Mit anderen Augen

von lunanara
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
Elrohir Rúmil von Lorien
10.01.2020
29.08.2020
26
143.671
6
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10.01.2020 5.771
 
Authors Note:
Ich freue mich sehr, dass ihr euch hierher  verirrt habt, das erste Kapitel ist eine Art Prolog, die Geschichte ist aus einem Role Play entstanden, was leider auch bedeutet, dass hinter allen erwähnten Personen eine eigene Geschichte steckt, ich versuche aber nach Möglichkeit nicht zu springen.
Fragen beantworte ich gerne und über Reviews würde ich mich freuen. Ich versuche nach Möglichkeit wöchentlich ein Kapitel hochzuladen.

Da die meisten Charaktere elbischen Ursprungs sind,     werden Gespräche auf Sindarin mit Anführungszeichen gekennzeichnet (,,.."). Gespräche mit/unter Menschen auf Westron mit 《..》.

Viel Spaß

Elrohir warf seinem Zwillingsbruder eine Kusshand zu, ehe er sein Pferd wendete und in einem gemütlichen Tempo Imladris verließ. Gegenwärtig war die Stimmung in Rivendell gedeckt, beinahe frostig. Daher freute sich Elronds Sohn ganz besonders auf ein paar entspannte Monate fern ab der Heimat.  

Sein bester Freund Legolas hatte zum Sternenlicht Fest geladen, da Elrond, seit seine Gemahlin nach Valinor aufgebrochen war, einige zusätzliche Aufgaben hatte übernehmen müssen, konnte er sein Reich nicht verlassen.  
Dies war der Grund warum sein ältester Sohn zum ersten Mal alleine nach Eryn Lasgalen reisen würde. Ursprünglich war zumindest eine kleinere Schar von Kriegern angedacht gewesen, welche den jungen Elbenprinzen hätten begleiten sollen, doch nach einigen Diskussionen hatte Elrohir seinen Vater überzeugen können ohne Begleitung zu reisen. Wenn auch mit der Bedingung eine Rast bei seiner Großmutter in Lórien einzulegen.  
Nach einigen Wegstunden zügelte er sein Pferd und legte an einem Bach eine kurze Rast ein. Verträumt beobachtete er Libellen und Schmetterlinge, welche sich in einer warmen Briese tummelten. Elrohir füllte alsbald seine Trinkschläuche neu auf, tränkte sein Pferd und ritt dann weiter.

Als es bereits zu dämmern begonnen hatte und die ersten Nachtvögel die kühle Luft mit ihren Stimmen füllten, erblickte der Elb ein Feuer. Beinahe hätte er es nicht gesehen, so gut wurde er von dem Unterholz eines kleinen Wäldchens abgeschirmt. Da der Elb keine Lust auf Scherereien hatte, beschloss er noch eine Weile zu reiten.

Erst als der Waldboden beinahe nicht mehr zu erkennen war zügelte er sein Pferd erneut. Rasch hatte er sich ein Nachtlager errichtet. Auf ein Feuer verzichtete er, stattdessen wickelte er sich in seinen Mantel und aß von dem Brot, welches er mitgenommen hatte. Nur wenig später schlief er an einen Baum gelehnt ein.  

Am nächsten Morgen erwachte er, als die Sonne ihre ersten strahlen in sein Gesicht schickte. Er öffnete die Augen und unterdrückte ein Niesen. Elrohir erhob sich, klopfte Erde von seinem Mantel und packte ihn dann wieder in die Satteltasche. Zu seiner Enttäuschung musste er auf ein Bad verzichten, daher sparte er sich auch das Frühstück, um später mehr Zeit zu haben. Der Elb rief sein Pferd heran, belud es, stieg dann wieder auf und spornte es an.

Der Schwarzhaarige konnte es kaum erwarten die Berge zu erreichen. Nach langer Planung hatten sein Vater und er sich für den Pfad über den Caradhras entschieden, es war nicht nur der schnellste sondern auch der sicherste Weg nach Lórien. Außerdem sollten die steinigen Pässe kein großes Problem für sein Pferd darstellen. Es war ein gutes Tier aus Rohan, mit edelster Abstammung, einem Kämpferherz und einem Hang dazu dem Reiter zu gefallen.
Einst hatte der junge Elbenprinz ein eigenes Pferd besessen, als dieses in einem Kampf schwer verwundet wurde hatte er sich geschworen nie wieder sein Herz an ein solches Tier zu hängen. Am Abend dieses Tages erreichte er die ersten Ausläufer des Gebirges. Er hatte über den Tag hinweg auf größere Pausen, sowie das geplante Bad verzichtet und war daher unerwartet schnell vorangekommen, er war seinem Zeitplan beinahe einen ganzen Tag voraus.

Eilig überlegte er sich wo er am besten sein Nachtlager aufschlagen solle. In der Nähe Morias bestand die Gefahr von Zwergen überrascht zu werden, was, auch wenn Elben und Zwerge in keiner offiziellen Kriegshandlung standen, zweifelsfrei nicht angenehm werden würde. Doch konnte er auch nicht einfach auf den Bergpass reiten in der Hoffnung vor der Nacht einen geeigneten Lagerplatz gefunden zu haben.

