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Die verlassene Psychiatrie

GeschichteKrimi, Thriller / P12
10.01.2020
03.11.2020
11
10.689
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25.07.2020 1.361
 
Jetzt hörte er es auch. Stimmen, und sie unterhielten sich anscheinend. Diese schienen geradewegs aus dem Esssaal zu kommen. Emma schluckte und man konnte ihr ansehen, dass sie gerade gerne sehr weit weg wäre. Hingegen schaute Megan Kyle fragend an und wollte damit wissen, was sie jetzt tun sollten. Seine Augen schienen ihr stumm zu antworten von wegen, weshalb sie ihn denn fragte. Die Blondine unter ihnen bekam von dem, fast schon Augenduell, nichts mit.
„Was soll...“, mit einem leisen zischen und einen Finger auf die Lippen wurde Emma unterbrochen.
Megans Lippen waren nah an die ihrer Freundin: „Willst du, dass sie uns hören?“
Mit einem schnellen Kopfschütteln bekam sie die Antwort die sie wollte. Fast schon zufrieden nickte sie kurz und wandte sich wieder Kyle zu. Dieser überlegte gerade was jetzt zu tun war, wobei er versuchte, nicht spontan zu handeln. Wer wusste nämlich schon, was das für Menschen waren. Schließlich hatten sie wahrscheinlich die Rucksäcke entwendet und das hätten sie nicht getan, wenn sie harmlos wären. Mit Mühe versuchte er sich, in das Kopf seines besten Freundes hinein zu denken. Dieser hatte schließlich immer einen Plan, egal wie aussichtslos die Situation war. Okay, so schlimm war es momentan nicht.... Aber man konnte nicht wissen, wozu sich das ganze entwickelte. Und ob die beiden Mädchen es wissen wollten, war eine ganz andere Frage.

Während Lea sich von den heulendem Wind und den krachenden Ästen, welche an den Wand des Gebäude schlug, nicht beirren ließ, war es bei Aiden etwas anders. Ihn machte es ein wenig nervös. Aber soweit zu gehen von Angst zu sprechen, davon war man noch weit entfernt. Der Ruhepol der Gruppe gefiel die ganze Situation kein bisschen, eigentlich von Anfang an schon nicht. Wie kam Sam eigentlich auf die bekloppte Idee, so etwas zu fordern? Und anstatt sich zu weigern, stimmten fast alle zu. Da fragte er sich, welcher Teufel ihn geritten hatte sich einverstanden zu erklären. Aidan entfuhr ein Seufzer, worauf er einen fragenden Blick Leas kassierte.
Sofort wehrte er ab: „Alles ok, ich musste nur an diese ganze Situation denken.“
„Und wie bekloppt sie ist“, sprach Lea schmunzelnd genau das aus, was er noch vor kurzem dachte.
Darüber musste er leicht lächeln und nickte ihr diesbezüglich nur zu, was ihr reichte und sie sich wieder von ihm abwandte. Schweigend schlenderten sie weiter und versuchten darauf zu achten, nicht zu laut zu sein. Trotzdem fingen sie zögernd eine Unterhaltung an, der etwas lauter wurde, nachdem sie ihren Rundgang beendet hatte. Natürlich schauten sie auch hinter Möbel nach, sollte es möglich sein und sie vergaßen auch die Türen nicht. Beide zeigten darüber verschiedene Reaktionen. Während Aidan fast schon erfreut darüber war niemanden gefunden zu haben, frustrierte dies Lea. Mit diesen Gefühlen traten sie den Rückweg an.

