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Mit anderen Augen

von lunanara
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 Slash
Elrohir Rúmil von Lorien
10.01.2020
01.12.2020
28
149.379
6
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
18.01.2020 4.833
 
Authors Note:
Vielen Dank für die Favoriteneinträge, mega motivierend!

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Nach drei großen Schritten konnte er die Wände zu beiden Seiten gleichzeitig berühren, nach weiteren sieben kam er nur noch seitlich gehend voran, nach vier war die Decke nur wenige fingerbreit über seinem Kopf, ein leises Fluchen hinter ihm verdeutlichte, dass sein Wächter dies soeben bemerkt hatte, er konnte sich glücklich schätzen, dass er einen Helm trug. „In sechs Schritten kommen Stufen”, teilte er seinem Begleiter grinsend mit.  

Die wenigen Stufen waren schnell erklommen und der Anblick der sich ihnen bot, war die Anstrengung definitiv wert gewesen. Sie befanden sich in einer Höhle, deren größter Teil von einem See eingenommen wurde. Verschiedene Kristalle reflektierten einfallendes Mondlicht und spiegelten sich wiederum im Wasser.

Elrohir drehte sich halb zu seinem Begleiter um und legte einen Finger auf seine Lippen. Ein begradigter Weg führte ihn zum Rand des Wasserbeckens. Elrohir schlüpfte aus der steifen Robe und drückte das schwere Kleidungsstück seinem Begleiter in die Hand.  

Nur in Hose bekleidet kniete er sich auf den glatten Fels, schöpfte mit beiden Händen etwas Wasser und ließ es vor sich auf den Stein laufen. Dann tat er etwas, das er nur sehr selten zu tun pflegte, er betete. Zuerst nur leise für sich, dann geflüstert und allgemeiner, er dankte den Valar, bat aber auch für Schutz und Geleit seines Volkes.  

Als der Stein getrocknet war erhob sich der Prinz wieder. Plötzlich fühlte er sich unendlich Müde. Schweigend nahm er die Robe zurück, ließ sich hineinhelfen und trat dann den Rückweg an.  

Eine gute halbe Stunde später stieß Elrohir die Tür zu seinen Gemächern auf, das Feuer war beinahe gänzlich heruntergebrannt und konnte kaum noch als Lichtquelle dienen. Ein kurzer Blick genügte und der Leibgardist beeilte sich das Feuer zu neuem Leben zu erwecken.  

Langsam schälte sich der Dunkle aus seiner Kleidung, die Stoffstücke ließ er auf dem Weg zum Bett achtlos fallen. Den Reif legte er auf den Nachttisch, ehe er sich eine Decke lose um die Hüfte wickelte und sich auf die Bettkante setzte.  

Thínor erhob sich in einer gleitenden Bewegung, die Rüstung raschelte leise, unsicher blieb er an Ort und Stelle stehen und betrachtete den Elben unschlüssig. „Ist noch etwas, Elb?”, fragte der Prinz mit herablassender Stimme.  
Hastig verneigte sich der Gardist und machte dann Anstalten das Zimmer zu verlassen. „Wenn du mich jetzt alleine schlafen lässt..”, drohte Elrohir lächelnd, „und ziehe endlich diesen verfluchten Helm aus. Ich brauche keinen hübschen Liebhaber, wenn ich ihn nicht zu Gesicht bekomme.”
 
„Wenn es das ist was du begehrst”, wisperte der Gardist, während er sich daran machte die Rüstung abzulegen. Mit einem frustrierten Stöhnen erhob sich Elrohir und begann ebenfalls Schnallen zu öffnen, rasch war der Soldat entkleidet.  
Der Dunkle schubste den Blonden auf das große Bett und folgte ihm dicht auf. Einige kurzatmige Küsse folgten.    

Lächelnd schlang der Blonde seine Arme um den bloßen Oberkörper des Prinzen. Ihre Lippen trafen sich erneut, dann ließ sich der Elb aus Imladris zur Seite fallen und zog den anderen noch näher an seinen hellen Körper.  

Dicht aneinander gepresst lagen sie beisammen, als Elrohir ein gähnen unterdrücken musste. „Ich fürchte das mit uns wird heute nichts mehr mit uns, mein Schöner”, wisperte der Dunkle.  
Unsicher biss sich der Soldat auf die bereits leicht geschwollene Unterlippe, ehe er zum Sprechen ansetzte: „Darf ich dir eine sehr persönliche Frage stellen?" Ein breites Grinsen stahl sich in das Gesicht des Prinzen. „Wenn du es schaffst gefragt zu haben ehe ich einschlafe."
Es stahl sich etwas Belustigung in Thínors Gesicht, ehe er zu sprechen begann, strich er seinem Gegenüber eine dunkle Strähne aus dem Gesicht. „Wie viele?" Als er nur einen verwirrten Blick als Antwort erhielt, versuchte er es erneut: „Ich weiß, dass ich nicht der einzige für dich bin, aber wie viele?"  