Schlussendlich stieg er doch ab und führte sein Pferd den steinigen Pfad hinauf. Sobald sein Pferd ein Gefühl für den Weg entwickelt hatte ritt er weiter. Auch wenn Elben ausdauernde Läufer waren war es dennoch schneller zu reiten, als sich mit den eigenen Schritten an die des Tieres anzupassen.

Der junge Krieger stieß ein erleichtertes Seufzen aus, als er eine Vertiefung im Fels entdeckte die grade breit und tief genug für zwei Pferde war. Elrohir sattelte sein Pferd ab, gab ihm etwas des mitgebrachen Hafers, tränkte es, aß selbst und legte sich dann schlafen. Früh am nächsten Tag erwachte er, der Himmel war dabei sich langsam aufzuhellen. Sein Atem war wie Rauch in der kalten Luft zu sehen. Mit einem weichen Tuch rieb er sein Pferd ab, um es etwas aufzuwärmen, dann band er um jedes Bein ein Tuch, um das Tier etwas vor möglichen auf Schürfungen zu schützen, allein auf dem Gebirgspass konnten sie sich keine Verletzungen leisten. Auch wenn er eine Ausbildung zum Heiler genossen hatte überließ er solche Aufgaben für gewöhnlich seinem Bruder.

Auch an diesem Tag kamen sie gut voran, die Sonne hatte den Schnee unnatürlich hell leuchten lassen, so dass es schwer war etwas zu erkennen, dafür waren die Temperaturen beinahe angenehm geblieben. Seinen wärmenden Mantel hatte er über den Pferderücken gelegt um das große Tier warm zu halten, ihm selbst reichte ein dünnerer und die Bewegung, um nicht zu unterkühlen. Gen Abend fielen die Temperaturen rasant ab, diese Nacht verbrachten Pferd und Reiter dicht aneinander gekauert in einer winzigen Nische an einer schmalen Stelle des Passes. Der folgende Tag verwöhnte den jungen Krieger mit einem atemberaubenden Ausblick. Den höchsten Grad hatte er bereits passiert, sein Rastplatz lag etwa auf halber Strecke hinab, von seinem Standpunkt aus konnte er den Spiegelsee sehen, sowie den Wald von Lórien und fern am Horizont den Düsterwald.

Die Sonne blieb hinter den Wolken verborgen, was für angenehme Lichtverhältnisse sorgte. Am späten Nachmittag hatten Pferd und Reiter den Spiegelsee erreicht. Eilig wusch sich Elrohir notdürftig ehe er sein Pferd bestieg. Er wagte sich nicht aus dem Wasser zu trinken, es verunsicherte ihn, dass er sein Gesicht im Wasser nicht sehen konnte.

Außerdem hatte der See eine zu lange Geschichte mit den Zwergen hinter sich, diese würden es wohl kaum gutheißen, wenn ein Elb darin baden würde. Dennoch tränkte er sein Pferd ehe sie sich wieder auf den Weg machten. Elrond hatte die Reise seines Sohnes äußerst großzügig geplant, Elrohirs Ankunft würde in frühestens drei Tagen erwartet werden. Der junge Krieger verabscheute das Getue um seine Stellung und seine Familie, das war mit ein Grund, weshalb er sich lieber mit Kriegern als mit Höflingen umgab.

Bereits in einiger Entfernung zum Wald verhüllte sich der älteste Sohn Elronds, er würde seine neu gewonnene Freiheit nicht so schnell gegen die starre Förmlichkeit des Hofes eintauschen. Langsam trottete sein Pferd abseits der Wege durch den Wald.
In einiger Entfernung hörte Elrohir einige Elben, zuerst wollte er die Patrouille umreiten, entschied sich jedoch um, als er eine ihm bekannte Stimme vernahm. Hastig glitt er vom Pferderücken und rannte auf die Elben zu. Er war noch einige Meter von den Soldaten entfernt, als sie bereits auf ihn angelegt hatten.

„Haldir! Sag denen bitte, dass sie die Bögen runternehmen sollen, ich will keine Löcher!", rief der Elb noch im Sprint. Tatsächlich wurden die Bögen gesenkt, weshalb er kaum abbremste, als er dem Blonden um den Hals fiel. Nur einen Wimpernschlag später stand er vor dem völlig überraschten Krieger, welcher sich eilig fing und dann tief verneigte.

„Haldir, erinnerst du dich an unser letztes zusammentreffen? Du versprachst mir, mir deine Familie vorzustellen. Erinnerst du dich?" Zögerlich nickte der Blonde. Hastig sprach der Elbenprinz weiter: „Ich würde gerne darauf zurück kommen.. heute Abend? Dann habe ich noch etwas erfreuliches vor mir, ehe ich den hohen Herrschaften vorstellig werde.  Mach dir weder Druck noch Gedanken, es hat seine Gründe warum ich noch nicht zur Herrin gehen möchte.", der Prinz trat einen weiteren Schritt zurück ehe er an alle gerichtet noch hinzufügte, dass er offiziell noch nicht angekommen sei.

Er bestieg sein Pferd, welches ihm langsam nachgelaufen war und ließ einen überforderten Haldir mit seinen Leuten zurück. An einem kleinen See nahm der Prinz schließlich das so lang ersehnte Bad, kämmte sich die Haare und putzte sein Pferd ausgiebig.

