hat ihm die Fähigkeit verliehen, die Hölle zu betreten, um Lucifer dort hinbringen zu können. Vielleicht hat er diese immer noch?" rätselte Raphael.
"O wie schön, was man alles nicht weiß!" knurrte Amenadiel.
"Wartet!" verkündete er. Er versank tief und andächtig in einem Gebet. Momente später hörte man am gekippten Fenster das Geräusch von gewaltigen Schwingen. Kurz danach betrat Gabriel Chloes Haus. Obwohl die Tür abgesperrt war. Wieso können Engel das eigentlich und wie? Sie wären perfekte Einbrecher, dachte Chloe.
"Hier bin ich! Was gibt es denn?" fragte er. Er sah sich um.
"Nanu! Wo ist denn unser lieber Lucifer, der vierte Musketier?" wollte Gabriel mit leicht spöttischem Unterton wissen.
"Er schwebt in tödlicher Gefahr, Gabriel! Chloe, erkläre es ihm!" Sie schilderte das Vorgefallene und was bereits in der Vergangenheit evident war.
Nachdenklich kratzte sich Gabriel am glatt rasierten Kinn.
"Ja, ich glaube dir, Chloe! Du bist etwas Besonderes! Lucifers und deine Seele scheinen verknüpft zu sein. Zwischen Engeln und Sterblichen ist so etwas extrem selten, aber das gibt es!"
"Kannst du immer noch die Hölle betreten, Gabriel?" fragte Amenadiel.
"Um ihn zu retten, hmh? Ja, dieses Talent besitze ich nach wie vor. Vater hat anscheinend gewußt, daß es noch von Nutzen sein kann."
"Könntest du uns drei mitnehmen?" fragte Raphael.
"Chloe, du auch?" wandte Gabriel sich an sie.
"Das ist extrem gefährlich! Du bist nicht immortal!"
"Ich weiß! Aber ich kämpfe gegen jeden Dämon der Hölle und jeden gefallenen Engel, der sich als Feind erweisen sollte! Ich lasse Lucifer nicht sterben!"
"Tapfer und mutig! Alle Achtung! Weiß Lucifer, welch ein Glück er hat?"
"Ich denke schon!" lächelte Chloe.
"Amenadiel, Raphael, habt ihr eure Waffen dabei?"
"Engelsklingen? Immer!" sagte Amenadiel.
"Ich meinte Dämonenmesser!" entgegnete er und zog aus der Innentasche seines Jacketts zwei heraus und gab beiden je eins.
Chloe eilte zu den Schubladen des Schrankes und wühlte hektisch herum.
"Ha!" rief sie triumphierend. Mazes Dämonenmesser war immer noch an Ort und Stelle.
"Ich bin bewaffnet!" verkündete sie.
"Beherrscht du Messerkampf?" wunderte sich Amenadiel.
"Habe ich gelernt, falls keine Schußwaffe verfügbar ist und ich mich wehren muß!"  
"Sehr schön! Ich hätte nie gedacht, daß ausgerechnet ich das jemals sagen würde, aber auf geht es zur Mission: 'Lucifer retten!' Das nächste Portal ist drei Kilometer entfernt! Wir fliegen! Also brauchst du einen, der dich trägt!"
Raphael bot sich erneut an.
"Wieder gerne, Chloe! Das macht mir Freude!" Chloe seufzte.
"Na gut!"
Sie traten vor das Haus und Raphael hob sie wie nichts auf seine Arme. Diese Schwingen waren wunderschön. Raphaels waren weiß, Amenadiels gräulich und Gabriels weiß.

Wieder einmal eine ungewöhnliche Luftreise - Chloe war mittlerweile daran gewöhnt und genoß es sogar. Dieses Lichtermeer von Los Angeles konnte nun in der Finsternis ein entferntes Universum sein, jede Illumination ein ferner Stern.
All diese Menschen, wie von einem anderen Planeten, weit entfernt mit ihren Sorgen und Nöten. Sie ahnten nicht einmal im Traum, was um sie herum geschah, daß es andere Ebenen tatsächlich gab.
Die Reise hielt nicht lange an. Raphael ließ sie im Griffith Park sanft zu Boden gleiten.
"Im Griffith Park gibt es auch ein Portal?" staunte Chloe.
