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Die verlassene Psychiatrie

GeschichteKrimi, Thriller / P12
10.01.2020
03.11.2020
11
10.689
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10.08.2020 1.797
 
Als nach einiger Zeit auch Brandon und Lea auftauchten, ohne Ergebnisse, wurden einige unruhig. Es konnte schließlich nur bedeuten, dass Aidan und Leonie ihm oder ihr begegnen mussten. Das Problem war, keiner der Beiden war der Typ dafür, sich so einer Situation entgegenzusetzen. Deshalb wollten einige auch sofort los und nach ihnen schauen. Brandon zum Beispiel tigerte fast schon im Zimmer umher und machte Terry dadurch noch nervöser, als er jetzt schon war. Selbst Kyle, den so schnell nichts erschüttern konnte, machte sich langsam Sorgen um seinen besten Freund.
„Wir sollten nach ihnen suchen“, beteuerte Brandon, der sich um seine Freundin sorgte.
Eigentlich wollte Kyle am liebsten zustimmen, doch erinnerte er sich an Gespräche mit Aidan, bei dem es um so etwas ähnliches ging. Er hatte sich beschwert, man würde ihm zu wenig zutrauen. Klar, er hatte genug Grips, wäre aber bei einer Auseinandersetzung zu schlaksig und nicht gut genug gebaut, um sich behaupten zu können. Als er selber sich einmal zu oft eingemischt hatte, als sein bester Freund Probleme mit einigen Idioten von der Schule hatte, kam eine starke Diskussion zwischen ihnen zustande. Das Ende vom Lied war, dass er Aidan mehr vertrauen sollte. Vielleicht war die Person, die hier herumgeisterte, ja schon längst weg, versuchte er sich etwas zu beruhigen. Es ärgerte ihn, da er kein Mensch war, der schnell besorgt war. Als sich auch noch einige andere seiner Freunde meldeten, dass schon zu viel Zeit vergangen war, nickte er nur grimmig und befahl Lea, Megan und Brandon, mit ihm zu kommen. Brandon konnte man deutlich im Gesicht ablesen, dass er es hasste herumkommandiert zu werden, widersprach aber nicht. Emma und Terry würden hier warten, auch wenn es ihnen wiederstrebte. Natürlich wollte Leonies Bruder am liebsten mitkommen, doch sein Kumpel riet ihm mit knappen Worten davon ab und er fügte sich. Insgeheim war ihm jedoch klar, dass es so besser war und er lieber hier warten sollte. Auch war ihm eins bewusst. Er konnte Emma nicht alleine lassen, auch wenn er bezweifelte etwas ausrichten zu können, sollte etwas passieren.