Der Dunkle verdrehte die Augen, ehe er leicht mit den Schultern zuckte und dem Blonden einen sanften Kuss auf die Lippen hauchte. „Warum ist das euch allen so wichtig? Um ehrlich zu sein habe ich keine Ahnung. Ich habe noch nie einem Elben mein Bett verwehrt, normalerweise sind das einmalige Sachen."  
„Das heißt es ist dir egal mit wem du.." Elrohirs Sohn antwortete nur mit einem weiteren Schulterzucken und einem erneuten Gähnen. Nachdenklich nickte Thínor, ehe er lächelnd eine Decke über sie beide zog und sich dann an den hübschen Elb neben sich schmiegte.


„Elrohir, du verschläfst den ganzen Tag, wenn du nicht bald aufstehst!” Legolas platzte ohne anzuklopfen herein, wusste er doch aus Erfahrung, dass auf sein Klopfen nicht geantwortet werden würde. Schwungvoll ließ er sich in das große Bett fallen, um sich zwischen zwei Elben wieder zu finden. Elrohir grinste, streckte sich und begann herzhaft zu lachen, als er den entsetzten Blick der beiden blonden Elben bemerkte.  
Etwas kleinlaut setzte der Prinz des Düsterwaldes erneut zu sprechen an: „Ich habe mich, um ehrlich zu sein, schon gefragt wo die, dir zugeteilte, Wache ist."
„Sie war die ganze Zeit an meiner Seite und hat mir gut gedient, ihr habt hier wirklich das beste Personal”, lachte der Dunkle.

Ohne Schamgefühl verließ er das warme Bett, griff nach einer Hose und verschwand im angrenzenden Badezimmer. Die Waschschüssel war offensichtlich an diesem Morgen bereits mit frischem Wasser aufgefüllt worden, kurz blickte er sich um, irgendwo musste sich eine versteckte Tür für die Diener befinden, doch er konnte sie nicht entdecken. Schnell wusch er sein Gesicht, zog die Hose an und kehrte dann in das Schlafzimmer zurück.
Die beiden blonden Elben schienen sich in seiner Abwesenheit nicht bewegt zu haben einzig Thínor schien noch einige Nuancen roter geworden zu sein. „Legolas, da ich davon ausgehe, dass du nicht eigens gekommen bist, um mir ein angenehmes Erwachen zu verwehren, rechne ich damit, dass du etwas Zeit über hast, die du gerne an mich verschwenden würdest?"

Der blonde Prinz lächelte und erhob sich vom Bett. „Gut dass du mich daran erinnerst, ich konnte einige Verpflichtungen und Termine so verschieben, dass ich bis heute Nachmittag nichts zu tun habe... "

„..weshalb du zu mir kamst, um mich zu fragen, ob ich mit dir ausreiten möchte", unterbrach Elrohir seinen besten Freund, da er kein Interesse an einer anderen Beschäftigung hatte. „Natürlich will ich mit dir ausreiten, Legolas. Noch etwas, zum Ausreiten benötigt man doch sicherlich keine Leibwache, oder?"  

Legolas zuckte nur grinsend mit den Schultern, ehe er sich auf den einzigen Stuhl im Zimmer fallen ließ. Elrohir beeilte sich, sich völlig anzuziehen, ehe er erneut an sein Bett trat und dem noch immer erröteten Wächter einen Kuss auf den Haaransatz hauchte.
„Du kannst dir bis zum späten Vormittag frei nehmen, wenn ich zurückkomme, soll bitte schon passende Kleidung für eine Audienz bei König Thranduil bereitliegen, du solltest auch fertig sein."

Mit dem blonden Prinzen an seiner Seite verließ er seine Gemächer und schlug den direkten Weg zu den Stallungen ein. „Ich wollte dich bei nichts stören", setzte Legolas schließlich an, „Aber wer hätte auch ahnen können, dass du dir schon für die erste Nacht jemanden anlachst." Der Dunkle verdrehte nur lächelnd die Augen.

