Zwischen Paragraphen und Liebe

GeschichteAllgemein / P18 Slash
Boris Saalfeld Tobias Ehrlinger / Saalfeld
11.01.2020
14.02.2020
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Tobias saß einen Moment wie erstarrt da. Hatte er das wirklich richtig mitbekommen? Boris hatte ihn geküsst? Er meinte immer noch die zarten Lippen auf seinem Mund zu spüren.
„Nun schauen Sie nicht so verblüfft, Herr Ehrlinger, wir wollen doch Ihrem unverschämten Ex etwas bieten,“ grinste Boris. Dann nahm er beide Hände von Tobias und küsste demonstrativ jeden einzelnen Finger. Jetzt war Tobias erst recht verwirrt.
Boris hatte mit seiner Aktion einen durchschlagenden Erfolg. Sascha nahm seinen Begleiter an die Hand und verließ fluchtartig das Lokal, nicht ohne Boris noch einen wutentbrannten Blick zu
zuwerfen.
„Na also, den wären wir los,“ schmunzelte Boris während er ihm hinterher schaute und betrachtete dann verblüfft sein Gegenüber. Sein sonst so cooler und beherrschter Kollege saß mit hochrotem Kopf vor ihm und sah ihn ganz verdattert an.
„Entschuldigen Sie bitte, Herr Ehrlinger, ich wollte Sie nicht in Verlegenheit bringen, das tut mir leid.“ Boris schaute Tobias ganz zerknirscht an.
„Das weiß ich, Herr Saalfeld,“ sagte Tobias, „Sie haben mich nicht in Verlegenheit gebracht. Es ist mir nur etwas peinlich, weil Sie nun mitgekriegt haben, dass ich homosexuell bin. Vielleicht möchten Sie nun nichts mehr mit mir zu tun haben?“
Boris fing an zu lachen. „Mein lieber Herr Staatsanwalt Ehrlinger, Sie sind doch sonst nicht so schwer von Begriff. Das wundert mich aber jetzt doch etwas. Meinen Sie denn, ich hätte Ihnen einen Kuss gegeben, wenn ich nicht auch in dieselbe Richtung wie Sie tendieren würde?“
„Sie... sie sind auch......?“ stammelte Tobias überfordert. „Schwul, ja“ erwiderte Boris, „ich stehe auf Männer genau wie Sie. Überrascht?“
„Ja, irgendwie schon ein wenig,“ sagte Tobias, der sich langsam wieder etwas einkriegte, „normalerweise habe ich schon eine Antenne für so was. Aber bei Ihnen hat mein Gaydar wohl total versagt, dabei habe ich das doch ausreichend justiert.“
Die beiden Männer sahen sich einen Moment lang schweigend an, dann fingen beide wie auf Kommando an zu lachen.
„Oh Mann,“ sagte Tobias, als sie sich wieder beruhigt hatten, „wie geht es jetzt weiter mit uns? Sind wir immer noch gute Freunde?“
„Auf jeden Fall,“ erwiderte Boris, „aber das blöde Gesieze lassen wir jetzt weg. Ich bin der Boris.“ Er hob sein Glas. Tobias tat es ihm gleich. „Und ich bin der Tobias.“ Sie tranken, und gaben sich dann einen kleinen Kuss auf die Wange. Mehr trauten sie sich nicht.
Sie setzten ihre Gespräche fort, die durch diesen Sascha unterbrochen worden waren, aber irgendwie hatte sich zwischen ihnen etwas verändert. Sie musterten sich immer wieder gegenseitig unauffällig. Tobias Augen konnten sich nicht von den Lippen von Boris lösen, diesen Lippen, die so zärtlich auf seinen gelegen hatten und deren Berührung er immer noch zu fühlen glaubte.
Und Boris würde am liebsten in diesen wunderschönen braunen Augen versinken, die ab und zu so herrlich funkelten.
Als sie dann draußen an ihren Autos standen um sich zu verabschieden, sagte Boris plötzlich, und seine Stimme klang so rau, dass er sie beinahe selbst nicht mehr erkannte: „Du Tobi, dieser Sascha hat doch vorhin behauptet, dass Du so ein fantastischer Küsser bist. Das würde ich gerne einmal ausprobieren. Darf ich?“
Als Tobias völlig verblüfft da stand und sich nicht rührte, legte er ihm einfach seine Hand an den Hinterkopf und zog ihn zu sich heran. Als ihre Lippen sich berührten, erwachte Tobias aus seiner Schockstarre und erwiderte den Kuss leidenschaftlich. Boris Lippen öffneten sich und gewährten Tobias Einlass, was dieser auch sofort ausnutzte.
Eine ganze Weile hörte man nichts mehr außer Kussgeräuschen und leisem Stöhnen. Schließlich lösten sich die beiden voneinander und sahen sich mit leuchtenden Augen an.