Diesmal trennten sie sich nicht, weshalb es etwas dauerte, bis sie voran kamen. Doch wollten sie nicht denselben Fehler machen. Nur zwei Fragen standen noch offen. Sollten sie vorsichtig sein oder mit schnellen Schritten die Umgebung durchsuchen? Und sollten sie still bleiben, oder nach ihnen rufen? Mit fast schon stummen Blicken einigten sie sich darauf, jeweils die zweite Option zu wählen. So rannten sie fast schon und riefen nach den Vermissten, bekamen keine Antwort. Eigentlich hörten sie gar nichts, was nur bedeuten konnte, dass irgendetwas passiert sein musste. Denn weder Aiden, noch Leonie standen auf abartige Späße und jemanden ohne Grund Sorgen zu machen, ebenfalls nicht. Diese Stille zermürbte selbst die Hartgesottenen unter ihnen, die es sich nur nicht anmerken ließen.
Auf einmal kreischte Megan auf: „Hier ist er.“
Erschrocken schlossen sofort alle zu ihr auf und erkannten vor ihren Füßen einen bewusstlosen und blassen Aidan. Der aus dem Bauch blutete! Nach einem kurzen Blickwechsel kniete sich Megan hin und untersuchte die Wunde. Auch wenn sie medizinisch keine allzu große Erfahrung hatte, konnte schnell erkennen, dass es sicherlich nicht versehentlich geschehen sein konnte. Besonders, da es hier keine allzu gefährlichen Gegenstände hier herum lagen. Ohne ein Wort zog Kyle sein Oberteil aus und reichte es der Rothaarigen, die versuchte die Blutung zu stoppen. Zum Glück schien es nicht so tief zu sein, dass es lebensgefährlich war. Sie konnte sich aber auch täuschen, was sie nicht hoffte. Nachdem sie einige Minute damit zugebracht hatte mit dem Oberteil auf die Wunde zu drücken, schaffte sie es mithilfe der Jungs, es ihm wie ein Verband um den Körper zu schlingen. Was besseres hatten sie nicht parat und helfen würde es auch nur bedingt, doch was anderes konnten sie momentan auch nicht tun. Doch sie mussten ihn erstmal hier weg schaffen. So hakten sich Brandon und Kyle je unter einem Arm Aidans und versuchten mit aller Kraft, ihn in den früheren Büro des Chefarztes zu bringen. Dabei versuchten sie darauf zu achten, es mit der Wunde nicht noch schlimmer zu machen. Was, ehrlich gesagt, nicht so einfach war. Als die beiden Jungs mit den Verletzten schon einige Schritte voraus gegangen waren, merkten sie erst dann, dass weder Megan noch Lea ihnen folgten.
„Worauf wartet ihr? Auf eine schriftliche Einladung?“, fragte Kyle und schaute die Mädchen böse an.
Dennoch zögerte Lea: „Und was ist mit Leonie?“
„Die suchen wir gleich im Anschluss, aber es wäre gefährlich für euch beide alleine. Jemand hat schon euren Freund hier schwer verwundet. Was glaubt ihr würde passieren, wenn er zwei Mädchen hier herumschlendern sieht?“, kam es von Brandon, des es schon wehtat es nur auszusprechen.
Er machte sich die größten Sorgen um seine Freundin und am liebsten würde er sofort nach ihr suchen, doch er musste auch logisch denken. Die Mädchen wären nicht stark genug diesen Jungen zu transportieren und wer wusste was passierte, wenn er nicht rechtzeitig versorgt wurde.
Das sah Megan schnell ein: „Zum Glück trägt Em immer eine kleine Apotheke mit sich herum.“
Früher hatte man die Blondine etwas geärgert wegen der Tatsache, dass sie immer einen erste Hilfe Koffer mit sich herum schleppte, wenn sie mal länger unterwegs waren. Doch diesmal konnte man ihr nicht genug danken, dass sie immer so vorsorglich mitdachte. Sollte mal nachgeholt werden.
„Ich laufe schon mal vor und suche alles wichtige heraus“, meinte die Rothaarige und lief los.
Dabei blieb sie nicht alleine, Lea folgte ihr schweigend. Sie war überzeugt davon, Megan mehr helfen zu können als den Jungs.

Emma sprang fast in die Luft vor Schreck, als die Tür aufgerissen wurde. Schnell beruhigte sie sich, nachdem sie ihre Freundinnen erkannt hatte. Doch deren Gesichtsausdruck deutete etwas schlimmes an und sobald die angekommenen Mädchen ins Zimmer gekommen waren, stürzten sie sich sofort auf die Rucksäcke, machten sie in Eile auf und schütteten alles kopfüber aus.
„Leonie?“, fragte Terry und wurde blass.
Ohne aufzuschauen kommentierte Lea: „Wir haben Aidan gefunden, verletzt und bewusstlos.“
Emma wurde blass und riss die Augen auf. Doch sie machte sich erst in Bewegung, nachdem nach kurzer Zeit Brandon und Kyle mit den Bewusstlosen in der Mitte zu sehen waren. Sie sprang auf und half den Jungs, ihn vorsichtig hinzulegen.
„Was ist mit Leonie?“, wollte Terry beharrlich wissen.
Betrübt antwortete Brandon: „Wir haben sie nicht gefunden, doch ich wollte jetzt los und nach ihr suchen.“
Er schaute kurz die andere Gruppe an, die größtenteils damit beschäftigt waren, sich um Aiden zu kümmern. Da aber zu viele Köche den Brei verderben würden, entschloss sich Lea dazu, Brandon und Terry zu helfen. Kyle würde stattdessen hier bleiben und auf die Mädchen aufpassen, die sich um Aiden kümmern würden. Zum Glück hatten sie die nötigsten Mittel parat, auch wenn es gerade eben reichte. Mit so einem Fall hätten sie nie gerechnet. Weder Megan noch Emma nahmen von den Weggehenden Notiz, so vertieft waren sie in ihrer Arbeit, damit es Aiden bald wieder besser ging. Denn so wie es gerade war, konnten sie ihn nicht allzu weit transportieren und sie waren nicht in Handynetznähe, um einen Krankenwagen zu rufen. So mussten sie sich damit behelfen, was sie zur Hand hatten. Mit Tüchern, Verbände und Mineralwasser versuchten sie so viel wie möglich, damit es ihm sobald wie möglich besser ging. Plötzlich flatterten Aidans Augenlider und er murmelte irgendetwas vor sich her. Als Kyle es mitbekam, beeilte er sich zu seinem besten Freund zu gelangen und beugte sich mit seinem Ohr in die Nähe seiner Lippen.
„....ze.......mle....“, konnte er nur verstehen.
Seufzend schaute er auf und schüttelte den Kopf, worauf die Mädchen die Schultern sinken ließen. Als Aidan auch wieder bewusstlos wurde, konnten sie nur noch das schlimmste befürchten. Aber zum Glück war es nicht so, als die Mädchen ihn noch mal untersuchten.
Megan lächelte sogar leicht: „Es hat aufgehört zu bluten.“
„Und seine Atmung und sein Puls haben sich etwas gebessert“, fügte Emma hinzu.
Erleichtert, dass es mit seinem besten Freund bergauf zu gehen schien, ließ Kyle sich fast schon erleichtert auf den Boden plumpsen.
Bei dem Anblick tadelte die Rothaarige ihn: „Es ist noch nicht vorüber.“