Auch zog er sich passendere Kleidung an, seine lederne Reisekleidung mochte zwar einen guten Schutz darstellen, doch so verdreckt wie sie war passte sie nicht in die Planung des Abends. Daher entschied er sich für eine einfache Tunika, es war keineswegs ein Kleidungsstück, welches ihm und vor allem seinem Stand nicht würdig war und dennoch trug es weniger dick auf als die mit Silberfäden bestickte Robe die bei seiner Großmutter aufbewahrt wurde, um sie nicht immer transportieren zu müssen.

Den Rest des Tages wollte der junge Krieger damit verbringen allein durch den Wald zu streifen, das hatte er als kleiner Elbling schon geliebt, auch wenn die Erwachsenen sich immer um ihn gesorgt hatten. Nun gab es keinen Erwachsenen in der Nähe der sich sorgen würde, nicht zu sprechen davon, dass er seit 2410 Jahren als erwachsen galt.

Dennoch würde er in den Augen seines Vaters wohl immer der kleine Elbling sein und aus der Sicht der meisten anderen Elben war er noch immer jung und unerfahren.  
Seine Waffen hatte Elrohir bei seinem Pferd auf einer Lichtung mit saftig grünem Gras gelassen. Er trug nur einen gebogenen Dolch bei sich, welcher, obwohl er fast so lang war wie Elrohirs Unterarm kaum etwas wog. Die Begründung dafür war eine einfache -Mithril, ein Geschenk König Thranduils, zu einer Zeit als er noch nicht wusste, dass Elrond zwei Söhne haben würde. So wurde daraus schnell ein Geschenk für den Erstgeborenen, um einer Schmach durch die Unwissenheit zu umgehen.  

Erst am späten Nachmittag hörte der Elb wieder andere Geräusche als die des Waldes. Kinder- vermutlich, sie schienen sich um etwas zu streiten, Elrohir beschloss dem auf den Grund zu gehen, sie waren weit im Wald, obwohl diese Gefilde als sicher galten sollte man seine Kinder nicht zu tief in den Wald vordringen lassen, allein ob der Gefahr des Verwirrens willen.  

Als der Prinz zwischen den Bäumen, welche ihm die Sicht genommen hatten, hervortrat ergab sich ihm ein bizarrer Anblick. Die Kinder schienen den Schwertkampf zu übern und waren älter als zuvor angenommen, beinahe schon junge Erwachsene. Sie trainierten mit hölzernen Waffen, es dauerte eine Weile ehe Elrohir erkannte, dass alle vier immer wieder eine kleinere Person attackierten, welche er zuvor nicht gesehen hatte. Jene schien unbewaffnet am Boden zu kauern, ohne zu zögern trat der dunkle Elb weiter aus seiner Deckung.

Schneidend kalt richtete er das Wort an die Elben: „Ist das gerecht? Vier Elbenkrieger gegen einen einzelnen, unbewaffneten?" Die Kinder erstarrten und drehten sich zu ihm um, in ihren Augen war sowohl Hass als auch Überraschung ob der Unterbrechung zu erkennen.
„Diese Kreatur hat nichts als Verachtung verdient", sagte einer von ihnen, die anderen nickten zustimmend.  

Ein tiefer Schmerz füllte Elrohir, nie hätte er erwartet je einen Elben aus Lothlórien so sprechen zu hören. „Wer seid ihr, dass ihr euch in der Position seht über ein Leben urteilen zu können? Sicherlich fühlt ihr euch stark, bald seid ihr erwachsen, vollwertige Mitglieder in der Gemeinschaft, in naher Zukunft dürft ihr die Ausbildung zu richtigen Kriegern beginnen.  
Dennoch werdet ihr nie das Recht haben ein fremdes Leben abzuwerten. Wer soll Lórien beschützen, wenn selbst die zukünftigen Krieger Elben abwerten und misshandeln?  
Wenn ihr töten wollt, geht jagen, wenn ihr kämpfen wollt, legt euch nicht mit schwächeren an. Der der nur an schwächeren übt wird als erstes vom Feind erschlagen."  

„Wer seid ihr so mit uns zu sprechen?", fragte der, der bereits zuvor gesprochen hatte, scheinbar der Anführer der kleinen Truppe. „Wenn ihr noch eines dieser Schwerter über habt, werde ich es euch zeigen", erwiderte der Elb aus Imladris kalt.

Die Kinder witterten ihre Chance gemeinsam den Fremden überwältigen und demütigen zu können. Rasch hatte sich eine passende Waffe gefunden, doch hatten die Kinder Elrohir unterschätzt. Schließlich hatte er sie alle entwaffnet und jedes der Kinder mindestens einmal in eine, mit einem echten Schwert, tödliche Situation gebracht.

Plötzlich wagte es sich keines der Kinder mehr frech zu ihm zu sein. „Nehmt eure Waffen und geht nach Hause, es wird bald dunkel und lernt aus diesem Vorfall. Ihr könnt noch so viele schwächere besiegt haben, zum Üben gehört auch verlieren.  

Hastig rafften die Kinder ihre Sachen zusammen und verschwanden im Wald.  
Elrohir stieß ein frustriertes Seufzen aus, ehe er zu der noch immer am Boden kauernden Gestalt ging.  

Ein Elb, kaum jünger als seine Angreifer blickte zu dem Prinzen auf, helle Haare fielen in sein Gesicht und seine Augen spiegelten furcht. Jeder der Schläge hatte hässliche rote Stellen hinterlassen, manche waren sogar blutig, davon würde der Kleine noch eine Weile etwas haben.  

