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OneshotFreundschaft / P12
Grimm
12.01.2020
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Das Gestein schabte gegen seinen Panzer als der Wyrm dagegen taumelte und in die aufstobende Asche fiel, seine Hörner halb in den Flocken vergraben, die um sich geschlungenen weißen Flügel darauf ausgebreitet, und ein Seufzen entfloh ihm. Er hätte nicht gedacht, dass er so schnell wieder am Boden kriechen würde. Mit einem Kopfschütteln langte der Wyrm nach einer aus den Höhlenwindungen rankenden Wurzel und zog sich daran hoch, das Zittern in seinen Beinen ignorierend, bis er gegen den Felsen gelehnt dastand.
Asche rieselte zwischen seinen Hörnern hervor. Seine Schwingen und das Gewebe zwischen ihnen hingen fahlweiß leuchtend an ihm herunter, er ließ seinen Blick an sich herunterschweifen ehe der Wyrm eine Hand unter dem Chitingeflecht hervorschob und die Flügel wieder zurecht zupfte, wobei sein Licht auf der durchsichtigen Haut entlangschimmerte.
Ein Krächzen ließ ihn hochfahren.
Vor dem Wyrm stand mit der Finsternis des Tunnels beinah verschmelzend ein Wesen, dessen leuchtend rote Augen ihn musterten. Es raschelte mit den schwarzen Schwingen ehe es, seine Hörner unter einer Wurzel hindurch duckend, auf ihn zu trat. „Verzeiht, falls ich störe…?“ Seine Stimme kratzte an dem Gestein entlang, rau und wegbrechend, ein Akzent schwang in den Worten mit, der den Wyrm entfernt an eine Melodie erinnerte. Er ließ seinen Blick über den Fremden schweifen, das weiße Gesicht mit den brennenden Augen, bei denen dem Wyrm ein Schauer über den Rücken jagte, der graue Schal um seine Schultern drapiert, die sich kräuselnden Ranken der Flügel und das dunkle Chitin seiner Beine.
Er kannte keine Käferart, zu der der Andere gehören könnte.
Der Wyrm schüttelte nun den Kopf: „Ihr stört lediglich meinen Stolz, wie ich fürchte.“ Eine Geste zu seinen zitternden Beinen.
Krächzend legte das Wesen den Kopf schief, dann trat es an die Seite des Wyrm. „Weiter hinten kam ich an einem Zelt mit einer Bank vorbei, solltet Ihr eine Rast benötigen könnte ich Euch den Weg stützen“, erwiderte es, eine Hand zwischen seinem Gewebe hervorstreckend. Der Wyrm griff nickend zu und lehnte sich gegen es, ehe er mit der Unterstützung des Fremden einige Schritte über die Wurzeln des Tunnels ging. „Tragt Ihr einen Namen, Freund?“
„Ich nenne mich Grimm.“ Er bemerkte, dass Grimm neben ihm einen Mund mit spitzen Zähnen entblößte, aus dem es scharlachrot glühte, und ihn nach oben verzog. Ein Lächeln. „Es ist konventionell jemanden derartig zu begrüßen, nicht wahr?“ Der Tunnel weitete sich vor ihnen zu einer Höhle, von Stalaktiten und einer Ascheschicht bedeckt, in der aus einigen Tüchern und Seilen geformt ein Zelt stand.
Die Steinwände verlassend legte er seinen Arm um Grimms Schulter. „Ich nehme es an. Auch mir sind die Gepflogenheiten dieses Königreiches noch unvertraut. Ihr könnt mich Wyrm rufen, Grimm.“
Der dunkle Käfer nickte daraufhin und schob die Planen des Zeltes beiseite, sodass er und der Wyrm sich darunter hindurchducken konnten. Auch im Inneren knirschte Asche unter ihren Schritten als sie zu der Bank gingen, auf deren schwarzen Stein der Wyrm sich mit Grimms Hilfe hinsetzte. Er streckte die Beine aus, hüllte sich enger in sein Gewebe und sah dann zu dem sich neben ihm niederlassenden Insekt. „Sagt, aus welchem Reich stammt Ihr? Euer Akzent fiel mir auf“, beantwortete er die Frage in den flackernden Augen.
„Mein Akzent entspringt den Ländern, durch die ich wanderte als ich alt genug zum Sprechen wurde, doch meine Herkunft sind die Albträume.“
„Ihr seid ein Untertan des Herzens?“, fragte der Wyrm, zu dem Gesicht mit den schwarzen Linien um die Feueraugen hochschauend. „Sollte es nicht versiegelt sein? Wie kamt Ihr hier her?“
Grimm raschelte mit den Flügeln, eine Hand umklammerte den Schal um seinen Hals, und schüttelte krächzend den Kopf, worauf der weiße Käfer die Hände faltete und begann nachdenklich mit seinen Schwingen zu sirren. Das Albtraumreich wurde vor langer Zeit von den Träumen abgespalten, das Herz von ihm und den anderen Higher Beings ausgestoßen. Wie hatte Grimm Hallownest und anscheinend auch andere Königreiche betreten können? Ist er eine Gefahr? Sein Sirren verstummte. Ein leises „Nyah“ kam von seiner Seite. Wenn dem so wäre, sollte er ihn aufhalten.
Eine rotierende Lichtscheibe manifestierte sich über dem Zelt.
„Wyrm, erlaubt Ihr nun mir Euch eine Frage zu stellen?“, raute Grimms Stimme neben ihm auf. Er blickte zu ihm, der nun beide Hände an den Schal gelegt hatte.
Das gezahnte Rad näherte sich den Stoffbahnen über den Insekten.  
„Könnt Ihr fliegen?“ Die Säge stoppte. „Fliegen?“, erkundigte sich der Wyrm und legte den Kopf schief. Grimm nickte schnell, aufgeregt, und er erkannte, dass der größere Käfer jung war. Seine Augenhöhlen weiteten sich und die Scheibe über ihnen löste sich in Lichtfliegen auf.
Eine schwarz gepanzerte Hand deutete währenddessen auf die ätherischen Flügel und das Chitingewebe dazwischen. „Früher, als Kind, konnte ich fliegen, doch seit mir Beine wuchsen spüre ich meine Flügel nicht mehr. Könnt Ihr mich wieder lehren zu fliegen?“ Der Wyrm löste sich unter dem erwartungsvollen Blick aus seiner Starre und legte Grimm eine Hand auf die Schulter. „Ich fürchte nicht.“
„Oh…“  Die sich vorher wild kräuselnden Ranken seiner Schwingen legten sich und dunkler brennende Augen richteten sich auf die Asche am Boden. Entschuldigend strich der Wyrm ihm über den Rücken, bevor Grimm aufstand und sich vor den Käfer stellte. „Wenn dem so ist, verzeiht meine Störung, Wyrm, und entschuldigt mich, wenn ich weiterziehen muss.“ Eine Verbeugung folgte den Worten und der Wyrm neigte seinen Kopf.
„Habt Dank für Eure Hilfe, junger Grimm. Gute Reise.“ Das schwarze Insekt richtete sich wieder auf, nickte dem auf der Bank Bleibenden zu und wandte sich nach der Dunkelheit des Tunnels um, mit der es verschmolz.
Der Wyrm stand wankend auf als sein Krächzen verklang.
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