"Legionen davon in ganz Engelsstadt!" grinste Gabriel.
"Bleibt dicht bei mir, wenn ich die Formel im Kopf rezitiere!"
"Aber du weißt doch nicht, wo er ist, Gabriel?" warf Amenadiel ein.  
"Das ist kein Problem! Durch Chloes Verbindung werde ich intuitiv die richtige Formel herleiten und dann werden wir direkt dorthin gelangen, wo er gefangengehalten wird!"
Er wandte sich an Chloe.
"Gib mir deine Hände, bitte!" Widerwillig kam sie seinem Wunsch nach.
Mit beiden Händen hielt er ihre. Sie waren kühl und trocken, befand Chloe. Er schloß die Augen und schien meditativ kontemplativ zu sein.
Kurz darauf öffnete er seine Augen wieder.
"Ich weiß jetzt, welche Formel die richtige ist! Kommt! Stellt euch jetzt dicht an dicht an meine Seite!"  
Gesagt, getan! Gabriel war hochkonzentriert und dann spürten sie es alle. Das Tor war offen und sie traten ein. Elektrostatisch stellten sich ihre Haare wieder auf. Die Finsternis beim Durchtritt legte sich wie eine schwere Last auf ihre Brust. Sie bekam den Eindruck, nicht atmen zu können. Das war alptraumhaft und noch schlimmer, als beim letzten Mal.
Dann war es vorbei und sie waren wortwörtlich in der Hölle. Ein prächtiger Palast stand unmittelbar vor ihnen, mit gepflegten Grünanlagen. Parkähnlich, mit hohen Mauern eingeschlossen. Trotzdem sah dieser weitläufige Garten nicht wie einer von der Erde aus. Es war zwar grün, aber ein blasses, als ob die Farben ausgeblutet wären.
Raphael staunte. Nun war er doch in Lucifers Reich, wie er es sich heimlich gewünscht hatte. Amenadiel hingegen fühlte sich sehr unbehaglich, eindeutig fehl am Platz.
Chloe war sprachlos. Hier an Ort und Stelle empfand sie äußerst intensiv und stark Lucifers Präsenz, als ob sie ein lebendes Navigationssystem wäre.
"Ich weiß, wo er ist!" verkündete sie aufgeregt und leise. Sie waren vorsichtig, sahen sich immerzu um, aber niemand war zu sehen, jedenfalls nicht in dieser Ecke.
"Das ist der Palast von Lethe Pestus, dem Gouverneur dieses Distriktes!" informierte Gabriel sie.
Woher weiß er das? fragte und wunderte sich Amenadiel. Gabriel wiederum wollte ihnen nicht unbedingt mitteilen, daß er diskreten Agententätigkeiten nachgegangen war.
"Chloe! Zeige uns den Weg!" forderte Gabriel sie auf.
"Dann los!" sagte sie und ging voran.

Lucifer war in einen benommenen Dämmerschlaf gefallen. Er war froh, daß seine Rippen nicht mehr so wehtaten. Er hatte nicht resigniert, noch nicht. Es mußte eine Möglichkeit geben. Irgendeine. Nur war er so unendlich erschöpft. Lohnte es sich noch zu kämpfen? Chloe! Ja! Sie war es wert zu kämpfen, aber war nicht alles verloren?
Seine Zellentür öffnete sich. Kraftlos hob er den Kopf.
Natürlich! Lethe! Und ein Wärter sowie, nein, das konnte nicht sein?
Schlagartig richtete Lucifer sich auf und sah ihr ins Gesicht.
"Du? Bist du nicht damals bei dem kleinen Zwist zwischen euch Dämonen umgekommen?"
"Das solltest du denken, Lucifer, mein Schatz!" Sie begab sich zu ihm und strich über seine Wange. Er zuckte zurück.
"Du wirst mich nicht anfassen, Lilith! Nie mehr!"
"Ho! Ho! Ho!" lachte sie. Lilith, Mazikeens Mutter. Die Ähnlichkeit zwischen den beiden war verblüffend, vor allem, weil Lilith als Unsterbliche auch nicht alterte. Damals hieß es, ein Dämonenmesser hätte ihr den Garaus gemacht.
"Du hast ihnen den Grand Grimoire besorgt, oder? Lilith?" spie Lucifer die Worte angewidert aus.
