Die verlassene Psychiatrie

GeschichteKrimi, Thriller / P12
10.01.2020
14.08.2020
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19.01.2020 1.280
 
Ob sie froh waren der Kälte draußen zu entfliehen, konnten sie momentan noch nicht sagen. Eins sei aber mal sicher, hier drin sah es noch schlimmer aus als draußen. Das Gebäude hatte die besten Tage hinter sich, so marode wie es draußen ausschaute und von der äußerlichen Fassade konnte man die vorherige Bräune fast nur noch erahnen. Einige Fenster waren zerbrochen und es bildete sich hier und da Schimmel. Auch das Gras rundherum sah so aus, als hätte es jahrelang keinen Rasenmäher mehr gesehen. So gesehen konnte es gut möglich sein, da diese Anstalt in den 80er Jahren geschlossen worden war. Niemand kümmerte sich darum, weshalb man sich nicht zu wundern brauchte.
„Das schlimmste heute Nacht wird sein, von einem Junkie ausgeraubt zu werden“, meinte Lea trocken.
Genau dies ließ die Umgebung erahnen, so heruntergekommen alles war. Die Wand hatte an einigen Stellen Einrisse, der Boden war verdreckt und einige Möbelstücke waren umgekippt. Schnell entdeckten sie noch einige Türen und ihnen gegenüber eine Treppe, die nach oben führte. Es schien so unsicher zu wirken mit den zwei fehlenden Treppenstufen und den locker wirkenden Geländer, dass sie sich erst mal noch nicht trauten hinauf zu gehen. Ja, sie wollten sich erst mal hier umschauen. Deshalb wählten sie die erste linke Tür, doch bevor sie es betreten konnten, blieb einer von ihnen stehen und wuselte in seinen Rucksack herum. Es war Aidan, der eine Kamera hervor holte und damit herum werkelte.
„Sam will ja einen Beweis und dies sollten wir ihm liefern.... bevor es dunkel wird“, meinte er und schaltete das Gerät ein.
Prustend korrigierte Lea ihn: „Als ob wir die Nachtfunktion der Kamera außer acht lassen sollen.“
Darauf erwiderte Aidan gar nichts mehr, sondern fing an die Umgebung zu filmen. Aus Langeweile fing Kyle an als Reporter zu fungieren, der über eine Doku berichten wollte. Dies ließ die Mädchen nur kopfschütteln. Schweigend betraten sie den Raum und schauten sich fast schon erschütternd um bei dem, was sie hier erblickten. Es lag nicht an den vielen Betten, die nur einfache weiße Bettgestelle vorwiesen, nein, eher an den leicht zerrissenen Bettdecken und an den vertrockneten Flecken. Dies ließ einiges erahnen, woran man lieber keinen Gedanken verschwenden wollte. Einige der Möbel waren verrückt  und wiesen starke Gebrauchspuren auf. Tja, und die Wände sahen nicht besser aus. Ebenfalls konnte man hier Schimmel erkennen, was Lea die Nase rümpfen ließ.
„Ich hoffe für Sam, dass es hier einen schimmelfreien Raum gibt. Wenn ich dadurch krank werde, dann gnade ihm Gott!“, murrte sie.
Megan konterte darauf: „Tja, meiner Meinung nach wird es ein Wunschdenken bleiben.“
„Lass uns aber dennoch das Beste hoffen“, fügte Emma hinzu.
Erst jetzt bemerkten die Mädchen, dass die Jungs nicht mehr anwesend waren. Erschrocken schauten sie sich um und erkannten gerade noch, wie sie ins nächste Zimmer weiter zogen. Anscheinend waren sie so mit ihrer ´´Reportage´´ beschäftigt, worauf sie alles andere ausblendeten. Hastig justierte Emma kurz ihren Rucksack auf ihren Rücken und schlenderte in Richtung der Jungs, gefolgt von ihren Freundinnen. Nur im nächsten Raum sah es nicht besser aus. Es war das Bad. Hier fehlten einige Fließen an den Wänden und die meisten Spiegel hatten mindestens einen Riss. Auf den Boden war nicht nur Dreck, sondern auch Glassplitter und Holzteile. Irritiert blickten sie sich um und sie wurden an der Decke fündig, welche nicht nur moderig, sondern auch ramponiert wirkte. Von der Badewanne wollte man lieber gar nicht erst anfangen, welches nicht nur moderig war, sondern auch undefinierbare Flecke aufwies. Da hoffte man nur, dass dies kein Blut war....Auf jeden Fall wollte man nicht lange genug in diesem Zimmer bleiben, um es heraus zu finden. Was wohl in diesen Räumen vor Jahrzehnten alles passiert war? Dies wollte man sich nicht mal vorstellen, worauf man diesen Raum nach einer kurzen Musterung verließ und ins nächste ging. Es war wieder ein Schlafraum