„Du meine Güte,“ flüsterte Boris atemlos, „dieser Sascha hat nicht übertrieben. Deine Küsse sind einfach der helle Wahnsinn. Mein lieber Herr Staatsanwalt, da hast Du mich aber mal ganz schön überrascht.“
Tobias lachte leise und zog Boris nochmal zu einem innigen Kuss heran.
„Bitte, hör auf Tobi, sonst kann ich für nichts mehr garantieren,“ stöhnte Boris in den Kuss hinein, „Du weißt doch dass wir morgen früh um sechs Uhr zum Laufen verabredet sind und da müssen wir doch fit sein.“
Nur widerstrebend gab Tobi Boris frei und seufzte: „Stimmt, es fällt mir sehr schwer, aufzuhören. Aber Du hast recht, wir sollten morgen früh ausgeschlafen sein.“
„Also dann bis morgen,“ sagte Boris und schaute Tobias zärtlich an, „ich freue mich schon sehr drauf. Aber sei bitte pünktlich.“
„Worauf Du Dich verlassen kannst, mein lieber Boris.“
********
Am nächsten Morgen trafen sie sich pünktlich um sechs Uhr am Park. Anders als in der Vergangenheit begrüßten sie sich mit einem kleinen Küsschen auf die Wange und ihre Augen strahlten sich an.
Dann liefen sie los und Tobias rannte voraus. Boris, der hinter ihm lief, konnte sich nicht an dem attraktiven Hintern von Tobias satt sehen.
In Gedanken stellte er sich schon vor, wie er diesen Hintern mit seinen Händen streichelte und mit seinen Lippen verwöhnte. Und was er noch weiter mit ihm anstellen wollte, daran mochte er gar nicht erst denken.
Hoppla, beinahe wäre er ins Stolpern geraten, weil er vor lauter Schwärmerei nicht mehr auf den Weg geachtet hatte. 'Mensch Boris,' dachte er bei sich,' nimm Dich jetzt etwas zusammen, Du weißt ja noch nicht mal, ob das zwischen Dir und Tobi was wird? Dass er schwul ist, muss ja nicht zwingend dazu führen, dass er jetzt auf Dich steht.'
In Gedanken versunken, merkte er gar nicht, dass er etwas zurückgefallen war. Tobias lief schon mehrere Meter voraus.
Als er stehen blieb, um sich zu dehnen, merkte er, dass Boris noch ein ganzes Stück hinter ihm war. „Hey, Herr Saalfeld, was ist los?“ rief er überrascht, „keine Kondition mehr? So viel hast Du doch gestern Abend nicht getrunken.“
„Es liegt nicht an meiner Kondition, Tobias,“ sagte Boris als er näher gekommen war, „sondern an dem attraktiven Po des Herrn Staatsanwaltes Ehrlinger, der da so aufreizend vor mir her läuft.“
„So, so, mein Hintern macht Dich also an, mein lieber Boris,“ grinste Tobias und leckte sich lasziv über die Lippen. „Das freut mich zwar ungemein, aber das nutzt alles nichts. Wir haben unser Pensum für heute noch nicht geschafft. Und jetzt läufst Du mal vor mir her, jetzt werde ich mir zur Abwechslung den Po von Boris Saalfeld anschauen.“
Boris lachte laut auf und setzte sich in Bewegung. Als Boris so vor ihm herlief, wurde es Tobias klar, wie es diesem ergangen sein musste, als er ihn beim Laufen betrachtete. 'Du meine Güte,' dachte er, „wir laufen doch jetzt schon mehrere Wochen zusammen und nie wäre mir eingefallen, dem Boris so auf den Hintern zu schauen. Wie kommt denn das so plötzlich?' Und dann fiel es ihm ein.
Der Kuss gestern Abend. Natürlich, das war`s. Dieser Kuss hatte alles verändert. Ohne es zu merken, war er langsamer geworden, weil seine Gedanken wie wild durcheinander wirbelten.
„Hey Tobias,“ rief Boris, „jetzt fehlt es aber Dir an Kondition, oder ist da noch etwas anderes?“
Er blieb stehen, fing an sich zu dehnen und wartete, bis Tobias nächer gekommen war.
„Ich dachte gerade an unsere Küsse von gestern Abend, und diese Gedanken haben mich ganz wuschig gemacht. Und als ich dann Deinen süßen Hintern so vor mir sah, konnte ich mich nicht mehr aufs Laufen konzentrieren.“
„Das hilft Dir aber jetzt auch alles nichts,“ lachte Boris, „wir haben noch ca zwei Kilometer vor uns und die werden wir auch noch laufen und wir werden uns jetzt nicht mehr von gewissen Hintern ablenken lassen. Also auf geht’s.“
Er rannte los und Tobias folgte ihm nachdenklich. Er konnte sich kaum auf das Laufen konzentrieren, so sehr sausten ihm die Gedanken durch den Kopf. Wie war es möglich, dass er plötzlich nur noch an Boris Saalfeld denken konnte. 'Du meine Güte, ich glaube, ich habe mich in Boris verliebt.'