„Du solltest langsam wissen, dass ich nichts kalt werden lasse. Was viel wichtiger ist, wie sieht es bei dir aus, ist da eine holde Elbenmaid in Aussicht, die dein Herz schneller schlagen lässt?" Diesmal war es an Thranduils Sohn die Augen zu verdrehen. „Du weißt, dass ich mich völlig meinen Pflichten als Erbe des Grünwalds widme." Kichernd nickte der Dunkle.
Im Stall trennten sich kurzzeitig ihre Wege, jeder machte schweigend sein Pferd fertig, ehe sie die edlen Tiere durch einen Gang, durch eine bewachte Tür aus dem Palast führten.
Schweigend saßen sie auf und brachten einige Meter hinter sich, ehe Legolas zu sprechen begann: „Wie geht es dir, seit sie weg ist?"

„Ich glaube du verstehst es am besten, wie es ist, ohne Mutter, wobei ich glaube, dass das etwas anderes ist. Es ist in erster Linie ein seltsames Gefühl zu wissen, dass sie nicht mehr da ist, aber bei den Valar, sie ist Galadriels Tochter, ich kann wahrlich nicht sagen Körpernähe zu vermissen." Legolas unterdrückte ein Kichern, verstummte jedoch, als Elrohir fortfuhr.  
„Alle verhalten sich wie verrückt. Mein Vater, der plötzlich jegliche Korrespondenz selbst übernehmen möchte, der arme Erestor hat nichts mehr zu tun, wenn das so weiter geht. Elladan, dem ich es mittlerweile zutrauen würde jemanden zu verletzen um jemanden heilen zu können und nicht zu vergessen Arwen, die schön wie sie ist, durch die Gärten streift und schweigt.

Das gesamte Dienstpersonal, das wirkt, als sei wer gestorben, das wurde einfach zu viel für mich. Du hast mich also mit deiner Einladung gerettet." Die jungen Prinzen lächelten sich an und versanken dann eine Weile in ihren Gedanken.

„Schläfst du immer noch schlecht?", fragte der Blonde unvermittelt. Elrohir, erstarrte, sein Pferd verlangsamte augenblicklich seinen Schritt. Mit einem genervten Schnalzen trieb der Dunkle das Tier wieder an, er überlegte einen Augenblick, ehe er antwortete. „Manchmal. Wenn ein Tag sehr anstrengend war, dann träume ich davon. An manchen Tagen wünsche ich mir ihre Begleiter zu ermorden, an anderen...", er brach ab, kämpfte eine Weile mit seiner Selbstbeherrschung, ehe er erneut ansetzte.  

„Wenn ich an die Geschehnisse von vor einem Jahr denke, ist da nicht nur meine blutüberströmte Mutter, misshandelt und vergewaltigt von Orks, sondern auch ... das Versagen ihrer ach so tollen Elben-Begleiter. Wen Elladan und ich sie zu zweit zurückbringen konnten, warum hätten sie sie nicht von Anfang an schützen können? Nein, sie mussten ihre eigenen verfluchten Leben retten und fliehen.  

Trotz allem ist es nicht rechtens wie ich über sie spreche und urteile, ich weiß, dass auch ihre Begleiter eine Bürde tragen. Das einzige was ich tun kann ist hoffen, dass sie da wo sie jetzt ist wieder glücklich werden kann."

Schweigend ritten die beiden Prinzen noch eine Weile durch den Wald, ehe sie umkehrten und sich ihre Wege vorerst wieder trennten.  

Als Elrohir seine Gemächer betrat, verneigte sich eine ihm fremde Dienerin vor ihm, welche anscheinend zuvor Essen gebracht hatte. Mit einem unsicheren Blick erhob sie sich und verließ eilig sein Schlafzimmer.
„Thínor?”, rief der Prinz etwas verwundert in den Raum, eigentlich hätte er den Soldaten vor seiner Tür stehend erwartet, doch anscheinend war er nicht da.

Hastig aß der Dunkle ein wenig, ehe er sich im Bad frisch machte, sich passend kleidete und seine Haare einflocht. Nach einem letzten Blick in den Spiegel verließ er seine Gemächer wieder, er hatte kein Interesse daran den Herrn dieser Hallen warten zu lassen. Vor seiner Tür stieß er beinahe mit einem Gardisten zusammen, welcher dort Posten bezogen hatte.
Jener folgte dem jungen Prinzen in geringem Abstand auf dem Weg zu den privaten Gemächern des Königs. Ohne sich wirklich sicher zu sein, ging der Prinz davon aus, dass es sich bei dem Soldaten nicht um den Honigblonden handelte. Wenigstens eine leise Begrüßung, oder gar eine spöttische Verbeugung hätte er von ihm erwartet.  