Elrohir kniete sich zu dem Elben auf den Waldboden. „Ich bin Elrohir aus Imladris. Wie heißt du?" „Lassiel", wisperte der Kleine. „Ich muss jetzt nach Caras Galadhon, die Stadt der Herrin Galadriel, wenn du in der Nahe wohnst können wir zusammen gehen", schlug Elrohir freundlich vor. Nach einigem zögern nickte der Elbling schüchtern.  

Elrohir erhob sich und reichte ihm eine Hand, welche dieser nahm und nicht mehr los ließ. „Du sagst mir bescheid, wenn wir in der Nähe von deinem Zuhause sind?" Erneut nickte der Elbling nur.
Schweigend liefen sie durch den Wald. Kurz vor dem Talan von Haldirs Familie, hatte Elrohir die Hoffnung bereits aufgegeben, dass der Elbling noch etwas zu seinem Zuhause sagen würde, Haldir wisse bestimmt was zu tun sei. Doch es kam anders.  
Der Elbling blieb unvermittelt stehen und deutete auf den Talan, welchen Elrohir angesteuert hatte. „Da wohne ich."

Mit einem leichten Lächeln im Gesicht erklomm Elrohir hinter dem Kind das Haus im Baum. Der Elbling klopfte, als die letzten strahlen der untergehenden Sonne durch das Blätterdach fielen. Haldir öffnete eilig die Tür, offenbar hatte er den Prinzen aus Imladris bereits erwartet. Mit besorgter Miene musterte er seinen kleinen Bruder, ehe er zurück trat und beide eintreten ließ.

„Elrohir, es ist schön dass du da bist, meine Eltern sind gegenwärtig leider an der Nordgrenze stationiert, meinen Bruder Lassiel konntest du offenbar bereits kennenlernen. Mein anderer Bruder Orophin sollte hier auch irgendwo unterwegs sein, er ist, seit er laufen kann ein richtiger Wirbelwind." Ein glückliches Lächeln füllte Haldirs Züge, beinahe fühlte sich Elrohir fehl am Platz. Elrond war nur ein Halbelb und hatte stets darauf Wert gelegt seinen Kindern ihren menschlichen Anteil nicht vorzuenthalten. Was ein Problem sein konnte, so trug Elrohir starke Gefühle oft bis nach außen und verwirrte so Elben in seinem Umfeld, aber auch die immer wieder auftretenden Umarmungen verunsicherten viele Elben.
Elrohir empfand es als große Ehre und beinahe schon intim wie offen Haldir seine Liebe zu seinen Brüdern in diesem Moment zeigte.  

Doch er verging so schnell wie er gekommen war und der Blick des Blonden wurde wieder nichtssagend. „Ich würde mir gerne Lassiels Verletzungen ansehen, wäre es sehr unhöflich dich warten zu lassen?"  „Ich bestehe sogar darauf", betonte Elrohir und ließ sich dann ungefragt auf einem Stuhl nieder, während die beiden Brüder in ein angrenzendes Zimmer verschwanden.

Aufmerksam sah der Krieger sich in dem achteckigen Raum um. Wie die meisten Flats war auch dieses rund und hauptsächlich aus noch lebendigen Teilen des Baumes gefertigt. Vom Hauptraum gingen 6 ovale Räume ab, deren Eingänge von schweren Vorhängen verhüllt waren. Den größten Platz im Hauptraum nahm ein Tisch ein, direkt darüber gingen die Äste des Baumes etwas auseinander, um den Blick auf den Himmel frei zu geben. diese Lücke wurde von einer Glasscheibe abgedeckt, um die Temperatur leichter halten zu können.
Rechts neben der Eingangstür befand sich eine kleine Kochnische. An der Decke hingen verschiedene Kräuter von Haken herab. Neben einem kleinen Herd mit offenem Feuer befand sich ein von verzierten Metallstäben an Ort und Stelle gehaltener Holzhaufen.  Wieder daneben eine Kommode und auf der anderen Seite ein kleiner Tisch.  

Dieses Haus war kein vergleich zu den luxuriösen, in welchen sich der Prinz für gewöhnlich aufhielt, dennoch fühlte er sich augenblicklich wohl. Nur wenig später trat der blonde Krieger aus Lórien wieder in den Hauptraum, dicht gefolgt von seinem Bruder.    
Lassiel begann augenblicklich den Tisch zu decken, während der ältere einen dampfenden Topf auf den Tisch stellte und dann die Teller befüllte.
Einer der Vorhänge wurde zur Seite gedrückt und ein kleiner Junge kam auf wackligen Beinen auf sie zu. Das Kind brabbelte etwas unverständliches, ehe es zielsicher bei Haldir ankam und sich an sein Bein schmiegte. Liebevoll löste der Blonde den Griff und nahm das Kind auf seinen Arm. „Das ist Orophin, er ist nah daran seinen zweiten Winter zu erleben."  
„Dann kann ich für ihn nur hoffen, dass es viel Schnee geben wird", hauchte Elrohir entzückt. Es fiel ihm sichtlich schwer seine Augen von dem Kind zu nehmen, welches auf dem Schoß seines großen Bruders thronte und sich abwechselnd füttern ließ und sich selbst den Löffel in den Mund steckte.  