"Aber klar! Ich war schon immer raffiniert! Mich gab es, bevor es die Dämonen gab! Und ich kenne alle Tricks und Kniffe, um an magische Bücher zu kommen!"
"Warum?" verlangte Lucifer zu wissen.
"Dumme Frage! Wir haben die Oberherrschaft von euch Engeln satt!"
"Garantiert haben sich nicht alle Dämonen euch angeschloßen!" bezweifelte Lucifer.
"Bedauerlicherweise nein! Aber wir sind an die zehntausend und sehr missionarisch!"
"Also ist keiner meiner Geschwister beteiligt!" konstatierte Lucifer.
"Aber nein!"
Bittere Reminiszenzen flammten in Lucifer auf. Er und seine gefallenen Geschwister waren noch nicht lange in der noch relativ neuen Hölle, als zu ihrer aller Überraschung Lilith in Fleisch und Blut verdammt zum immerwährenden infernalen Aufenthalt, bei ihnen auftauchte. Sie war ein Geschöpf, das Vater kreiert hatte und Adams erste Frau.  Warum nun war sie bei ihnen? Weil sie in den Augen Vaters mißlungen und mißraten war. Sie hatte es gewagt, eigenständig zu denken und zu hinterfragen sowie Adam zurückzuweisen, was dieser celestiale Tyrann nicht dulden konnte.
Lucifer fand das damals kleinlich und rachsüchtig. Zu dem Zeitpunkt damals war Lucifer in Sachen Sex noch unglaublich naiv und tatsächlich unerfahren, hatte dieses Erlebnis noch nie gehabt. Lilith verführte ihn und er ließ das mehr als gerne mit sich geschehen. Dämonen gab es noch nicht. Diese wurden gerade erst entwickelt. Sie war seine allererste Liebhaberin überhaupt, aber diese Affäre hielt nur kurz und endete schon Jahre vor Mazikeens Geburt.
Lucifer erkannte nämlich bald, daß Lilith kein armes, gebeuteltes Opfer seines Vaters war, sondern anscheinend bei ihrer Kreation die schlechtesten Charaktereigenschaften Dads abbekommen hatte.
Sie war durchtrieben, manipulativ, versuchte, ihn und seine Geschwister gegeneinander auszuspielen. Sie war eiskalt. Das führte so weit, daß Lucifer sie unter Androhung der Todesstrafe durch das Dämonenmesser hinrichten ließe, falls sie jemals zu seinem Palast zurückkehrte, in eine entfernte Provinz verbannte. Da gab es bereits Dämonen und sie tat sich bald mit Mazes Vater zusammen und sie war das Ergebnis.
Ironischerweise wurde Maze aus Trotz Lucifers erster Bodyguard, weil sie sich mit ihren Eltern heillos überworfen hatte.
"Weiß Maze, daß du zurückgekehrt bist?" fragte Lucifer mit unterdrückter Wut in der Stimme.
"Natürlich, Lucifer! Ich habe mein einziges Kind, meine geliebte Tochter zuerst aufgesucht!"
"Und mit Tränen in den Augen hat sie dich, ihre heißgeliebte, vermisste Mommy in die Arme geschlossen!" spottete er.
"Aber wo denn! Sie hat alle möglichen Kraftausdrücke benutzt!"
"Ja, so kenne ich und liebe ich Maze!" grinste Lucifer.
"Dir wird dein dümmliches Grinsen schon noch vergehen, Lucifer! Ich bin nur ein halber Dämon, aber auch eine Schöpfung deines Vaters! Ich kann dich zwar nicht töten, aber dich verletzen, dir sehr wehtun! Das weißt du wohl noch!" Sie lächelte maliziös.
Lucifer sah sie sehr ernst an und seine Augen funkelten.
"Ich sehe, daß du erst vor kurzem eine Prügelei hattest? Wohl mit einem Engel? Im Himmel? Du stinkst danach!" Unerwartet und zu Lucifers Überraschung riß sie mit bloßen Händen sein Hemd in Fetzen.
"Hey!" brüllte er empört.
"Das war ein Hemd von Prada!"
"O, wie witzig! Der Teufel trägt Prada!" entgegnete Lilith trocken.
"So, so! Ein riesiger Bluterguß auf deinen linken Rippen! Spricht für ein paar nette Brüche! Da brauche ich nicht viel Kraftaufwand! Und jetzt fasse ich dich doch wieder an!"