Auch wenn Elrohir nur ein wenig zu früh war, wartete er vor der schweren Tür, bis zum verabredeten Zeitpunkt. Er schenkte den Wächtern in ihren langen Mänteln ein freundliches Nicken, ehe er anklopfte und schließlich den großen Raum betrat.  

In diesem Zimmer Pflegte Thranduil inoffizielle Besprechungen abzuhalten, es war nah an seinen Gemächern und daher für ihn leicht zu erreichen, dennoch war der Raum, in dessen Mitte sich ein Wasserbecken befand nicht schmucklos. Bunte Fische tummelten sich in der Vertiefung.

Thranduil saß bereits am Kopfende eines großen Tisches. Nach einem respektvollen Nicken setzte sich Elrohir in einer fließenden Bewegung auf die rechte Seite des Königs.

Einige Stunden waren vergangen und zwischenzeitig hatte eine Dienerin Kerzen entzündet, ehe der Herr des Waldlandreiches die Papiere vor sich zusammenschob. Der Prinz aus Imladris lehnte sich etwas in seinem Stuhl zurück, mühsam ein Gähnen unterdrückend, auch wenn er es genoss seinen Vater zu vertreten, konnte er nicht von sich behaupten es zu mögen stundenlang über irgendwelche Liefergen zu diskutieren.  Natürlich war ein florierender Handel für beide Reiche gut, dennoch konnte er nicht begreifen, weshalb die Tauschmenge bei jedem Zusammentreffen neu ausdiskutiert werden mussten, um in Summe, fast identisch zu bleiben, in diesen Momenten war er immer dankbar, dass sie kein Münzsystem wie die Menschen hatten, das hätte alles nur verkompliziert.  

Mit einem Blick zeigte der König ihm, dass aus seiner Sicht alles geregelt war und der Prinz sich nun entfernen dürfe, doch Elrohir blieb noch einen Augenblick sitzen, ehe er dem Herrn dieser Hallen offen ins Gesicht sah.

„Mir ist aufgefallen, dass ich seit heute Vormittag einen anderen Leibwächter zu meiner Verfügung stehen habe, da ich mir daher ein wenig Sorgen um meine Sicherheit mache, wollte ich mich erkundigen, weshalb dieser Wechsel stattgefunden hat." Nur ein kurzes Funkeln in den Augen des Königs zeugt davon, dass es ihn störte, dass Elrohir dieses Thema zur Sprache gebracht hatte, seine Miene bleibt unverändert.

„Der Soldat der euch zuvor zur Seite stand ist Teil meiner persönlichen Garde, er weiß nicht wie er sich einem hohen Herrn aus Imladris gegenüber zu verhalten hat." Antwortet der König rasch, darauf hoffend, dass sich dieses Thema damit erledigt habe. Unter anderen Umständen hätte Elrohir an diesem Punkt sicherlich aufgegeben, doch er fürchtete diese Nacht allein verbringen zu müssen, zudem sorgte er sich, dass im Palast erzählt werden könnte, dass es bestraft würde, wenn sich jemand dem Prinzen aus Imladris hingab.  
Daher setzte der Dunkle erneut an: „Wenn von mir diesbezüglich eine ehrliche Aussage gefordert werden würde, würde ich die Vorherige Wache vorziehen. Wie ihr wisst, mein König, in Imladris ist der Umgang zwischen den Elben ein anderer. Auch wenn der neue Gardist ein hoch geschätzter und erfahrener in euren Hallen sein mag, ist sein Verhalten, für einen Elben aus Imladris zu kalt. Der andere Gardist hingegen trägt ein viel angepassteres Verhalten zu Schau."

Der Blonde warf dem Dunklen einen beinahe genervten Blick zu, ehe er ihn mit einer unmissverständlichen Handbewegung entließ. Wohl wissend, dass er erreicht hatte was er wollte, erhob sich der Prinz, verneigte sich und verließ die Gemächer des Königs, welcher nur noch vor seinem Sohn seine wahren Gefühle gezeigt hätte. Elrohir war sich bewusst wie sehr der blonde König ihn schätze, doch hätte er es nie ausgenutzt.