Noch gut konnte er sich daran erinnern als seine kleine Schwester in diesem Alter gewesen war, doch viel zu schnell war auch sie zu einer erwachsenen Frau herangereift.
Der Abend verging viel zu schnell, die beiden Krieger unterhielten sich über Belanglosigkeiten, scherzten etwas und hatten insgesamt eine schöne Zeit. Lassiel, welcher sich schnell empfahl und in sein Zimmer zurückzog puppte sich zwar als schüchtern aber sehr scharfsinnig heraus.  

Schließlich schlief Orophin in den Armen seines Bruders ein, Elrohir sah dies als Zeichen sich ebenfalls zurückzuziehen. Er dankte seinem Freund für die Gastfreundschaft und das gute Essen, ehe er den Talan verließ.
Am Waldboden angekommen überlegte er sich wie er mit der angebrochenen Nacht verfahren solle. Natürlich könnte er jederzeit zu seiner Großmutter gehen und dennoch reizte ihn ein anderer Gedanke. Er hasste das prüde Gebahren der Elben, was sollte einem die Unsterblichkeit nutzen, wenn man sie nur mit einer Liebe teilen würde.

Seit jeher hatte der hübsche Prinz immer jemanden gefunden, der die gleichen Ansichten vertrat wie er, auch wenn er es sich nie hatte leisten können wählerisch zu sein, er hatte sich noch nie einer anderen Rasse als der seinen hingegeben. Zu seinem Glück zogen oft Boten durch Imladris, jene hatten meist nichts gegen ein oder zwei Stunden in seinen Armen einzuwenden. Die Straßen Mittelerdes konnten hart und Grausam sein, ein wenig Nähe konnte wenigstens die Stimmung für eine Weile heben.  

Doch fürchtete der junge Prinz im Goldenen Wald keine Kreatur zu finden, die nicht sofort seiner Großmutter Bericht erstatten würde.  
So suchte er schlussendlich sein Pferd und ritt in Richtung Zentrum. Galadriel erwartete ihn bereits, sie ließ sich nicht anmerken, dass sie wusste, dass er bereits vor einigen Stunden den Wald betreten hatte.  

Sie grüßte ihn freundlich und wies ihn an auf sein Zimmer zu gehen, um alles andere würde sich gekümmert werden. Auch wenn der Wald von Lothlórien einen Hauch der Valar in sich trug und selbst für Elben etwas ganz besonderes zu sein schien, sehnte sich Elrohir seiner Abreise entgegen.  

Er war ohne Vorbereitungszeit in das höfische Leben eingetaucht. Saß mit den Höchsten Aristokraten des Reiches zu Tisch, debattierte politische Angelegenheiten und wurde von allen Seiten beurteilt und bewertet.
Doch der Tag kam, mit dem Segen der Herrin und frisch bepackten Satteltaschen brach der Krieger schließlich wieder auf. Sicherlich wäre der direkte Weg in den großen Grünwald schneller gewesen, doch hatte Elrond dem nördlichen Pass um diese Jahreszeit kein Vertrauen geschenkt. Es war angedacht, dass Elrohir erst im Frühling des folgenden Jahres nach Imladris zurück kehren würde.

Jeder von ihnen hatte seinen eigenen Weg mit dem Abschied Celebríans umzugehen. Galadriel hatte den Verbleib ihrer Tochter totgeschwiegen, Elrond überschüttete sich selbst mit Arbeit, Elladan versank in seinen Büchern und Arwen wollte die kommenden Jahre in Lothlórien verbringen. So wurde es beinahe schon von Elrohir erwartet zu reagieren.
Er hatte eine wenig spektakuläre Reise nach Eryn Lasgalen, die Waldelben begrüßten ihn wie es sich für seinen Stand geziemte und geleiteten ihn ab der Grenze. Elrohir liebte dieses Volk, so gefühlskalt wie sie wirkten so gehorsam waren sie. Niemals würde es hier Diskussionen nach einem Befehl geben, was in Imladris zwar nicht häufig, aber auch nicht unwahrscheinlich war.  

Obwohl sie ihn respektvoll behandelten und sich ihm zweifelsohne als Diener anboten drängten sie sich nicht so auf wie die anderen Elben. Kaum hatte er den Palast des Elbenkönigs erreicht wurde ihm sein Pferd und sein Gepäck abgenommen. Eine Dienerin geleitete ihn in die Räumlichkeiten, welche er für gewöhnlich belegte.  

Freundlich bat er sie darum ihm ein Bad einzulassen und ihm passende Kleidungsstücke führ ein Abendmahl mit König Thranduil bereitzulegen.  
Sie Verneigte sich tief und verließ das große Schlafzimmer. Elrohir begann sich sofort aus seiner verdreckten Reisekleidung zu schälen. Am Morgen dieses Tages hatte es zu schneien begonnen, ihm war Kalt und die Finger waren beinahe zu klamm um die Schnallen zu öffnen, fast schon bereute er es die Dienerin fort geschickt zu haben.

Noch immer rang er mit einer Schnalle an seiner Schulter, als seine Hände sanft zur Seite geschoben wurden. „Wenn du so weiter machst trägst du morgen noch diese Rüstung." Überrascht blickte Elrohir auf, beinahe hatte er die Dienerin zurück erwartet, doch nicht die junge Frau sondern ein gerüstetes Mitglied der Garde befreite ihn aus seiner Rüstung.  
Bisher erst ein einziges mal hatte der Elb aus Imladris sein Lager mit einem der hiesigen Soldaten geteilt, die Nacht war unvergesslich gewesen und dennoch wollte ihm der Name des Gerüsteten partout nicht einfallen.  