mit dem gleichen Dreck und Zerstörung wie in dem davor. Mit der Kamera wurde kurz alles festgehalten und auch hier blieb man nicht lange. Ihnen gegenüber war noch eine Tür, welches sie betraten. Diesmal hatten sie das Esszimmer vor sich, was auch diesen jämmerliche Touch hatte. Gegenstände umgekippt, Schimmel überall.....und ein Klavier an der großen Fensterseite. Die Zeit schien es kaum etwas ausgemacht zu haben, wenn man den Staub nicht mitbedachte. Als auch hier alles gemustert wurde,- wobei man den Küchenbereich lieber einmal ausließ- verließ man auch dieses Zimmer. Nun kam die letzte Tür dieser Etage, wobei man beim öffnen einen Gang vorfand. Wieder die gleiche Prozedere, was das Aussehen anging. Nur diesmal waren alle Türen offen, so musste man nicht mehr die Zimmer betreten. Zumindest für die Mädchen ein Vorteil, welche langsam etwas mulmig zumute waren. Vor allem, da einige der Türen aus den Angeln hingen und würden die sich bewegen, mit Sicherheit umheimliche Quietschgeräusche von sich geben würden. Megan und Emma warfen sich Blicke zu, bevor sie Lea folgten. Die Jungs ließen sie ganz in Ruhe, so beschäftigt wie sie mit der Kamera herum hantierten. Schweigend schauten sie sich die Zimmer aus den Gang an und vermieden es, diese zu betreten. Sie erkannten einige Büroräume und sogar Umkleideräume, wo ein Schrank stand. Dort wurden die meisten Türen aus den Angel gerissen oder auch nur geöffnet. Vandalismus ließ grüßen.
„.....in den Keller“, sprach Kyle in die Kamera hinein.
Keller?, fragte Emma stumm ihre Freundin Megan, welche nur mit den Schultern zuckte. Soweit sie wussten, gab es kein Untergeschoss. Schließlich hatten sie keine Treppe nach unten gesehen, nur eine nach oben, die nicht gerade dazu einlud diese zu betreten.
Lea gesellte sich zu ihnen: „Genau, einen Keller. Genau rechts am Gebäude ist der Eingang. Dort soll es Gerüchten zufolge verbotene Experimente gegeben haben.“
„Damit jagst du uns keine Angst ein“, meinte Megan gelassen.
Darauf wurde erwidert: „Habe ich gesagt das ich es vorhatte?“
So ging sie wieder zu den Jungs, die weiter wanderten. Genau in den letzten Raum des Ganges, in das Büro des Chefarztes. Überraschenderweise erkannten sie, dass es hier nicht ganz so schlimm aussah wie in den vorherigen Räumen. Kaum Schimmel, die Gegenstände höchstens nur leicht verrückt und den Boden konnte man fast schon sauber nennen. Seltsam, um ehrlich zu sein.
„Hier können wir unseren Nachtlager aufstellen“, wurde vorgeschlagen.
Naja, ein besseres Zimmer würden sie in diesem Gebäude sicherlich nicht finden, weswegen die Mädchen allesamt einverstanden waren und ihre Rucksäcke auf den Boden stellten. Am liebsten hätten sie es sein lassen, weil sie ihre Sachen nicht unbeaufsichtigt liegen lassen wollten. Andererseits, wer sollte ihnen diese denn klauen? Außer ihnen war hier niemand. Hofften sie zumindest. So wie der Ort ausschaute, würde es sie nicht wundern, wenn wirklich Junkies hier ihr Unwesen trieben, so wie Lea es angesprochen hatte.
Der abenteuerlustige Kyle grinste: „Lass uns mal den Keller durchforsten.“
„Typisch“, schüttelte Aidan leise den Kopf.
Darauf mischte sich Emma ein: „Mit den Folterinstrumenten? Nein danke, habe schon einen Kopfkino.“
„Dann bleibt doch. Es gibt hier eh niemanden, vor den wir euch Mädels beschützen müssen“, konterte Kyle.
Auf einmal gab Lea ihren Senf dazu: „Ich hoffe, du meinst damit nur diese feigen Hühner. Ich komme schließlich mit, damit Sam mich nachher nicht so bezeichnen kann.“
Ihre Stimme klang so murrend, dass man sofort heraushörte, wie wenig Lust sie eigentlich darauf hatte. Nun wandte sie sich seufzend Aidan zu, was der Schwarzhaarige ihr nachtat. Dieser jedoch zuckte nur mit den Schultern, weil es ihm schlichtweg egal war. Er konnte zwar mitkommen, musste es aber auch nicht unbedingt. Da er selber keinen Entschluss fasste, wurde einfach für ihn entschieden. Mit leichtem Druck gegen seinen Rücken, schob Kyle ihn einfach hinaus. Leise Proteste wurden ignoriert und kurz darauf standen Emma und Megan wie bestellt und nicht abgeholt alleine in dem Raum.
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