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Die verlassene Psychiatrie

GeschichteKrimi, Thriller / P12
10.01.2020
03.11.2020
11
10.689
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15.06.2020 1.062
 
Seufzend meinte Megan: „Und schon wurden wir hier alleine gelassen.“
„Ach, lass uns das Beste daraus machen“, wurde erwidert.
Beide fragten sich, was das Beste sein konnte. Als hätten sie sich abgesprochen, setzten sie sich hin. Oder wollten es zumindest. Plötzlich unterbrach etwas ihr vorhaben und sie erstarrten halb kniend. Ein knarren. Es hörte sich an, als würde es von der großen Treppe kommen. Nervös wurde gekichert.
Kopfschüttelnd erklärte Megan, auch für sich selber: „Bestimmt sind sie wieder zurück.“
„So schnell?“, wunderte sich Emma.
Die Mädchen wussten, dass es stimmte. Kurz wechselten sie einen Blick, bevor sie beschlossen nachzusehen. Denn das ihre Freunde zurück waren, konnten sie sich nicht vorstellen. Deshalb standen sie auf und lugten vorsichtig aus dem Zimmer. Der Gang war dunkel..... und totenstill. Sollten sie wirklich...?
Leise rief Emma durch den Gang: „Aidan?“
Nichts. Es blieb still. Wieder tauschten sie einen Blick und kamen somit überein, dass die Gruppe wohl nach oben gegangen sein musste, da der sogenannte Keller wohl nicht spannend genug war. Nur warum ließ man sie dann hier alleine? Wurden sie vergessen? Dies glaubten sie eher weniger.
„Sollen wir nachsehen?“, fragte Megan, auch wenn sie eher wenig erpicht darauf war.
Zu ihrem Glück verneinte Emma mit einem kopfschütteln und sie blieben somit, wo sie waren. Nun setzten sie sich hin und wunderten sich, dass sie so ein Knarren hören konnten, da sie Treppe nicht gerade nebenan stand. Naja, leise genug war es ja dafür. Was sollten sie jetzt tun? Abwarten oder nachsehen und zu ihren Freunden dazu stoßen? Sie entschieden sich fürs erstere...

Lange brauchten sie nicht zu warten, bis ihre Freunde auftauchten. Grinsend und Scherze machend, hörten sie die kleine Gruppe schon auf dem Gang und begrüßten sie mit einem erleichterten lächeln.
„Ihr seit aber schnell zurück“, meinte Megan.
Irritiert kommentierte Aidan stirnrunzelnd: „Was heißt schnell? Wir....“
„Also dort unten sieht es echt so aus, als hätte man jemanden gefoltert“, unterbrach Kyle ihn und klopfte leicht mehrmals auf die Kamera, die sein bester Freund festhielt.
So genau wollten die Mädchen es auch nicht wissen und winkten hastig ab von wegen, sich die Einzelheiten zu sparen. Aber was anderes interessierte sie umso mehr.
Emma hakte nach: „Und wie sieht es oben aus?“
„Wieso oben? Wir waren nicht oben“, korrigierte Lea prompt und setzte sich zu ihr hin.
Emma und Megan tauschten schon wieder einen Blick und konnten damit wenig anfangen. Wenn ihre Freunde nicht dort waren, wer dann? Bei den fragenden Blicken erzählten sie, was sie gehört hatten und schnell wurde eine plausible Lösung gefunden.
Aidan meinte schulterzuckend: „Das Gebäude ist alt, vielleicht war es irgendeine Art Durchzug oder so.“
Dies beruhigte die Beiden, auch wenn sie bei Lea nur ein Augenrollen wahrnahmen wegen der Ängstlichkeit und Kyle davon faselte, dass er gerne dabei gewesen wäre, um das zu filmen. Würde seiner Meinung nach einen guten Filmstoff abgeben, worüber sich Sam bestimmt freuen würde.  
„Sag mal, ist die Kamera jetzt die ganze Zeit an?“, wollte Megan besorgt wissen.
Fast schon grinsend antwortete Kyle: „Klar, was dachtet ihr denn?“
Missmutig schauten sich Megan und Emma an. Na toll, wenn die anderen das sahen, hatten sie was zum lachen darüber, wie ängstlich sie sich gerade benommen hatten. Auch wenn Aidan ihnen versuchte ermutigend anzulächeln, kam ihnen nur in den Sinn, dass Kyle es niemals raus schneiden würde. Natürlich war ihnen klar, wie wenig er es mit Absicht tat. Wahrscheinlich war er gerade so in seinem Element, dass er nicht merkte, wie verschreckt die beiden Mädchen gewesen waren. Aber da sie jetzt eine plausible Erklärung bekommen hatten, ging es ihnen besser. Auf so etwas hätten sie eigentlich selber kommen können. Diese verlassene Einrichtung machte sie ein wenig nervös, da sie beide keine Personen waren, die unbedingt Lost Places besuchen mussten. Naja, freiwillig waren sie gewiss nicht hier. Aber wer aus ihrer Gruppe war es schon? Zumindest waren sie nicht alleine, dass war die Hauptsache.
„Dann sollten wir uns tatsächlich nach oben aufmachen“, merkte Kyle an.
Niemand protestierte dagegen, auch wenn es nicht jedem gefiel.