„Vermisst dich dein König nicht an seiner Seite, immerhin könnte sein Bett kalt werden, wenn du gedenkst meines zu wärmen", meinte der Dunkle spöttisch um etwas Zeit zu schinden. Solange sein Gegenüber den Helm trug, welcher sein gesamtes Gesicht verdeckte, hätte der Dunkle keine Chance auf seinen Namen zu kommen.  

„Mein Herr, ihr wisst, das mir nichts ferner liegt, als meinen König vor den Kopf zu stoßen, doch wenn ich mich richtig an seinen Befehl erinnere, enthielt er sowohl den Auftrag euch dienlich zu sein als auch euch zu schützen." Die tiefe Verneigung die Folgte war nicht weniger spöttisch als die zuvor gesprochenen Worte.  

In der Zwischenzeit war der Elbenprinz von seiner Rüstung befreit worden, er trug nur noch eine dünne Hose. Die melodiöse Stimme seines Gegenübers sandte von Zeit zu Zeit wohlige Schauer über seinen Rücken.  
„Ich soll euch von dem Mädchen ausrichten, dass euer Bad gerichtet sei. Sie wird euch die gewünschte Kleidung auf eurem Bett bereit legen.”

„Wenn ich das Wort Dienen richtig verstanden habe, korrigiere mich wenn ich falsch liege, wirst du tun was ich dir befehle?", schnurrte Elrohir, der wusste, dass der begehrende Blick der Wache auf seinem Körper ruhte. „Alles was in meiner Macht steht, Herr", war die Augenblickliche Antwort, erheblich respektvoller als zuvor.

Erneut wurde sich der junge Elb des schmalen Grades bewusst auf welchem er wandelte, er würde zu jedem Zeitpunkt dem Soldaten überstehen, dieser würde sich tief in eine Gesetzliche grau Zone begeben müssen, wenn er mehr wollte, als nur Befehle zu befolgen.
„Elb, mir ist kalt und mein Badewasser wird das in kürze auch werden. Die letzte Hoffnung die ich für meinen Körper sehe ist, von deinem gewärmt zu werden. Wage es nicht gerüstet mein Bad zu betreten, du könntest den Marmor zerkratzen", mit diesen Worten drehte er dem Mann den Rücken zu und entledigte sich auf dem Weg zum angrenzenden Zimmer seiner Hose. Ein überhebliches Grinsen stahl sich in sein Gesicht, als er vernahm wie der Atem des anderen stockte.  

Als er die Tür öffnete schlug ihm feucht warme Luft entgegen. Die Große Wanne, in die sich ein Pferd legen könnte ohne Platzprobleme zu haben, war bis zum Rand mit dampfendem Wasser gefüllt. Ein Hauch von Lavendel lag in der Luft. Elrohir schloss die Augen und atmete gezielt tiefer als sonst, ein Gefühl der Ruhe und des inneren Friedens durchströmte ihn. So gut hatte er sich seit langem nicht mehr gefühlt, seit vor einem Jahr seine Mutter von Orks entführt und misshandelt worden war hatte er immer eine tiefliegende Dunkelheit gespürt.  
In diesem Augenblick bekam der undurchsichtige Vorhang Risse und verlor ein wenig seines Schreckens. Das Herz des Prinzen schien einen Schlag auszusetzen, um danach doppelt so schnell zu pochen, als sich starke Arme um ihn legten.

„Wenn du nicht bald in die Wanne gehst, musst du ungebadet zu aran Thranduil gehen, seiden du willst ihn warten lassen.“ Vertrauensvoll schmiegte sich Elronds ältester Sohn an den Körper hinter ihm. „Das letzte Mal hatten wir zu wenig Zeit, es wäre mir eine Ehre wenn wir", der Elb stockte kurz, offenbar auf der Suche nach den richtigen Worten, „- es vertiefen könnten, Herr", wisperte der Elb in Elrohirs Haare. Ein Lufthauch streifte seine empfindliche Ohrspitze und ein leises Seufzen verließ seine Lippen. „Das letzte Mal. Es ist deine Schuld, dass du mir deinen Körper erst in der letzten Nacht meines Aufenthalts angeboten hast", flüsterte Elrohir belustigt, ehe er sich aus der Umarmung löste und in die dampfende Wanne stieg.

Mit gesenkten Liedern schielte er zu dem anderen auf, welcher Handtücher bereit legte, ehe er zu seinem Herrn in das warme Wasser stieg. Ein einziger Blick in die Augen seines Gegenübers genügte um sich an dessen Namen zu erinnern. „Beinahe hatte ich gefürchtet, dass du mich meiden würdest, Thínor", hauchte der Dunkle, ehe er seine Augen gänzlich schloss.  
„Und ich fürchtete ihr würdet euch nicht mehr an mich erinnern, Herr", antwortete der Elb ebenso leise.

Eine kurze Zeit der angenehmen Stimme entstand, nur gefüllt von vereinzelnden Tropfen, welche ihren Weg in das Becken fanden. Als sich der Soldat hinter ihn begab hielt es der Dunkle nicht für nötig die Augen zu öffnen. Erst recht nicht, als damit begonnen wurde seine Haare zu waschen. Thínor massierte sanft verschiedenes in Elrohirs Haare ein, ehe er den Elb sanft nach hinten kippte und ihm die Haare wieder auswusch.