"Nein, bleib mir bloß vom Leib!" stieß Lucifer die Worte hektisch hervor. Er konnte sich nicht wegdrehen. Sie legte ihre Hände auf seinen beeinträchtigten Rippenbogen und drückte erst leicht zu. Ein leichtes Ächzen ging gegen seinen Willen über Lucifers Lippen. Dann erhöhte sie zunehmend den Druck. Lucifer biß sich auf die Lippe, bis sie blutete, aber er konnte den Schmerzenslaut am Entweichen nicht hindern. Dann legte sie einen Impakt an den Tag, daß die gerade erst angeheilten Rippen erneut brachen und nicht nur die. Nun schraubten sich Schreie der Pein aus Lucifers Mund.
Die Schmerzimpulse der Nervenenden rasten in Überschallgeschwindigkeit über seine Wirbelsäule in sein Cerebrum und verwandelten dieses in ein grellhelles Inferno.
Lilith hörte auf und sah sehr selbstzufrieden aus.
Lethe lachte.
"Ist sie nicht eine tolle Lady de Winter?" konstatierte er.
Lucifer keuchte schwer und abgehackt. Dieser Schmerz war wahrhaftig höllisch. Er hatte Schwierigkeiten zu atmen. Hoffentlich hatte keine Rippe den Lungenflügel durchstoßen.
"Du kannst ... lesen?" stieß er mühsam hervor.
"Du kannst mich nicht beleidigen, Lucifer!" entgegnete Lethe.
"Weil du bald einmal gewesen warst! Komm, Lilith, wir gehen! Jetzt wird er wenigstens unseren nächsten Besuch fürchten!" Sie verließen seine Zelle und Lucifer hörte noch Lethe rufen:
"Was ist denn hier los?" Und dann fiel die Tür zu und sie ließen ihn in kompletter Dunkelheit zurück.
Lucifers Verzweiflung war noch mehr gewachsen. Die Schmerzen waren etwas erträglicher, aber es pochte heftig in seinem Brustkorb. Das Atmen fiel ihm nach wie vor schwer. Vater! Wo bist du jetzt? rief er in Gedanken, sich aufs Atmen konzentrierend. Auch in Gedanken konnte der gute alte Dad ihn hören. Chloe! O Chloe!

Gabriel, Amenadiel, Chloe und Raphael hatten das Glück auf ihrer Seite. ( Mit ein wenig Hilfe von Ihm vielleicht? ) Es waren erstaunlich wenig Wärter anwesend, die von den drei geflügelten Musketieren leichterdings überwältigt wurden. Dann traten sie in einen langgezogenen Flur mit vielen gleichaussehenden Türen und aus einer kamen gerade Lilith, Lethe und ein weiterer Wärter heraus. Die Zelle hinter ihnen war stockfinster. Dort befand sich Lucifer. Das wußte Chloe.
"Was ist denn hier los?" rief Lethe überrascht, als er sich diesen unerwarteten Antagonisten gegenüber sah. Die Tür zu Lucifers Zelle fiel zu und rastete ein. Chloe wurde ganz unruhig, so nah bei Lucifer und doch so fern.
"So! So! So! Ich erkenne euch! Gabriel! Amenadiel! Raphael! O, und die berühmte Chloe!" grinste er sie an.
"Das celestiale SWAT - Team, um den Fürst der Finsternis zu retten! Wie putzig!"
Die Erzengel und Chloe hielten ihre Dämonenmesser bereit, zu allem entschlossen.
"Das ist Lilith!" sagte Amenadiel zu Chloe.
"Der Legende nach Adams erste Frau! Hochinteressant!" knurrte Chloe.
"Und Mazes Mutter!" setzte Amenadiel hinzu.
"Aha! Das erklärt die große Familienähnlichkeit!" kommentierte Chloe mit grimmig entschlossener Miene.
Diese drei präsentierten ebenfalls ihre Dämonenmesser.
"Na, los! Wenn ihr denkt, daß ihr gewinnen könnt!" rief Lethe.
Sie stürzten aufeinander los.