Bemüht langsam machte sich Elrohir auf den Weg zurück in seine Gemächer. Nur wenige Meter vor seiner Tür hörte er, wie sich hinter ihm etwas veränderte, drehte sich jedoch nicht um, um den Wachen nicht ihre Illusion der unbemerkten Wechsel zu rauben.
Schweigend betrat er sein Schlafzimmer und hielt dem Wächter die Tür auf, ehe er sie leise schloss. Gespielt desinteressiert wand er sich wieder dem Gardisten zu, welcher mit respektvoll gesenktem Haupt vor ihm stand. „Zieh den Helm ab", befahl der Dunkle leise. Augenblicklich wurde seinem Befehl Folge geleistet. Problemlos konnte Elrohir in den grünen Augen Schmerz erkennen.

Zärtlich legte er eine Hand an die Wange seines Gegenübers, welcher die Augen schloss und sich leicht in die sanfte Berührung lehnte. „Was ist passiert, Thínor?", fragte Elrohir schließlich leise.
„Ich war noch nicht ganz fertig, als ein Bote des Königs eintrat. Er ist augenblicklich wieder verschwunden, nur wenig später kamen zwei Gardisten. Sie haben mich mitgenommen und gestraft."
Elrohir ergriff die Hand des Soldaten und zog ihm den Rüsthandschuh aus, ehe er seine bloße Hand ergriff und ihn zu seinem Bett führte.  

Dort entledigte er den schweigenden Wächter vorsichtig seiner Rüstung, als sich seine Befürchtungen Bewahrheiteten. Blutige Striemen überzogen die Alabaster farbene Haut des Soldaten.
Wie es das Recht der Waldelben vorsah waren die Wunden nicht versorgt worden. Augenverdrehend suchte der Dunkle in seinen Sachen nach den benötigten Heilmitteln, ehe er Thínor behutsam auf das große Bett drückte.

Der Elb aus Imladris ging rasch ins Badezimmer und kam mit einem feuchten Lappen zurück. Behutsam wusch er dem Blonden das Blut von der blassen Haut.
Deutlich konnte er spüren, wie sich die Muskeln unter seiner Haut anspannten. Immer wenn der Soldat vor Schmerz zusammenzuckte, hauchte der Dunkle ihm einen Kuss auf die Schultern, welche kaum getroffen worden waren.

Nachdem Elrohir eine Salbe aufgetragen hatte, half er dem Elb behutsam auf und verband dessen Rücken.  
„Wofür genau haben sie dich gestraft?", fragte Elrohir schließlich besorgt.  
„Sie meinten, dass ich dich verführt hätte. Der Oberst war enttäuscht von meinem Verhalten euch gegenüber, Herr", wisperte er, mit jedem Wort leiser werdend, den Blick gesenkt.
„Hat dich das genug abgeschreckt, dass du nicht mehr bei mir sein möchtest?", fragte der Prinz kalt.  

Noch immer schweigend schüttelte der Elb langsam den Kopf, wagte es jedoch nicht dem Dunklen ins Gesicht zu blicken. Leicht lächelnd nickte Elrohir, ehe er leise den Elben zum Schlafen aufforderte. Erschreckt blickte dieser auf, beruhigte sich aber sogleich, als er das selbstsichere Lächeln des Dunklen erblickte.  
Der Blonde nickte leicht, ehe er unter die Decke schlüpfte und gehorsam die Augen schloss. Noch immer lächelnd erhob sich Elrohir und blies die Kerzen im Raum aus, bis der Kamin als einzige Lichtquelle verblieb.

Nach kurzem Überlegen entschloss sich der Prinz dazu erst am folgenden Tag zu Baden und dafür die verbleibende Zeit zu nutzen um noch etwas zu trainieren. Mittlerweile war Elrohirs leichte Lederrüstung, welche er während seiner Reise getragen hatte gewaschen und gefettet zurückgebracht worden. Er zog sie an und verließ dann seine Gemächer, wohlwissend, dass sich niemand erneut erdreisten würde Thínor zu stören, solang dieser sich unter dem Schutz des Bruchtal Elben befand.

Zu Elrohirs freudiger Überraschung trainierten immer noch einige übereifrige Ausbilder mit den ihnen Anvertrauten. Kommentarlos ergriff der Dunkle eines der übrigen Übungsschwerter und gesellte sich zu einem jungen Krieger, welcher alleine Bewegungsabläufe übte.  

„Macht ihr das, weil ihr lieber für euch übt, oder fehlt euch der nötige Partner?", fragte Elrohir höflich. Die dunklen Augen des Mannes trafen die des Prinzen, während der Krieger errötete wisperte er, dass ihm tatsächlich nur ein Übungspartner fehlte. Dies genügte dem Dunklen, er täuschte einen Schlag an, um sein Gegenüber vorzuwarnen, ehe er tatsächlich angriff.
Aus dem jugendlichen Aussehen hatte der Krieger geschlossen, dass es sich bei seinem Partner um einen unerfahrenen Schwertkämpfer handelte, doch er hatte sich getäuscht.  
Wenn die Schläge des Zierlichen auch nicht so kraftvoll waren, wie die des Prinzen, hatte dieser Mühe immer schneller werdende Angriffe zu parieren.  

