Forbidden Attraction

von Mrsss
GeschichteAllgemein / P16
12.01.2020
18.02.2020
13
18176
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
In der darauffolgenden Stunde wollte sie zu Herr Vega gehen und mit ihm darüber reden, doch als sie am Morgen auf den Vertretungsplan sah, stellte sie fest, dass sie ihr Vorhaben würde verschieben müssen; Erdkunde fiel aus. Da auch die Stunde vor Erdkunde ausfallen würde, entschloss sie sich dazu, nach Hause zu gehen. Eigentlich hätte sie ihre Freunde dazu eingeladen, mit ihr zu kommen, doch sie hatte so viel worüber sie nachdenken musste, da hatte sie einfach keine Zeit für tanzen und Karaoke singen.
Als sie gerade das Schulgebäude verließ, sah sie, wie Herr Vegas schwarzes Auto aus der Ausfahrt neben der Schule auf die Straße fuhr. Er war also doch da gewesen. Wieso fiel dann Erdkunde aus? Und wo fuhr er hin?
Poline beschloss ihn, wenn er wieder da sein würde, danach zu fragen. Antworten würde er ihr bestimmt nicht, aber einen Versuch war es wert.
Sie lief also nach Hause, doch was sie sah, ließ ihren Herzschlag für einen kurzen Moment aussetzen. Herr Vegas Auto parkte mitten auf ihrem Hof. Dieser Idiot. Sie hatte ihm doch gesagt, dass Vince und wohl auch einige andere davon ausgingen, dass Poline und Herr Vega mehr verband als eine Lehrer-Schüler-Beziehung. Und da hielt er es für hilfreich, sein Auto vor ihrem Haus zu parken? Was sollte sie denn ihren Eltern sagen? Ihre Mutter würde...
In diesem Moment fiel Poline ein, dass ihre Mutter zu Hause war. So schnell sie konnte, lief sie zur Tür und ging herein. Sie blickte vorsichtig in die Küche. Erneut schien ihr Herz stehen zu bleiben.

"Bist du schon zu Hause", hörte sie ihre Mutter überrascht fragen.

Doch Poline antwortete nicht. Stattdessen schaute sie völlig verwirrt zu Herr Vega.

"Herr Vega ist hier, weil er mit mir sprechen will", fuhr ihre Mutter fort. "Es geht um deine Noten. Warum wusste ich nicht, dass du in Erdkunde so schlecht bist?"

"Lassen Sie ihrer Tochter doch noch einen kurzen Moment, um ihre Sachen abzulegen und dann können wir uns alle gemeinsam unterhalten."

Poline zog also ihre Schuhe und ihren Rucksack aus, während ihre Mutter Herr Vega einen weiteren Kaffee anbot. Als sie ihre Jacke an der Garderobe aufhing, hatte sie kurz Zeit, um sich zu sammeln. Tausende Gedanken gingen ihr durch den Kopf. Was wollte er hier wirklich? Wieso konnte er es nicht einfach sein lassen? Was war an ihr so besonders, dass er sie so nerven musste? Sie verkniff es sich, aus Verzweiflung laut aufzuschreien und begab sich zurück in die Küche.

"Möchtest du etwas trinken", fragte ihre Mutter.

"Nein, danke", antwortete sie und setzte sich schräg gegenüber von Herr Vega. Sie blickte ihn an, doch er achtete nicht darauf und ließ seine Gesichtszüge kein einziges Mal entgleiten. Es wirkte fast so, als hätte er schon öfter solche Gespräche geführt.
Ihre Mutter setzte sich neben sie und begann die Konversation mit der Frage, weshalb genau er sie zu Hause aufsuchte.

"Nun ja, ich möchte wirklich, dass meine Schüler alle in die nächste Klassenstufe versetzt werden, doch der Zwischenstand Ihrer Tochter ist nicht wirklich vielversprechend. Im Unterricht meldet sie sich kaum, was ihrer Mitarbeitsnote enorm schadet und im Schriftlichen ist sie etwas unter dem Durchschnitt."

Ihre Mutter reagierte völlig geschockt. Poline musste zugeben, dass sie auch das Recht dazu hatte. Über die Schule redete sie schon lange nicht mehr mit ihren Eltern. Die würden sie sowieso nur nerven oder absolut überreagieren. So wie beim letzten Zeugnis. Dabei waren ihre Geschwister viel schlechter in der Schule als sie.

"Und was sollten wir dagegen tun", wollte ihre Mutter schließlich von Herr Vega wissen.

"Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Die Erdkundeklasse ist im Moment der einzige Kurs, den ich unterrichte. Dadurch habe ich viel Zeit und könnte es einrichten, Ihrer Tochter Nachhilfestunden zu geben. Umsonst natürlich", meinte er und lächelte ihre Mutter mit dem falschesten Lächeln an, das Poline jemals gesehen hatte. Sie wollte gerade sagen, dass sie das auf keinen Fall machen würde, da kam ihre Mutter ihr zuvor.

"Das wäre wirklich sehr großzügig von Ihnen."

Poline sah ihre Mutter geschockt an.

"Mama, kann ich nochmal kurz mit dir darüber reden?"

"Nein", lautete ihre simple Antwort. Dann wendete sie sich zurück zu Herr Vega. "Wann könnten Sie denn anfangen?"

"Das kommt darauf an, wann Poline und ich beide Zeit haben."

Poline war also dazu gezwungen, ihren Stundenplan hervorzuholen und Nachhilfestunden zu vereinbaren. Drei, es wurden ganze DREI Stunden die Woche ausgemacht. Mittwochs nach der Schule, Donnerstags nach der Schule, was überhaupt keinen Sinn machte, weil sie Donnerstags nichteinmal Erdkunde hatte, und Samstags. Ja, an jedem nächsten Samstagabend, der normalerweise ihr schulfreier Abend der Woche war, würde sie nun zu Herr Vega NACH HAUSE fahren müssen, damit er mit ihr Erdkunde machen konnte.
Am Ende des Gesprächs, das übrigens noch sehr lange ging, weil Herr Vega und Polines Mutter einfach nicht die Klappe halten konnten, war Poline so wütend wie schon lange nicht mehr.
Doch die Chance, Herr Vega darauf anzusprechen, wurde ihr nicht gegeben. Sie musste nämlich zurück in den Unterricht.

"Es war schön, Sie kennenzulernen", verabschiedete sich Polines Mutter.

Auch Herr Vega verabschiedete sich höflich, jedoch nicht, ohne sie nocheinmal daran zu erinnern, dass noch am selben Tag die erste Nachhilfestunde stattfinden würde; es war Mittwoch.
Innerlich verfluchte sie ihren Lehrer, bevor er von ihrem Hof fuhr und auch sie sich auf den Weg zurück zur Schule machte.

Dort erzählte sie niemandem etwas von dem, was geschehen war, sondern versuchte einfach, die übrigen Stunden sowie die Mittagspause über, ihre immer weiter steigende Wut unter Kontrolle zu halten. Statt also auszurasten, fragte sie sich, wieso Herr Vega so einen großen Aufwand betrieb, um in ihrer Nähe zu sein. Vielleicht hätte sie ihm bei ihrem letzten Gespräch eine klare Abfuhr erteilen sollen, anstatt nur auf mysteriöse Weise zu lächeln und zu verschwinden.
Naja, dazu würde sie ja dann noch am selben Nachmittag die Gelegenheit haben.