Lange würde Kyle nicht mehr auf die kleine Gruppe warten, so wie er den Mädchen das Versprechen abgenommen hatte. Am liebsten würde er sofort in das Esssaal hereinstürmen, konnte aber schnell nach hinten losgehen. Es wäre ja auch möglich, dass in dem Raum Kriminelle oder Junkies waren. So viele verschiedene Stimmen hörte er nicht heraus, weshalb ihm in den Sinn kam, dass es nicht so viele Menschen sein konnten. Naja, wenn nicht zufällig auch taube Gesellen dabei waren. Mensch, wo blieben denn Aidan und Lea ab?
„Ich gebe ihnen nur noch 2 Minuten“, knurrte Kyle ungehalten und schaute demonstrativ auf seine Armbanduhr, dessen Uhrzeit er nur knapp entziffern konnte.
Megan und Emma nickten dazu nur, wollten sie die Leute im Esssaal nicht auf sich aufmerksam machen. Die Blondine unter ihnen besaß momentan die ausgeschaltete Taschenlampe, welches sie fast wie eine Waffe in ihre Hand hielt. Ihr Herz klopfte so laut, dass sie fast schon Sorge hatte, es könnte aus ihrer Brust springen. Wie ruhig dagegen ihre Freundin wirken konnte, verstand sie nicht. Das es nur äußerlich so war, wusste sie natürlich nicht. Nur Kyle blieb wie die Ruhe selbst, nur die Ungeduld meldete sich. Diese verstreute sich erst, als er eine Hand schon auf den Türgriff hatte und alle drei gleichzeitig Schritte hinter sich hörten. Megan und Emma versteiften sich leicht, drehten sich langsam um und atmeten erleichtert aus. Es waren nur Aidan und Lea, die irritiert wirkten, ihre Freunde vor der geschlossenen Tür vorzufinden.
„Was macht ihr denn da?“, wurden sie sogleich gefragt.
Kyle antwortete darauf nicht und meinte: „Na endlich, dann können wir ja los.“
Ohne weiter abzuwarten, drückte er die Klinge nicht gerade sanft herunter und stieß die Tür von sich. Das erste, was die Freunde mitbekamen, waren zwei Jungs Anfang 20, die um ein paar Jahre jüngeres Mädchen herum standen und auf sie einredeten. Als sie realisierten das sie nicht mehr alleine waren, drehten sie sich erschrocken um. Nachdem sich alle misstrauisch gemustert hatten, begann das große aufatmen und die Erleichterung.
„Habt ihr unsere Rucksäcke geklaut?“, kam Kyle sofort zur Sprache.
Das unbekannte Mädchen schüttelte den Kopf und erklärte mit ihrer glockenheller Stimme: „Nein, sie liegen hinter dem Schreibtisch im Büro von dem früheren Chefarztes, neben unsere Sachen. Wir wollten nicht, dass die Sachen jemand klaut.“
Sie klang etwas verunsichert, als ob sie sich sorgte etwas falsch gemacht zu haben. Diese Tatsache beruhigte nicht nur Kyle und Lea wollte es sich mit eigenen Augen versichern. Sie murmelte davon etwas, bevor sie davonging. Auch als sie nicht mehr zu sehen war, herrschte immer noch ein leichtes Misstrauen zwischen den beiden Gruppen. Deswegen wurden die drei Personen erst mal gemustert. Weder Aidan noch Kyle würden laut zugeben, dass das Mädchen recht hübsch aussah. Sie hatte lange blonde Haare, die gut zu ihren großen blauen Augen passten. Jedoch konnte man durch ihre zierliche Figur und die leichte Blässe im Gesicht annehmen, es reiche schon einen Windstoß, um sie umzupusten. Einer der Jungs hingegen sah ihr schon ähnlich, auch wenn seine Gesichtszüge um einiges maskuliner war, er natürlich kürzere Haare hatte und nicht wie eine Porzellanpuppe ausschaute. Der letzte im Bunde sah ihnen gar nicht ähnlich mit seinen dunkelbraunen Haare und den dunklen Augen so wie den bräunlichen Teint.
„Dann schätze ich mal... Danke dafür“, meinte Emma, auch wenn sie nicht wusste, ob dies der Wahrheit entsprach.
Ein zaghaftes lächeln von dem noch unbekannten Mädchen: „Gerne. Übrigens, ich heiße Leonie und das sind mein Bruder Terry und mein Freund Brandon.“
Sie zeigte auch auf die Personen, die sie meinte. Nur wenige Augenblicke später stellte Aidan sich und seine Freunde vor. Danach erzählten sie sich gegenseitig, wie es dazu kam, dass sie hier gelandet waren. So erfuhren sie, dass die Jungs aus der anderen Gruppe beste Freunde waren und sich gegenseitig angestachelt hatten. Leonie kam nur mit, weil sie ein Auge auf die beiden haben wollte. Auch wurde ihnen schnell klar, wann sie circa angekommen waren. Wahrscheinlich, als die beiden Mädchen der Gruppe sich im Büro des Chefarztes aufgehalten hatte und die Anderen im Keller waren.
„Wartet, seit ihr zufällig sofort nach oben gegangen?“, wollte Megan wissen.
Terry gab zu: „Nicht ganz, die Treppe sah uns zu baufällig aus und wir sind schnell umgekehrt.“
Dies erleichtert die Rothaarige und ihre Freundin ungemein und sie beratschlagten sich, was noch auf die Kappe der Drei ging. Eigentlich so gut wie alles, was die Freunde beunruhigt hatte. Naja, eben fast.
„Und, hast du vorhin geschrien?“, wurde Leonie gefragt.
Diese nickte und erklärte: „Ich dachte jemanden gesehen zu haben, könnte aber auch nur ein Schatten gewesen sein.“
„Und wer von euch hat Klavier gespielt?“, kam es lächelnd von Megan, dessen Gesichtszüge schnell verrutschten, als sie die irritierten Blicke erkannte.
Terry kommentierte: „Wir dachten, es wäre einer von euch gewesen.“
Bei der Aussage wurden Megan, Emma so wie Leonie blass. Jede von ihnen hoffte, die jeweils andere Gruppe scherzte gerade darüber oder wollte sie etwas ängstigen. Damit kamen sie besser klar, als wenn hier ein Geist unterwegs wäre oder sich hier noch eine Person herum schlich.
„A-aber wir haben doch das ganze Gebäude durchsucht“, stotterte Emma erschrocken.
Lea kam wieder hinzu, in ihren Händen die Rucksäcke und die Kamera, die anscheinend noch am laufen war. Diese verteilte sie unter ihren Freunden auf, die dankbar ihre Sachen entgegen nahmen.
Die Schwarzhaarige nahm das Thema wieder auf, welches durch ihr Auftauchen unterbrochen wurde.
„Nicht das ganze Gebäude....“
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