Schließlich lag ein schmales Messer an Elrohirs Hals, während er einen Schwerthieb auf seine Beine geblockt hatte, hatte sein junges Gegenüber unbemerkt eine Weitere Waffe in den Kampf gebracht. Doch anstatt den Krieger für sein Kampfgeschick zu loben, schlug der Ausbilder ihm in das hübsche Gesicht.

„Wie oft muss man dir noch sagen, dass du dich beim Üben an die geltenden Regeln halten musst?", fragte der Mann harsch. Ohne zu antworten ließ sich der jüngere zu Boden gleiten und bat leise um Vergebung. Mit gerunzelter Stirn wand sich Elrohir ab und verließ eiligen Schrittes den Übungsplatz. Seit jeher war ihm das Gebaren und Handeln der Waldelben bekannt und vertraut, was nicht hieß, dass er es auch immer schätzte.

Natürlich funktionierte der Gehorsam gegenüber Obrigkeiten nur uneingeschränkt, wenn den Elben schon von klein auf absoluter gehorsam antrainiert wurde. In Imladris hingegen wurde bei der Erziehung eines Kindes auf den Charakter und die Individualität geachtet.  
So würde es in Imladris wohl nie ein Kind geben, dass von den Eltern dazu gezwungen wurde den Weg des Kriegers zu betreten, nur weil auch die Eltern Krieger waren, im Grünwald war dies hingegen leider keine Seltenheit.  

Zurück in seinen Gemächern wusch sich der Prinz rasch mit kaltem Wasser, ehe er sich nur in Hose bekleidet zu dem Schlafenden legte, auf das Abendessen verzichtete er. Der Blonde hielt Heilschlaf, für gewöhnlich schlossen die Elda ihre Augen nie völlig, einzig während des Heilschlafes verzichteten sie auf diesen Schutz.

Wenn ein Elb mehr als nur wenige Stunden auf diese Weise schläft, kann man jeglichen Wunden zwar beim Heilen zusehen, dafür ist beim Erwachen der Geist verwirrt.  
Jahrelang hatte sich Elrond mit diesem Thema befasst, die einzige Erklärung die er Elrohir hatte geben können war simpel: „Vermutlich soll dieses Verhalten eine Art Schutz für den Erhalt der Rasse sein. Wenn es Verletzte gibt, müssen die Umstände gefährlicher Natur sein, wenn der Heilschlaf haltende mit großem Begehren körperlicher Natur erwacht, stirbt die Rasse nicht so schnell aus."

Als Elrohir, damals noch völlig unschuldig und nicht ausgewachsen, daraufhin neugierig seinen Vater fragte, was denn passieren würde, wenn beide Elben zuvor Heilschlaf gehalten hätten, hatte er einen beinahe schon ängstlichen Blick von seinem Vater zugeworfen bekommen. „Dann, Elrohir, würden sie übereinander herfallen wie Tiere. Wenn du ein Heiler werden willst, musst du immer darauf achten deine Patienten nach höchstens zwei Stunden zu wecken."

In den ersten Jahrhunderten noch geblendet vom Können des Vaters hatte sich Elrohir stets daran gehalten, bis er, nachdem er einmal vor Müdigkeit bei einem Verwundeten eingeschlafen war, herausgefunden hatte, dass sich der Heilungsprozess beschleunigte, je länger der Patient schlief. Doch noch mehr hatte der junge Elb in dieser Nacht gelernt, seither besuchten ihn des Nachts nicht nur junge Elbenmädchen.

Behutsam zog der Elbenprinz den Soldaten in seine Arme, sehr darauf bedacht den Blonden nicht zu wecken. Am späten Morgen erwachte Elrohir, entließ den Soldaten vorsichtig aus der Umarmung und verschwand im angrenzenden Badezimmer. Wie erhofft war die Wanne bereits gefüllt mit dampfendem Wasser, manchmal fragte sich der Dunkle wie die Diener des Palastes es bewerkstelligten immer zur rechten Zeit alles bereitet zu haben, selbst wenn dies ohne Aufforderung geschah.  