Maze hatte, ohne daß Lilith das bemerkt hatte, ihr eine Haarnadel abgenommen, weil diese immer schon gerne ihre Mähne damit gebändigt hatte und nun geriet dies zu ihrem Vorteil. Es war ein leichtes, ihre Ketten loszuwerden, weil sie nicht zusätzlich durch Magie gesichert waren und die Tür stellte ebensowenig ein Hindernis dar.
Als sie in den Flur hinaustrat, war sie wirklich baff. Maze zu beeindrucken, war sehr schwer. Aber nun sah sie, daß der Wärter mit dem Messer im Herzen tot auf dem Boden lag. Chloe war im Clinch mit Lilith und drohte zu unterliegen. Gabriel schnitt gerade Lethe die Kehle auf. Lilith! Das war Mazes Aufgabe!
Mit einem gewaltigen Schrei stürzte sie sich auf ihre verhaßte Mutter Lilith und packte sie an deren Haaren mit unglaublicher Kraft von Chloe weg. Erschöpft sank Chloe zu Boden, mit einer leichten Schnittwunde am Hals. Gut, daß diese Waffe ihr nicht schaden konnte.
Maze schleuderte Lilith mit Wucht gegen die Wand, daß ein Loch hineingeschlagen wurde und Lilith ächzte. Maze erhob ihr Dämonenmesser.
"Doch nicht deine eigene Mutter!" stöhnte Lilith.
"Und ob!" Maze stach kraftvoll zu und das Lebenslicht in Liliths Augen erlosch umgehend. Dann kehrte Stille ein, daß es regelrecht unnatürlich in den Ohren klingelte.
Amenadiel sagte als erster etwas:
"Alles in Ordnung mit euch?"
"Ja!" sagte einer nach dem anderen.
"Wo ist nun Lucifer?"
Maze und Chloe zeigten beide auf dieselbe Tür und sprachen synchron:
"Da!" Die beiden Frauen sahen sich an und lachten wie befreit.
Gabriel beförderte kurz darauf mit einem kräftigen Schlag seiner Hand die Tür aus den Angeln.

Von dem ganzen Aufruhr hatte Lucifer nichts mitbekommen, weil die Wände perfiderweise schalldicht waren. Das Atmen tat weh, aber trotzdem war er in einen unruhigen Schlaf gefallen. Dieser Alptraum endet erst mit meinem Tod und den werden sie mir nur unter gräßlichsten Bedingungen gewähren, war sein letzter bewußter Gedanke vor dem Abschalten.
Auf einmal wurde er abrupt aus dem Schlaf gerissen - durch einen unglaublichen Lärm. Die Tür flog aus den Angeln gerissen an die andere Wand entgegengesetzt von ihm. Erschrocken riß er die Augen auf. Er hatte allerdings nicht die Kraft sich zu erheben, weil der Schmerz erneut tobte.
Er sah erstaunt, daß Amenadiel, Maze, Raphael, Gabriel und ... Chloe! hereingeeilt kamen. Er war fassungslos vor positiver Erschütterung. Sie schob sich sachte nach vorne und kniete sich zu ihm.
"Lucifer! Ich bin so froh, daß du lebst!" Erst lächelte sie wie eine Supernova, aber dann sah sie ernst und besorgt aus, als sie Lucifers gequältes Lächeln sah und ihm anzusehen war, daß er Schmerzen hatte. Sie sah sein zerfetztes Hemd und daß das eigentlich schon am langsamen Abklingen begriffene Hämatom ganz frisch war. Lucifer hatte es eindeutig nicht leicht, unbeschwert zu atmen.
"Was zur Hölle haben sie mit dir gemacht?" rief Chloe bestürzt.
"Lilith hat mir die angeheilten Rippen gebrochen und die anderen intakten noch dazu," erzählte Lucifer mühsam.
"Ich habe das Miststück getötet!" rief Maze stolz.
"Sehr ... sehr gut, Maze!" sagte Lucifer, versuchte zu lachen, aber mußte dann heftig husten.
"Ah! Au! Ahahah! Sohn einer läufigen Hündin, tut das weh!"
"Hey Leute! Was ist mit seinen Fesseln, diesen dämlichen Ketten!"
Gabriel sah sie sich an.
"Schwarze Magie! Kein Problem! Meine celestiale Kraft ist stärker!" Er legte seine Hände um Lucifers rechtes Handgelenk und kurzes, grelles Licht erstrahlte. Kurz darauf war Lucifer frei, aber er hatte tiefe Einschnitte in den Gelenken.