Terry und Brandon konnten es sich nicht verzeihen und sie gaben sich selber die Schuld. Hätten sie sich doch nicht gegenseitig angestachelt hierhin zu kommen! Nur weil Leonie keine andere Wahl sah als ihnen zu folgen, war sie verschwunden und ihr war sonst was passiert.
„Gebt euch doch nicht selbst die Schuld daran“, meinte Lea, die zwar an deren Gesichter ablesen konnte woran sie dachten, doch stur geradeaus schaute und sie war noch nicht fertig, „Theoretisch müssten meine Freunde und ich es auch so sehen, schließlich sind wir zum Teil auch Schuld dran wegen dem, was Aidan passiert war. Doch ihr dürft es jetzt keine Beachtung schenken und müsst euch auf das Wichtigste konzentrieren, nämlich Leonie zu finden.“
Überrascht über diese Worte, nickten Terry und Brandon leicht lächelnd und würden von nun an den Ratschlag wahrnehmen.
„Es tut mir leid wegen eurem Freund“, bedauerte Terry.
Lea meinte dazu: „Und mir wegen Leonie.“
„Wir hätten die Beiden niemals alleine losziehen lassen sollen“, fügte Brandon hinzu.
Nickend stimmte die Schwarzhaarige zu: „Doch was geschehen ist, ist geschehen.“
Mehr sagten sie zu dem Thema nichts mehr, weil es sie nur herunterziehen würde.

Nach einiger Zeit lehnten sich Megan und Emma zurück, mehr konnten sie für Aidan auch nicht tun. Die Freunde beschlossen von hier abzuhauen, sollte man Leonie gefunden haben. Nicht nur weil man langsam Angst bekam, auch mussten sie für den Bewusstlosen schnell einen Arzt finden. Denn ihren Freund so gefunden zu haben bewies, dass hier wirklich jemand war, der ihnen böses wollte. Sie glaubten nämlich nicht, dass es ein Unfall sein konnte oder er sich selbst verletzte. Auch das Leonie damit etwas zu tun hatte, konnten sie sich nicht vorstellen. Nicht dieses zierliche Püppchen.
„Wir müssen schnell weg, hier geht irgendetwas nicht mit rechten Dingen zu“, meinte Emma und bewegte sich unruhig hin und her.
Ihre Freunde stimmten schweigend zu, aber momentan wäre eine Flucht unmöglich. Nicht nur weil Lea mit den Jungs unterwegs war, auch weil sie nicht abhauen konnten, ohne Leonie gefunden zu haben. Auch wenn sie ohne zu zögern verschwinden wollten, doch konnten es nicht tun, weil Kyle und Terry wären dann alleine hier. Womöglich mit einem Kriminellen. Und wer wusste, ob Leonie nicht auch noch schwer verletzt war.
Leise murmelte Emma: „Wir müssen die Polizei rufen.“
„Und wie, du Genie? Wir haben keinen Empfang und wir können nicht einfach gehen“, erwiderte Kyle fast schon gereizt.
Megan fuhr ihn an: „Dafür brauchst du nicht so mit Em reden.“
„Entschuldigt, Mädels. Meine Nerven sind gereizt“, seufzte Kyle, der einsah zu weit gegangen zu sein.
Megan lächelte leicht: „Wir sind alle etwas überspannt.“
Mit diesen Worten saßen die Freunde schweigend um Aiden herum und warteten auf die Ankunft Leas.
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