Er öffnete sich die Haare, ehe er an sein Bett trat und den Blonden mit federleichten Küssen auf Lippen und Wangen weckte. Mit einem leisen Seufzen öffnete Thínor die grünen Augen. Langsam glitten seine Hände in den Nacken des Dunklen, doch ehe er den Prinzen zu sich hinab ziehen konnte, richtete dieser sich wieder auf.

Ehe sich der Soldat beschweren konnte bedeutete ihm der Dunkle ihm zu folgen.  
Ohne zu zögern erhob sich der Gardist und folgte eilig dem Prinzen ins Bad. Elrohir schlüpfte aus seiner Hose und glitt in das Heiße Wasser, der Blonde tat es ihm gleich.
Elrohir legte sich zurück und ermöglichte es so dem anderen sich über ihn zu ziehen. Begierig trafen sich ihre Lippen, Thínor leckte immer wieder über Elrohirs Mund, bis dieser ihm schließlich Einlass gewährte, ein kurzes Zungenspiel entbrannte zwischen den beiden Elben, doch erachteten sie dies beinahe als nebensächlich, konzentrierten sie sich doch beide auf ihre Körpermitten, welche immer wieder zusammenstießen, mit zittrigen Händen löste der Dunkle die triefenden Verbände und warf sie aus der Wanne.  

Ein Stocken verriet dem Dunklen, dass der vergangene Heilschlaf das Handeln des Honigblonden nicht weiter beeinflusste. Doch Thínor nahm das Zungenspiel wieder auf und so kümmerte sich Elrohir nicht weiter darum, stattdessen sandte er seine Hände auf Wanderschaft, musste er nun nicht mehr Befürchten aus Versehen ertränkt zu werden.  
Die Rückenmuskulatur zuckte leicht unter jeder seiner Berührungen, auch wenn er die Striemen noch spüren konnte, schienen sie den Soldaten kaum mehr zu beeinträchtigen. Elronds Salbe in Kombination mit Heilschlaf wirkte bei Elben wahre Wunder. Bald schon glitten Elrohirs Hände weiter hinab, strichen über das Hinterteil des Blonden, bis zu dessen Hüften, wo die schlanken Hände verharrten und begannen den Takt vorzugeben.  
Auch wenn der Gardist lediglich sein Becken über das des Prinzen gleiten ließ trieb es sie beide bereits ihrem Höhepunkt nahe.  

Endgültig um Elrohir geschehen war es, als sein Wächter mehrfach behutsam über seine äußerst empfindliche Ohrspitze stich. Jegliche Beherrschung ablegend kam Elrohir schließlich laut stöhnend, im Versuch es möglichst leise zu halten presste der Blonde seine Lippen noch etwas fester auf die des Dunklen.

Grinsend befreite Elronds Sohn sich aus der umschlungenen Umarmung und erhob sich. „Du willst mich doch jetzt nicht unbefriedigt liegen lassen, oder?", nörgelte der Soldat, welcher von Elrohir lediglich ein überhebliches Grinsen erhielt, ehe dieser aus der Wanne stieg, sich abtrocknete und in sein Schlafzimmer ging. Einen frustrierten Laut ausstoßend brachte der Gardist es selbst zu Ende und folgte seinem Schutzbefohlenen dann aus dem Badezimmer.
Die Zeit im Düsterwald verging viel zu schnell, beinahe etwas überrascht von sich selbst stellte Elrohir in seiner letzten Nacht fest, dass der Thínor, seinen gesamten Aufenthalt in Eryn Lasgalen lang, treu geblieben war. Daher drehte er sich zu dem bereits schlafenden um, mit einem sanften Kuss weckte er ihn, als sich diese herrlich grünen Augen schließlich klärten, gelang es ihm nicht ein Lächeln zu unterdrücken. „Meintest du nicht, dass du früh schlafen müssest, wegen der langen Reise und so?", fragte der Soldat, nach einem herzhaften Gähnen.
„Eigentlich schon, daher habe ich mich auch schon von König Thranduil verabschiedet, da ist nur noch etwas, dass ich mit dir besprechen muss."  Neugierig sah Thínor zu dem Prinzen auf, schwieg jedoch.  „Du wusstest von Anfang an, dass du nicht der Einzige für mich bist?", erst als der Honigblonde nickte fuhr Elronds Sohn fort, „Wenn ich wieder zuhause bin, werde ich da weiter machen, wo ich aufgehört habe, dass wir hier nur wir beide waren, das ist nichts mehr als dem Zufall und vielleicht deinem hübschen Erscheinungsbild zu verdanken. Was auch immer du tust, hebe dich ja nicht für mich auf, verstanden?" „Und ich dachte schon es wäre etwas wichtiges", wisperte der Gardist augenverdrehend, „Es war eine schöne Zeit mit dir, Elrohir, aber habe ich mir von Anfang an nicht die Illusion gemacht, dass da irgendwas draus werden könnte.  