Chloe nahm seine Hand und küsste die Innenseite. Sie mußte auch vor Freude weinen.
"Lucifer! Wenn ich deinen Hilferuf nicht gehört hätte!"
"Du hast?" Er lächelte sanft, dann mußte er erneut husten und zwar Blut.
"O, o!" sagte Amenadiel.
"Der Lungenflügel ist verletzt! Lucifer! Wir bringen dich zurück auf die Erde! Du brauchst Heilung!"
"Ich...ich muß die Verräterbrut auslöschen,"  murmelte Lucifer abwesend.
"Bruder! Nicht in deinem Zustand!" verkündete Gabriel.
"Was ...?" setzte Lucifer an und war dann weggetreten. Chloe rüttelte panisch an seiner Schulter.
"Lucifer!" rief sie fassungslos.
"Was ist mit ihm?" schrie sie schon fast in die Runde.
Amenadiel sah ihn sich an.
"Mach dir bitte keine Sorgen, Chloe! Er ist in Trance! Er ist schließlich schwerverletzt!"
"Mann, bin ich erleichtert!" Sie schloß mit nun unbeschwerterem Herzen die Augen.
Seltsamerweise verspürte Gabriel kaum noch Zorn auf Samael, Lucifer. Zu Amenadiels Erstaunen nahm dieser Lucifer auf seine Arme. Sie gingen denselben Weg zurück, den sie gekommen waren. Chloe blieb dicht bei Lucifer.
Nun betraten sie zu fünft das Portal, mit einer alterierten Formel traten sie direkt in der Seitengasse bei 'Lux' heraus.
Sie flogen hoch zu Lucifers Penthouse und Amenadiel trug sie diesesmal. Raphael transportierte Maze, die ihn hin und wieder keck anlächelte, was Raphael irritierte. Einen Dämon hatte er noch nie getroffen, erst recht keinen solch attraktiven.
Gabriel legte Lucifer behutsam auf seinem Bett ab. Chloe registrierte, daß seit ihrem Aufbruch gerade einmal eine halbe Stunde vergangen war - auf der Erde. 0.30 Uhr, der ganz frühe Sonntag. Sie konnte also noch lange bei Lucifer bleiben.
"Chloe, ich gehe in mein Apartment - schlafen! Falls du mich brauchst?"
"Danke, Maze!
"Wir lassen euch allein!" verkündete Amenadiel und die drei flogen ab.

Chloe setzte sich zu Lucifer auf das Bett. Wie dicht sein Bart schon geworden war. Natürlich auch schön schwarz. Witzig, daß damals im Satanistenfall, selbige angenommen hatten, Lucifer müsse blond sein. Albern! Daß sie dem echten Fürsten der  Finsternis begegnen würden, damit hatten diese Typen garantiert nicht gerechnet. Sie strich ihm über die Wange und küsste erneut seine Hand.
Sie zog ihm den Stoffetzen, der einst ein Pradahemd gewesen war, die Schuhe und die Hosen aus. Er trug dann noch Boxershorts. Mit einem feuchten Lappen säuberte sie sein Kinn von dem ausgehusteten Blut.
Sie merkte, daß er leicht zitterte, weil er offenbar fror. Sie zog selbst ihre Schuhe aus, als auch die Hose und das Shirt, behielt aber die Unterwäsche an, deckte ihn und sich zu. Sie schmiegte sich an seine rechte Seite, die nicht verletzt war. Jetzt atmete er wenigstens tief und gleichmäßig, ohne Schwierigkeiten.
"O Lucifer! Ich habe mich idiotisch benommen! Tut mir leid!" wisperte sie leise in sein Ohr. Zu ihrer Verblüffung lächelte er ganz leicht.

Linda schlief schon, als das Geräusch von Flügeln sie weckte. Amenadiel war da.
"Deinen geheimnisvollen Auftrag erledigt, Amenadiel?"
"Aber ja!" Er setzte sich zu ihr und nahm sie fest in die Arme.
"Linda! Ich freue mich sehr auf unser Baby! Ich werde dir zur Seite stehen! Ich liebe dich über alles!"
Linda mußte wieder weinen.
"Amenadiel! Ich liebe dich! Das schaffen wir!"
So hielten sie sich gegenseitig lange fest.
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