Elrohir reckte seine Arme in die Höhe, schlang sie um den Nacken des anderen und zog ihn sanft zu sich hinab. Er konnte den beschleunigten Atem auf seinen Lippen spüren, als er die Augen aufschlug. Aus jahrelanger Erfahrung wusste er wie er mit seinen sturmgrauen Augen spielen musste um einen Elda zu verzaubern, dennoch war bei diesem etwas anders, beinahe sofort verlor er sich in den intensiv grünen seines Gegenübers. Mit einem genervtem Seufzen schloss er seine Augen erneut und überbrückte dann den letzten Abstand zwischen ihren Mündern.  
Es war immer wieder seltsam falschrum zu küssen, dennoch wollte der junge Krieger diese Küsse nicht missen, entstanden sie doch allesamt aus bizarren Situationen, geformt aus Gier und Ungeduld.

Er ließ sich einige Zeit in dem sanften Kuss treiben, ehe er sich aufrichtete, umdrehte und die Augen öffnete. Ein selbstsicheres Lächeln umspielte seine Lippen, als er die geweiteten Pupillen des honigblonden Elben sah.  

„Du weißt, dass wir beide vorläufig unbefriedigt bleiben, wenn wir das weiter treiben?", fragte er ruhig. Thínor nickte leicht, ehe er sich in einen weiteren Kuss lehnte.  
Sie intensivierten ihr Lippenspiel, blieben jedoch darauf bedacht, ihre Mitten nicht zu berühren, sie teilten sich die Sorge vor einem endgültigen Kontrollverlust.  
Es war der honigblonde Krieger, der Elrohir schließlich von sich schob. Sie erhoben sich schweigend, trockneten sich ab und verließen die Wanne. Noch immer schweigend bekleideten sie sich, die Auswahl die die Dienerin getroffen hatte war sehr zu seiner Zufriedenheit. Ehe er die schwerere Robe anzog ergriff er seine Haarbürste, welche ihm Augenblicklich entwendet wurde.  

Thínor warf ihm nur ein entwaffnendes Lächeln zu, ehe er den Dunklen sanft auf einen Stuhl drückte und damit begann dessen Haare zu entwirren.  
Bereits zuvor in der Wanne hatte er die Flechten gelöst, welche die Haare zurückgehalten hatten, nun musste er sie nur kämmen, was schnell getan war.  
„Setz dich am besten vor den Kamin, bis sie ganz trocken sind, dann kämme ich sie erneut und helfe dir mit dem Reif und der Robe", warf der Honigblonde beinahe Fragend in den Raum.  

Der Prinz nickte und begab sich vor den offenen Kamin, setzte sich auf den Boden und genoss die Hitze auf seinem bloßen Oberkörper. Er konnte hören wie sich Thínor erneut seine Rüstung anzog. Als er den Helm aufhob rasselte der Gesichtsschutz leise. „Lass!", begehrte Elrohir sogleich auf, „Wenn du das Teil jetzt schon anziehst kann ich dich noch länger nicht küssen."

Träge öffnete der Elbenprinz seine Augen und sah zu dem hübschen Soldaten auf. Nur die Handschuhe und der Helm fehlten noch, ehe Thínor nicht mehr von den anderen Wächtern zu unterscheiden war.  
Einzig die, die dabei waren den König zu bewachen fielen durch die Mäntel auf, welche sie im Gegensatz zu den Anderen trugen. Als der Soldat zu ihm gekommen war hatte er noch einen Mantel getragen, was wohl bedeutete, dass er heute Morgen, als er zu seinem Dienst erschienen war noch nicht gewusst hatte, dass er der Leibwächter des Imladris Elben werden würde.

Während er erneut die Haare gekämmt bekam fragte er dies seinen Leibwächter. „Wie kommt es, dass du bei deinem König auftauchst um ihn zu beschützen und jetzt bei mir stehst, den Königs-Garden-Mantel noch an deiner Rüstung befestigt?" Elrohir war stolz über seine neuste Wortkreation und bedauerte es ein wenig kein größeres Publikum gehabt zu haben. Thínor lächelte nur leicht.

„Natürlich wirft dies kein allzu gutes Licht auf die Planung deines Besuches, aber sei versichert, es gab eine Planung, sogar eine gute. Darin war jedoch leider nicht vorgesehen, dass der ursprünglich für dich eingeplante Soldat kurzfristig etwas anderes zu tun bekam. Daher rief unser hoch verehrter König heute morgen seine Wache zu sich und suchte nach einem Ersatz."

„Was wohl wichtiger ist als ich? Sicherlich ein internes Geheimnis. Wie kommt es dann, dass ausgerechnet du hier stehst, Thranduil hat sicherlich viele Wachen."
„Herr, wie auch immer es so kam, seid ihr unzufrieden mit der Wahl eures Königs?", fragte der Blonde etwas verunsichert nach. Lächelnd schüttelte Elrohir seinen Kopf. Es gefiel ihm wie der Elb in der Anrede sprang, um zu verdeutlichen wann er als Thínor und wann als Leibwächter sprach.  