Oben angekommen, erkannten sie recht schnell die Ähnlichkeit zum Erdgeschoss. Oder fast. Das was sich unterschied, waren hier die großen Fenster an beiden Seiten des Ganges und die Bäume, welche recht nah an den teilweise zerbrochenen Fenstern standen. Somit bekam dieses Geschoss einen leicht gruseligen Effekt, welchen von dem heulenden Wind nur verstärkt wurde. Sonst war so gut wie alles gleich.
„Naja, spannend sieht anders aus“, kam es von Kyle, der gegen eine zerbeulte Coladose trat.
Lea drehte sich zu ihm um: „Hör auf herum zu meckern.“
Insgeheim stimmte sie ihm zu, wollte es aber niemanden mitteilen. Es hatte keinen anzugehen. Seufzend wurden ihre Schritte langsamer, so das sie bald neben Emma und Megan her ging. Verwundert banden sie die Dunkelhaarige in ihr Gespräch ein, da Lea eigentlich nur mit Sam unterwegs war oder sonst alleine. Sie sprachen sie nicht darauf an, es hatte sie nicht zu interessieren.
„War das alles?“, wurden die Mädchen aus ihrem Gespräch gerissen.
Erst jetzt erkannten die Drei, dass sie durch das ganze Obergeschoss gelaufen waren. Sie mussten schon einiges durchquert haben, denn es war fast dunkel und es regnete leicht. Auch in das Gebäude. Der Wind heulte ihnen fast um die Ohren, weswegen die Mädchen sich mehr in ihre Jacken verkrochen. Es war gerade noch hell genug, dass sie bis jetzt noch keine Taschenlampe benötigten.
Aidan schaute sich um: „Anscheinend.“
„Dann lass uns herunter gehen“, meinte Emma, die weg von dem Regen und dem starken Wind wollte.
Schulterzuckend drehte Kyle sich um und gefolgt von Aidan, machten sie sich auf den Weg zur Treppe. Lea war knapp hinter ihnen und weder Megan noch Emma wollten alleine hier oben bleiben, denn durch den Wind bewegten sich die Äste von dem Bäumen so stark, dass sie gegen die Wand des Gebäudes klatschten und es dadurch ein unheimliches Geräusch von sich gab. Deswegen waren einige froh, herunter zu gehen. Doch so weit kamen sie nicht, denn irritiert blieb Aidan stehen. Mit einem Wink bat er die anderen, dies ebenfalls zu tun. Auch drehte er seinen Kopf leicht zu seinen Freunden und legte einen Finger auf seinen Lippen, vor allem, als Kyle etwas sagen wollte. Der Braunhaarige schien zu horchen, schüttelte den Kopf und schaute seine Freunde entschuldigend an.
„Was sollte das denn?“, zischte Lea, die nicht besonders laut war.
Nervös lachend erwiderte Aidan: „Ich dachte, ich hätte zwei Stimmen gehört.“
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