Wenn du das nächste Mal da sein solltest, wäre es schön, wenn wir das was wir in den letzten Wochen geteilt haben wiederholen könnten. Wenn sich bis dahin jedoch etwas in unseren Leben verändert haben sollte, dass dagegenspricht, dann nicht. Es würde mich nur freuen, wenn ich in deiner Erinnerung mehr wäre als der hübsche Gardist aus dem Waldlandreich, denn man so gut unbefriedigt liegen lassen kann, weil man wichtige Termine vergessen hat. In deiner Erinnerung wäre ich gerne ein Freund aus dem Grünwald, auf dessen Hilfe man vertrauen kann."

Leicht Lächelnd hauchte er Elrohir einen sanften Kuss auf die Lippen, ehe er sich wieder in dessen Arme schmiegte und versuchte weiter zu schlafen. Der Dunkle hing noch eine Weile seinen Gedanken nach, ehe auch er vom Schlaf übermannt wurde.  

Früh am nächsten Morgen erwachte er, nahm ein letztes Bad, ließ sich von seinem Gardisten in die lederne Rüstung helfen, gürtete seine Waffen und begab sich in den Pferdestall, wo sein Pferd bereits aufbruchsbereit auf ihn wartete. Ehe er aufbrechen konnte nötigte Thínor ihn noch dazu ein wenig zu essen. Er blieb bei dem Dunklen, auch als Legolas in den Stall kam um seinen besten Freund zu umarmen und ihm eine gute Reise zu wünschen, wohl wissend, dass Jahrzehnte bis zu ihrem nächsten Treffen vergehen könnten, waren sie doch beide als Erben in ihren jeweiligen Reichen mehr als eingespannt.  

Diesmal wählte der Elb aus Imladris den schnelleren aber dafür auch gefährlicheren Weg durch das Gebirge. Er versuchte möglichst wenig zu rasten, wusste er doch um das Risiko von Orks überfallen zu werden.  

Wie durch ein Wunder kam er nur zwei Wochen nach seinem Aufbruch im Palast des Waldlandreiches unbehelligt in seiner Heimat an.

Sobald er den verhassten Förmlichkeiten genüge getan hatte, zog er sich in sein Zimmer zurück und ging seiner liebsten Freizeitbeschäftigung nach. Natürlich hätte er situationsabhängig jede seiner Tätigkeiten als seine liebste bezeichnet, doch um einen freien Kopf zu bekommen konnte er entweder Feinde vernichten oder zeichnen.  
Er rückte die Staffelei in seinem Zimmer näher an die deckenhohen Fenster, zog die Vorhänge gänzlich zurück und begann damit das Gemälde seiner Mutter zu vollenden.  
Er hatte vor mehr als einem Jahr damit begonnen, bevor sie von Orks überfallen worden war, beinahe war er froh den Körper bereits zur Gänze fertig zu haben, er war sich nicht sicher, ob er aus der Erinnerung heraus an jedes Detail denken würde.  

Elrond übertrug seinem ältesten Sohn nach einigem hin und her den Oberbefehl über die Soldaten von Imladris, den Posten, welchen er sich zuvor mit Glorfindel geteilt hatte, damit der erfahrene Krieger ein Auge auf den jüngeren werfen könne. Dennoch bestand der Herr von Imladris darauf, dass Glorfindel jederzeit in das Geschehen würde eingreifen dürfen, Elrohir stimmte dem augenblicklich zu, wusste er doch, dass der Balrogtöter der beste Babysitter war an den er geraten konnte.  

Die folgenden 300 Jahre vergingen beinahe erwähnenswert monoton. Arwen kehrte nach Imladris zurück und tat das, was von einer Elbe ihres Standes erwartet wurde, sie musizierte, stickte und spazierte mit ihren Freundinnen durch die Gärten. Ein ums andere Mal dachte Elrohir augenverdrehend an einige hübsche Kriegerinnen unter seiner Führung, sie legten nicht plötzlich ihre Weiblichkeit ab, nur weil sie tödlich Stahl mit sich führten, doch davon schien seine Schwester nichts hören zu wollen.

Die Zeit bei ihrer Großmutter hatte sie verändert, wo sie sich zuvor begeistert im Schwertkampf mit ihren älteren Brüdern gemessen hatte, sah sie ihnen nicht einmal mehr zu.
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