Schweigend ließ sich Elrohir in die steife Robe helfen, behutsam setzte ihm der Soldat daraufhin den silbernen Reif aufs Haupt, welcher seinen Stand verdeutlichen würde.
Elronds Sohn stahl dem Soldaten noch einen langen Kuss, ehe er ihm in die Handschuhe half. Nach einem weiteren Kuss setzte er dem Elben seinen Helm auf, sehr darauf bedacht ihn nicht versehentlich mit den scharfkantigen Kettenelementen zu verletzen. Mit einem sanften Lächeln im Gesicht verließ Elrohir sein Zimmer, dicht gefolgt von seinem Wächter.
Problemlos fand sich Elrohir in dem verwinkelten Palast zurecht. Legolas war nur etwas jünger als er selbst und sie waren schon seit vielen Jahrhunderten beste Freunde, dementsprechend hatten sie immer möglichst viel Zeit miteinander verbracht. In dem Palast der Waldelben fühlte sich der Prinz beinahe heimischer als in der Heimat seiner Mutter.  
Ehe der Elb aus Imladris den majestätischen Speisesaal betrat glättete er seine Gesichtszüge.  
Ein letztes Mal ging er im Kopf die folgenden Verneigungen durch, ehe er durch das große Portal trat.  

Ein großer Teil der bereits anwesenden erhob sich und vollführte ihrem jeweiligen Stand entsprechende Verbeugungen.
Für sie hatte der Elbenprinz nur ein respektvolles Kopfnicken übrig, der Berater des Königs war da schon etwas anderes, für ihn war eine leichte Verbeugung geplant, welche nicht tiefer als die vor Legolas würde sein dürfen, doch waren beide nicht sonderlich Tief.  
Konzentriert führte der Prinz beide aus, ehe er sich dem König des Waldlandreiches zuwandte und in eine tiefere Verneigung sank, sobald der König, welcher ihm ebenfalls eine angedeutete Verneigung gewidmet hatte, ihm einen kaum merklichen Wink gab, erhob sich der Dunkle wieder. Stolz schritt er zum oberen Teil der langen Tafel, neben dem Berater des Königs war sein Platz.
Nah am Herrn dieser Hallen und doch nicht nah genug um ungehindert Vertrauliches auszutauschen.

Dieses Abendmahl gab es aus rein repräsentativen Zwecken.
Kurz beneidete Elrohir Thínor, welcher, kaum dass er den Raum betreten hatte, auf die Knie gefallen war und, nach einem Blick seines Königs, augenblicklich vor der Tür Stellung bezogen hatte.  
Die Wächter waren nur König und Prinz verpflichtet, sobald sich Thranduil in einem Raum befand genügte ein Kniefall vor ihm.

Sobald es die Höflichkeit gestattete verließ Elrohir den Tisch wieder. Die Mitte der Nacht war bereits überschritten, als er, gefolgt von seinem Schatten durch die verlassenen Gänge wanderte. Es hatte an diesem Abend keine interessanten Gespräche gegeben, nur nichtssagendes höfisches Geplänkel. Der interessante Teil würde erst am folgenden Abend beginnen, eine private Audienz bei König Thranduil und danach hoffentlich ein wenig Zeit mit Legolas.
Die wenigen bewachten Räume im oberen Teil des Palastes hatten sie schnell passiert, ebenso die Hallen der Heilung.  

An jedem neuen Gang war eine Fackel befestigt, Elrohir wusste, dass das nur für die Abzweigungen des Hauptgangs galt. Auch wenn der König des Waldlandreiches sicherlich nicht an Geldsorgen litt, wäre er zu sparsam, um seinen Palast jede Nacht völlig zu beleuchten.

Dennoch waren die übrigen Gänge nicht in Schwärze getaucht. Dicke Adern von phosphoreszierendem Quarzkristall durchzogen die Wände des Palastes. Natürlich waren die nächtlichen Lichtverhältnisse daher abhängig vom vorhergegangenen Tageslicht, dadurch waren jedoch auch die schmälsten Gänge niemals in völlige Dunkelheit getaucht.
Der Prinz aus Imladris drang immer tiefer ins Zentrum des Palastes ein. Nach einiger Zeit gab es keine abzweigenden Gänge mehr, Elrohir war sich sicher, dass menschliche Augen ihrem Besitzer absolute Dunkelheit vorgegaukelt hätten, doch die verbesserte Nachtsicht der Elben ermöglichte es ihm weiterhin seine Umgebung zu erkennen.  

Schließlich erreichten sie eine Gabelung, viele Meter unter der Erdoberfläche, deutlich spürte der junge Krieger wie Thínor hinter ihm unruhig wurde. Beinahe war er sich sicher, dass der Soldat noch nie viel weiter als zu dieser Gabelung gekommen war.
Während der rechte Weg zu Thranduils Schatzkammer führte, leitete der Linke einen in völlige Dunkelheit.  

Mit einem sanften Lächeln drehte sich der Dunkle zu seinem Begleiter, dessen Gesichtszüge von seinem Helm verdeckt wurden.  „Du kannst mich entweder begleiten, oder hier auf mich warten, es wird nicht lange dauern.”  

„Ich werde euch folgen und schützen, solange mein König es von mir verlangt", war die prompte Antwort. Mit einem leichten Kopfschütteln wand sich der Prinz erneut dem finsteren Gang entgegen und betrat ihn. Lächelnd schloss er die Augen, streckte die Arme aus und begann seine Schritte zu zählen.
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